Integration"Pluralität ist ein Schatz"

Auf der Jungen Islam Konferenz in Berlin diskutieren die Teilnehmer keine religiösen Details, sondern Maßnahmen für ein vielfältiges Verhältnis von Staat und Religion. von  und

"Der Bundespräsident hat mich erkannt", sagt Arman Kuru und strahlt. "Ich fühle mich sehr geehrt." Kuru ist Deutsch-Türke und wirkt zum dritten Mal an der Jungen Islam Konferenz (JIK) mit. Als einer der 40 Teilnehmer im Alter von 17 bis 25 Jahre will er der Debatte über das Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen neue Impulse geben.

Unterstützung erhalten Kuru und seine Mitstreiter von oberster Stelle. Bei einem Empfang im Schloss Bellevue hebt Bundespräsident Joachim Gauck hervor, wie wichtig es sei, "dass den vorhandenen Vorurteilen und Pauschalisierungen etwas entgegengesetzt wird, und zwar Aufklärung".

Anzeige

2011 wurde die JIK in Anlehnung an die Deutsche Islamkonferenz (DIK) gegründet. Während die DIK am 7. Mai aber zum vorerst letzten Mal stattfinden wird, wollen die jungen Teilnehmer ihr Engagement auf Länderebene ausweiten.

Die Ziele der Konferenz fasst Tutku Güleryüz in einer Rede vor dem Bundespräsidenten zusammen. Souverän spricht sich die 23-jährige Studentin für einen selbstverständlichen Umgang der Gesellschaft mit Pluralität aus – ein Anliegen, das auch Gauck in seiner Rede herausstellt.

Für die Jugendlichen ist Deutschland längst Einwanderungsland 

"Viele tun sich noch immer schwer damit, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, dabei ist dies für die junge Generation längst Alltag", sagt Güleryüz. Sie weiß, wovon sie spricht. Die Berlinerin ist eine der 16 Millionen Deutschen mit Migrationshintergrund und eine von vier Millionen Muslimen im Land. Güleryüz' Großeltern waren als Arbeitsmigranten aus Anatolien nach Deutschland gekommen. "Wenn ich in die Türkei fahre, bin ich nicht als Türkin da, sondern als Besucherin", sagt sie.

Nichts sei wichtiger als gleiche Partizipationsmöglichkeiten. "In Großbritannien beispielsweise sind Polizistinnen mit Kopftuch ganz normal", sagt Güleryüz. Dass eine Frau ihr Kopftuch mit Selbstbewusstsein tragen, Feministin und Muslimin zugleich sein kann, sei ihr ein zentrales Anliegen.


Auch Arman Kuru sieht noch Handlungsbedarf, um die Wahrnehmung von Muslimen im Alltag von Stereotypen zu befreien. Seine Freunde seien unterschiedlichster Herkunft, sagt der 22-Jährige, der schon 2011 an der ersten JIK teilgenommen hat. In der Öffentlichkeit hingegen erlebe der Kriminalkommissar-Anwärter noch immer Vorurteile. Die seien nicht immer negativ. "Aber wenn Leute sich wundern, dass ich ja richtig gut integriert bin, dann fehlt es offensichtlich noch an Inklusion." 

Bei der Konferenz diskutieren auch Teilnehmer ohne Migrationshintergrund mit. Dazu zählt Jean Paul Potthoff aus Dortmund. Der 20-jährige Abiturient beobachtet mit Sorge, "dass es auch in der Mitte der Gesellschaft eine bedenkliche Akzeptanz islamfeindlicher Strömungen gibt." Darum sei es ihm wichtig, mehr über den Islam zu lernen und dieses Wissen weiter zu vermitteln.

Leserkommentare
  1. und keine Alimentärpolitik wie es bei uns gehandhabt wird.
    In der Türkei gilt (NOCH) eine strenge Trennung zwischen Religion und Politik
    wie es eigentlich bei uns auch sein sollte

    22 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • _bla_
    • 09. März 2013 15:35 Uhr

    <em>In der Türkei gilt (NOCH) eine strenge Trennung zwischen Religion und Politik wie es eigentlich bei uns auch sein sollte</em>

    Unsinn, in der Türkei gibt es defacto einen sunnitische Staatsislam, alle anderen Religionen und Weltanschauungen werden benachteiligt und in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt. Der türkische Laizismus äußert sich primär daran dem Militär öfters mal einen Vorwand für ein Putsch zu liefern und erwachsene Frauen in ihrer Kleidungswahl einzuschränken.
    Die Türkei ist nun wirklich kein gutes Vorbild im Verhältnis für ein vernünftiges Verhältnis zwischen Religion und Staat.

