Hartz IV: "Wenn der große Knall kommt, sind wir vorbereitet"
Zu den Montagsdemos gegen Sozialabbau kamen einst Zehntausende. Geblieben ist ein Häuflein Demonstranten unter der Berliner Weltzeituhr. Worauf hoffen sie?
Von Weitem sieht es aus, als sei richtig was los dieses Mal. Doch es ist nur eine Schulklasse, die unter der Weltzeituhr Fotos macht und sich frierend die Beine vertritt. Von den paar Menschen nebenan nehmen die Jugendlichen keine Notiz. Es sind die Teilnehmer der Montagskundgebung gegen Hartz IV auf dem Berliner Alexanderplatz. Es sind die, die nach zehn Jahren noch übrig geblieben sind.
Zwölf Demonstranten begrüßen sich mit Handschlag, Yvonne holt ihre Sammelbüchse heraus. Eine Lautsprecherbox wird aufgebaut, das "offene Mikrofon" geprüft, ein Banner entrollt: "Aufstehen gegen Sozialräuber", steht darauf. Und: "Wir sind das Volk." Aus dem Lautsprecher singt eine weibliche Stimme ein feministisches Arbeiterlied: "Über mein Leben entscheide ich allein, lass mal mein Aussehen meine Sorge sein."
Passanten eilen vorbei, viele mit Tüten der umliegenden Einkaufszentren in der Hand. Die meisten gucken nicht mal hin. Es liegt Schnee, und es ist eiskalt. Hans-Heinrich greift das Mikrofon und ruft: "Wir stehen so lange auf den Plätzen der Bundesrepublik, bis die Agenda 2010 Geschichte ist." Ob jemand sonst etwas sagen wolle. Hans-Heinrich dreht sich im Kreis. Keiner reagiert. Eine ältere Frau ruft den Demonstranten abfällig zu: "Wollt ihr den Sozialismus zurück, oder was?" Dann geht sie weiter.
Resignation und langer Atem
So ist das inzwischen, wenn sie gegen Hartz IV demonstrieren. Fred Schirrmacher macht trotzdem weiter. Seit zehn Jahren ist der gebürtige Ostberliner dabei, er war der erste, der 2003 eine Protestaktion gegen die geplante Agenda 2010 beim Bezirksamt anmeldete. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte gerade den Umbau des Sozialsystems angekündigt. "Da haben wir mit 20 Mann eine Kundgebung gemacht und im August 2004 waren wir dann über 30.000”, sagt Schirrmacher. Damals entlud sich die Wut der Bürger, jeden Montag, in vielen deutschen Städten. Schirrmacher war plötzlich ein bisschen berühmt. Er war das Gesicht der Berliner Montagsdemo.
Heute kommen sie nur noch einmal im Monat, weil sie so wenige geworden sind. Den Schwund, von Zehntausenden auf ein Dutzend, erklärt Schirrmacher so: Die wirklich armen Leute hätten resigniert. Manche hätten doch nicht mal Geld für ein S-Bahn-Ticket zum Alexanderplatz. Und die anderen? "Die müssen sich um ihre Karrieren kümmern. Der Schritt vom Sympathisieren zum selbst Verantwortung übernehmen ist groß." Es brauche einen "langen Atem", den hätten eben nur ganz wenige.
Persönlich trifft Hartz-IV den heute 50-Jährigen gar nicht. Schirrmacher war mal Maurer, nach einem Arbeitsunfall arbeitet er als Steuerfachangestellter. Seine Erwerbsbiografie kennt Brüche, Schirrmacher hat es trotzdem geschafft. Seit zehn Jahren ist er fest angestellt, gemeinsam mit seiner Frau Manuela teilt er sich eine Wohnung, sie haben Geld auf dem Sparbuch. Doch machen sie es sich am Feierabend nicht gemütlich, sondern gehen demonstrieren. Auch wenn ihnen fast niemand zuhört.
"Der soziale Abstieg kann inzwischen doch jeden treffen", sagt Schirrmacher. Seine Frau, Frührentnerin mit geringem Einkommen, nickt. Sie wollen Stellung halten für diejenigen, die selbst "keine Kraft haben". Die Blase des Kapitalismus, sagt Fred Schirrmacher, sei kurz davor zu platzen. Leiden würden dann die einfachen Leute. "Aber die lassen sich nicht ewig alles gefallen." Am Beispiel Zypern merke man doch wieder: Statt die Großkapitalisten anzugreifen, würden die Politiker nur die kleinen Leute "enteignen".





