East Side Gallery: Berlin darf seine Geschichte nicht löschen
Die Hauptstadt sucht ständig nach Zukunft. Aber darüber sollte sie nicht vergessen, dass die Vergangenheit – und zwar die echte – im Straßenbild sichtbar bleiben muss.
© Odd Andersen/GettyImages

Demonstranten vor der East Side Gallery in Berlin. (28. Februar 2013)
Die Mauer muss her! Nicht einmal Erich Honecker hätte sich erträumt, dass dieser Ruf plötzlich durch Berlin erschallt, gut zwei Jahrzehnte nach dem Abriss des steinernen Vorhangs. In einer Stadt, in deren Leben das Trennende noch in feinen Linien eingraviert ist (Linien, die kaum sichtbar, aber schon in Worten erspürbar sind), verteidigen plötzlich Demonstranten aus der neuen Mitte die letzten Bruchstücke der Ost-West-Vergangenheit.
Also muss das einst verhasste Bauwerk doch stehen bleiben an der East Side Gallery und darf nicht durchlöchert werden von irgendwelchen Stadtträumereien großer Investoren und kleiner Politiker.
Es hat sich etwas geändert im Umgang mit Berlins Vergangenheit – sie wird endlich Gegenwart. Nicht im Stadtbild, dafür ist es wieder mal zu spät, aber im Kopf.
Wer durch Berlin läuft, findet die deutsche Teilung vor allem als Fake wieder. An der aktuell umkämpften Mauergalerie im Stadtteil Friedrichshain gibt es postkartenhaft nachcolorierte Bilder, die den Umbruch nach dem Mauerfall illustrieren, nicht die Trennung selbst.
In der Gedenkstätte Bernauer Straße müht man sich, die Zone des Todes, in der allein in Berlin mindestens 136 Menschen ihr Leben ließen, zumindest in ihrer Breite und mit Original-Mauerteilen nachzuempfinden – aber auch hier wird künstlerisch nachgebaut, was in den Wirren der Einheit allzu hastig abgerissen, abgetragen und verscherbelt worden ist.
Die Mauer musste weg, 1989, und zwar schnell. Wer wollte auch, nach einer 28 Jahre offenen Wunde am blutenden Herzen der Stadt, noch am Stacheldrahtstreifen wohnen? Nun aber tuckern Touristen, die der Spaltung nachspüren wollen, mit der Trabi-Safari vom DDR- Disneyland am Checkpoint Charlie zum Brandenburger Tor, um dort eine russische Fellmütze und ein buntes Mauerstück mit garantiert gefälschtem Echtheitszertifikat zu kaufen.
Die Geschichte der Teilung, der Schmerz zersprengter Familien und geteilter Bürgersteige, ist in Berlin nicht mehr sinnlich zu erfahren. Deshalb vermissen selbst Berliner, die ihren Kindern und Enkeln erzählen wollen, woher sie eigentlich kommen, die Mauer – als Fundstelle des eigenen Lebens.





Einige "künstlerisch" aufgehübsche (und dann scheinbar plötzlich gegen weitere Änderungen heiliggesprochene) Mauersegmente sind nichts weniger als authentisch, selbst wenn sie am historischen Ort stehen.
In Berlin fehlt es an einer vernünftigen Stadtplanung, so wie in vielen
deutschen Städten. Der Vorsprung und die revolutionäre Modernität, welche die deutsche Stadtplanung einst ausgezeichnet hat, ist mit dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Danach kam vielerorts nur noch hässliches Mittelmaß.
In Berlin kommt noch die spezifische Unfähigkeit der lokalen Verwaltung hinzu. Man sieht es ja am Berliner Hauptbahnhof. Das Areal rundherum ist eine einzige Ödnis, ansonsten wird bevorzugt immer der gleiche fantasielose Mist aus Luxuswohnungen, Büros und Hotels hochgezogen, ein Gebäude langweiliger und verwechselbarer als das andere.
man bekommt den eindruck, dass die politk heute nur noch an den fäden der geldlobby hängt und jede andere zentrale orientierung verloren hat. nur so kann man überhaupt verstehen warum für kunst und tourismus so wichtige orte wie die east side gallerie (oder z. b. das tacheles)geopfert oder engeschränkt werden, anstatt dies zu fördern, zu pflegen und zu erweitern.
bei dem geld, das bei einem so aufwendigen neubau im spiel ist wäre es möglich gewesen einen kompromiss für beide seiten zu finden. jedoch hat man immer mehr den eindruck dass bürgermeinung und demokratie nicht gefragt ist und alles mit gewalt und geld durchgeboxt wird.
dieser rücksichtslose, hierarchische und diktatorische stil wird, wenn er so weiter geht, für uns alle da enden wofür stuttgart 21 oder der neue berliner flughafen heute schon stehen. in einer erstarrung, in einem krassen gegeneinander und in einer extremen geldverschwendung!