  2. weil es so ist. Genauso wie die Berichterstattung über Johnny K. da haben sie viel drüber gelesen, nurrr nicht bei Die Zeit.

    Interessant auch "Junge Islamkonferenz" und Gauck ist dabei. Ja alle sind gleich Christen, Buddhisten, Juden, Bahia aber Muslime bekommen dann doch immer nen Sonderplatz weil sie laut schreiende Vertreter haben (auch in den Medien).

    Wenn Sie durch Städte wie Duisburg gehen mit Türken und Deutschen sprechen werden sie merken.... Multikulti ist komplett gescheitert.

    50 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Leider werden diese "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Neulich beim Arzt. Eine junge Familie neben mir im Wartezimmer, die ich erst gar nicht richtig mitbekommen habe, weil ich ziemlich intensiv gelesen habe. Angeregte Unterhaltung der Beiden habe ich schon registriert. Er wird aufgerufen, da nehme ich die Familie überhaupt erst wahr. Er nimmt den etwa 4-5 jährigen Jungen von seinem Schoß und "pflanzt" ihn auf den Schoß seiner Frau. Der Junge offenbar auch etwas gesundheitlich angeschlagen, aber aufgeweckt. Sie nimmt von ihrem Mann das Bilderbuch in Empfang und liest vor. In der Geschichte geht es um Ostern.
    Der Junge fragt viel, die Mutter antwortet. Erklärt viel zu Osterbräuchen, auch dass das Lamm ein Symbol ist.
    Die Familie: Türken. Die Mutter - trägt Kopftuch.

    Stimmt, Sie haben völlig Recht. Multikulti ist KOMPLETT gescheitert.

    " Ja alle sind gleich Christen, Buddhisten, Juden, Bahia aber Muslime bekommen dann doch immer nen Sonderplatz weil sie laut schreiende Vertreter haben (auch in den Medien)."

    -> Die sog. Islamkonferenz ist eine Erfindung der Regierung und nichts dass die muslimische Minderheit in D. gefordert hat. Desweiteren ist dies kein Privileg, sondern eine Beleidigung. Stellen sie sich mal vor, die Regierung initiiere eine "Judenkonferenz" um die Rolle des Judentums in Deutschland (kritisch) zu beleuchten. Dann wäre aber Schluss mit Lustig.

  3. <em>„Leider werden diese pluralistischen Gedanken oft als "linkes zum scheitern verurteiltes Multikulti" verschrieen“ <em>

    Tja... Dieses pawlowsche „Argument“ kann man in jedem Thread zu diesem Thema zur Genüge beobachten und wird auch hier nicht lang auf sich warten lassen. Gern garniert mit der Behauptung, die Inhaber pluralistischen Gedankenguts würden in noblen Vierteln wohnen und kämen im
    Gegensatz zur arbeitenden Bevölkerung mit Muslimen nicht in Berührung... Wetten, dass eine Variante dieses Topos gleich hier auftaucht? ;)

    <em>„In Deutschland leben Millionen Menschen mit Migrationshintergrund gut integriert in die Gesellschaft, zahlen ihre Steuern, gehen ihren Jobs nach und pflegen Traditionen aus verschiedenen Kulturen.“</em>

    Eben, darum sind solche „Konferenzen“ auch so überflüssig wie ein Kropf. Das Problem ist, dass allein schon eine Veranstaltung wie die „Junge Islam Konferenzen“ (das Deppenleerzeichen ist noch das kleinste Problem) , und sei sie noch gut gemeint, dem gegenteiligen Eindruck indirekt Vorschub leistet. Selbstverständlich brauchen wir „Islamkonferenzen“ so wenig wie Buddhismus- oder Spaghettimonsterkonferenzen. Wir brauchen als säkulare Gesellschaft auch keinen irgendwie politisch organisierten „Dialog“ mit irgendeiner Religion. Und die Frage der doppelten Staatsangehörigkeit, die am Ende noch erwähnt wird, hat in dem Kontext erst recht nichts zu suchen.

