Katholische KircheErzbistum von Los Angeles zahlt erneut Millionen an Missbrauchsopfer

Wegen des sexuellen Missbrauchs durch einen Priester entschädigt die Diözese L.A. einige Männer. Der damalige Erzbischof wusste von den Fällen und sitzt nun im Konklave.

Kardinal Roger Mahony, der frühere Erzbischof von Los Angeles (Archiv)

Kardinal Roger Mahony, der frühere Erzbischof von Los Angeles (Archiv)  |  © Eric Thayer/Getty Images

Die katholische Kirche von Los Angeles zahlt vier Missbrauchsopfern eine Entschädigung von insgesamt fast zehn Millionen Dollar, umgerechnet etwa 7,7 Millionen Euro. Mit der Zahlung wurde eine Klage von vier Männern beigelegt, die in den siebziger Jahren mehrfach von einem Priester sexuell missbraucht worden waren.

Der Priester soll über fast drei Jahrzehnte hinweg bis zu 23 Jungen missbraucht haben. Er wurde im Jahr 2000 vom Priesteramt ausgeschlossen, von einem Gericht schuldig gesprochen und zu zehn Jahren Haft verurteilt, nachdem er sich in Bezug auf zwei Opfer schuldig bekannt hatte.

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Schon 1986 hatte der Verurteilte angeblich dem inzwischen emeritierten Erzbischof von Los Angeles, Roger Mahony, den Missbrauch an Jungen gestanden. Trotzdem tat er weiter Dienst in verschiedenen Gemeinden. Mahony wurde im Januar dieses Jahres von allen Kirchenämtern entbunden, weil er Missbrauchsfälle verschleiert haben soll. Er ist aber noch Kardinal und derzeit zur Papstwahl in Rom. Der Einigung soll er Anfang März zugestimmt haben. 

Im vergangenen Monat hatte die katholische Kirche von Los Angeles Tausende Akten über mutmaßlichen sexuellen Missbrauch durch ihre Priester im Internet veröffentlicht. Aus ihnen geht auch hervor, wie die Diözese über Jahre ihre Priester schützte und strafrechtliche Ermittlungen zu verhindern suchte. Die Veröffentlichung habe wesentlich zu der nun erreichten außergerichtlichen Einigung beigetragen, hieß es von einem der Anwälte.

Die katholische Kirche von Los Angeles hatte sich 2007 bereits mit 500 Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester auf eine Entschädigung in Höhe von 660 Millionen Dollar verständigt.

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Leserkommentare
  1. Die Kirchen begreifen sich als eigenständige, normative Komplexe, die ihre Mitglieder vor den Verlockungen der bösen Außenwelt beschützen müssen. Missbrauchen Priester Kinder, so sind sie eben den unmoralischen Verlockungen dieser ach so bösen Welt erlegen und müssen nur wieder innerhalb der Mauern der Kirche auf den rechten Weg geführt werden. In was für aberwitzige Bahnen das ausartet, kann man seit Jahr und Tag dies- und jenseits des Atlantik bewundern.
    Natürlich missbrauchen nicht generell alle Kirchenleute Kinder, aber wir sollten darüber sprechen, was für eine Rolle eine solche Gruppe noch in unserer Gesellschaft spielen sollte.

    4 Leserempfehlungen
  2. Wer wissentlich Kinderschänder schützt gehört in den Knast.

    7 Leserempfehlungen
  3. 3. [...]

    Bitte achten Sie auf Ihren Ton. Danke, die Redaktion/mo.

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  4. Wer jede Handbewegung von Katholiken nur noch unter dieser Prämisse beurteilt, scheint selbst einige Probleme zu haben.

    Denn vieles, was geschrieben wird, ist reine Projektion.

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    • Vibert
    • 13. März 2013 10:10 Uhr

    Ich les doch wohl nicht richtig "... hat selber Probleme", "vieles was geschrieben wird ist reine Projektion" ?!
    Jede andere "Organisation" dieser Welt, die Pädophilie (nennen wir das Kind ruhig beim Nahmen) systematisch betreibt, ihre Bank dazu benutzt, regelmässig Mafia-Gelder zu waschen, würde juristisch verfolgt und zerschlagen.
    Projektion sagen Sie? Das nenn ich dann Verblendung.

    .. ist keine Missbrauchsorganisation, Sie haben völlig Recht. Aber sie ist eine Missbrauchs-Vertuschungsorganisation mit sehr fragwürdiger Moral!