Das zeigt doch die wahren Beweggründe: GELD. Ist mit der "Trauer und Empörung über die Mauer" weniger zu verdienen wie mit Luxuswohnungen - dann wird die Trauer in die allgemeine Zitronenpresse gesteckt. Und welches Interesse an Sachlösungen besteht statt an Profit, sieht man u. a. am BER. Wen wunderts dann noch, dass es keine systematischen Planungen gibt? Profit kann man nicht planen; nur raffen.
Das zeigt doch die wahren Beweggründe: GELD. Ist mit der "Trauer und Empörung über die Mauer" weniger zu verdienen wie mit Luxuswohnungen - dann wird die Trauer in die allgemeine Zitronenpresse gesteckt. Und welches Interesse an Sachlösungen besteht statt an Profit, sieht man u. a. am BER. Wen wunderts dann noch, dass es keine systematischen Planungen gibt? Profit kann man nicht planen; nur raffen.
Wer heute die Geschichtsvergessenheit der Berliner Stadtentwicklung bedauert, kommt
etwas spät. Der eigentliche Sündenfall in
die verordnete Geschichtslosigkeit Berlins - oder besser : die ideologisch bedingte Verleugnung einer ganzen mehr als 40jährigen Periode der Stadtgeschichte - war doch der
mit allen Mitteln und Ausreden (Asbest !) erzwungene erzwungene Abriss des "Palastes
der Republik", der auch eine liebenswerte
Seite der DDR zeigte und zumindest bei den ehemaligen Ost-Berlinern viel Sympathie
genoss . An die Stelle dieses Originals
kommt nun die etwas ridiküle Atrappe des Stadtschlosses - Tapete auf Beton... aber Hauptsache "Preußen"...
http://www.dradio.de/dlf/...
http://ondemand-mp3.dradi...
26 MB, die sich lohnen.
http://www.dradio.de/dlf/...
http://ondemand-mp3.dradi...
26 MB, die sich lohnen.
Die aufgeblasene Kritik, das hier Geschichte durch den Abbau dieses Mauerrestes zerstört wird, ist überflüssig und heuchlerisch: Das Original ist sie schon dadurch nicht, da auf Ost-Seite keine Graffitti an der Mauer möglich waren - man kam nicht heran. Die "Malereien" und Graffittis kamen erst nach dem Fall der Mauer. Sie mögen zwar witzig sein, aber haben mit Kunst nichts zu tun. Von "Galerie" zu sprechen ist nur billige Werbung. Da nicht mehr historisch korrekt, kann man diese Mauerreste auch im Zoo oder im Wald oder sonstwo wieder aufstellen, wo sie niemanden stört, aber dem Tourismus nutzt.
sind ein Stück Zeitgeschichte. Nur weil Sie die Bilder nicht als Kunst empfinden, heißt dies nicht, dass diese nicht geschichtlich bedeutend sind.
Der Rest Ihres Beitrages ist unlogisch.
Von "Kunst" hat ja auch keiner etwas gesagt — Sie tun es. Wenn Sie mal oben auf’s Foto schauen, lesen Sie: "Ist Kultur denn jarnischt mehr wert?" Das ist schon ein kleiner Unterschied. Und daß Sie sich schließlich auch an dem Begriff "Gallery" so abarbeiten, zeugt davon, daß Sie nicht wirklich wissen, worüber Sie sprechen.
der Berliner Mauer, das vom politisch inszenierten Abriß-Exzess Anfang der 90er Jahre verschont geblieben ist. Ein kläglicher Rest, zugegeben, dessen Wert man herunterschreiben kann. Aber leider haben wir nicht mehr.
Als ich 15 oder 16 Jahre alt war, zelebrierte die Politik unter großem Trara, mit deutscher Gründlichkeit und Rührseligkeit den Abriß der Berliner Mauer und setzte die Parole “die Mauer muß weg” tatsächlich in wörtlichem Sinne um.
Ich schlug damals – trotz meines jungen Alters, und ohne persönlich mit Berlin verbunden zu sein – die Hände über dem Kopf zusammen, wie ein als besonnen geltendes Volk so kurzsichtig und dumm sein kann, wie die Besessenen die Zeugnisse der weltweit einmaligen Stadtgeschichte bis auf den letzten Rest zu tilgen.
