GerichtsmedizinBeresowski wurde erhängt gefunden

Ergebnis der Obduktion: Der Kreml-Kritiker Boris Beresowski ist vermutlich durch Strangulieren gestorben. Russland erhebt Anspruch auf das Geld des früheren Milliardärs.

Boris Beresowski 2011 in London

Boris Beresowski 2011 in London  |  © Peter Macdiarmid/Getty Images

Der russische Oligarch Boris Beresowski ist nach Erkenntnissen einer gerichtsmedizinischen Untersuchung durch Strangulieren gestorben. Die Obduktion der Leiche "deutet auf Erhängen hin", teilte die Polizei nach der Obduktion mit. Es seien keine Hinweise auf einen Kampf gefunden worden. Die endgültige Auswertung der Untersuchungen, etwa auf Giftstoffe, werde aber noch mehrere Wochen dauern.

Der prominente Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin war am Samstag auf seinem Anwesen in Ascot nahe London tot aufgefunden worden. Die Untersuchungen in seinem Haus sollen noch mehrere Tage dauern, hieß es.

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Bisherige Untersuchungen hatten keine Hinweise auf die Beteiligung weiterer Personen ergeben. Eine Vergiftung mit radioaktiven Substanzen schloss die Polizei aus.

In den Medien war bereits spekuliert worden, Beresowski habe Selbstmord begangen. Sein Anwalt sagte, ihm sei mitgeteilt worden, "dass Beresowski sich umgebracht hat". Der Oligarch sei zuletzt in einem "furchtbaren Zustand" und "völlig überschuldet" gewesen. Vertraute des früheren Milliardärs bezweifelten aber, dass er sich selbst getötet haben könnte. Beresowskis langjähriger Freund Nikolai Gluschkow sagte dem Guardian: "Ich bin mir sicher, dass er ermordet wurde. Ich habe andere Informationen, als die, die in den Medien veröffentlicht werden."

Russen wollen auf Beresowskis Geld zugreifen

Russland will nach Beresowskis Tod nun auf das Vermögen des Unternehmers zugreifen, der von der russischen Justiz in zahlreichen Verfahren in Abwesenheit verurteilt worden war. Die Generalstaatsanwaltschaft strebe eine Rückkehr von Besitztümern an, die Beresowski sich illegal angeeignet habe, teilte die Behörde nach Angaben der Agentur Interfax mit. Auch in London wurden Geldforderungen an den Nachlass Beresowskis laut. Er soll erhebliche Geldprobleme gehabt haben. Beresowski hatte die russischen Prozesse als politische Rache gegen ihn kritisiert.

Beresowski lebte seit dem Jahr 2000 im britischen Exil und zählte zu den bekanntesten Kritikern des Kremls. Die russischen Behörden warfen ihm im vergangenen Jahr Anstiftung zu Unruhen vor, nachdem er dazu aufgerufen habe, Putins Rückkehr in das Amt des Präsidenten zu verhindern.

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Leserkommentare
  1. Verschuldeter Millionär? Na was denn nun? Widerspricht sich das etwa nicht ein bisschen?

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    Nehmen wir mal an, ich besitze 10.000 Euro und Sie leihen mir 5.000 Euro. Ich schulde Ihnen dann 5.000 Euro, bin also VERschuldet. Da ich aber meinen Verpflichtungen Ihnen gegenüber noch nachkommen kann, bin ich nicht ÜBERschuldet. Verschuldung und Vermögen schließen sich also Mitnichten aus.

    Die Begriffe sind eigentlich klar abgegrenzt, werden nur nicht immer so benutzt.

  2. Nehmen wir mal an, ich besitze 10.000 Euro und Sie leihen mir 5.000 Euro. Ich schulde Ihnen dann 5.000 Euro, bin also VERschuldet. Da ich aber meinen Verpflichtungen Ihnen gegenüber noch nachkommen kann, bin ich nicht ÜBERschuldet. Verschuldung und Vermögen schließen sich also Mitnichten aus.

    Die Begriffe sind eigentlich klar abgegrenzt, werden nur nicht immer so benutzt.

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    • wuerg2
    • 26. März 2013 11:22 Uhr

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/sam

  3. kehrt sich´s gern; besonders wenn der Besenstiel soo lang ist, dass der Dreck vor der eigenen Tür uninteressiert liegenbleibt.
    Wir haben in Bayern einen schwelenden Justizskandal um den seit sieben Jahren in der Psychiatrie weggesperrten Gustl Mollath.Die Justiz in Bayern ist gerade dabei, den letzten Funken Glauben an den funktionierenden Rechtsstaat zu sabotieren. Das würde nur dann verhindert werden, wenn landesweit darüber berichtet würde.

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    Diese nachrichten kamen aus London... ;-)

    Natürlich wissen die Experten hier sofort, dass es sich dabei um einen "Skandal" handelt. Weder liegen alle Beweise vor ihnen, noch wissen sie um den Ablauf des Verfahrens noch um das Verhalten Mollaths innerhalb der Psychatrie. Dennoch reicht dieses Nichtwissen aus, um die gesamte bayerische Justiz für befangen, parteiisch und abhängig zu erklären.