    Dass es in der katholischen Kirche auch zu Missbrauchsfällen gekommen ist, ist wie jeder einzelne Missbrauchsfall zwar bitter, macht das Ganze aber noch nicht systematisch. Systematisch war und ist die Vertuschung und die Tatsache, dass bis heute noch nicht Leid und Schutz der Opfer im Vordergrund stehen, sondern der Schutz der Täter.

    Wenn das nach einer Vergewaltigung abtreibende Opfer exkommuniziert wird, der Täter nicht. Wenn die Persönlichkeitsrechte des Täters geschützt gehören, die des Opfers nicht. Wenn sich die Kirche um die wirtschaftliche Situation des Täters sorgt, aber nicht um die des Opfers.

    Dass hier in Amerika Millionen gezahlt werden, liegt ja mitnichten an der reuigen Kirche, sondern am amerikanischen Rechtssystem. Hier in Deutschland bekommen die Opfer nicht mal genug, um ihre Therapien bezahlen zu können. Bis heute!

    Wenn hier Projektion ins Spiel kommt, dann sollte man sich mal fragen, was das für eine Projektion ist, wenn sich Kirche dann auch noch als Opfer geriert!

    Die Kirche hat systematisch über Jahrzehnte Täter geschützt und ihnen ein warmes Nest geboten und sich einen Dreck um die Belange schützenswerter Opfer gekümmert. Das widerspricht zutiefst dem eigentlichen christlichen Menschenbild. Die Kirche ist nicht in der Position mit dem Finger auf irgendwen zu zeigen, bis sie nicht restlos dazu steht!

    • karoo
    • 13. März 2013 8:38 Uhr

    "Die katholische Kirche von Los Angeles hatte sich 2007 bereits mit 500 Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester auf eine Entschädigung in Höhe von 660 Millionen Dollar verständigt."

    Wurden den Opfern in Deutschland nicht nur eine Entschädigung von ca. 5000€ pro Person zugestanden? Was ist eigentlich mit unserer Rechtsprechung und unseren Gesetzen los?

    3 Leserempfehlungen
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    Entschädigungszahlungen sind in den USA ein wahres Füllhorn, bei uns klappt das nicht.

    So müssen also alle Kirchensteuer zahlenden Katholiken (das allerdings sind zum grossen Teil die Deutschen) für die zuerst von ihren Geldern bezahlten Verbrecher auch noch die Strafe zahlen.

    Im Nachhinein noch ein Grund mehr für den Kirchenaustritt.

    • TDU
    • 13. März 2013 9:10 Uhr

    Was glauben Sie wohl, wieviel bei den Opfen ankommt? Diesen Prozess hätte man mit Anwälten und Prozesskostenhilfe sicher nicht gewonnen.

  5. Entschädigungszahlungen sind in den USA ein wahres Füllhorn, bei uns klappt das nicht.

    So müssen also alle Kirchensteuer zahlenden Katholiken (das allerdings sind zum grossen Teil die Deutschen) für die zuerst von ihren Geldern bezahlten Verbrecher auch noch die Strafe zahlen.

    Im Nachhinein noch ein Grund mehr für den Kirchenaustritt.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Entschädigungen"
    • TDU
    • 13. März 2013 9:10 Uhr

    Was glauben Sie wohl, wieviel bei den Opfen ankommt? Diesen Prozess hätte man mit Anwälten und Prozesskostenhilfe sicher nicht gewonnen.

    Antwort auf "Entschädigungen"
  6. ...von Missbrauchs-Vorwürfen gegen kirchliche Angestellte in Deutschland und was er dagegen unternahm, kann man sehr deutlich auf der Website der damaligen Opfer lesen: netzwerkB.org

    Diese Verschleierungstaktik der katholischen Kirche und vor allem diese unerträglich ignorante und arrogante Art, mag für Aussenstehende schon ein Skandal sein, aber was müssen Betroffene/Opfer empfinden, wenn sie sich mit Stellungnahmen begnügen sollen, wie der Missbrauchte Norbert Denef sie im Jahr 2004 von oberster Stelle des Vatikan bekam???

    In mir löste dieses an Herrn Denef gerichtete und von ihm veröffentlichte Schreiben Wut und Entsetzen aus und wenn ich heute lese, dass dieser im Artikel genannte US-Kardinal im Konklave sitzt, mit der Chance zum Papst gewählt werden zu können, halte ich das für eine große Schande der katholischen Kirche.

    Das zeigt in meinen Augen sehr deutlich, wie wenig bereit die katholische Kirche ist, im Bereich des Missbrauchs konsequent zu verfahren!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, nf
  • Schlagworte Kirche | Katholische Kirche | Diözese | Dollar | Entschädigung | Ermittlung
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