Gerichtsurteil : Auch freiwillige Schlägereien sind strafbar

Dürfen sich Gruppen zu einer Schlägerei verabreden, wenn alle einverstanden sind? Nein, urteilt der BGH. Auch Prügeleien zwischen Hooligans sind stets sittenwidrig.

Wenn sich Gruppen wie zum Beispiel Hooligans zu Schlägereien verabreden und sich mit gegenseitiger Einwilligung verprügeln, ist das trotzdem sittenwidrig und damit strafbar. Dieses Urteil gab der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bekannt (1 StR 585/12, hier als PDF-Dokument).

Die Entscheidung betrifft nach Aussage der Richter auch ausdrücklich Schlägereien zwischen rivalisierenden Hooligan-Gruppen. Im vorliegenden Fall hatten zwei Gruppen Jugendlicher verabredet, sich miteinander zu schlagen. Zumindest auf einer Seite gab es mehrere Verletzte, einer der Jugendlichen musste auf der Intensivstation behandelt werden. Das Landgericht Stuttgart verurteilte drei Schläger aus der gegnerischen Gruppe zu Jugendstrafen. Dies hatten die Jugendlichen vor dem BGH angefochten.

Die Teilnehmer der Schlägerei hatten sich auf eine Einwilligungsklausel im Paragraf 228 des Strafgesetzbuches berufen. "Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt", heißt es dort. Allerdings hatte der BGH in früheren Urteilen diese Einwilligung bereits eingeschränkt, "wenn die Taten mit einer konkreten Gefahr des Todes für die Opfer verbunden sind".

Gruppenschlägereien grundsätzlich sittenwidrig

Mit dem neuen Urteil ist die Einwilligungsklausel auf Gewalt zwischen Gruppen generell nicht anwendbar. Zur Begründung verwiesen die Karlsruher Richter auf die "typischerweise eintretenden gruppendynamischen Prozesse". Diese führten zu einem "so erheblichen Grad an Gefährdung des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit der Kontrahenten", dass generell von einer Sittenwidrigkeit der Taten auszugehen sei.

Das Argument, solche Schlägereien seien mit sportlichen Wettkämpfen vergleichbar, bei denen alle Beteiligten wüssten, was sie erwartet, ließen die Richter nicht gelten. Bei körperbetonten Sportarten wie Boxen gebe es ein festes Regelwerk, "dessen Einhaltung regelmäßig durch eine neutrale Instanz kontrolliert wird". Strafbar mache sich ein Sportler erst, wenn er seinen Gegner grob regelwidrig verletze.
 

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Kommentare

48 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Seriosität der Quelle?

Ich zitiere mal:

"Kontakt zur Soligruppe:
polizeigewalt (ätt) nirgendwo.info
Wenn Ihr dem Inhaftierten schreiben wollt, schickt uns eine Mail und wir drucken das dann aus und schicken es ihm in den Knast"

klingt schon einmal wenig seriös. Ich habe den Text trotzdem gelesen und kann festhalten: wenn in diesem Zusammenhang etwas "willkürlich" ist, dann ja wohl die Niederschrift eben dieses Texts. Ich nehme gleich vorweg, dass dessen Aussagen als erlogen zu beweisen mir nicht möglich ist (und jetzt kommt der Punkt), eben weil der Text in nicht falsifizierbarer Weise verfasst wurde.

Ungeachtet davon, wer hier recht hat und wer unrecht: ihr Antirepressionsblog bedient sich jedenfalls Propagandamethoden und sollte schon allein deswegen von niemandem ernst genommen werden, der jemals in Berührung mit wissenschaftlichem Arbeiten gekommen ist.

Gewalt von Polizei

IN dem BGH Urteil geht es nicht um Gewalt von Polizisten. Aber wenn Sie das Thema schon ansprechen: Man muss kein Links-Autonomer zu sein, um zu wissen, dass Polizisten häufig Gewalt ausüben und nur in den seltensten Fällen bestraft werden.

In der Regel gibt es nbur eine Strafe, wenn sie aus Versehen keinem Hartzer sondern einem Notar eins aufs "Maul" gegeben haben - das ist dann irgendwann nicht mehr zu vertuschen. Etwa vor einem Jahr hier in Hamburg: Da haben unsere Freunde zuerst ein Mädchen und dann ihrem Vater auf dem eigenen Grundstück zusammengeschlagen, weil das Mädchen einem (nicht angemeldten) Demonstranten ein Glas Wasser gereicht hat. Das Problem unser Ordnungshüter: Die Checker haben nicht gemerkt, dass sie sich in Blankense aufgehalten haben - da gab es dann mal ein Urteil.

Ist aber letzten Endes in anderen Ländern auch nicht besser - vielleicht inder Schweiz oder Skandinavien

Die dümmsten aneinander gereihten Aussagen...

die ich jemals lesen durfte. Und den Redakteuren sollte es mal zu denken geben, was für ein Publikum sie eigentlich informieren.
1. Ein Polizist greift nur in brenzligen Situationen ein, um das Recht (allgemein, oder das Recht des anderen) zu schützen.
-> ist dies nicht der Fall so kann man auch einen Polizisten auf juristischem Gebiet zur Rechenschaft ziehen.
2. Erschütternd, dass Sie offensichtlich davon überzeugt sind, dass das BGH in diesem Falle falsch entschieden hat.

Zeit.de sollte wirklich das Niveau deutlich anheben um die gebildeten Leser, die hier durchaus zahlreich anwesend sind, nicht zu vertreiben, [...]

Gekürzt. Wir freuen uns auch über Kritik, wenn sie sachlich formuliert wird. Danke, die Redaktion/sam

Haben Sie sich Ihre Quellen überhaupt angeschaut?

Die Liste ist keine Aufzählung von "Todesfällen im Wrestling" sondern eher eine Art Nachruf an Verstorbene, die einmal im Wrestling zu tun hatten. Während oder nach einem Kampf ist von denen keiner gestorben, der einzige, der im Ring starb, wurde Opfer der stümperhaft installierten Technik.

Auch der Artikel auf den Sie sich beziehen ist in höchstem Maße zweifelhaft, da sehr einseitig und schlecht recherchiert.

Und der Querverweis von professionellem Wrestling zu Mixed Martial Arts ist mir nach dem Lesen der Quellen umso schleierhafter.