Außerdem ist es immer leicht, Verantwortung einzufordern und zu sagen, "die hätten ja selber Schuld". Woran genau, ist da die Frage.
Unsereins (damit meine ich Leute, die das Glück hatten, in einigermaßen vermögenden Verhältnissen aufzuwachsen) hat da ja schließlich leicht reden, aber einem Kind, das in armen Verhältnissen aufwächst, die "falschen" Lebens-, Verhaltens- und Sprachgewohnheiten mitbekommt, in schlechte Schulen kommt und entsprechend eine deutlich geingere Chance hat, in eine menschenwürdige Arbeitssituation zu gelangen, kann man nicht so einfach sagen "Pech gehabt, hättest du dich mal mehr angestrengt".
Diese Arroganz des "selber Schuld" wäre - wenn überhaupt - nur in einer Gesellschaft angebracht, in der zumindest ungefähre Chancengleichheit gegeben ist.
Drittens sei noch an eines erinnert - ohne das Lohndumping, welches im Zuge der Schröderschen Reformen (nicht nur der Hartz-Gesetze) möglich wurde, hätte jeder Arbeitnehmer, von Ungelernt bis Akademiker, eine deutlich bessere Verhandlungsposition und wäre in der Lage gewesen, seinen Wohlstand zu halten.
Stattdessen hat wohl fast jeder von uns in den letzten zehn Jahren einen deutlich spürbaren Verlust an Kaufkraft hinnehmen müssen.
Und viertens: wie tief sind wir als eine Gesellschaft gesunken, wenn wir Sauereien hinnehmen, nur weil sie uns nicht betreffen?
Danke für diesen Kommentar, vor allem nach den vorhergegangenen. Gerade dem letzten Satz stimme ich vollkommen zu, denn scheinbar ist es den Medien erfolgreich gelungen, die Ellenbogengesellschaft in den Köpfen der Menschen zu verankern. Warum soll ich gegen Missstände angehen, die mich nicht unmittelbar betreffen? Ich denke viele Leute sagen sich 'Es bringt doch sowieso nichts zu demonstrieren, da sich eh nichts ändert'. Dazu passen dann auch Wahlbeteiligungen, denn warum wählen gehen, wenn man der Auffassung ist 'Ist doch egal wen ich wähle, die machen eh alle das Gleiche'. Das diese Einschätzung auch zutrifft kann man gerade heute auf den NachdenkSeiten sehr schön nachlesen: (http://www.nachdenkseiten...). Wie sehr man auf eine Mitläufermentalität geschult ist, zeigt sich auch an Gedanken wie 'Und wenn mich dort meine Freunde / Bekannte / mein Chef sieht, was soll der nur von mir denken?' Ja nicht auffallen und Flagge zeigen, man könnte ja irgendwo anecken. Und wer aneckt, macht sich verwundbar, denn er könnte aus dem Strom der Mitläufer gedränt werden und sich plötzlich rechtfertigen müssen. Wie schwer es ist aus bestehenden Strukturen auszubrechen zeigen meiner Meinung nach auch die zunehmenden Fälle von Burnout-Erkrankungen. Aber das als Krankheit zu bezeichnen ist in manchen Kreisen auch schon Indiz für Faulheit. Auch ich bin ein Mitläufer, dem es scheinbar (noch) viel zu gut geht, um politisch aktiv zu werden. Darauf bin ich nicht stolz, aber es ist so.
für diesen Kommentar!
Das ist es ja, was schlimm ist - das Tor wurde für noch mehr Egoismus aufgesperrt. Die Gesellschaft hat sich noch mehr auseinandergelebt. Und es wurde zum guten Ton, auf die "Unterschicht" ( das schreckliche Wort, übrigens, wurde wieder aus der Vergangenheit im Laufe der Umwälzungen reanimiert) von oben herab zu schauen.
Das nur kurz zu der Richtung der gesellschaftlichen Entwicklung, weil das Thema viel zu viel Raum bräuchte.
