NSU-Prozess: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
Das Oberlandesgericht München rückt nicht von seiner Akkreditierungsliste ab. Damit bleibt türkischen Medien beim NSU-Prozess ein garantierter Platz im Saal verwehrt.
© Peter Kneffel/dpa

Ein Absperrband im Sitzungssaal 101 des Oberlandesgericht München (Archivbild)
In drei Wochen startet der NSU-Prozess – und türkische Medien werden keinen festen Platz im Gerichtssaal haben. Obwohl Politiker und Juristen für eine pragmatische Lösung im Streit um die Akkreditierungsliste für Journalisten werben, bleibt das Gericht hart: Am Zulassungsverfahren und an der Akkreditierungsliste werde sich nichts ändern, sagte der Präsident Karl Huber. Weiter sprach er sich gegen eine Videoübertragung des Prozesses für Journalisten in einem anderen Gerichtssaal aus. Dies hatten namhafte Juristen und auch Politiker zuvor erneut gefordert.
Türkische Journalisten könnten sehr wohl aus dem Prozess berichten, sagte Huber. Dazu müssten aber akkreditierte Kollegen auf ihren Platz verzichten. Zudem müssten ihnen die Kollegen den Vortritt lassen, die in der Schlange vorne stünden. "Damit besteht die Möglichkeit, dass auch türkische Journalisten bei einer Solidarität der deutschen Kollegen an dem Verfahren teilnehmen können", sagte der Gerichtspräsident. Diese Regelung ist jedoch nicht neu: Das Gericht hatte sie bereits zusammen mit den Akkreditierungslisten bekannt gemacht.
Das Verfahren gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer wird am 17. April beginnen. Am Montag hatte das Oberlandesgericht die Liste der zugelassenen Medien veröffentlicht. Kein türkisches Medium hat einen der 50 reservierten Plätze für Journalisten im Gerichtssaal bekommen. Dabei hatten acht der zehn Opfer türkische Wurzeln. Die Akkreditierungen wurden strikt nach Eingang der Anmeldungen vergeben.
Die türkische Regierung hat einen besseren Zugang türkischer Medien bei dem bevorstehenden NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht gefordert. Angesichts der Bedeutung des Verfahrens für die Türken in Deutschland und die Öffentlichkeit in der Türkei sei zu wünschen, dass das Gericht seine bisherigen Entscheidungen überdenkt. Zwischen den Regierungen in Ankara und Berlin gebe es in dieser Frage keine Differenzen, hieß es auch in türkischen Regierungskreisen. Die Bundesregierung hatte zuvor den mangelhaften Zugang türkischer Journalisten zum Prozess kritisiert.
- Akkreditierung
Am 17. April beginnt der Prozess gegen das mutmaßliche NSU-Mitglied Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer der rechten Terrorzelle. 123 Redakteure, Reporter und freie Journalisten hatten sich beim Oberlandesgericht München (OLG) um eine Akkreditierung bemüht. Unter ihnen waren acht türkische Medien. Insgesamt vergab das Gericht 50 feste Presse-Plätze. Die Akkreditierungsanträge wurden dabei in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt. Die Bedingungen zur Akkreditierung wurden mit der Sicherheitsverfügung vom 04.03.2013 öffentlich. Sämtliche Sitzungen finden im Sitzungsaal A 101 im OLG München statt.
- Ablauf am Prozesstag
Für die Akkreditierten stehen im Sitzungssaal insgesamt 50 Sitzplätze zur Verfügung, die an jedem Sitzungstag bis 15 Minuten vor Beginn der Verhandlung für die festgelegten Journalisten reserviert sind. Sollten die Plätze bis dahin nicht eingenommen sein, werden sie an weitere wartende akkreditierte Medienvertreter in der Reihenfolge ihrer Ankunft vor dem Sitzungssaal vergeben. Wenn keine weiteren akkreditierten Medienvertreter warten, werden die freien Sitzplätze an sonstige wartende Zuhörer vergeben. Medienleute, die keinen Sitzplatz gefunden haben, müssen den Sitzungssaal vor Beginn der Sitzung verlassen.
