Innenminister FriedrichZahl rechter Gewalttaten steigt

Neonazis und andere rechte Täter haben im Jahr 2012 mindestens 840 Gewaltdelikte begangen. Innenminister Friedrich warnte davor, dass die Hemmschwelle für Gewalt sinke.

Die Zahl rechter Straftaten ist 2012 gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Innenminister Hans-Peter Friedrich sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, nach vorläufigen Zahlen zeichne sich bei den politisch rechts motivierten Straftaten ein Anstieg um vier Prozent auf rund 17.600 ab.

Auch die Gewalttaten von Neonazis und anderen rechten Tätern hätten zugenommen, um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Genaue Zahlen nannte Friedrich nicht. Aber aus der für 2011 bekannten Zahl von 828 Fällen ergibt sich, dass es 2012 mindestens 840 rechte Gewaltdelikte gegeben haben muss, schreibt der Tagesspiegel.

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"Es gibt also eine leicht steigende Tendenz bei den politisch rechts motivierten Straf- und Gewalttaten", sagte Friedrich laut Vorabbericht. "Es gibt bei Neonazis ein Gewaltpotenzial, das wir nicht kleinreden dürfen." Er sei beunruhigt, dass die Hemmschwelle, Gewalt auszuüben, insgesamt dramatisch sinke, sagte Friedrich.

Der Innenminister will zudem mit seinen Länderkollegen über die Erfassung solcher Taten beraten. Nach Recherchen von ZEIT ONLINE, ZEIT und Tagesspiegel gab es in den letzten Jahren deutlich mehr Todesopfer rechter Gewalt als in den offiziellen Statistiken verzeichnet: Demnach starben seit 1990 in Deutschland 152 Menschen und nicht 63, wie es von staatlichen Stellen heißt.

Klicken Sie auf das Bild, um die interaktive Grafik aufzurufen. Sie zeigt, wo seit 1990 Menschen durch rechts motivierte Täter starben.

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Friedrich möchte nun das Thema in die nächste Innenministerkonferenz einbringen. Er verwies auf einen der Fälle, die zwar in der Tagesspiegel-ZEIT-Liste, aber nicht der offiziellen Statistik auftaucht: 2003 hatte ein Neonazi in Overath bei Köln einen Anwalt, dessen Frau und Tochter ermordet. Das Gericht hatte dem Täter in seinem Urteil nationalsozialistische Vorstellungen bescheinigt. Gleichwohl hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen die Tat nicht als rechts motiviertes Tötungsverbrechen eingestuft.

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Leserkommentare
  1. wenn ich so die verschiedenen Zeitungen durchforste und auch die Nachrichten aus meinem Umfeld höre, sind es im seltensten Falle "rechte" Schläger, die in Erscheinung treten! Außer man nennt religiös jetzt auch rechts...

    27 Leserempfehlungen
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    • gooder
    • 23. März 2013 14:11 Uhr

    Laut den Polizeilichen Kriminalstatistiken,nimmt die Gewaltkriminalität tendenziell ab, offenbar steigt aber die Gewalt von Rechts.
    Laut dem Verfassungsschutzbericht nimmt Rechte Gewalt vor allem im Osten zu, lt. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier z.B. wird Mecklenburg-Vorpommern immer sicherer.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

    ...dass Sie sich in Zeitungen informieren und in einem Umfeld bewegen, wo man sich eher populistischer Rhetorik bedient, anstelle sich über die Fakten der rechtsextremen Gewalt zu informieren...

    • sudek
    • 23. März 2013 15:22 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

    • cielo
    • 23. März 2013 15:58 Uhr

    es ist egql was Sie aus Ihrem wahrscheinlich religiös sensibilisierten Umfeld hören. Wenn Sie es ohne Statistik und nur aus eigener Empirik besser Wissen, und jetzt die niederträchtige rechte Gewalt auf religiös motivierte Gewalttaten drehen willen, dann wissen wir hier welche geistig Kind Sie sind. Und wahrscheinlich ärgern Sie sich über solche Artikel hier, aber die Lösung für Sie ist hier nicht mehr zu lesen und zu sein, adios.

    c.

    Ja und? Was wollen sie uns damit jetzt sagen?
    Hat hier irgendjemand behauptet, die Mehrheit der Gewaltdelikte wird von rechten Schlägern begangen?
    Nein!
    Rechte Gewalt bildet da, zum Glück, nur einen kleine Prozentsatz.
    Und nebenbei bemerkt, der Anteil religiös motivierter Gewalt ist noch wesentlich kleiner.
    Es sei denn sie zählen zwanghaft alle Gewaltdelikt, bei denen die Täter Moslems und die Opfer Christen waren dazu, ohne die Hintergründe der Tat zu beachten. (Ich gehe einfach mal davon aus, das es auch ihnen wieder mal um die Moslems geht.)
    Dann müssten sie aber auch alle Gewaltdelikte, bei denn der Täter Deutscher und das Opfer Ausländer war, als rassistisch motiviert zählen.
    Aber eine solche Konsequenz im eigenen Denken sucht man bei Islamophoben ja stets vergebens.

    • gooder
    • 23. März 2013 14:03 Uhr

    Das sind genau 840 Gewaltdelikte zuviel, allerdings wäre da noch zu klären, ob die Gewaltdelikte politisch motiviert sind, was selbst dann nicht zwangsläufig der Fall sein muss, wenn die Gewalt von einem Neonazi ausgeübt wird.