Danke für diesen Kommentar, vor allem nach den vorhergegangenen. Gerade dem letzten Satz stimme ich vollkommen zu, denn scheinbar ist es den Medien erfolgreich gelungen, die Ellenbogengesellschaft in den Köpfen der Menschen zu verankern. Warum soll ich gegen Missstände angehen, die mich nicht unmittelbar betreffen? Ich denke viele Leute sagen sich 'Es bringt doch sowieso nichts zu demonstrieren, da sich eh nichts ändert'. Dazu passen dann auch Wahlbeteiligungen, denn warum wählen gehen, wenn man der Auffassung ist 'Ist doch egal wen ich wähle, die machen eh alle das Gleiche'. Das diese Einschätzung auch zutrifft kann man gerade heute auf den NachdenkSeiten sehr schön nachlesen: (http://www.nachdenkseiten...). Wie sehr man auf eine Mitläufermentalität geschult ist, zeigt sich auch an Gedanken wie 'Und wenn mich dort meine Freunde / Bekannte / mein Chef sieht, was soll der nur von mir denken?' Ja nicht auffallen und Flagge zeigen, man könnte ja irgendwo anecken. Und wer aneckt, macht sich verwundbar, denn er könnte aus dem Strom der Mitläufer gedränt werden und sich plötzlich rechtfertigen müssen. Wie schwer es ist aus bestehenden Strukturen auszubrechen zeigen meiner Meinung nach auch die zunehmenden Fälle von Burnout-Erkrankungen. Aber das als Krankheit zu bezeichnen ist in manchen Kreisen auch schon Indiz für Faulheit. Auch ich bin ein Mitläufer, dem es scheinbar (noch) viel zu gut geht, um politisch aktiv zu werden. Darauf bin ich nicht stolz, aber es ist so.
für diesen Kommentar!
Das ist es ja, was schlimm ist - das Tor wurde für noch mehr Egoismus aufgesperrt. Die Gesellschaft hat sich noch mehr auseinandergelebt. Und es wurde zum guten Ton, auf die "Unterschicht" ( das schreckliche Wort, übrigens, wurde wieder aus der Vergangenheit im Laufe der Umwälzungen reanimiert) von oben herab zu schauen.
Das nur kurz zu der Richtung der gesellschaftlichen Entwicklung, weil das Thema viel zu viel Raum bräuchte.
"Hartz4 für die Minderheit, die es betrifft, nicht so lustig"
Hartz IV betrifft alle Menschen in diesem Land. Weil es das verändert was hier los ist und passiert. In den Köpfen in den Herzen, in der Wirtschaft, der Arbeitswelt und in der Politik. Auch diejenigen, die meinen es wäre nicht ihr Bier, weil sie in irgendeinem Ellbogenverhältnis knechten und Überstunden kloppen dürfen.
Der Widerstand gegen Hartz IV ist sehr aktiv und wächst beständig, spielt sich derzeit aber nicht auf der Straße ab.
Zwei Beispiele:
Inge Hannemann, Angestellte in einem Hamburger Jobcenter, setzt sich für die Betroffenen ein, z.B. indem sie sich weigert, Sanktionen auszusprechen, und betreibt darüber hinaus sowohl einen Blog wie auch eine Facebookseite.
http://altonabloggt.wordp...
Ralph Boes kämpft ebenfalls gegen Hartz IV und - wie auch Inge Hannemann - für ein bedingungsloses Grundeinkommen.
http://www.wir-sind-boes.de/
Gerade auch zum Thema BGE formiert sich derzeit nicht nur in D eine unablässig wachsende und sich immer stärker vernetzende Bewegung, ohne dass sie derzeit auf der Straße lautstark präsent wäre.
Dennoch - oder vielmehr gerade deswegen - wäre es für die Medien - wie z.B. auch die ZEIT - sicherlich sehr ratsam, sich mal genauer damit zu befassen. Dahinter steckt nämlich sehr viel mehr als die Absicht arbeitsscheuer Gesellen, auf Kosten des Staates leben zu wollen, hier kündigt sich vielmehr ein tiefgreifender Bewusstseinswandel an, den besser keine Zeitschrift verpassen sollte, die noch halbwegs ernst genommen werden will.