- Akkreditierte Medien
Sieben öffentlich-rechtliche Sender haben einen Platz bekommen: ZDF, Deutschlandfunk und auch die in der ARD zusammengefassten Sender BR, MDR, WDR, SWR, NDR. Auch die Nachrichtenagenturen dpa, dapd und Reuters sind vertreten, ebenso der Münchner Lokalsender Arabella. Eine genaue Liste der beim Prozess zugelassenen Medien und mögliche Nachrücker hat das OLG aus seiner Internetseite veröffentlicht.
Die türkische Tageszeitung Hürriyet kritisiert des Vorgehen das Gerichts und schreibt, sie habe die Akkreditierung am 5. März, dem ersten möglichen Tag beantragt. "Dennoch findet sich die Hürriyet auf dem 68. Platz wieder." Der Oppositionspolitiker und ehemalige Europarichter Rıza Türmen sagte der Tageszeitung Milliyet, es sei das Recht türkischer Medien, diesen Prozess zu beobachten und Teil der Meinungsfreiheit. Er halte es für problematisch, der türkischen Öffentlichkeit diese Informationen vorzuenthalten.
Gericht soll Einbindung türkischer Medien zugesagt haben
Das Gericht hatte zuvor auch eine Platzreservierung für den türkischen Botschafter in Berlin, Hüseyin Avni Karslıoğlu, abgelehnt. Faruk Şen, ehemaliger Leiter des Zentrums für Türkeistudien in Essen, sagte der Deutschen Welle, die Abweisung des Botschafters und das merkwürdige Platzierungsverfahren für die Medien weckten den Verdacht, "dass man die Türken raushalten will". Das werde in der Türkei den Eindruck erwecken, auch die deutsche Regierung wolle etwas vertuschen.
Aus der CDU erhielt das Gericht Rückendeckung. Der Vorsitzende des Bundestagsrechtsausschusses, Siegfried Kauder, sagte: "Ob türkisch oder nicht türkisch, danach unterscheidet die Justiz nicht. Im Übrigen wird immerhin die Hälfte der Sitzplätze für Journalisten freigehalten." Die Entscheidungen des Gerichts bewegten sich im Rahmen des rechtlich Zulässigen und Möglichen.








Inwiefern es den Opfern - welche auf jeden Fall im Gerichtssaal vertreten sein dürften - zugute käme, dass türkische Medien über den Fall berichten, erschließt sich mir nicht.
Die Regeln des Rechtsstaates dürfen unabhängig vom vorliegenden Fall nicht aufgrund politischen Drucks oder medialer Interessen gebeugt werden. Auf eine Änderung der Akkreditierungsregeln kann durch den Gang über die demokratischen Instanzen natürlich gerne hingewirkt werden, Extrawürste zu verteilen könnte jedoch einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen.
richtete sich an manche, die hier Kommentare schreiben, die jegliche Einfühlung in die Angehörigen der Opfer vermissen lassen, nicht an das Gericht.
richtete sich an manche, die hier Kommentare schreiben, die jegliche Einfühlung in die Angehörigen der Opfer vermissen lassen, nicht an das Gericht.
... verbietet es geradezu, dass die Zuschauerschaft teilweise willkürlich zusammengestellt wird. Und genau das würde bei einem Nachgeben jetzt passieren.
Ansonsten übernimmt der deutsche Michel gerne Vorgaben aus dem Ausland, den er empfindet sich ja permanent als schuldig und ist deshalb leicht erpressbar, auch von Regierungen, die es im Heimatland nicht schaffen, auch nur im Ansatz die gleichen rechtstaatlichen Grundsätze einzuhalten.
Die geschehenen Verbrechen sind abscheulich und von mir aus könnte es die Todesstrafe für politische Morde geben; mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen der Opfer und nicht bei den Medien.
Das Gericht hat für einen rechtmäßigen Prozeß zu sorgen, damitz das Urteil nachher auch Bestand hat, denn sollte es vom BGH kassiert werden wegen Verfahrensfehlern, ist das Geschrei im rechtsunkundigen Ausland, die erst Demokratie lernen müßen, ja wieder immes.
Das Verfahren und das Urteil müssen Hieb und Sichfest sein, dass ist das einzige, vorauf es ankommt.
