GerichtVergewaltigte Frau bekommt Rekord-Schmerzensgeld

Einer Frau, die entführt und vergewaltigt wurde, stehen laut Gericht 100.000 Euro Schmerzensgeld zu. Das ist die höchste Summe, die ein Vergewaltigungsopfer je erhielt.

Das Wuppertaler Landgericht hat einer jungen Frau ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zugesprochen. Die heute 20-jährige Frau war als 16-jährige Schülerin in Solingen von einem Mann entführt, tagelang in seinem Haus gefangen gehalten und mehrfach vergewaltigt worden.

Das Landgericht ging mit der Summe über die Forderung der Frau hinaus. Es ist nach Angaben der Richter das höchste bislang in Deutschland verhängte Schmerzensgeld für ein Vergewaltigungsopfer. Das Gericht hatte zuvor auf die besonders schwerwiegenden Umstände der Tat hingewiesen.

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Bisher hat der Täter 20.000 Euro an sein Opfer gezahlt. Er war 2009 wegen besonders schwerer Vergewaltigung und Entführung zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

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Leserkommentare
  1. Es ist gut, dass es überhaupt mal möglich war und gemacht wurde, so eine Summe in so einem Fall in einem Gerichtssaal laut auszusprechen!

    Das ist immerhin schon mal ein Zeichen, und auch wenn die junge Frau sich schwerlich wird ganz befreien können von dem Trauma, so hat sie doch immerhin ein Stück Genugtuung erhalten.

    Ich vermute, das Gericht hat sich schon was gedacht dabei. Vielleicht besitzt der Mann ein Haus oder andere Vermögenswerte, es sind ja nicht nur arme Schlucker Verbrecher.

    (BTW: Ich könnte mir vorstellen, dass ordentlich hohe Schmerzensgeldsummen eher abschreckende Wirkung für potenzielle Wiederholungstäter haben als ein paar Monate Knast.)

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    • Mike M.
    • 05. Februar 2013 12:50 Uhr

    ... (Entführung, mehrfache Vergewaltigung) bekommt man viele Jahre Knast (im oberen einstelligen oder zweistelligen Bereich). Man sollte nicht immer so tun, als würden Verbrecher in Deutschland überhaupt nicht bestraft.

  2. wenn es nicht nur eine populistische Schaumschlägerei sein sollte, sprich: wenn der Täter bezahlen kann und das Opfer das Geld auch tatsächlich bekommt.

    Schön wäre aber AUCH, wenn die Gerichte in Fällen staatlicher Freiheitsberaubung von MEHREREN JAHREN aufgrund von Fehlurteilen oder gar gezielten Intrigen (Fall Mollath!) eine entsprechend hohe Entschädigung vorsehen würden.

    Was kostet ein geraubtes Jahr? Ein geraubtes Jahrzehnt? Ein geraubtes Leben?

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    • clair11
    • 05. Februar 2013 12:31 Uhr

    Wenn eine Inhaftierung aufgrund eines Fehlurteils nachgewiesen wird, dann wäre es auch folgerichtig, dass das Justizopfer besser entschädigt wird als jetzt.

    Sie vergessen aber dabei:

    Was zahlt der Staat an Opfer, die an staatlichen Institutionen vergewaltigt oder missbraucht wurden?

    Was zahlt der Staat an Opfer, die Opfer wurden, weil der Staat diese Vergewaltiger trotz vorherige Anzeige nicht verurteilt hatte?

    Was bekommen Opfer, welche aufgrund der Traumafolgen in (normale) Psychiatrie zwangseingewiesen wurden?

  3. Ich hoffe, das Urteil hat Signalwirkung und wird Schule machen.

    Es sei daran erinnert, dass die Katholische Kirche Opfern im Durchschnitt 5.000 Euro anbot, auch für z.T. jahrelangen sexuellen Missbrauch / Vergewaltigungen.

    Es gab kürzlich noch ein anderes richtungsweisendes Urteil, das in der Presse etwas untergegangen ist. In einem Strafverfahren hat das Gericht in Kempten/Allgäu einen Vater wegen des jahrelangen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter zu zwölf Jahren Haft verurteilt. In vergleichbaren Fällen waren bisher oft nur zwei Jahre auf Bewährung verhängt worden.

    In einer Gesellschaft, die notorische Schwarzfahrer in den Knast steckt, wo das Fälschen von S-Bahn-Karten zu Gefängnisstrafen ohne Bewährung führt und Raub immer noch härter bestraft wird als Verbrechen gegen die körperliche/seelische Unversehrtheit, kann man solche Urteile nicht hoch genug schätzen.

