FranziskusVatikan verteidigt päpstliche Fußwaschung an Frauen

Dass der neue Papst auch zwei Frauen die Füße gewaschen hat, bringt Konservative gegen ihn auf. Der Vatikan nennt "pastorale Gründe" für den Traditionsbruch.

Papst Franziskus bei der Fußwaschung am Gründonnerstag in Rom

Papst Franziskus bei der Fußwaschung am Gründonnerstag in Rom  |  ©Osservatore Romano/Reuters

Vatikansprecher Federico Lombardi hat die Kritik an Papst Franziskus wegen dessen Fußwaschung an zwei Frauen zurückgewiesen. Die Geste der Fußwaschung sei kein Sakrament, sondern ein wichtiger Ritus, für den es keine Gesetze gebe, sagt Lombardi. Dass Franziskus am Gründonnerstag in einem römischen Gefängnis auch zwei Frauen die Füße wusch, habe "pastorale Gründe", sagte Lombardi einem Bericht des Portals kath.net zufolge.

Die traditionelle Fußwaschung am Gründonnerstag basiert auf der Überlieferung, dass Jesus beim letzten Abendmahl vor seiner Kreuzigung seinen Aposteln die Füße gewaschen habe. Sie ist Sinnbild für Demut und den Dienst am Nächsten als wichtige Aufgabe der Priester. Konservative Katholiken argumentieren, unter den zwölf Aposteln seien nur Männer gewesen. Deshalb sei es unzulässig, Frauen in den Ritus einzubeziehen.

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"Wer auch immer ganz oben steht, muss den anderen dienen", sagte der Papst zu Beginn der Zeremonie. Schon als Erzbischof von Buenos Aires hatte Jorge Mario Bergoglio an Gründonnerstag Messen in Gefängnissen, Krankenhäusern und Altersheimen gefeiert und dabei Menschen die Füße gewaschen. Lombardi sagte, der neue Papst habe schon in Buenos Aires wiederholt in Abendmahlsgottesdiensten am Gründonnerstag auch Frauen in die Fußwaschung einbezogen.

Katholische Italienerin und muslimische Serbin

In Rom hielt der Papst einen Abendmahlsgottesdienst mit 49 Häftlingen im Jugendgefängnis Casal del Marmor und wusch dabei die Füße von zwölf Gefangenen. Bei den beiden Frauen, die in die Zeremonie einbezogen wurden, handelte es sich dem Gefängnis zufolge um eine katholische Italienerin und eine muslimische Serbin.

Schon vor der Messe hatte Franziskus in der Chrisammesse im Vatikan die Priester weltweit aufgerufen, aus ihren Kirchen herauszugehen und sich zu den Menschen zu begeben. Die Priester sollten "an die äußeren Ränder" der Gesellschaft gehen und das Evangelium denen verkünden, die "überhaupt nichts haben", sagte Franziskus unter dem Applaus der Gläubigen.

Am Gründonnerstag gibt der Papst traditionell den Kurs für die katholische Priesterschaft weltweit vor. Seit seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche hatte Franziskus mehrfach Reformen angemahnt, aber noch keine konkreten Reformschritte angekündigt. Einige Beobachter sehen in seinen Aussagen auch Kritik an seinem Vorgänger Benedikt XVI., mit dem Papst Franziskus aber dem Vatikan zufolge in regem Austausch steht.

Kreuzweg für Nah- und MIttelost

Am Karfreitag betete der Papst gemeinsam mit Tausenden Gläubigen am Kolosseum in Rom den Kreuzweg. Im Zentrum der Gebete und Meditationen stand in diesem Jahr die Lage in der Region des Nahen und Mittleren Ostens. In der Zeremonie gingen die Katholiken die 14 Stationen des Leidens von Jesus Christus nach, wie er sie der Überlieferung nach erlebte. Das große Holzkreuz wurde nicht von Franziskus selbst, sondern abwechselnd unter anderem von chinesischen Seminaristen, italienischen Familien, Geistlichen aus dem Libanon und aus Nigeria sowie von Jugendlichen aus Brasilien getragen.

Die Meditationen wurden diesmal von zwei jungen Libanesen geschrieben und beschäftigten sich unter anderem mit der Lage im Nahen und Mittleren Osten, ohne den Konflikt in Syrien direkt zu erwähnen. "Möge das Blut der unschuldigen Opfer die Saat für einen brüderlicheren Orient sein", hieß es dazu. "Lasst uns dafür beten, dass die Vertriebenen bald in ihre Häuser und Länder zurückkehren können."

