GerichtVergewaltigte Frau bekommt Rekord-Schmerzensgeld

Einer Frau, die entführt und vergewaltigt wurde, stehen laut Gericht 100.000 Euro Schmerzensgeld zu. Das ist die höchste Summe, die ein Vergewaltigungsopfer je erhielt.

Das Wuppertaler Landgericht hat einer jungen Frau ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zugesprochen. Die heute 20-jährige Frau war als 16-jährige Schülerin in Solingen von einem Mann entführt, tagelang in seinem Haus gefangen gehalten und mehrfach vergewaltigt worden.

Das Landgericht ging mit der Summe über die Forderung der Frau hinaus. Es ist nach Angaben der Richter das höchste bislang in Deutschland verhängte Schmerzensgeld für ein Vergewaltigungsopfer. Das Gericht hatte zuvor auf die besonders schwerwiegenden Umstände der Tat hingewiesen.

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Bisher hat der Täter 20.000 Euro an sein Opfer gezahlt. Er war 2009 wegen besonders schwerer Vergewaltigung und Entführung zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

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Leserkommentare
    • F.R.
    • 05. Februar 2013 11:18 Uhr

    aber auf keinen Fall GENUG!

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    • Derdriu
    • 05. Februar 2013 11:01 Uhr

    Das ist ein schönes Zeichen. Allerdings wird die junge Frau, die dieses Martyrium als Teenager durchlitten hat, psychisch lange darunter leiden, evtl. ein Leben lang. Da hilft auch kein Geld. Allerdings kann sie sich damit die Therapien leisten und vl. tut sie sich damit etwas Gutes und spürt ein wenig Genugtuung.

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    Um es Vorweg zu sagen: Ich gönne ihr das Geld und möchte Vergewaltigungen auch nicht klein reden, trotzdem würde es mich interessieren ob jemand Statistiken kennt, welche die Folgen von Vergewaltigungen beleuchten. In besagtem Kontext heißt es immer, dass das Leben nach einer Vergewaltigung zerstört sei und das Opfer für den Rest seines Lebens psychisch darunter zu leiden habe. Bei anderen dramatischen Ereginissen (z.B. Kriegseinsätze, Überlebte Amokläufe oder Mordversuche) sind zwar auch drastische Folgen bekannt, aber weit davon entfernt so pauschal als unmittelbare und unabwendbare Folge definiert zu sein.

    • lm.80
    • 05. Februar 2013 16:07 Uhr

    Es spielen bei der Vergewaltigung zwei Kräfte eine Rolle: Die Tat an sich, und das Stigma, dass das Opfer von der Gesellschaft aufgedrückt bekommt (im Positiven wie im Negativen) - wie hier im Forum zu lesen. Als Opfer einer solchen Tat würde ich nicht ständig Mitleidsbekundungen hören wollen, da es nicht förderlich ist für ein weiteres Fortkommen. Dieses Stigma ist bei anderen Fällen, die sie auflisten, weitaus weniger groß.

  1. Ich hoffe, das Urteil hat Signalwirkung und wird Schule machen.

    Es sei daran erinnert, dass die Katholische Kirche Opfern im Durchschnitt 5.000 Euro anbot, auch für z.T. jahrelangen sexuellen Missbrauch / Vergewaltigungen.

    Es gab kürzlich noch ein anderes richtungsweisendes Urteil, das in der Presse etwas untergegangen ist. In einem Strafverfahren hat das Gericht in Kempten/Allgäu einen Vater wegen des jahrelangen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter zu zwölf Jahren Haft verurteilt. In vergleichbaren Fällen waren bisher oft nur zwei Jahre auf Bewährung verhängt worden.

    In einer Gesellschaft, die notorische Schwarzfahrer in den Knast steckt, wo das Fälschen von S-Bahn-Karten zu Gefängnisstrafen ohne Bewährung führt und Raub immer noch härter bestraft wird als Verbrechen gegen die körperliche/seelische Unversehrtheit, kann man solche Urteile nicht hoch genug schätzen.