(wie ich es grundsatzlich für Quatsch halte, sich jeden Schuh anzuziehen, der einem von außen angeboten wird und auf den man keinerlei Einfluss hat)
Sie schreiben, die einen basteln an Ihrer Karriere und finden das gut. Wieviel Leute können das ? Glauben Sie wirklich, dass jeder Handwerker, Putzfrau etc.. an einer Karriere basteln kann? Das ist nur wenigen vergönnt und zwar denen, die entweder ein Studium gemacht haben oder auf sonstige Weise clever sind. Ich schätze, dass dies, wenn es hoch kommt 20 Prozent aller Bürger sind, der Rest muss mit dem zufrieden sein, was man ihnen vom Kuchen übrig läßt. Und wenn man ihnen Hartz4 als letzte Alternative anbietet, müssen sie das nehmen. Sie verlangen etwas vollkommen unmögliches so ungefähr wie: Jeder der nicht mindestens 1.50 Meter hoch springen kann ist ein Versager. Die Menschen sind unterschiedlich. Und das darf keinesfalls ein Argument sein um auf Ihnen herum zu treten oder sie als wehrlose Arbeitssklaven einzusetzen. Oder sie, da sie machtlos sind, nach Strich und Faden auszubeuten. Aber genau das passiert im Augenblick.
Es fehlt an Gerechtigkeit. Ein Müllfahrer leistet der Gesellschaft einen weit besseren Dienst als der "schlaue" Versicherungsverkäufer, der vielleicht irgendwann einmal eine Schauspielerin heiratet. Die Verkäuferin ebenso, die Friseurin, der Straßenreiniger. Aber die haben nicht die Intelligenz für eine Karriere. Aber sind sie deswegen Freiwild, auch für Spötter wie Sie?
Müllmänner und Straßenfeger waren zwar im letzten Jahrhundert noch die Ausgestoßenen. Inzwischen hat mancher von ihnen einen sicheren Job bei der Stadtverwaltung, genug Geld für einen BMW und gehört selbst zu denen, die auf Hartz 4 Bezieher wie mich schimpfen. Bei aller Sympathie für Ihren Kommentar: auch das ist ein Vorurteil, dass es die Ungebildeten und Dummen sind, die von Hartz 4 leben. Ich betreibe mit dem Joycenter.net eine Erwerbslosenberatung (die mir bis zu zehn Stunden unbezahlte Arbeit täglich abverlangt). Fast die Hälfte der Kollegen, die in meine Beratung kommen, sind durchaus gebildete Menschen, Akademiker, Selbständige. Sicher ist das nicht repräsentativ, da es wohl das symbolische oder soziale Kapital dieser Leute ist, das sie eher eine solche Beratung finden lässt. Aber Müllmann bei der Stadt mit festem Vertrag jedenfalls: davon würden viele der weniger Gebildeten, die mich aufsuchen und die zwischen unsinnigen Maßnahmen und prekären Jobs bei Zeitarbeitsfirmen zerrieben werden, träumen.
Müllmänner und Straßenfeger waren zwar im letzten Jahrhundert noch die Ausgestoßenen. Inzwischen hat mancher von ihnen einen sicheren Job bei der Stadtverwaltung, genug Geld für einen BMW und gehört selbst zu denen, die auf Hartz 4 Bezieher wie mich schimpfen. Bei aller Sympathie für Ihren Kommentar: auch das ist ein Vorurteil, dass es die Ungebildeten und Dummen sind, die von Hartz 4 leben. Ich betreibe mit dem Joycenter.net eine Erwerbslosenberatung (die mir bis zu zehn Stunden unbezahlte Arbeit täglich abverlangt). Fast die Hälfte der Kollegen, die in meine Beratung kommen, sind durchaus gebildete Menschen, Akademiker, Selbständige. Sicher ist das nicht repräsentativ, da es wohl das symbolische oder soziale Kapital dieser Leute ist, das sie eher eine solche Beratung finden lässt. Aber Müllmann bei der Stadt mit festem Vertrag jedenfalls: davon würden viele der weniger Gebildeten, die mich aufsuchen und die zwischen unsinnigen Maßnahmen und prekären Jobs bei Zeitarbeitsfirmen zerrieben werden, träumen.