Papst Franziskus folgte der Zeremonie betend und nachdenklich und beschloss die von vielen Fackeln begleitete Feier mit einfachen Worten: "Die Christen müssen auf das Böse mit dem Guten antworten." Sie müssten das Kreuz auf sich nehmen, wie es Jesus einst getan habe. Franziskus betonte auch die Freundschaft zu "so vielen unserer muslimischen Brüder".

Am Samstagabend steht in der Peterskirche die Messe zur Osternacht, in der die Auferstehung Jesu von den Toten gefeiert wird, auf dem Programm des Papstes. Am Sonntag werden dann Zehntausende Menschen zur großen Ostermesse auf dem Petersplatz erwartet. Neben dem berühmten Segen Urbi et Orbi sendet der Papst bei dieser Gelegenheit traditionsgemäß auch Ostergrüße in zahlreichen Sprachen an die Gläubigen in aller Welt.

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Leserkommentare
    • Lyaran
    • 30. März 2013 16:13 Uhr

    Ich bin zwar Agnostiker aber mir ist die Bedeutung des Papstes durchaus bewusst. Vielleicht kann er ja einen Wandel einleiten durch solche Taten.

    "Die Christen müssen auf das Böse mit dem Guten antworten", sagte er. Sie müssten das Kreuz auf sich nehmen, wie es Jesus einst getan habe. Franziskus betonte auch die Freundschaft zu "so vielen unserer muslimischen Brüder".
    Oh wenn doch nur viele der hier vertretenen Schönwetter-Christen und auch in unserer Regierung solche Worte ernstgenommen werden würden.

    17 Leserempfehlungen
  1. ...und schon legt er sich mit den Fundis an?
    Respekt! Respekt! Respekt!
    Diese einfache und bescheidene Tradition hat damit mehr frischen Wind in den Vatikan gebracht als alles was in den letzten Jahren so passiert ist.

    22 Leserempfehlungen
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    bei der einstigen fußwaschung waren nicht nur keine frauen, sondern auch keine italiener, keine katholen, keine serben und keine muslime dabei, und darüber regt sich niemand auf.
    komische leute, die christen ;-)

    • conure
    • 30. März 2013 16:20 Uhr

    ein Papst, der selbst Atheisten wie mich anfängt zu begeistern.

    ""Möge das Blut der unschuldigen Opfer die Saat für einen brüderlicheren Orient sein", hieß es dazu. "Lasst uns dafür beten, dass die Vertriebenen bald in ihre Häuser und Länder zurückkehren können."

    Das würde ich nicht ausschließlich auf Syrien beziehen....es gilt für
    alle Menschen der Region.

    Ein Papst, der die christliche Botschaft tatsächlich umzusetzen gewillt
    ist ?

    Es wäre ein kleines Wunder.....

    13 Leserempfehlungen
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    • SdV
    • 30. März 2013 20:22 Uhr

    ...und ob der neue Papst seine bisher rein symbolischen Handlungen mit echten Reformen unterfüttern wird, bleibt abzuwarten. Umso mehr erstaunt, wie kritiklos Franziskus derzeit zugejubelt wird (auch in vielen Teilen der deutschen Medien). Wenn der Papst wirklich etwas ändern würde, würde er nicht die Regeln übertreten, sondern sie ändern. Die Macht dazu hat er, und zwar schon jetzt.
    Ansonsten sind seine Beziehungen zur argentinischen Diktatoren-Junta nach wie vor nicht wirklich geklärt, es gibt glaubwürdige Stimmen, die von einem doppelten Spiel von Bergoglio berichten. Und jetzt hat er nach seiner Neuwahl mit Robert Mugabe einen afrikanischen "Politiker" empfangen, der Jahrzehnte lang sein eigenes Volk quälte - ohne Mahnungen, ohne Kritik, in aller Freundlichkeit.
    Und was den Jubel betrifft: Wer hoch steigt, wird umso tiefer fallen.

    etwa nicht für den Frieden in der Welt gebetet? Hat er nicht Misstände angeprangert, Umweltverschmutzung, Turbokapitalismus usw.?

    Ich sage dazu nur: wer Ohren gehabt hätte, hätte schon zu Benedikts Zeiten gehört.

    Vermutlich liegt es daran, dass Franziskus kein "deutscher" Papst ist. Wir meinen halt immer, dass etwas ganz anders sei, nur wenn es nicht aus Deutschland kommt....

  2. Das gleiche behauptet zwar auch der Spiegel - aber wo regt sich denn jemand darüber auf? Nicht mal in den ultrakatholischsten Blogs gibt's auch nur einen Hauch Kritik an der Waschung ... also: Butter bei die Fische - bitte die Behauptung mal mit Zitat belegen!

