"Wir bedauern, dass wir Ihnen nicht weiterhelfen können", steht in einem Brief, den das FBI vor zwei Jahren an Grace Hall Miller geschrieben hat. "Bitte nehmen Sie unser tiefes Beileid für den Verlust Ihres Ehemanns entgegen." Es geht um einen Mord in Newtown im US-Staat Georgia vor beinahe einem halben Jahrhundert. Die amerikanische Bundespolizei hatte den Fall erneut untersucht, nur um die Akten kurze Zeit darauf wieder zu schließen.

Der Ehemann der Brief-Empfängerin, Hosie Miller, war 1965 mit einem Mann namens Cal Hall Jr. über Kühe in Streit geraten. Hall, ein Weißer, tötete daraufhin Miller, einen Schwarzen, mit einem Schuss in den Rücken. Doch der Täter wurde nie verurteilt. Das juristische Nachspiel der Tat ist voller Fehlentscheidungen in Prozessen, deren Geschworene in der Mehrheit Weiße waren.   

Jahrzehnte später haben FBI-Agenten erneut die Angehörigen des Mordopfers befragt und in den örtlichen Archiven recherchiert. Da der Schütze längst verstorben sei und es keine Mittäter gebe, könne die Behörde leider nichts weiter tun, als die Akte zu schließen, schrieb sie der Frau des Toten.

Diese Geschichte stammt aus einem Artikel der New York Times. Die Zeitung ist der Frage nachgegangen, was aus einem aufsehenerregenden Vorhaben des FBI geworden ist. Die Behörde hatte 2007 vom Kongress den Auftrag bekommen, alle ungeklärten Morde aus der Zeit der Bürgerrechtsbewegung neu aufzurollen, bei denen rassistische Motive vermutet wurden. Diese Cold Case Initiative ist kurz davor, beendet zu werden.   

112 neu aufgerollte Fälle

Inzwischen hat sich das FBI laut New York Times mit insgesamt 112 solcher Fälle beschäftigt. Alle bis auf etwa 20 hat die Behörde bereits abgeschlossen. Meistens führten die Untersuchungen zu keiner Anklage. Zu lang waren die Fälle oft her. Viele Täter waren entweder tot, oder in früheren Verfahren verurteilt oder freigesprochen worden, sodass sie nicht erneut wegen der gleichen Tat angeklagt werden konnten. 

Viele Angehörige bekamen daraufhin solche bedauernden Briefe – meist persönlich übergeben von FBI-Agenten. Manche sehen darin eine späte Entschuldigung, andere eine erneut verpasste Chance der Aufarbeitung.