    42 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Leider werden diese "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Als Gesellschaft beten wir so vieles an. Den Konsum, die WIrtschaft, unser Gehalt, den christlichen, muslimischen, jüdischen Gott, wir beten Stars und Sternchen an, verehren Fußballer und Vereine und die Liste kann man ewig so weiter führen.
    Religion hat in jeder Gesellschaft, zu jeder Zeit immer einen festen Bestandteil gehabt und so sehr ich ihre Kommentare im Bezug auf das Thema Integration schätze, teile ich nicht Ihre Meinung, der Überflüssigkeit solcher Veranstaltung, denn gerade die junge Islamkonferenz finde ich ausgesprochen positiv aus mehreren Gründen. Die Veranstaltung ist offen für jeden, was Grundvoraussetzung ist für einen konstruktiven Ideenaustausch. Wir beklagen gerne, wie wenig engagiert und verdrossen junge Menschen sind, wenn es darum geht, sich für gesellschaftliche Themen zu engagieren. Hier wird genau dies umgesetzt. Was genau ist also negativ daran? So kann Partizipation gefördert werden, denn die Teilnehmer der Konferenz verfügen alle über ein eigenes soziales Netzwerk, in dem sie dann von dieser Veranstaltung berichten können. Somit werden tausende Menschen zumindest potenziell angesprochen.
    Inhaltlich würde ich noch anmerken wollen, dass der Islam gern und viel kritisiert wird und sich im Rahmen einer solchen Konferenz die Möglichkeit bietet, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen.

  4. http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/tritte-schlaege-rassismus-wiede...

    Spielabbruch! Ikenna Onukogu (re.), der Torhüter von Hertha Hamborn, und Bottroper Zuschauer (Dostlukspor Bottrop) liefern sich ein heftiges Gerangel nach rassistischen Anwürfen.

    Abseits der schönen Konferenzen, in den schönen Räumen findet die Realität statt ... z.B. auf den Fussballplatz.

    15 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Leider werden diese "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    <em>„Spielabbruch! Ikenna Onukogu (re.), der Torhüter von Hertha Hamborn, und Bottroper Zuschauer (Dostlukspor Bottrop) liefern sich ein heftiges Gerangel nach rassistischen Anwürfen. Abseits der schönen Konferenzen, in den schönen Räumen findet die Realität statt ... z.B. auf den Fussballplatz.“</em>

    Dass es auf Fußballplätzen, insbesondere in Spielen der untersten Ligen, oft gelinde gesagt unschön zu Sache geht, ist ja allgemein bekannt. Aber was bitte hat das alles mit dem Islam zu tun?

    ob es Sinn macht zu antworten, denn Ihre Ausführungen bisher sind nicht gerade von Dialogbereitschaft geprägt und doch möchte ich den Versuch wagen.
    Sie sprechen die Realitäten an, die angeblich nicht in der Konferenz abgebildet sind? Ein Teil der Realität sehen Sie jedoch bei eben jener Konferenz. Junge Akademiker mit und ohne Migrationshintergrund, die offen diskutieren wollen. Die in einen Dialog treten möchten. Die Realität? In meiner Stadt habe ich viele Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund kennengelernt, z.B. früher im Studentenwohnheim. Auch das ist ein Teil der Realität. Ich habe sie im Einzelhandel, in Restaurants, an Imbissen, in Bibliotheken, auf und neben dem Fußballplatz, quasi im ganz normalen Alltag zum Teil kennengelernt, erlebt, oder auch beobachtet. Sie reden von Realitäten und blenden diese aus, wissend, dass diese nicht zu Ihrer Gegenthese passt.
    Ich möchte gar nicht leugnen, dass es andere Großstädte gibt, mit Ghettobildungen und starken Integrationsproblemen, aber die Frage die sich stellt ist, wie es dazu kam, kommt und kommen konnte und der gängige Reflex ist es, diese auf die Unverträglichkeit der Kulturen zu schieben. Dem würde ich massiv widersprechen, denn Millionen Menschen beweisen das Gegenteil.
    Was mir noch auffiel. Muslime, bzw. religiöse Menschen unterliegen in Dtl. sehr oft einem Rechfertigungsdruck. Mit welchem Recht eigentlich, wenn sie Religionen privat ausüben und nicht gegen Gesetze verstoßen?

    • d5rag
    • 09. März 2013 16:30 Uhr

    mit Integration kommen viele Deutsche immer noch nicht zurecht?

    Hm, da wird also ein dunkelhäutiger Torwart dermaßen bepöbelt und rassistisch verunglimpflicht (von offenbar deutschen Fans, jedenfalls Bottroper), daß er sich mehrfach beim Linienrichter beschwert, der aber regelwidrigerweise nichts unternimmt. Die Situation eskaliert, nachdem die Zuschauer auch anfangen, den Spieler zu mit gegenständen zu bewerfen und er mit seiner Wasserflasche wirft.
    Muss man mittlerweile schon sich beleidigen und bewerfen lassen, um integriert zu werden? Oder gibt es einen anderen Zusammenhang zum Artikel?

