USASind die Werbespots zum Super Bowl rassistisch?

Coca Cola und Volkswagen in Bedrängnis: Auf YouTube sind ihre Werbeanzeigen zum Finale schon zu sehen. Und kommen vor allem bei Arabern und Jamaikanern nicht gut an.

Mehr als 150 Millionen Menschen werden am Sonntag vor dem Fernseher sitzen – nicht nur, um das Spiel der San Francisco 49ers gegen die Baltimore Ravens zu sehen. Auch die Werbeunterbrechungen sind jedes Jahr ein Spektakel: Firmen geben Millionenbeträge aus, um in den 30 Sekunden Unterbrechung für sich zu werben. Die Vorfreude der Zuschauer auf die aufwendig produzierten, kreativen und meist lustigen Spots ist jedes Jahr groß.

Doch diesmal kommt die Werbung nicht überall gut an. Kontrovers diskutiert wird unter anderem der Spot von Coca Cola:

Anzeige

Das amerikanisch-arabische Anti-Diskriminierungskomitee nannte den Werbespot rassistisch.

 Auf Twitter häufte sich der Protest gegen die Darstellung der rückständigen, dummen Araber:

Coca Cola hat auf die Proteste reagiert: Der Konzern teilte mit, das Video sei Teil einer größeren Kampagne, deren Geheimnis am Sonntag während des Finales gelüftet werden soll. Ein Sprecher des amerikanisch-arabischen Komitees teilte mit, die Gemeinde sei nicht mehr besorgt, seit sie über den vollen Umfang der Kampagne Bescheid wisse.

Auch Volkswagen muss sich rechtfertigen

Im Werbespot von Volkswagen erheitert ein weißer Mann sein Umfeld, weil er mit jamaikanischem Akzent spricht:

Die Anzeige löste ein geteiltes Echo aus: Während es die einen als Beleidigung auffassen und sich darüber beschweren, dass in dem Werbespot kein einziger Schwarzer vorkommt, schreiben andere, ein solches Stimme-Verstellen sei nichts anderes, als sich das Gesicht schwarz anzumalen (Blackfacing). Jamaikas Tourismusminister Wykeham McNeill reagierte unterdessen gelassen: "Wir sehen es als Kompliment. Die Leute sollten ihr inneres Jamaika entdecken und glücklich werden." Der VW-Konzern teilte mit, die Reaktionen auf den Werbespot seien weitgehend positiv. Man werde ihn beim Finale am Sonntag auf jeden Fall im Fernsehen ausstrahlen.

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Leserkommentare
    • Panic
    • 01. Februar 2013 13:10 Uhr

    Na ja, ist ja gang und gebe, dass man in der Werbung gerne Klischees bedient. Davon abgesehen, dass der Coke Spot langweilig ist, sehe ich nicht, wo der Spot rassistisch oder diskriminierend sein soll. Und VW? Uaaaah, ich gähne mich gerade ins Koma. Die Diskussion ist heiße Luft. Wie auch die Spots.

    cheers

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    zwei schöne Stücke Werbung. Und, panic, langweilig? Dann vergleichen Sie doch mal mit der hierzulande üblichen TV-Werbung.

  1. Ich hab mir den Cola-Werbespot nun zweimal angeschaut und noch nicht ganz verstanden, was daran verkehrt sein soll.

    Das einzig problematische an dem Spot ist, dass auf dem Schild am Ende "50 miles" steht und nicht "50 km". Neben den ausufernden Rassismusdebatten eine weitere Baustelle, die man in den Staaten endlich mal angehen sollte.

    5 Leserempfehlungen
  2. In USA kann man herrlich sehen, wie irrwitzig der Anti-Diskriminierungsgedanke wird, wenn man ihn nur konsequent zuende verfolgt.

    In Fragen wie Kollege-Aufnahme etc. klagen ja mittlerweile schon die ersten Hellhäutigen (caucasian) gegen die übermäßige Bevorzugung der benachteiligten...

    Wenn in jedem Werbespot alle Quoten erfüllt sein müssen und dann auch noch keine ethnische Gruppe schlecht weg kommen darf, bleibt nicht mehr viel Raum für kreative Gestaltung.