"Die wirklich armen Leute hätten resigniert. Manche hätten doch nicht mal Geld für ein S-Bahn-Ticket zum Alexanderplatz. Und die anderen? "Die müssen sich um ihre Karrieren kümmern. Der Schritt vom Sympathisieren zum selbst Verantwortung übernehmen ist groß." Es brauche einen "langen Atem", den hätten eben nur ganz wenige."
Vielleicht liegt es genau daran. Dass die meisten selbst Verantwortung für sich übernehmen. Was ist falsch daran? Mir ist ein Volk lieber, was Verantwortung für sich selbst übernimmt und nur dann staatliche Hilfe einfordert, wenn diese nötig ist. Sie als gottgegeben zu sehen, würde wohl jeden Staat über kurz oder lang überfordern. Gut, dass die meisten Verantwortung für sich übernehmen, statt immer nach dem Staat zu schreien.
Außerdem ist es immer leicht, Verantwortung einzufordern und zu sagen, "die hätten ja selber Schuld". Woran genau, ist da die Frage.
Unsereins (damit meine ich Leute, die das Glück hatten, in einigermaßen vermögenden Verhältnissen aufzuwachsen) hat da ja schließlich leicht reden, aber einem Kind, das in armen Verhältnissen aufwächst, die "falschen" Lebens-, Verhaltens- und Sprachgewohnheiten mitbekommt, in schlechte Schulen kommt und entsprechend eine deutlich geingere Chance hat, in eine menschenwürdige Arbeitssituation zu gelangen, kann man nicht so einfach sagen "Pech gehabt, hättest du dich mal mehr angestrengt".
Diese Arroganz des "selber Schuld" wäre - wenn überhaupt - nur in einer Gesellschaft angebracht, in der zumindest ungefähre Chancengleichheit gegeben ist.
Drittens sei noch an eines erinnert - ohne das Lohndumping, welches im Zuge der Schröderschen Reformen (nicht nur der Hartz-Gesetze) möglich wurde, hätte jeder Arbeitnehmer, von Ungelernt bis Akademiker, eine deutlich bessere Verhandlungsposition und wäre in der Lage gewesen, seinen Wohlstand zu halten.
Stattdessen hat wohl fast jeder von uns in den letzten zehn Jahren einen deutlich spürbaren Verlust an Kaufkraft hinnehmen müssen.
Und viertens: wie tief sind wir als eine Gesellschaft gesunken, wenn wir Sauereien hinnehmen, nur weil sie uns nicht betreffen?
(wie ich es grundsatzlich für Quatsch halte, sich jeden Schuh anzuziehen, der einem von außen angeboten wird und auf den man keinerlei Einfluss hat)
Sie schreiben, die einen basteln an Ihrer Karriere und finden das gut. Wieviel Leute können das ? Glauben Sie wirklich, dass jeder Handwerker, Putzfrau etc.. an einer Karriere basteln kann? Das ist nur wenigen vergönnt und zwar denen, die entweder ein Studium gemacht haben oder auf sonstige Weise clever sind. Ich schätze, dass dies, wenn es hoch kommt 20 Prozent aller Bürger sind, der Rest muss mit dem zufrieden sein, was man ihnen vom Kuchen übrig läßt. Und wenn man ihnen Hartz4 als letzte Alternative anbietet, müssen sie das nehmen. Sie verlangen etwas vollkommen unmögliches so ungefähr wie: Jeder der nicht mindestens 1.50 Meter hoch springen kann ist ein Versager. Die Menschen sind unterschiedlich. Und das darf keinesfalls ein Argument sein um auf Ihnen herum zu treten oder sie als wehrlose Arbeitssklaven einzusetzen. Oder sie, da sie machtlos sind, nach Strich und Faden auszubeuten. Aber genau das passiert im Augenblick.
Es fehlt an Gerechtigkeit. Ein Müllfahrer leistet der Gesellschaft einen weit besseren Dienst als der "schlaue" Versicherungsverkäufer, der vielleicht irgendwann einmal eine Schauspielerin heiratet. Die Verkäuferin ebenso, die Friseurin, der Straßenreiniger. Aber die haben nicht die Intelligenz für eine Karriere. Aber sind sie deswegen Freiwild, auch für Spötter wie Sie?
"Vielleicht liegt es genau daran. Dass die meisten selbst Verantwortung für sich übernehmen."
Vielleicht ist die Antwort auf diese Frage aber in der Tatsache begründet, dass es die Minderheit derer, die über die Mehrheit der Geld und Produktionsmittel verfügt kaum bereit ist, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen.
