Rassismus : Nach 50 Jahren ein Kondolenzbrief vom FBI

112 rassistische Mordfälle aus den 1950er und 1960er Jahren hat das FBI neu untersucht. Doch das Ergebnis ist dürftig und stößt bei Angehörigen der Opfer auf Unverständnis.
Das FBI rollte auch Verbrechen des Ku-Klux-Klans neu auf. ©Keystone/Getty Images

"Wir bedauern, dass wir Ihnen nicht weiterhelfen können", steht in einem Brief, den das FBI vor zwei Jahren an Grace Hall Miller geschrieben hat. "Bitte nehmen Sie unser tiefes Beileid für den Verlust Ihres Ehemanns entgegen." Es geht um einen Mord in Newtown im US-Staat Georgia vor beinahe einem halben Jahrhundert. Die amerikanische Bundespolizei hatte den Fall erneut untersucht, nur um die Akten kurze Zeit darauf wieder zu schließen.

Der Ehemann der Brief-Empfängerin, Hosie Miller, war 1965 mit einem Mann namens Cal Hall Jr. über Kühe in Streit geraten. Hall, ein Weißer, tötete daraufhin Miller, einen Schwarzen, mit einem Schuss in den Rücken. Doch der Täter wurde nie verurteilt. Das juristische Nachspiel der Tat ist voller Fehlentscheidungen in Prozessen, deren Geschworene in der Mehrheit Weiße waren.   

Jahrzehnte später haben FBI-Agenten erneut die Angehörigen des Mordopfers befragt und in den örtlichen Archiven recherchiert. Da der Schütze längst verstorben sei und es keine Mittäter gebe, könne die Behörde leider nichts weiter tun, als die Akte zu schließen, schrieb sie der Frau des Toten.

Diese Geschichte stammt aus einem Artikel der New York Times. Die Zeitung ist der Frage nachgegangen, was aus einem aufsehenerregenden Vorhaben des FBI geworden ist. Die Behörde hatte 2007 vom Kongress den Auftrag bekommen, alle ungeklärten Morde aus der Zeit der Bürgerrechtsbewegung neu aufzurollen, bei denen rassistische Motive vermutet wurden. Diese Cold Case Initiative ist kurz davor, beendet zu werden.   

112 neu aufgerollte Fälle

Inzwischen hat sich das FBI laut New York Times mit insgesamt 112 solcher Fälle beschäftigt. Alle bis auf etwa 20 hat die Behörde bereits abgeschlossen. Meistens führten die Untersuchungen zu keiner Anklage. Zu lang waren die Fälle oft her. Viele Täter waren entweder tot, oder in früheren Verfahren verurteilt oder freigesprochen worden, sodass sie nicht erneut wegen der gleichen Tat angeklagt werden konnten. 

Viele Angehörige bekamen daraufhin solche bedauernden Briefe – meist persönlich übergeben von FBI-Agenten. Manche sehen darin eine späte Entschuldigung, andere eine erneut verpasste Chance der Aufarbeitung.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Man sieht wieder wohn populistisches Handeln führt. Zu Unzufridenheit, Unglaubwürdigekit und blossem Aufreissen alter Wunden.

Da möge man lieber die Arbeit von Journalisten und Universitäten unetrstützen. Aber ohne Skandalisierung und Schlagzeilentracht, die hierzulande bei Vorkommnisse ab 10 Jahren Vergangenheit üblich geworden ist. Und zwar selektiv je nach Partei- und Gruppenzugehörigkeit.

@ 3 Goodman

Zit.: "Das US-Justizsystem!" Eine Beschäftigung damit lohnt sich. Es ist auch europäischen Ursprungs.

Und man kann davon ausgehen, dass tausende Urteile gegen Schwarze überhaupt nicht den Regeln entsprachen, sondern allein Willkür, Hass und Angst Rechnung trugen. Dazu Herrschaft regionaler Gruppen, die auch dem empörten und egangeirten Weissen das Haus angezündet hätte.

Gegen diesen massiven Missbrauch kann kein System was ausrichten. Auch das deutsche nicht. Bei uns ist die Kontrolle eher möglich, weil hier alles überschaubarer ist und schon deswegen solche kollektive in Besitznahme des Rechts verhindert würde.

Das war auch mal anders als Recht nur im Sinne der Staatsräson gesprochen wurde und Freislers Rechtsverdrehung schon aus Angst unwidersprochen blieb.