Aber glauben Sie, das wollte damals jemand hören? Einem wurde das Wort im Munde umgedreht, als wolle man die deutsche Teilung aufrechterhalten.
Nun ist es zu spät, und ich falle fast vom Glauben ab, daß jetzt auch der letzte Rest dem Profit geopfert werden soll.
Was haben Sie eigentlich gegen eine “Touristenattraktion” enzuwenden?
Vielleicht ist es ja eine speziell deutsche Eigenart, so herablassend zwischen U und E zu unterscheiden.
Fakt ist: Es ist ein Überrest der Berliner Mauer, und da hinsichtlich Industrie und sonstiger Wirtschaftskraft in Berlin ja bekanntlich Fehlanzeige ist, sollte Tourismus ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor sein!
Je mehr Berlin von dem verliert, was es ausmacht, desto ärmer wird es.
Danke, sehe ich genauso. Hier wollen sich nur wieder ein paar unterbeschäftigte Künstler wichtig machen.
Es ist alles relativ. Aufgeblasen finde ich hier vor allem Ihre Kritik, alleine schon in der Wortwahl.
Alle Ihre Kritikpunkte kann man einzeln auseinander pflücken, keiner hält mehr stand.
Die Mauer ist kein Original mehr, weil sie (von der Ostseite) damals nicht bemalt war?
1. Wer sagt, dass Geschichte nur Geschichte bis zum 9.11.1989 ist? Zum Bestandteil der Geschichte und des Mauerfalls gehört gerade auch, der Prozess der Verarbeitung, der sich im Bemalen dieses echten! Mauerstücks ausdrückt. Dass Sie Geschichte mit dem 9.11. kappen ist IHRE Willkür.
2. Wenn Kriterium ist, dass nur als Geschichte bewahrt werden darf, was noch "im Original" erhalten ist, bekommen Sie Freude und dürfen schon mal die Abrissbirnen glühen lassen. Weg müssen dann auch Reichstag oder Kölner Dom als "nicht historisch korrekt".
Die Graffitis / Bilder sind keine Kunst? Diese Aussage hat so einen Bart, dass sich darüber nicht lohnt zu diskutieren. Auch hier gilt: Konsequent angewendet würde das bedeuten, dass von zeitgenössischen (Kunst-)Werken 90 % nicht Bestand hätte.
Die Bilder müssen übrigens nicht einmal als Kunst gelten, um einen Sinn zu haben. Sie sind Zeitgeschichte!
Ob daraus der Gallery Disneyland wird, hängt vom Umgang ab - nicht von der Existenz! Im Gegenteil: Wer an "historisch korrekt" hängt, muss für den Erhalt stehen, denn nur MIT hat man die Chance, authentisch Zeitachse abzubilden und damit Geschichte, die sich auch nach dem 9.11. noch abgespielt hat!
sind ein Stück Zeitgeschichte. Nur weil Sie die Bilder nicht als Kunst empfinden, heißt dies nicht, dass diese nicht geschichtlich bedeutend sind.
Der Rest Ihres Beitrages ist unlogisch.
Von "Kunst" hat ja auch keiner etwas gesagt — Sie tun es. Wenn Sie mal oben auf’s Foto schauen, lesen Sie: "Ist Kultur denn jarnischt mehr wert?" Das ist schon ein kleiner Unterschied. Und daß Sie sich schließlich auch an dem Begriff "Gallery" so abarbeiten, zeugt davon, daß Sie nicht wirklich wissen, worüber Sie sprechen.
der Berliner Mauer, das vom politisch inszenierten Abriß-Exzess Anfang der 90er Jahre verschont geblieben ist. Ein kläglicher Rest, zugegeben, dessen Wert man herunterschreiben kann. Aber leider haben wir nicht mehr.
Als ich 15 oder 16 Jahre alt war, zelebrierte die Politik unter großem Trara, mit deutscher Gründlichkeit und Rührseligkeit den Abriß der Berliner Mauer und setzte die Parole “die Mauer muß weg” tatsächlich in wörtlichem Sinne um.
Ich schlug damals – trotz meines jungen Alters, und ohne persönlich mit Berlin verbunden zu sein – die Hände über dem Kopf zusammen, wie ein als besonnen geltendes Volk so kurzsichtig und dumm sein kann, wie die Besessenen die Zeugnisse der weltweit einmaligen Stadtgeschichte bis auf den letzten Rest zu tilgen.
Aber glauben Sie, das wollte damals jemand hören? Einem wurde das Wort im Munde umgedreht, als wolle man die deutsche Teilung aufrechterhalten.