    7 Leserempfehlungen
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    • sinta
    • 30. März 2013 16:52 Uhr

    Im Spiegel-Artikel wird das doch erwähnt. Edward Peters, ein Berater des Vatikans - dann noch der 'der meistgelesenen Blogs der katholischen Traditionalisten, "Rorate Caeli"

    Und dann kann man ja selber noch einen Abstecher zu 'Gloria TV' machen, unter anderem schreibt dort eine/r: "Bergoglio war schon immer ein Frauen-Fusswaschungs-Liturgie-Missbraucher"
    http://de.gloria.tv/?medi...

    • welll
    • 31. März 2013 1:49 Uhr

    Ein paar kleinere Auszüge.

    "Someone on the other thread said:
    "If the Pope will not obey the law of the Church – why should anybody else?"
    Precisely. Doesn't anyone realize the message he has just given?

    I wish this was all a bad dream, but it is not. I still can't believe it is all happening.

    Anon777"

    "Just as I started to think that Vatican II crazies were on their way out, we got Papa Pancho."

    http://rorate-caeli.blogs...

    "Pope Francis has managed to do more damage in 2 weeks than any Pope in the Church's history."

    "Elizabeth said...
    Good Lord, have mercy. I so very much wanted to see him NOT do something like this."

    http://rorate-caeli.blogs...

  3. sicher auch gefallen hätte, der als Erzbischof von San Salvador auch oft Messen in Krankenhäusern feierte und bei einer dieser Messen am Altar erschossen wurde

    4 Leserempfehlungen
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    schön wäre jetzt noch, wenn die katholische Kirche sich zur Seligsprechung Oscar Romeros durchringen könnte - und sein soziales und politisches Engagement damit als Ausdruck des Glaubens würdigen und daraus keinen Gegensatz mehr machen würde.

    ob Gerhard Müller, der ja mit Gustavo Gutierez zusammen ein Buch veröffentlicht hat, auch unter Franziskus Leiter der Glaubenskongregation bleibt

    • Kanzel
    • 30. März 2013 16:30 Uhr

    So attraktiv die tagtäglichen Überraschungen des Papstes auch erscheinen mögen, der Papst sollte nicht vergessen alle Katholiken auf seinen reformfreudigen Weg mitzunehmen, auch wenn dies Zeit kostet.

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    Warum Zeit? Zeit ist doch seit dem 2. Konzil genug ins Land gegangen. Bergoglio ist der *Papst* - und kann in Glaubensdingen nun einmal die Zeichen setzen, die er will, ohne auf hundert Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Als Ungläubiger muss ich sagen: Hut ab!

  4. Zeremonie eben. Der Papst hat immer nur frischgewaschene Füße gewaschen. Wahrscheinlich war es diesmal auch nicht anders.

    Das einzig Neue war immerhin, dass er auch 2 frischgewaschene Frauenfüße noch einmal gewaschen hat. Insoweit hat die Zeremonie wohl doch eine tiefere Bedeutung.

    Wie außerordentlich das ist, ergibt sich auch daraus, dass Franziskus in einer Rede kürzlich noch von Frauen und Menschen gesprochen hat. Dieses Menschen- bzw. Frauenbild ist in diesem Apparat eben sehr tief verankert und für manche ist es offenbar schockierend, dass diese über Jahrtausende verinnerlichte Weltanschauung angetastet werden könnte.

    3 Leserempfehlungen
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    • oooo
    • 30. März 2013 16:46 Uhr

    Ich glaube, das war ein Übersetzungsfehler. Ich meine das so gehört zu haben, und: "Homo" im lateinischen heißt sowohl Mann als auch Mensch.

    • Iona
    • 31. März 2013 3:16 Uhr

    sind lediglich evangelische "Leiter", die sich nicht als "Hirten" und "Seelsorger" verstehen können und - Otto.Ast sei mein Zeuge - "die letzte Heilige" als "Flittchen" bezeichen.

    Soweit zur Frauenfreundlichkeit des Protestantismus. :-)

  5. ich hätte nicht erwartet, daß die Ankündigungen des neuen Papstes mehr als reine PR seien - derlei Gesten dagegen machen zumindest eine leise Hoffnung, daß vielleicht doch mehr dahintersteckt und entsprechende Taten folgen.

    Alles in allem ganz schön soweit.

    3 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sc
  • Schlagworte Federico Lombardi | Jesus | Vatikan | Benedikt XVI | Katholische Kirche | Gefängnis
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