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    • clair11
    • 05. Februar 2013 12:34 Uhr

    Es sei daran erinnert, dass die Katholische Kirche Opfern im Durchschnitt 5.000 Euro anbot, auch für z.T. jahrelangen sexuellen Missbrauch / Vergewaltigungen.
    ------------

    Es sei auch dran erinnert, dass diese Zahlung durch die Kirche letztendlich freiwilig bleibt, weil der Runde Tisch nicht geschafft hat, die institutionelle Haftungsfrage bei Gewalttaten in Institutionen zu thematisieren.

    In diesem Fall geht es um Zahlung durch den individuellen Täter selbst.

  2. "(...) würde es mich interessieren ob jemand Statistiken kennt, welche die Folgen von Vergewaltigungen beleuchten"

    Es gibt Statistiken, die zeigen, bei welchen Ereignissen wieviel Prozent der Betroffenen eine "posttraumatische Belastungsstörung" (PTSD) entwickeln.

    Vergewaltigung ist das Ereignis mit der höchsten Traumatisierungsrate (50%). Dies bezieht sich auf die psychiatrische Definition von "posttraumatischer Belastungsstörung", umfasst aber Dinge wie z.B. Probleme im sexuellen Bereich als Traumafolge noch nicht. D.h., wenn 50% der Opfer eine "klassische" posttraumatische Belastungsstörung entwickeln, kann es trotzdem noch weitere Traumafolgen geben, die in der Statistik nicht mit berücksichtigt wurden.

    Eine Vergewaltigung wird in vielen Fällen das Opfer mehr schädigen als z.B. eine schwere Körperverletzung, weil die Erfahrung, dass die Körpergrenzen ignoriert wurden und der Körper nicht nur "außen", sondern "innen" geschädigt wurde, noch einmal besonders belastend ist.

    Allgemein führen durch Menschen hervorgerufene Schädigungen öfter zu einer Traumatisierung als Ereignisse wie ein Flugzeug- oder Bahnunglück. (Was logisch ist: Menschen werden danach potentiell als nicht mehr vertrauenswürdig eingestuft.)

    Zu den typischen Schäden zählen Flashbacks (bildliche, akustische oder Körpererinnerungen von der Tat, die genauso intensiv erlebt werden wie während des Verbrechens, oft mehrmals täglich, Alpträume, Panikattacken, Depressionen, chronische Erschöpfung u.a.).

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    Antwort auf "Statistiken"
    • EmilyC
    • 05. Februar 2013 11:11 Uhr
    2. Na...

    ... ob diese 100.000€ mal reichen werden, überhaupt die Therapie zu bezahlen, die das arme Mädchen wohl brauchen wird...

    Sehr schwierige Sache, einen scheinbar angemessenen Geldbetrag zu finden, der eine derartige Verletzung von Körper und Psyche eines Mädchens aufwiegen soll.
    Ich beneide die Richter nicht darum, eine solche Entscheidung fällen zu müssen.

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    • Fachnir
    • 05. Februar 2013 13:13 Uhr

    Meine Mutter war Sozialarbeitern in den 1980ern. Ich war damals ein Teenie. Als sie ein vergewaltigtes 17-jähriges Mädchen zu Gericht begleitete, erhielt der Täter eine Beewährungsstrafe (die ich bis heute nicht verstanden habe: nicht noch mal machen??? ist schon die Strafe). Ich war entsetzt: wie kannst du das ertragen, fragte ich. Sie antwortete: Ich war schon froh, dass sie mir das Mädchen vor Gericht nicht komplett auseinandergenommen haben.

    Sicherlich hat ein Schmerzensgeld eine gewissen positiven, hoffentlich heilsamen Effekt für das Opfer, soweit möglich.Zumindest erkennt die Gesellschaft hier öffentlich das Leid und die Versehrung an.

