ZweibrückenAnti-Alkohol-Kampagne diskriminiert Homosexuelle

Mit dem Spruch "Nüchtern cool, saufen schwul" wollte die Stadt Zweibrücken vor Drogenkonsum warnen. Nach massiver Kritik an dem Spruch wurde die Aktion beendet.

Der kritisierte Kalender aus Zweibrücken

Der kritisierte Kalender aus Zweibrücken  |  © Screenshot/Pfälzischer Merkur

Die Stadt Zweibrücken in Rheinland-Pfalz wird für einen Wandkalender für Jugendliche heftig kritisiert. Der Kalender soll vor Drogenmissbrauch warnen und versucht dies durch Sprüche zu erreichen, die der Verwaltung offenbar als jugendlich-zeitgemäß gelten. Allerdings haben die Mitarbeiter der Stadt dabei auch einen Spruch aufgenommen, der Homosexuelle diffamiert.

Das Magazin Queer berichtet, dass neben Slogans wie "Drogen machen hässlich", "Bist du high, sagst du Bye" oder "Schon mal ins Gras gebissen" auch vor zu viel Alkohol gewarnt wird: "Nüchtern cool, saufen schwul", heißt es an einer Stelle.

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Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) reagierte empört. "Es ist unfassbar, dass die Stadt Zweibrücken das Wort 'schwul' mit Alkoholmissbrauch gleichsetzt. Dieser Kalender ist mit öffentlichen Geldern geförderte Homophobie", teilte der Verband mit. Der Oberbürgermeister von Zweibrücken wurde aufgefordert, den Kalender sofort zurückzuziehen.

"Die Kritik ist berechtigt, das ist nicht optimal gelaufen", sagte ein Sprecher der Stadt. Der Kalender sei inzwischen zurückgezogen worden. Die Seiten hätten Jugendliche in Jugendsprache gestaltet. Anschließend sei der Spruch wohl "durchgerutscht". Der Internationale Bund (IB), der zusammen mit Zweibrücken den Kalender herausgegeben hat, soll bereits alle Kalender vernichtet haben.

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Leserkommentare
  1. Klar, kann ja mal durchrutschen, so ein Spruch, fällt ja auch überhaupt nicht auf *kopfschüttel*

    24 Leserempfehlungen
    • Nexic
    • 01. Februar 2013 18:01 Uhr

    Mit solchen Sprüchen will man die Jugend vom saufen abhalten?

    Ha, na dann viel Glück!

    Der Prozentsatz der Jugendlichen die sich von so einem durchschaubaren erhobenen Zeigefinger beeindrucken lassen liegt nicht mal im Promille bereich.
    Der inflationäre Gebrauch von Jugendsprache hilft da auch nicht, macht das ganze nur noch peinlicher. Spätestens bei dem Homophoben Spruch hätte doch jemand auffallen sollen das das totaler Blödsinn ist.

    18 Leserempfehlungen
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    Wahlplakat zur Hochschulwahl an der Uni:

    "Nicht wählen = Epic fail"

    Muss man noch mehr sagen?

  2. Die Tölpel, die sich diesen Spruch ausgedacht haben, sollten ihr Honorar komplett an eine Suchtklinik überweisen - und mal vier Wochen Praktikum vor Ort machen. So geht es echt nicht.

    12 Leserempfehlungen
  3. Mal abgesehen von der dilettantischen grafischen Aufmachung und der peinlichen Ansprache an Jugendlichen ist dieser Spruch wirklich eine Zumutung.

    Auch wenn viele Jugendliche selbst "schwul" als Schimpfwort benutzen, muss man ihnen diese Albernheit nicht noch nachmachen. Gerade in einem Kalender, der den Anspruch hat erzieherisch zu wirken.

    Die Jugend ist nunmal identitätstechnisch die schlimmste und sozial kritischste Phase von Homosexuellen. Nicht umsonst ist die Selbstmordrate unter homosexuellen Teenagern deutlich erhöht. Das Mobbing ist sicher schlimmer als die Gefahren durch Alkohol, vor dem man so schön warnen möchte ...

    16 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 01. Februar 2013 18:18 Uhr

    Wenn der Spruch von Jugendlichen kann, Ball flach halten. Schwul ist für manche Synonym für alles Mögliche. Dennoch war es natürlich absolut richtig, die Kalender zurückzuziehen.

    Eine Leserempfehlung
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    ...muss es ein Erwachsener abnicken oder glauben Sie die qurden von deren Taschengeld gedruckt?

    Unterste Schublade ist dieses Poster und das noch auf Kosten von Steuergeldern.