    5 Leserempfehlungen
  2. Das nenn ich mal geistige Flexibilität: Erst EXIT Knüppel zwischen die Beine werfen und dann im selben Atemzug vor dem Anstieg rechter Gewalt warnen... Das muss man sich erst mal trauen ;-)

    21 Leserempfehlungen
  3. 4. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema und bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

    Eine Leserempfehlung
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    • isback
    • 23. März 2013 14:19 Uhr

    ... behandelt auch weitere interessante Themen.

    • gooder
    • 23. März 2013 14:11 Uhr

    Laut den Polizeilichen Kriminalstatistiken,nimmt die Gewaltkriminalität tendenziell ab, offenbar steigt aber die Gewalt von Rechts.
    Laut dem Verfassungsschutzbericht nimmt Rechte Gewalt vor allem im Osten zu, lt. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier z.B. wird Mecklenburg-Vorpommern immer sicherer.

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schon seltsam"
  4. Rechte gewalttaten sind auch nur Symptome, denkt man, wenn man Skinheads in eine 5-Sterne Zelle steckt, das sie denn friedlicher und angenehmer werden? Nein, denn wenn sie wieder rauskommen ist alles gleich.
    In Griechenland spricht man von "Zukunftsangst" und "Perspektivlosigkeit" im Zusammenhang mit gewaltbereiten Chrisy Avgi Anhängern, was soll hier also anders sein?
    Sind unsere Rattenfänger anders?

    Wenn man immer mehr an Bildung einsparrt, und man schon jetzt die kommende Generation zu Hartz IV verdammt, muss man sich nicht über die Früchte wundern, die man jetzt erntet.

    Natürlich ist rechte Gewalt schlecht, Gewalt ist generell abzulehnen, aber Herr Friedrich nutzt sogut wie alles um den Sicherheitsapparat auf britische Verhältnisse zu bringen.

    11 Leserempfehlungen
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    • Chali
    • 23. März 2013 14:39 Uhr

    Und Statistiken, zumal dener deutscher Behörden, misstraue ich sowieso.

    "Nach Recherchen von ZEIT ONLINE, ZEIT und Tagesspiegel gab es in den letzten Jahren deutlich mehr Todesopfer rechter Gewalt als in den offiziellen Statistiken verzeichnet: Demnach starben seit 1990 in Deutschland 152 Menschen und nicht 63, wie es von staatlichen Stellen heißt. ... "
    Immerhin - die Zahlen werden nicht mehr lammfromm nachgebetet.

    Recherchiert - dieses Wort liest man seten.

    • isback
    • 23. März 2013 14:19 Uhr

    ... behandelt auch weitere interessante Themen.

    Antwort auf "[...]"
  5. ...a la "linke Gewalt ist aber auch nicht ohne" oder "krieg' ich nichts von mit - eher von Mitbürgern anderer Nationalitäten" ist bei diesem Thema absolut fehl am Platz! Gerade die rechte Gewalt richtet sich sehr schnell gegen reale Personen, die nicht den kruden Rassevorstellungen der Rechten entspricht, während sich linke Gewalt tendenziell eher gegen Symbole des unliebsamen Systems richtet. Zudem haben wir nun einmal die Verantwortung, gerade gegenüber rechtem Extremismus besonders sensibel zu sein - nicht nur aufgrund des Versagens der Behörden in der NSU-Mordserie. Ein Ausblenden dieser Fakten ändert nichts an dieser Verpflichtung. Zynische, relativierende Kommentare übrigens erst recht nicht, sondern beweisen nur die mangelnde Bereitschaft, sich diesem Thema zu stellen.

    28 Leserempfehlungen
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    Wenn man rechte Gewalt bekämpfen möchte, dann muss man den Rechten auch das Gefühl des Märtyrertums nehmen. Gerade dieser ständige Kampf gegen Rechts vermittelt doch geradezu das Gefühl, dass „rechts sein“ etwas besonderes und revolutionäres ist. Genau dadurch wird das Ego vieler Rechter doch regelrecht gestreichelt und aufgewertet!

    Viel besser wäre es, wenn man einfach Recht spricht und dabei keinen Unterschied zwischen rechter, linker Gewalt macht. Gewalt ist und bleibt einfach falsch und die Fokussierung auf rechte oder linke Gewalt ist, auch wenn sie gut gemeint ist, der falsche Weg, um politische Gewalt zu bekämpfen.

    Also ja, wenn ein Rechter eine entsprechende Straftat begeht, dann muss diese natürlich verfolgt werden. Wenn dieser Rechte aber dabei den Eindruck hat, dass der Staat nur wegen seiner speziellen politischen Einstellung und nicht wegen der Straftat entsprechend gegen ihn vorgeht, dann ist dies kontraproduktiv. Stattdessen sollten alle politischen Straftäter den Eindruck haben, dass es dem Staat schlicht und einfach egal ist, ob eine politisch motivierte Straftat einen rechten, oder linken Hintergrund hat. Alle Arten politischer Straftaten sind schließlich einfach falsch. Die spezifische Gesinnung ist dabei egal.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, rav
  • Schlagworte Innenminister | Gericht | Polizei | Statistik | Straftat | Tagesspiegel
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