Wenn man sich konkret anschaut wofür in den letzen Jahren massenhaft Geld ausgegeben wurde und wo dann gespart werden soll, dann sollte man die Frage der Verantwortung doch nicht auf die abschieben deren Beitrag nur eine Bruchteil der Verantwortungslosigkeit ausmacht. Aber das ist die Strategie dieser Minderheit: Das Feindbild darf immer nur nach unten gerichtet sein. Niemand schlägt die Hand die ihn füttert. So einfach ist das. Deswegen ist von Verantwortung nur in Bezug auf die Bevölkerungsgruppen die Rede, die weder eine Lobby, noch eine funktionierende PR oder Rechtsabteilung haben.
was ihren Kommentar entwertet ist die Art und Weise wie er vorgebracht wird.
Niemand hat behauptet das staatliche Unterstützung "gottgegeben" sei, und aus dem Artikel ist auch nicht ersichtlich das jemand danach "schreit".
Durch ihre Ausdrucksweise entlarven sie sich:
Es geht ihnen nicht um die Verantwortung.
Es geht ihnen darum zu diffamieren.
in dem es fair zuginge, wo alle gleiche Chancen haben, da würde das funktionieren. Aber so ein Land haben wir nicht. Deshalb ist es falsch, was Sie sagen.
Die Leute, die "Verantwortung für sich selbst übernehmen" sind hier genauso die Dummen wie die, die "nach dem Staat schreien". Sonst besäßen nicht 50% der Haushalte nur 1% des Vermögens.
Die Leute dort schreien nicht nach dem Staat, sondern gegen ihn. Und zwar konkret gegen sein momentanes Gebaren, jeden in der Notsituation der Arbeitslosigkeit dazu zu zwingen, wirklich jede Arbeit zu jedem Preis annehmen zu müssen (sogar "Jobs" als "Animierdame" in Bordells worden schon offeriert, natürlich mit Verweis auf die Mitwirkungspflichten...). Sie schreien auch dagegen, dass die Möglichkeit eines jeden Arbeitnehmers in diesem Land, in diese Gängelungsmaschine zu geraten, die Verhandlungsmacht der Arbeitenden auf nahe Null reduziert ("besser das als HartzIV").
[...]
Ein Staat, der einfach-nur-Arbeitslose unter Androhung des Existenzverlustes zur 1-€Job-Prostitution zwingen kann, hat einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank und es daher nicht anders verdient, als das man gegen ihn anbrüllt und schreit: sag mal hakts bei dir, du Vollpfosten!?
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unangebrachte Vergleiche. Danke, die Redaktion/jp
Außerdem ist es immer leicht, Verantwortung einzufordern und zu sagen, "die hätten ja selber Schuld". Woran genau, ist da die Frage.
Unsereins (damit meine ich Leute, die das Glück hatten, in einigermaßen vermögenden Verhältnissen aufzuwachsen) hat da ja schließlich leicht reden, aber einem Kind, das in armen Verhältnissen aufwächst, die "falschen" Lebens-, Verhaltens- und Sprachgewohnheiten mitbekommt, in schlechte Schulen kommt und entsprechend eine deutlich geingere Chance hat, in eine menschenwürdige Arbeitssituation zu gelangen, kann man nicht so einfach sagen "Pech gehabt, hättest du dich mal mehr angestrengt".
Diese Arroganz des "selber Schuld" wäre - wenn überhaupt - nur in einer Gesellschaft angebracht, in der zumindest ungefähre Chancengleichheit gegeben ist.
Drittens sei noch an eines erinnert - ohne das Lohndumping, welches im Zuge der Schröderschen Reformen (nicht nur der Hartz-Gesetze) möglich wurde, hätte jeder Arbeitnehmer, von Ungelernt bis Akademiker, eine deutlich bessere Verhandlungsposition und wäre in der Lage gewesen, seinen Wohlstand zu halten.
Stattdessen hat wohl fast jeder von uns in den letzten zehn Jahren einen deutlich spürbaren Verlust an Kaufkraft hinnehmen müssen.
Und viertens: wie tief sind wir als eine Gesellschaft gesunken, wenn wir Sauereien hinnehmen, nur weil sie uns nicht betreffen?
