Etwa 6.000 Menschen haben am Sonntagnachmittag an der East Side Gallery in Berlin gegen den geplanten Teilabriss des weltweit bekannten Mauerabschnitts protestiert. Die Stimmung sei entspannt und es habe keine Zwischenfälle gegeben, sagte eine Polizeisprecherin. Auf einer Bühne an dem längsten noch erhaltenen Abschnitt der Berliner Mauer wurde Musik gespielt. Aktivisten gegen den Abriss hielten Reden.

"Ist Kultur denn jarnischt mehr wert?!" stand auf einem der Plakate, die Demonstranten hochhielten. Die ironische Parole "Niemand hat die Absicht, Luxuswohnungen zu errichten" spielte auf die – offensichtlich gelogenen –Worte des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht 1961 zum Bau der Mauer an. Auf dem betroffenen Areal an der Spree soll ein Hochhaus mit Luxus-Apartments errichtet werden.

Am Freitag hatte ein Teilabriss an dem Mauerstreifen begonnen, Demonstranten stoppten die Arbeiten. Der von Künstlern bemalte Betonwall im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Touristenmagnet, der in Reiseführern als historische Sehenswürdigkeit gewürdigt wird. 

Die Empörung über die neuerliche Lücke in dem geschichtsträchtigen Bauwerk ist riesig - weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus. Auch die internationale Presse widmete sich dem Thema, nachdem die Demonstranten den vorläufigen Stopp der Bauarbeiten erzwungen hatten.

Bauherr zeigt sich gesprächsbereit

Nach Darstellung des Bauherrn Maik Uwe Hinkels sind seine Baupläne für den Luxusbau an der Spree nicht der Grund des Abrisses. Auch der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), hatte bereits Ende Februar gesagt, dass dieses Projekt nicht ausschlaggebend sei. Vielmehr solle an dieser Stelle auch die Brommybrücke über die Spree für Fußgänger und Radfahrer wieder aufgebaut werden - und dafür müsse eine Art Zugang geschaffen werden.

Laut der Berliner Zeitung könne sich Bauherr Hinkel vorstellen, den heftig kritisierten Abbau der Mauerteile zu unterbrechen und den Dialog mit den Gegnern des Projekts zu suchen. Auf die Frage, ob er zu einem Moratorium beim Umsetzen der Mauerteile bereit sei, sagte Hinkel: "Natürlich. Es gibt einen Dialog im Stadtforum, da sind der Bezirk, die Initiative "Mediaspree versenken" und etliche andere beteiligt."

Die nächste Sitzung sei am 18. März. "Da stellen wir uns der Diskussion", so Hinkel. "Bis dahin wollen wir den städtebaulichen Vertrag, also die weitere Umsetzung von Mauersegmenten, ruhen lassen." Allerdings müsse mit dem Bezirk geklärt werden, wer die Kosten für den Baustopp übernimmt.