Der russische Oligarch Boris Beresowski ist nach Erkenntnissen einer gerichtsmedizinischen Untersuchung durch Strangulieren gestorben. Die Obduktion der Leiche "deutet auf Erhängen hin", teilte die Polizei nach der Obduktion mit. Es seien keine Hinweise auf einen Kampf gefunden worden. Die endgültige Auswertung der Untersuchungen, etwa auf Giftstoffe, werde aber noch mehrere Wochen dauern.

Der prominente Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin war am Samstag auf seinem Anwesen in Ascot nahe London tot aufgefunden worden. Die Untersuchungen in seinem Haus sollen noch mehrere Tage dauern, hieß es.

Bisherige Untersuchungen hatten keine Hinweise auf die Beteiligung weiterer Personen ergeben. Eine Vergiftung mit radioaktiven Substanzen schloss die Polizei aus.

In den Medien war bereits spekuliert worden, Beresowski habe Selbstmord begangen. Sein Anwalt sagte, ihm sei mitgeteilt worden, "dass Beresowski sich umgebracht hat". Der Oligarch sei zuletzt in einem "furchtbaren Zustand" und "völlig überschuldet" gewesen. Vertraute des früheren Milliardärs bezweifelten aber, dass er sich selbst getötet haben könnte. Beresowskis langjähriger Freund Nikolai Gluschkow sagte dem Guardian: "Ich bin mir sicher, dass er ermordet wurde. Ich habe andere Informationen, als die, die in den Medien veröffentlicht werden."

Russen wollen auf Beresowskis Geld zugreifen

Russland will nach Beresowskis Tod nun auf das Vermögen des Unternehmers zugreifen, der von der russischen Justiz in zahlreichen Verfahren in Abwesenheit verurteilt worden war. Die Generalstaatsanwaltschaft strebe eine Rückkehr von Besitztümern an, die Beresowski sich illegal angeeignet habe, teilte die Behörde nach Angaben der Agentur Interfax mit. Auch in London wurden Geldforderungen an den Nachlass Beresowskis laut. Er soll erhebliche Geldprobleme gehabt haben. Beresowski hatte die russischen Prozesse als politische Rache gegen ihn kritisiert.

Beresowski lebte seit dem Jahr 2000 im britischen Exil und zählte zu den bekanntesten Kritikern des Kremls. Die russischen Behörden warfen ihm im vergangenen Jahr Anstiftung zu Unruhen vor, nachdem er dazu aufgerufen habe, Putins Rückkehr in das Amt des Präsidenten zu verhindern.