(wie ich es grundsatzlich für Quatsch halte, sich jeden Schuh anzuziehen, der einem von außen angeboten wird und auf den man keinerlei Einfluss hat)
Sie schreiben, die einen basteln an Ihrer Karriere und finden das gut. Wieviel Leute können das ? Glauben Sie wirklich, dass jeder Handwerker, Putzfrau etc.. an einer Karriere basteln kann? Das ist nur wenigen vergönnt und zwar denen, die entweder ein Studium gemacht haben oder auf sonstige Weise clever sind. Ich schätze, dass dies, wenn es hoch kommt 20 Prozent aller Bürger sind, der Rest muss mit dem zufrieden sein, was man ihnen vom Kuchen übrig läßt. Und wenn man ihnen Hartz4 als letzte Alternative anbietet, müssen sie das nehmen. Sie verlangen etwas vollkommen unmögliches so ungefähr wie: Jeder der nicht mindestens 1.50 Meter hoch springen kann ist ein Versager. Die Menschen sind unterschiedlich. Und das darf keinesfalls ein Argument sein um auf Ihnen herum zu treten oder sie als wehrlose Arbeitssklaven einzusetzen. Oder sie, da sie machtlos sind, nach Strich und Faden auszubeuten. Aber genau das passiert im Augenblick.
Es fehlt an Gerechtigkeit. Ein Müllfahrer leistet der Gesellschaft einen weit besseren Dienst als der "schlaue" Versicherungsverkäufer, der vielleicht irgendwann einmal eine Schauspielerin heiratet. Die Verkäuferin ebenso, die Friseurin, der Straßenreiniger. Aber die haben nicht die Intelligenz für eine Karriere. Aber sind sie deswegen Freiwild, auch für Spötter wie Sie?
"Vielleicht liegt es genau daran. Dass die meisten selbst Verantwortung für sich übernehmen."
Vielleicht ist die Antwort auf diese Frage aber in der Tatsache begründet, dass es die Minderheit derer, die über die Mehrheit der Geld und Produktionsmittel verfügt kaum bereit ist, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen.
Wenn man sich konkret anschaut wofür in den letzen Jahren massenhaft Geld ausgegeben wurde und wo dann gespart werden soll, dann sollte man die Frage der Verantwortung doch nicht auf die abschieben deren Beitrag nur eine Bruchteil der Verantwortungslosigkeit ausmacht. Aber das ist die Strategie dieser Minderheit: Das Feindbild darf immer nur nach unten gerichtet sein. Niemand schlägt die Hand die ihn füttert. So einfach ist das. Deswegen ist von Verantwortung nur in Bezug auf die Bevölkerungsgruppen die Rede, die weder eine Lobby, noch eine funktionierende PR oder Rechtsabteilung haben.
was ihren Kommentar entwertet ist die Art und Weise wie er vorgebracht wird.
Niemand hat behauptet das staatliche Unterstützung "gottgegeben" sei, und aus dem Artikel ist auch nicht ersichtlich das jemand danach "schreit".
Durch ihre Ausdrucksweise entlarven sie sich:
Es geht ihnen nicht um die Verantwortung.
Es geht ihnen darum zu diffamieren.
in dem es fair zuginge, wo alle gleiche Chancen haben, da würde das funktionieren. Aber so ein Land haben wir nicht. Deshalb ist es falsch, was Sie sagen.
Die Leute, die "Verantwortung für sich selbst übernehmen" sind hier genauso die Dummen wie die, die "nach dem Staat schreien". Sonst besäßen nicht 50% der Haushalte nur 1% des Vermögens.
Die Leute dort schreien nicht nach dem Staat, sondern gegen ihn. Und zwar konkret gegen sein momentanes Gebaren, jeden in der Notsituation der Arbeitslosigkeit dazu zu zwingen, wirklich jede Arbeit zu jedem Preis annehmen zu müssen (sogar "Jobs" als "Animierdame" in Bordells worden schon offeriert, natürlich mit Verweis auf die Mitwirkungspflichten...). Sie schreien auch dagegen, dass die Möglichkeit eines jeden Arbeitnehmers in diesem Land, in diese Gängelungsmaschine zu geraten, die Verhandlungsmacht der Arbeitenden auf nahe Null reduziert ("besser das als HartzIV").