    Aber v.a. geht es um ein verstärktes Ernstnehmen von sexueller Gewalt in der Gesellschaft, bei Polizei und Gericht, im Strafrecht, um eine grundsätzliche und strikte gesellschaftliche Ächtung, um Männer, die sich an die Seite von Frauen stellen, die auch sexistische Äußerungen als Teil des Gesamtproblems verstehen, Frauen, die nicht sagen: ach ich bin ja gar kein Opfer,mir ist das noch nie passiert. Was so viel heisst wie: wer zum Opfer wird, ist selber Schuld, na Danke.

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    • clair11
    • 05. Februar 2013 13:23 Uhr

    Vergewaltigungsanzeigen werden häufig eingestellt oder in Körperverletzungs- Beleidigungs- oder Nötigungsverfahren umgewandelt.

    Man kann als Opfer tatsächlich froh sein, wenn der Täter überhaupt irgendwie verurteilt wurde, auch nur zur Bewährungsstrafe - und vor allem wenn man nicht vom engagierten Verteidiger bis zur völligen Retraumatisierung auseinandergenommen wurde.

    Schmerzensgeld hilft dem Opfer schon, und viel mehr als eine härtere Strafe. Es geht nicht darum, dass man mit dem Geld schönes Leben machen kann - sondern es geht drum, dass man aus dem Geld den Lebensunterhalt bezahlen kann in Zeiten, wo man traumabedingt nicht viel verdienen kann, oder dass man Therapien bezahlen kann, was die Kasse oder Versorgungsamt nicht zahlen.

    • Fachnir
    • 06. Februar 2013 19:00 Uhr

    Hallo clair11,

    Ich finde das Schmerzensgeld auch richtig und wollte sicher nicht sagen, dass es nicht gebraucht wird. Ich denke aber, man kann das eine tun und das andere nicht lassen.

    Denn es gibt neben der Hilfe für die Frau auch die Signale in einer Gesellschaft, die es braucht, damit immer weniger Frauen sexuelle Mißhandlung und Gewalt erleiden müssen. Oder?

    Gruß
    Fachnir

  3. Ein Leben so zu zerstören kann durch Geld, egal welche Summe, nie wieder "gut gemacht" werden.

    Der Schaden wird bleiben. Dennoch hoffe ich für das Opfer, dass sie lernt damit zu leben, dass sie sich nicht aufgibt und nicht - wie viele andere - in Depressionen fällt.

    Was den Betrag angeht: Er macht nichts wieder gut. Kein Betrag tut das. Aber je höher desto besser! Der Täter soll so auch auf ewig an seine Tat erinnert werden, wenn er sich nichts leisten kann, weil er alles an sein Opfer abgeben muss. Das macht nichts wieder gut, ich weiß. Aber immerhin wird nun auch eher unter seiner Tat leiden (wenn leider auch nur finanziell, Kastration wurde ja abgeschafft - LEIDER).

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    • clair11
    • 05. Februar 2013 11:58 Uhr

    Die Summe ist in der Tat ungewöhnlich hoch. So manche Vergewaltigungsopfer bekommen 500 Euro. Viele Opfer bekommen gar nichts und müssen sogar Kosten für den Prozess tragen.

    Allerdings:

    "Das Wuppertaler Landgericht hat einer jungen Frau ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zugesprochen."

    Zugesprochen bedeutet, dass das Geld dem Opfer zusteht. WENN der Täter zahlungsfähig ist. Das ist bei inhaftierten Tätern meistens nicht der Fall.

    Daher kann man gar nicht sagen, ob:

    "Das ist die höchste Summe, die für eine solche Tat je gezahlt wurde."

    stimmt.

    Und wenn der Täter diese Summe aufbringen kann (auch durch Kredit von Freunden o.ä.), wird das als Wiedergutmachung gewertet und könnte dazu führen, dass er früher aus der Haft entlassen wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Entführung | Euro | Gericht | Landgericht | Opfer | Richter
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