Die Brandkatastrophe in Backnang mit acht Toten ist nach Angaben der Polizei wohl von einem technischen Defekt ausgelöst worden. Dies sei "am wahrscheinlichsten", sagte der leitende Kriminaldirektor Ralf Michelfelder. Derzeit gebe es keine Anhaltspunkte für andere Ursachen. Die Polizei ermittele dennoch in alle Richtungen.

Am frühen Sonntagmorgen waren bei dem Brand eines Wohnhauses in der baden-württembergischen Stadt eine 40-jährige Frau türkischer Herkunft und sieben ihrer zehn Kinder ums Leben gekommen. Die Opfer – die Kinder waren zwischen sechs Monaten und 16 Jahren alt – wurden tot in zwei Zimmern der Wohnung gefunden. Helfer konnten nur einen elfjährigen Jungen, dessen Onkel sowie die Großmutter der Familie lebend aus den Flammen retten.

Die Ermittler vermuten bisher, dass ein Holzofen in der Wohnung der Familie defekt war und den Brand auslöste. Zudem wird untersucht, ob marode Stromleitungen die Ursache sind. Ein Vormieter hatte von Problemen mit der Elektrik berichtet.

Türkei fordert Aufklärung

Die Türkei hatte mit Nachdruck verlangt, bei der Suche nach der Brandursache in alle Richtungen zu ermitteln. So sei auch ein politischer Hintergrund möglich: Staatspräsident Abdullah Gül leitet dies aus verschiedenen rechtsextremistischen Anschlägen in der Vergangenheit ab. "Wir ziehen alle Eventualitäten in Betracht", zitierten ihn türkische Medien. "Leider gab es in der Vergangenheit Feuer, Brandstiftungen, Morde an unseren Bürgern."

Kanzlerin Angela Merkel reagierte bestürzt auf die Katastrophe. Die Kanzlerin sei "zutiefst erschüttert", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter. Mit Blick auf skeptische Äußerungen aus der Türkei zur deutschen Ermittlungsarbeit sagte er: "Die Bundeskanzlerin hat keinen Zweifel, dass die zuständigen Stellen nicht ruhen werden, bis die Brandursache aufgeklärt ist."

NSU-Pannen säen Zweifel

Die Frage nach der Ursache treibt auch die türkische Öffentlichkeit um. Herzzerreißende Tragödie in Deutschland und Türkische Familie in Flammen titelten die Zeitungen auf ihren Onlineseiten. Für den türkischen TV-Sender CNN Türk war die Brandkatastrophe zeitweise die wichtigste Nachricht. Der türkische Botschafter sprach den deutschen Sicherheitsbehörden aber sein volles Vertrauen aus. "Es handelt sich um ein technisches, kriminaltechnisches Verfahren, es gibt keinen Anlass, dass wir nicht vertrauen sollten", sagte Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu.

Die Oppositionspartei CHP schickte eine eigene Delegation zu Untersuchungen nach Deutschland, wie türkische Medien berichteten. Seine Partei erwarte eine Aufklärung, die alle Zweifel ausräumen müsse, zitierte eine Zeitung den CHP-Auslandskoordinator Ali Kilic.

Die Sorge vor fremdenfeindlichen Tendenzen in Deutschland ist in der Türkei groß. Durch die Mordserie der rechtsextremen Terrorgruppe NSU sind viele Türken sensibilisiert. Die NSU-Täter hatten zwischen 2000 und 2007 acht  türkischstämmige und einen griechischstämmigen Bürger sowie eine Polizistin ermordet. Polizei und Verfassungsschutz waren den Rechtsextremisten jahrelang nicht auf die Spur gekommen und hatten die Täter im Bereich der Organisierten Kriminalität gesucht. Auch nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen, bei der im Jahr 2008 neun Türken starben, waren in der Türkei Vorwürfe laut geworden, das Feuer sei von Neonazis gelegt worden.