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    • clair11
    • 05. Februar 2013 12:34 Uhr

    Es sei daran erinnert, dass die Katholische Kirche Opfern im Durchschnitt 5.000 Euro anbot, auch für z.T. jahrelangen sexuellen Missbrauch / Vergewaltigungen.
    ------------

    Es sei auch dran erinnert, dass diese Zahlung durch die Kirche letztendlich freiwilig bleibt, weil der Runde Tisch nicht geschafft hat, die institutionelle Haftungsfrage bei Gewalttaten in Institutionen zu thematisieren.

    In diesem Fall geht es um Zahlung durch den individuellen Täter selbst.

    • clair11
    • 05. Februar 2013 12:31 Uhr
    12. Fragen

    Wenn eine Inhaftierung aufgrund eines Fehlurteils nachgewiesen wird, dann wäre es auch folgerichtig, dass das Justizopfer besser entschädigt wird als jetzt.

    Sie vergessen aber dabei:

    Was zahlt der Staat an Opfer, die an staatlichen Institutionen vergewaltigt oder missbraucht wurden?

    Was zahlt der Staat an Opfer, die Opfer wurden, weil der Staat diese Vergewaltiger trotz vorherige Anzeige nicht verurteilt hatte?

    Was bekommen Opfer, welche aufgrund der Traumafolgen in (normale) Psychiatrie zwangseingewiesen wurden?

    Antwort auf "Richtig,"
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    die Intention Ihrer Fragen unterstützen, WENN sie nicht mit dem "aber" einen Gegensatz aufbauen würden, dessen Sinn und Inhalt sich mir nicht wirklich erschließt: Soll das eine Verbrechen ein Argument gegen die Bestrafung des anderen sein? Das eine Leid ein Argument gegen die "Entschädigung" (blödes Wort!) des anderen?

  4. die Höhe der Summe schreckt vielleicht ab. Zu hoffen wäre das!

    Wach bleiben!

    • clair11
    • 05. Februar 2013 12:34 Uhr

    Es sei daran erinnert, dass die Katholische Kirche Opfern im Durchschnitt 5.000 Euro anbot, auch für z.T. jahrelangen sexuellen Missbrauch / Vergewaltigungen.
    ------------

    Es sei auch dran erinnert, dass diese Zahlung durch die Kirche letztendlich freiwilig bleibt, weil der Runde Tisch nicht geschafft hat, die institutionelle Haftungsfrage bei Gewalttaten in Institutionen zu thematisieren.

    In diesem Fall geht es um Zahlung durch den individuellen Täter selbst.

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    "Es sei auch dran erinnert, dass diese Zahlung durch die Kirche letztendlich freiwilig bleibt, weil der Runde Tisch nicht geschafft hat, die institutionelle Haftungsfrage bei Gewalttaten in Institutionen zu thematisieren."

    Es sei schließlich auch noch daran erinnert, dass es für eine Institution, die sich den Lehren Jesu verschrieben hat, eigentlich unwürdig ist, sich hinter der gesetzlichen Verjährung zu verstecken und Opfer von schlimmen sexuellen Verbrechen, die sich ein Leben lang auswirken, mit Summen abspeisen zu wollen, die, vor dem Hintergrund der wiederholten Vertuschung, einfach lächerlich sind.

  5. Behandlungskosten sind iRv Schadensersatz zu bezahlen- damit hat das Schmerzensgeld gar nichts zu tun.

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    • clair11
    • 05. Februar 2013 12:51 Uhr

    Und wenn die Berichterstattung stimmt und der Schadensersatz noch extra ist - dann ist die Frage, welche Ansprüche zuerst bedient werden.

    Regressforderungen der Krankenkasse bzw. des Versorgungsamtes wegen der Behandlungskosten?

    Oder doch die Forderungen des Opfers selbst.

  6. "Es sei auch dran erinnert, dass diese Zahlung durch die Kirche letztendlich freiwilig bleibt, weil der Runde Tisch nicht geschafft hat, die institutionelle Haftungsfrage bei Gewalttaten in Institutionen zu thematisieren."

    Es sei schließlich auch noch daran erinnert, dass es für eine Institution, die sich den Lehren Jesu verschrieben hat, eigentlich unwürdig ist, sich hinter der gesetzlichen Verjährung zu verstecken und Opfer von schlimmen sexuellen Verbrechen, die sich ein Leben lang auswirken, mit Summen abspeisen zu wollen, die, vor dem Hintergrund der wiederholten Vertuschung, einfach lächerlich sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Entführung | Euro | Gericht | Landgericht | Opfer | Richter
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