Diese ganze Aufregung hier, von wegen die türkische Politik soll sich aus Angelegenheiten der deutschen Justiz raushalten, ist völlig scheinheilig.
Was war denn damals im Fall Marco? Wo waren da die "Unabhängigkeit der Justiz"-Verteidiger? Kann mich nicht erinnern, dass die ganzen Onlineforisten die deutsche Politik wegen Einmischung in die türkische Justiz gemahnt hätten...
Es geht außerdem nicht um Fragen der richterlichen Unabhängigkeit, der Beweiswürdigung, der Tat- und Schuldbewertung o.ä. Es geht schlicht um die verwaltungstechnische Frage, wie man der türkischen Presse den Zugang zum Prozess ermöglicht.
Dass die türkische Politik sich da einmischt ist völlig legitim.
Die türkische Regierung, fordert etwas bei einem deutschen Gericht, worum es um ein inländisches Verbrechen geht?
Türkei fordert umdenken bei EU-Beitritt, Türkei fordert Bundeswehrsoldaten, Türkei forder Umdenken beim Oberlandesgericht.... das alles klingt immer ziemlich einseitig.
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, es gibt keine Sonderbhandlung, weder für türkische Medien, oder sonnst jemanden.
Die Türkei hat auch Rechtsextreme, nennen sich graue Wölfe, sollen sie sich doch erstmal um sie kümmern bevor man die Bundesrepublik kritisiert.
"Die türkische Regierung, fordert etwas bei einem deutschen Gericht, worum es um ein inländisches Verbrechen geht?"
Ja, inländisches Verbrechen an türkischen Staatsbürgern ...
"Die türkische Regierung, fordert etwas bei einem deutschen Gericht, worum es um ein inländisches Verbrechen geht?"
Ja, inländisches Verbrechen an türkischen Staatsbürgern ...
richtete sich an manche, die hier Kommentare schreiben, die jegliche Einfühlung in die Angehörigen der Opfer vermissen lassen, nicht an das Gericht.
sonst stellt die Gegenpartei einen Befangenheitsantrag.
Den Familien der Opfer muß alle erdenklich Hilfe widerfahren, nicht irgendwelchen Medien und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese Menschen leiden, wenn türkische Medien keinen STAMMPLATZ im Gerichtssaal haben. Es steht denen jederzeit frei, sich um die restliche Zuschauerplätze zu bemühen, das dürfte doch möglich sein oder ?
sonst stellt die Gegenpartei einen Befangenheitsantrag.
Den Familien der Opfer muß alle erdenklich Hilfe widerfahren, nicht irgendwelchen Medien und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese Menschen leiden, wenn türkische Medien keinen STAMMPLATZ im Gerichtssaal haben. Es steht denen jederzeit frei, sich um die restliche Zuschauerplätze zu bemühen, das dürfte doch möglich sein oder ?
"Die türkische Regierung, fordert etwas bei einem deutschen Gericht, worum es um ein inländisches Verbrechen geht?"
Ja, inländisches Verbrechen an türkischen Staatsbürgern ...
Also sind Migranten keine deutschen Staatsbürger mehr, sondern werden nach Herkunft geordnet?
Sie haben gearbeitet, und das geht in Deutschland nicht, wenn man nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hat.
Ipso facto, keine türkischen Staatsbürger.
Entweder man ist deutscher Staatsbürger, oder türkischer.
Wo sind überhaupt die Reaktionen der griechischen Regierung?
Immerhin starb auch ein griechischer "Staatsbürger"
Also sind Migranten keine deutschen Staatsbürger mehr, sondern werden nach Herkunft geordnet?
Sie haben gearbeitet, und das geht in Deutschland nicht, wenn man nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hat.
Ipso facto, keine türkischen Staatsbürger.
Entweder man ist deutscher Staatsbürger, oder türkischer.
Wo sind überhaupt die Reaktionen der griechischen Regierung?
Immerhin starb auch ein griechischer "Staatsbürger"
"Aber dann wären Sie vielleicht der erste, der hier die Unabhängigkeit der türkischen Justiz betonen und Respekt anmahnen würde ;)."
Nee, falsch geraten!
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