Familien: Zahl der Adoptionen stark gesunken
In Deutschland werden immer weniger Kinder adoptiert. Die Option einer Leihmutter und erleichterte Abtreibungen sind nur zwei Gründe für diesen Trend.
©Waltraud Grubitzsch/dpa

Neugeborene in einer Klinik in Halle/Saale
Die Zahl der Adoptionen in Deutschland ist seit 1991 um fast die Hälfte zurückgegangen. Das Statistische Bundesamt ermittelte 4.060 Adoptionen für das Jahr 2011. Vor zwei Jahrzehnten waren es noch 7.124. Diese Zahlen decken jedoch nur die Fälle der offiziellen Vermittlungsstellen ab.
Der Rückgang wird von Experten vor allem auf Fortschritte der Reproduktionsmedizin zurückgeführt. Heide Schulz, Sprecherin der Bundeszentralstelle für Auslandsadoptionen, nannte in der Zeitung Sonntag aktuell als Beispiel die Option einer Leihmutterschaft im Ausland. Dabei trägt eine fremde Frau das durch künstliche Befruchtung entstandene Kind eines Paares aus. In Deutschland ist dies verboten. Als weiteren möglichen Grund für den Rückgang nannte Schulz Adoptionsverbote oder Einschränkungen in mehreren Staaten.
Auch die Zahl der Inlandsadoptionen geht zurück. Die Stuttgarter Sozialpädagogin Christine Lindenmeyer führte dies in Sonntag aktuell auf die erleichterte Möglichkeit zu Abtreibungen zurück – aber auch darauf, dass es heute für alleinstehende Mütter leichter als früher sei, ein Kind aufzuziehen.
Sieben Bewerbungen kommen auf ein Kind
Zugleich nehme durch die demografische Entwicklung die Zahl der unter 40-Jährigen ab, die vorwiegend als Adoptionseltern in Frage kommen, sagte Lindenmeyer. Schließlich sinke generell in Deutschland die Zahl derjenigen, die sich überhaupt für Kinder entscheiden.
Dennoch gibt es weiterhin deutlich mehr Bewerber als zur Adoption freigegebene Kinder: Das Zahlenverhältnis beträgt etwa sieben zu eins. Mehr als die Hälfte aller Adoptionen erfolgte 2011 durch Stiefeltern, also einen neuen Partner des leiblichen Elternteils. 104 Kinder wurden durch Verwandte angenommen, 1.690 Kinder durch nicht verwandte Personen.








"In Deutschland ist dies verboten."
Die Leihmutterschaft sollte erlaubt werden.
Ein gutes Vorbild ist Kalifornien: http://digitalcommons.law...
Das Geschwafel von der angeblichen "Sittenwidrigkeit" muss endlich ein Ende haben.. Mit dem Argument war auch Homosexualität bis in die 70er ein Verbrechen..
Seit wann gibt es denn "erleichterte Abtreibungen"? Die Bedingungen wurden in den letzten Jahren doch eher erschwert (verlängerte "Bedenkzeit" usw.).
Natürlich, da darf dann eine Sozialpädagogin mal wilde Vermutungen anstellen, die auch nur nicht tendenziös sind, oder so was. Wie wäre es mal mit ein paar Fakten, ein paar Quellen? Man könnte doch einfach mal die Statistiken bemühen, und sich anschauen, wie sich die Zahlen der Abtreibungen seit 1991 entwickelt haben, und wenn man dann einen gegenläufigen Trend feststellen würde, dann hätte man immerhin mal eine Korrelation, und könnte darauf basierend Theorien zu Kausalzusammenhängen aufstellen. Aber ohne den ersten Schritt bleibt das ganze im Reich der Vermutungen.
Nebenbei: die Zahl der Adoptionen ist vollkommen wertlos als statistischer Parameter, wenn man nicht die Zahl der Geburten dagegen rechnet. Es wird ja immer der Fortpflanzungsnotstand ausgerufen, dass Deutsche Frauen immer weniger Kinder kriegen, und so weiter. Ist es da nicht nur logisch, dass auch Adoptionen abnehmen, wenn einfach weniger Kinder geboren werden? Man könnte mal berechnen, wie viele Prozent der geborenen Kinder zur Adoption freigegeben werden, und wie sich diese Prozentzahl im untersuchten Zeitraum verändert hat.
Ach ja, und wenn nun auch als Grund angeführt wird, dass es für alleinstehende Frauen einfacher sei, Kinder alleine aufzuziehen, dann würde mich doch mal interessieren, wie sich die Zahl der alleinerziehenden Mütter seit 1991 verändert hat.
Entschuldigung, liebe Zeit Online, aber dieser Artikel unterscheidet sich von BILD-Niveau nur durch die bessere Rechtschreibung. Sechs, setzen.
> Seit wann gibt es denn "erleichterte Abtreibungen"?
> Die Bedingungen wurden in den letzten Jahren
> doch eher erschwert (verlängerte "Bedenkzeit" usw.).
Da können Sie aber lange googeln, um einen Beleg für ihre Vermutung zu finden. Gedreht wurde zwischenzeitlich nur mal an den Beratungsrichtlinien für Abbrüche nach der 12. Woche (< 1% aller Abbrüche).
Und die geforderte "Bedenkzeit" liegt wie gehabt bei drei Tagen.
Hinsichtlich des Rückgangs der Adoptionen ist das so plausibel klingende Argument das "erleichterten Abtreibung" aber in der Tat nicht stichhaltig, da es nicht zur Trendkurve passt (statt einem "Knick" in den 90ern war der Rückgang der Adoptionen ziemlich kontinuierlich).
Aber auch ansonsten argumentieren die oben zitierten Experten eher nach dem Schrotflinten-Prinzip: wenn man nur alle denkbaren Gründe aufrollt, wird man in der Summe schon nicht ganz falsch liegen :-)
Zuguterletzt hätte der Artikel auch ruhig noch darauf hinweisen können, dass die Zahl der Adoptionen 2009 schon mal auf unter 3.900 gesunken und seitdem wieder leicht angestiegen ist.
Aber wahrscheinlich wollte der Autor die vermeintlichen "Experten" nicht in noch größere Erklärungsnöte stürzen :-)
Gruß,
Tezcatlipoca
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von 7:1 ist das Jammern auf hohen Niveau.
"In Deutschland werden immer weniger Kinder adoptiert."
Bei dem angegbenen Schlüssel haben wir eine 100%ige Vermittlung der Kinder, richtig?
D.h. es werden nur deshalb weniger Kinder adoptiert, weil weniger zu Adoption freigegeben werden (niedrige Geburtenrate usw.).
Na so ein Zufall...
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