  5. was Integration bedeutet und wer was zu tun sollte ?
    Anscheinend haben in dieser Frage die Migranten die Deutungshoheit.
    Außerdem heißt es ja nicht mehr Integration sondern Inklusion.

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer was tun sollte

    und Bringschuld der Einwanderer, ihrer Kinder und Enkel meinen, bzw. zu fordern, es hätte eine Unauffälligkeit innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft namens Inklusion oder Assimilierung (hm, wir sind die Borg) stattzufinden - ich kann es nicht mehr hören!

    Wie wäre es mit Partizipation? http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1883553/ Bevor die Gebildeten und Klugen Deutschland lieber verlassen, da man es hier immer noch vorzuziehen scheint, sich abzugrenzen, alles, bloß kein Einwanderungsland sein zu wollen, die Nachkommen der 'Gastarbeiter' bis ins siebte Glied als 'Fremde' zu etikettieren und Religion zur 'Rasse' zu machen.

    Dabei ist zum gemeinsamen Leben in der Mitte Europas völlig ausreichend, sich allerseits an die Gesetze zu halten. Mehr 'Integration' ist nicht erforderlich.

    @Armin Laschet: Religion im öffentlichen Raum 'brauchen'?
    Diese Problematisierung ist überflüssig, der öffentliche Raum ist nicht nur öffentlichen Personen vorbehalten, sondern es bewegen sich auch Privatpersonen mit all ihren unveräußerlichen Menschenrechten darin, darunter auch das auf freie Wahl des Bekenntnis und freie Religionsausübung. Ein öffentlicher Raum, der zur religionslosen Sphäre erklärt würde, wäre ein totalitärer und grundgesetzwidriger Raum (s.a. es reicht völlig aus, wenn alle sich an die Gesetze halten).

  6. ihre These (oder auch die Redaktion die dies empfohlen hat) Quellen für die Behauptung bringen das Millionen Menschen mit islamischen Migrationshintergrund, denn um diese geht es im Artikel, gut in die Gesellschaft integriert sind, ihre Steuern zahlen und normalen Jobs nachgehen.

    37 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Leider werden diese "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    <em>„Könnten sie für ihre These (oder auch die Redaktion die dies empfohlen hat) Quellen für die Behauptung bringen das Millionen Menschen mit islamischen Migrationshintergrund, denn um diese geht es im Artikel, gut in die Gesellschaft integriert sind, ihre Steuern zahlen und normalen Jobs nachgehen.“</em>

    Ich beantworte das mal stellvertretend. Für die Behauptung, dass „Millionen Menschen mit islamischen Migrationshintergrund [...] gut in die Gesellschaft integriert sind“ kann niemand irgendeine Quelle bringen. Und zwar allein schon deshalb, weil es überhaupt keine handhabbare Definition von „Integration“ gibt. Das ist eine absolute Gummivokabel.

    Zum Rest: Könnten <em>Sie</em> denn bitte Quellen für Ihre implizite Unterstellung bringen, dass „Millionen Menschen mit islamischen Migrationshintergrund" ihre Steuern hinterziehen und keinen „normalen Jobs“ nachgehen? Und fügen Sie bitte auch gleich Ihre eigene Definition eines „normalen Jobs“ bei. (Dass für Thilo Sarrazin Gemüsehändler kein „normaler Job“ ist, wissen wir ja mittlerweile.)

    Das mit der Integration lässt sich etwas schwer belegen - dafür kann man genauso wenig das Gegenteil belegen. Aber was man belegen kann:

    Es leben 7 Mio Ausländer in Deutschland, also etwa 8,5 %.
    Etwa 4 Mio bekennen sich zum Islam, davon sind knapp die Hälfte deutsche Staatsangehörige! (-> Integration!)
    63 % der Muslime haben einen türkischen Migrationshintergrund.
    75% (knapp 2 Mio) der hier lebenden Türken tun dies ohne staatliche Hilfe!

    Quellen: http://statistik.arbeitsagentur.de
    de.wikipedia.org

    Die These, dass Millionen Menschen mit islamischen Migrationshintergrund hier leben und Steuern zahlen und integriert sind, ist damit belegt.

    Sollten Sie dies nicht als belegt ansehen, belegen(!) Sie das Gegenteil.

    Gibt's hier denn auch Menschen mit christlichem, buddhistischem oder hinduistischem Migrationshintergrund?

    Ist eine Karfreitagsprozession gar eine Völkerwanderung?

  7. Wer was tun sollte

    Antwort auf "Wer bestimmt"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service