  4. aber bei Queer.de ist was der CDU Mann Rolf Franzen, der auch Jugend und Schuldezernent ist, dazu zu sagen wusste:

    "Die Stadt Zweibrücken sieht die Gleichsetzung allerdings locker: Man solle das Thema "nicht so extrem hoch hängen, das ist sicherlich nicht gegen Schwule gerichtet", erklärte der Zweibrücker Jugend- und Schuldezernent, Rolf Franzen (CDU), im "Pfälzischen Merkur". Zwar sei die Verwendung von "schwul" ein "Lapsus", Schüler nutzten das Wort aber "leider" von sich aus als Schimpfwort. Franzen glaubt sogar, dass der Kalender positive Auswirkungen haben könne: "Vielleicht knüpfen Lehrer im Unterricht daran an, und man kann so die Brisanz deutlich machen, schwul als Schimpfwort zu benutzen." "

    Nicht nur als Homosexueller sollte man da echt aufschreien. Wie kann man sagen, man könne ruhig abwertende Sprache benutzen, weil sie nunmal von den Jugendlichen benutzt würde? Man o man, sowas hört man echt nur von der CDU,der Anti-Menschenrechts Partei

    15 Leserempfehlungen
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    • WABler
    • 01. Februar 2013 23:08 Uhr

    . . . ich würde folgendes öffentlich behaupten und immer wieder wiederholen:

    "Der Zweibrücker Jugend- und Schuldezernent, Rolf Franzen, CDU, ist schwul!"

    Wie locker würde der Gute das sehen und wie extrem hoch würde er dann das Thema hängen?

    Schlimm, was da "Jugendliche in Jugendsprache" fabriziert haben.
    Noch schlimmer, dass so etwas "durchrutschen" kann!

  5. ...muss es ein Erwachsener abnicken oder glauben Sie die qurden von deren Taschengeld gedruckt?

    Unterste Schublade ist dieses Poster und das noch auf Kosten von Steuergeldern.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Immer ruhig bleiben"
  6. "Anti-Alkohol-Kampagne diskriminiert Homosexuelle."

    Für Jugendliche macht es einen Unterschied ob JEMAND schwul ist (=homosexuell) oder ETWAS schwul ist (=uncool, blöd) und das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. In der Jugendsprache wird 'schwul' nicht benutzt um damit Homosexuelle zu diskriminieren und wurde das auch nie.

    Ob sich allerdings die Kampagne mit der Verwendung von Jugendsprache einen Gefallen tut, darüber lässt sich sicherlich streiten.

    12 Leserempfehlungen
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    "In der Jugendsprache wird 'schwul' nicht benutzt um damit Homosexuelle zu diskriminieren und wurde das auch nie."

    Ach ja? Ist das so? In welchem Paralleluniversum leben Sie?

    • gorgo
    • 01. Februar 2013 20:00 Uhr

    Sie schreiben "Für Jugendliche macht es einen Unterschied ob JEMAND schwul ist (=homosexuell) oder ETWAS schwul ist (=uncool, blöd) und das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun."

    Na, dann haben Sie sicher auch gar nichts dagegen, wenn demnächst sagen wir, weibliche Jugendliche, z.b. das Wort "Mann" statt "uncool" benutzen:

    "Verpiss Dich, Du Mann" "Schon wieder versagt, Du Mann"...

    Wenn Erwachsene solchen Blödsinn verzapfen, dann wundert man sich gar nicht mehr, dass es trotz Öffnung der Gesellschaft auch immer einige Jugendliche gibt, die übergriffig werden oder die Rechte anderer im Wortsinn mit Füßen treten.
    Und liebe Redaktion: Es gibt Dinge, die man Blödsinn nennen muss, wenn man nicht den letzten Rest Selbstachtung verloren hat. Also bitte auf Zensur zu verzichten...

    "Für Jugendliche macht es einen Unterschied ob JEMAND schwul ist (=homosexuell) oder ETWAS schwul ist (=uncool, blöd) und das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. In der Jugendsprache wird 'schwul' nicht benutzt um damit Homosexuelle zu diskriminieren und wurde das auch nie."

    Selbstverständlich diskriminiert die Verwendung von "schwul" in Bezug auf Dinge/Umstände auch Homosexuelle, da "schwul" ja ganz offensichtlich gleich gesetzt wird mit uncool/unerwünscht/etc.

    Daher sollte man vermeiden, dass sich ein Begriff wie "schwul" (der eigentlich wertneutral sein sollte) eine derartig negative Konnotation im Sprachgebrauch erhält - egal, ob er sich nun auf ETWAS oder JEMANDEN bezieht!!

    Glauben sie nicht, dass Jugendliche, die unangenehme Dinge/Umstände ständig als "schwul" beschimpfen, auch eher dazu tendieren könnten, eine subtile, negative Grundeinstellung gegenüber dem "Schwul"-Sein von Personen zu entwickeln?

    dass es unter homosexuellen Jugendlichen eine erhöhte Selbstmordrate gibt, ist ihr Kommentar zynisch und gemein. GERADE Jugendliche können einen Altergenossen in Grund und Boden mobben. Eine solche abwertende Sprache auch noch zu verteidigen und zu fördern, indem man sie als Werbemittel nutzt ist kontra der Stärkung der Toleranz für Homosexuelle, besonders im Jugendalter!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte Alkohol | Alkoholmissbrauch | Droge | Jugendliche | Jugendsprache | Oberbürgermeister
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