Nun ist es zu spät, und ich falle fast vom Glauben ab, daß jetzt auch der letzte Rest dem Profit geopfert werden soll.
Was haben Sie eigentlich gegen eine “Touristenattraktion” enzuwenden?
Vielleicht ist es ja eine speziell deutsche Eigenart, so herablassend zwischen U und E zu unterscheiden.
Fakt ist: Es ist ein Überrest der Berliner Mauer, und da hinsichtlich Industrie und sonstiger Wirtschaftskraft in Berlin ja bekanntlich Fehlanzeige ist, sollte Tourismus ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor sein!
Je mehr Berlin von dem verliert, was es ausmacht, desto ärmer wird es.
Danke, sehe ich genauso. Hier wollen sich nur wieder ein paar unterbeschäftigte Künstler wichtig machen.
Es ist alles relativ. Aufgeblasen finde ich hier vor allem Ihre Kritik, alleine schon in der Wortwahl.
Alle Ihre Kritikpunkte kann man einzeln auseinander pflücken, keiner hält mehr stand.
Die Mauer ist kein Original mehr, weil sie (von der Ostseite) damals nicht bemalt war?
1. Wer sagt, dass Geschichte nur Geschichte bis zum 9.11.1989 ist? Zum Bestandteil der Geschichte und des Mauerfalls gehört gerade auch, der Prozess der Verarbeitung, der sich im Bemalen dieses echten! Mauerstücks ausdrückt. Dass Sie Geschichte mit dem 9.11. kappen ist IHRE Willkür.
2. Wenn Kriterium ist, dass nur als Geschichte bewahrt werden darf, was noch "im Original" erhalten ist, bekommen Sie Freude und dürfen schon mal die Abrissbirnen glühen lassen. Weg müssen dann auch Reichstag oder Kölner Dom als "nicht historisch korrekt".
Die Graffitis / Bilder sind keine Kunst? Diese Aussage hat so einen Bart, dass sich darüber nicht lohnt zu diskutieren. Auch hier gilt: Konsequent angewendet würde das bedeuten, dass von zeitgenössischen (Kunst-)Werken 90 % nicht Bestand hätte.
Die Bilder müssen übrigens nicht einmal als Kunst gelten, um einen Sinn zu haben. Sie sind Zeitgeschichte!
Ob daraus der Gallery Disneyland wird, hängt vom Umgang ab - nicht von der Existenz! Im Gegenteil: Wer an "historisch korrekt" hängt, muss für den Erhalt stehen, denn nur MIT hat man die Chance, authentisch Zeitachse abzubilden und damit Geschichte, die sich auch nach dem 9.11. noch abgespielt hat!
sind ein Stück Zeitgeschichte. Nur weil Sie die Bilder nicht als Kunst empfinden, heißt dies nicht, dass diese nicht geschichtlich bedeutend sind.
Der Rest Ihres Beitrages ist unlogisch.
Was erhofft Berlin sich damit?
Erst geht der Flughafen in die Binsen, und als man keine Lust mehr hatte wollte man Tegel vergrößern, als man merkte, das Platz Mangelware ist, will man sich nun korrumpieren lassen und Sehenswürdigkeiten einreißen.
Was kommt als nächstes? das Brandenburger Tor soll für ein Starbucks weichen? Der Fernsehturm für ein Apple Store, oder die Siegessäule macht Platz für ein Parkplatz?
Und wieso gerade an der Ecke, meines Wissens ist der Standort für Luxuswohungen denkbar schlecht.
ist nicht nur Teil der deutschen Geschichte, ihrer zeitweiligen Trennung in zwei Staaten und der Wiedervereinigung,sondern viel mehr.
Die Mauer ist auch Symbol der sicherlich schwierigen Zusammenführung beider Staaten, dem Suchen nach einer gemeinsamen nationalen Identität. Da wo sie eingerissen wurde, ist sie Symbol für das Aufeinanderzugehen, dort wo sie noch steht, ermahnt sie an das Schicksal vieler Menschen und an die Geschichte.
Sie ist zugleich Denkmal und Ausdruck von künstlerischer gemeinsamer Aktivität.
Die Mauer war nicht nur ein die Stadt in zwei Teile trennendes Element, sondern international von Bedeutung im kalten Krieg und Teil des "Eisernenen Vorhangs".
Die Reste der Mauer sollten unter den Schutz des Weltkulturerbes der UNO gestellt werden.
Und ich bin nicht Berlinerin, sondern Ruhrpottlerin.
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