  4. Ich möchte mal wieder irgendwas hören aus Russland das an das anknüpft was man mal an Hoffnung mit diesem Land verbunden hat.

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    Der Hinweis von Herrn Fischer ist völlig berechtigt! Was genau ist an Russland so "ekelhaft" - und warum ist es das in Deutschland nicht?

    Die Vorgänge um Mollath oder der Hessenskandal, die NSU-Geschichte, Sachsensumpf ... all das sind starke Indizien dafür, dass auch bei uns einiges im Argen hängt - und zwar genau dort, wo es um Verflechtungen eigentlich unabhängiger Säulen unseres Rechtsstaates angeht, deren Unabhängigkeit und daraus abgeleitete gegenseitige Kontrolle eigentlich dessen Fundament ist.

    Wieso die große Entrüstung und Abscheu, wenn es woanders passiert - und wieso die Gleichgültigkeit, wenn es hier passiert?

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diffamierende Unterstellungen. Danke, die Redaktion/sam

  5. Der Hinweis von Herrn Fischer ist völlig berechtigt! Was genau ist an Russland so "ekelhaft" - und warum ist es das in Deutschland nicht?

    Die Vorgänge um Mollath oder der Hessenskandal, die NSU-Geschichte, Sachsensumpf ... all das sind starke Indizien dafür, dass auch bei uns einiges im Argen hängt - und zwar genau dort, wo es um Verflechtungen eigentlich unabhängiger Säulen unseres Rechtsstaates angeht, deren Unabhängigkeit und daraus abgeleitete gegenseitige Kontrolle eigentlich dessen Fundament ist.

    Wieso die große Entrüstung und Abscheu, wenn es woanders passiert - und wieso die Gleichgültigkeit, wenn es hier passiert?

    13 Leserempfehlungen
    Antwort auf "ekelhaft"
  6. Diese nachrichten kamen aus London... ;-)

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Vor fremden Türen"
  7. Beresowski war kein Saubermann, aber er hatte das Potential, ein Gegengewicht zum lupenreinen Putin zu bilden:-.Das alleine war und ist toedlich gefaehlich.
    Sein Mitarbeiter Litwinenko wurde nachweislich von aus Moskau eingeflogenen Agenten radioaktiv verseucht und getoetet. Sein Hauptverbrechen: Er konnte bezeugen, dass Putin ein bewohntes Hochhaus sprengen liess, um einen Vorwand fuer den brutalen Tschechschenienkrieg zu bekommen.
    Dagegen ist die sizilianische Mafia eine Unterorganisation der Heilsarmee!

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    " Er konnte bezeugen, dass Putin ein bewohntes Hochhaus sprengen liess, um einen Vorwand fuer den brutalen Tschechschenienkrieg zu bekommen."

    Ich bin wirklich kein Freund dieses "lupenreinen Demokraten", der Tod Litwinenkos war ein Superskandal, aber für die These mit dem Hochhaus habe ich bis heute keine Beweise wahrgenommen. Es gab übrigens in der fraglichen Zeit mehrere in die Luft gesprengte Hochhäuser. Wäre dann mal interessant zu erfahren, wieviele davon tschetschenische Islamisten und wieviel der FSB, Nachfolgeorganisation des KGB, auf dem Gewissen hat.

    Meine Empfehlung: sachlich bleiben! Verschwörungstheorien gibt es schon mehr als genug.

    Mit einem kleinen Unterschied. Schmeißfliegen fahren auf einen vorhandenen Haufen ab, Verschwörungstheoretiker erfinden ihn, bevor sie darauf abfahren.

    "Sein Mitarbeiter Litwinenko wurde nachweislich von aus Moskau eingeflogenen Agenten radioaktiv verseucht und getoetet."

    Sogar der Vater von Litwinenko vermutete den Beresowskij hinter dem Mord. Sie sind anscheinend zu eingeschränkt um alle Informationen zusammen zu deuten.
    Litwinenko war auf der Lohnliste des britischen Geheimdinstes Mi6 und Mi7, deshalb hat er viel "nachweisliches" wie Sie erzählt. Diese Informationen sind im Netz verfügbar. Lesen bildet...

  8. " Er konnte bezeugen, dass Putin ein bewohntes Hochhaus sprengen liess, um einen Vorwand fuer den brutalen Tschechschenienkrieg zu bekommen."

    Ich bin wirklich kein Freund dieses "lupenreinen Demokraten", der Tod Litwinenkos war ein Superskandal, aber für die These mit dem Hochhaus habe ich bis heute keine Beweise wahrgenommen. Es gab übrigens in der fraglichen Zeit mehrere in die Luft gesprengte Hochhäuser. Wäre dann mal interessant zu erfahren, wieviele davon tschetschenische Islamisten und wieviel der FSB, Nachfolgeorganisation des KGB, auf dem Gewissen hat.

    Meine Empfehlung: sachlich bleiben! Verschwörungstheorien gibt es schon mehr als genug.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte Boris Beresowski | Wladimir Putin | Medien | Agentur | Behörde | Obduktion
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