In den Ermittlungen zu den Misshandlungsfällen an den Internatsschülern des Benediktinerklosters Ettal belegen neue Ergebnisse, dass die Mönche systematisch Gewalt angewendet haben. Laut Expertenbericht herrschte bis in die achtziger Jahre ein Unterdrückungssystem mit Gewalt und sexuellem Missbrauch in der Schule.

Gewalt sei "gezielt als pädagogisches Mittel eingesetzt" worden, schreibt die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf einen Untersuchungsbericht, den das bayerische Kloster selbst in Auftrag gegeben hatte. Sexuelle Übergriffe der Mönche seien Teil dieses Gewaltsystems gewesen. Der Untersuchungsbericht des sozialwissenschaftlichen Instituts IPP wird am heutigen Donnerstag in München vorgestellt.

Vor drei Jahren war erstmals bekannt geworden, dass Mönche in Ettal zahlreiche Schüler unter anderem sexuell misshandelt hatten. In dem Bericht heißt es nun, die Mönche hätten "Selektion und schmerzvolle Bestrafung der Leistungsschwachen" an den Schülern vollzogen.

Die Heftigkeit der Gewalt lasse keinen anderen Schluss zu, "als dass die Täter entweder die Kontrolle über ihre Affekte verloren oder auf der Basis sadistischer Motivation handelten". Die sexuellen Übergriffe seien eine spezifische Variante der Gewalt gewesen. Die Erzieher hätten ihre Rolle nicht annähernd ausfüllen können, die Geistlichen seien für ihre pädagogische Tätigkeit auch völlig unzureichend qualifiziert gewesen.