[...]
Ein Staat, der einfach-nur-Arbeitslose unter Androhung des Existenzverlustes zur 1-€Job-Prostitution zwingen kann, hat einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank und es daher nicht anders verdient, als das man gegen ihn anbrüllt und schreit: sag mal hakts bei dir, du Vollpfosten!?
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unangebrachte Vergleiche. Danke, die Redaktion/jp
Man vergleiche einmal diese Initiative mit dem was aktuell los ist in der Politik. Italien zum Beispiel. Da artikuliert sich der Protest gegen die Ausblutung und es sind 25% der Italiener die diesen Protest unterstützen. Und in Deutschland? Wie der Mann es sagt: Die Linke ist mittlerweile so was wie die Nachwuchs SPD so zerstritten und zerrissen die sind nachdem sie auch nur ein wenig Erfolg gehabt haben. Aber das bedeutet nicht, dass da kein Potential wäre. Ich weiß nicht wie, aber diese ganzen Menschen müssten sich europaweit untereinander verständigen. Und gegen das was sie nicht mehr akzeptieren wollen eine Bewegung schaffen, di sich nicht in den Mechanismen der Macht verheddert und das aus den Augen verliert, was sie eigentlich zusammen geführt hat. Sicher da sind Sprachbarrieren. Aber es gibt das Internet. Und man könnte sich absprechen. Ich glaube wenn auf breitester Front sowas passieren würde wie in Italien, würden sich die Verhältnissen ändern
"Vielleicht liegt es genau daran. Dass die meisten selbst Verantwortung für sich übernehmen."
Vielleicht ist die Antwort auf diese Frage aber in der Tatsache begründet, dass es die Minderheit derer, die über die Mehrheit der Geld und Produktionsmittel verfügt kaum bereit ist, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen.
Wenn man sich konkret anschaut wofür in den letzen Jahren massenhaft Geld ausgegeben wurde und wo dann gespart werden soll, dann sollte man die Frage der Verantwortung doch nicht auf die abschieben deren Beitrag nur eine Bruchteil der Verantwortungslosigkeit ausmacht. Aber das ist die Strategie dieser Minderheit: Das Feindbild darf immer nur nach unten gerichtet sein. Niemand schlägt die Hand die ihn füttert. So einfach ist das. Deswegen ist von Verantwortung nur in Bezug auf die Bevölkerungsgruppen die Rede, die weder eine Lobby, noch eine funktionierende PR oder Rechtsabteilung haben.
Danke für diesen Kommentar, vor allem nach den vorhergegangenen. Gerade dem letzten Satz stimme ich vollkommen zu, denn scheinbar ist es den Medien erfolgreich gelungen, die Ellenbogengesellschaft in den Köpfen der Menschen zu verankern. Warum soll ich gegen Missstände angehen, die mich nicht unmittelbar betreffen? Ich denke viele Leute sagen sich 'Es bringt doch sowieso nichts zu demonstrieren, da sich eh nichts ändert'. Dazu passen dann auch Wahlbeteiligungen, denn warum wählen gehen, wenn man der Auffassung ist 'Ist doch egal wen ich wähle, die machen eh alle das Gleiche'. Das diese Einschätzung auch zutrifft kann man gerade heute auf den NachdenkSeiten sehr schön nachlesen: (http://www.nachdenkseiten...). Wie sehr man auf eine Mitläufermentalität geschult ist, zeigt sich auch an Gedanken wie 'Und wenn mich dort meine Freunde / Bekannte / mein Chef sieht, was soll der nur von mir denken?' Ja nicht auffallen und Flagge zeigen, man könnte ja irgendwo anecken. Und wer aneckt, macht sich verwundbar, denn er könnte aus dem Strom der Mitläufer gedränt werden und sich plötzlich rechtfertigen müssen. Wie schwer es ist aus bestehenden Strukturen auszubrechen zeigen meiner Meinung nach auch die zunehmenden Fälle von Burnout-Erkrankungen. Aber das als Krankheit zu bezeichnen ist in manchen Kreisen auch schon Indiz für Faulheit. Auch ich bin ein Mitläufer, dem es scheinbar (noch) viel zu gut geht, um politisch aktiv zu werden. Darauf bin ich nicht stolz, aber es ist so.
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