    Hoffentlich wird's in Deutschland nie so weit kommen, mit dieser verlogenen "Korrektheit"!

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    ich erinnere mich noch wie hier in Deutschland darüber gelacht worden ist, wie ganz USA über die Paetraeus-Affäre diskutiert hat. Nun hat Deutschland seine eigene Debatte. Und mit Lachen sind die USA dran.

    • porph
    • 01. Februar 2013 13:13 Uhr

    Es ist halt Werbung. Da arbeitet man nunmal mit vereinfachten Stereotypen, teilweise mit humoristischem Effekt, teilweise weil man in wenigen Sekunden sonst eine Botschaft gar nicht differenziert rüberbringen könnte. Warum muss sich eigentlich immer Jeder von allem Möglichen angegriffen fühlen? Auch in Deutschland werden dauernd irgendwelche (sub-)nationalen Stereotype bedient, z.B. der Bayer in Lederhosen und Dirndl mit dem Weizen in der Hand, usw. Und in Bayern werden deswegen noch keine deutschen Flaggen verbrannt, soweit ich weiß (ok, in manchen Kreisen vielleicht doch, aber das ist eine andere Geschichte... Achtung, Augenzwinkern).

    3 Leserempfehlungen
  3. Hab jetzt mal bei YouTube nachgeschaut aber die Kommentare zur VW-Werbung sind relativ positiv ... ebenso werden schlechte Kommentare kritisiert. So z. B. der am besten bewertetest Kommentar:

    "Anyone on here saying anything bad about this comercial is an idiot.... I'm 100% Jamaican and i love this comercial...." Quelle YouTube.com

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    "Das dumme an Zitaten aus dem Internet ist, dass man nie sicher sein kann, von wem sie wirklich sind." - Leonardo da Vinci

  4. ... sprechen allerdings auch Weiße so. Und jetzt?

    6 Leserempfehlungen
    • Panic
    • 01. Februar 2013 13:34 Uhr

    Ich hab ihn wieder gefunden. Mein Liebling vom Superbowl. Der Bowl ist von der Platzierung das Teuerste im Werbeblock. WIe schon erwähnt, wollen Companies da immer mit aussergewöhnlichen Spots auffallen. Und das Thema "Teuerste Platzierung" schwebt über allem. Deshalb hier mal gut angelegtes Budget:

    http://www.youtube.com/watch?v=C8IzL2k5kO0

    Have fun & cheers

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    • Tetsu
    • 01. Februar 2013 13:36 Uhr

    Sei es Rassismus, Sexismus oder ein anderes vergleichbares Thema, kaum wird irgendwo gegen Diskriminierung vorgegangen, was ja Erstmal Lobenswert ist entsteht sofort eine Art Eigendynamik wo ganze Gruppen sich auf die Suche danach zu machen scheinen welcher harmlose scherz als Diskriminierung gegen sie ausgelegt werden könnte, oder wenn das nicht möglich ist zumindest gegen jemanden anderen für den sie sich stellvertretend beleidigt fühlen können.
    Man traut sich heute ja gar nicht mehr eventuell fragwürdiges Verhalten zur Sprache zu bringen, weil man sicher sein kann dass sofort ein oder mehrere Geier aufkreuzten die ihre Chance gekommen sehen "gegen Diskriminierung und für Gerechtigkeit" zu kämpfen...
    Die gezeigten Werbespots sind aus meiner Sicht harmlos (wieso sind die Beduinen dort "rückständig" wenn sie sich Tankstellenunabhängig machen und bin ich rassistisch wenn ich zur Erheiterung anderer anfange zu Sächseln) - wenn man so will ist jeder Witz Rassistisch, da er auf kosten von irgend jemanden geht, darauf Rücksicht zu nehmen, führt uns aber geradewegs in den Puritanismus und dort zählt es als political correctness, anderen die Stimmung zu verderben...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, sk
  • Schlagworte USA | Volkswagen | Coca-Cola | Anzeige | Ass | Echo
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