Konklave : So wird der Papst gewählt

Im Vatikan sind 115 wahlberechtigte Kardinäle zusammengekommen. Ab Dienstag wählen sie den Nachfolger Papst Benedikts XVI. Der Ablauf ist exakt vorgeschrieben.

In wenigen Stunden schließen sich die Türen. Nur 29 Tage nach dem überraschenden Rücktritt Papst Benedikts XVI. beginnt im Vatikan das Konklave, aus dem das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche hervorgehen wird. Dass die Wahl so schnell möglich geht, liegt auch daran, dass die Abläufe seit Jahrhunderten die gleichen sind.

So ist es Tradition, dass während der Sedisvakanz – der Zeit ohne Papst, die diesmal offiziell am 28. Februar begann – der Camerlengo die Geschäfte führt. Dieses Amt hat seit 2007 Tarcisio Bertone inne. Der 78-Jährige ist dafür zuständig, dass die Vorschriften der Papstwahl eingehalten werden. Geleitet wird das Konklave vom stellvertretenden Kardinaldekan Giovanni Battista Re.

Die Vorbereitungen dafür sind abgeschlossen: Der Schornstein, der in den kommenden Tagen zum meistfotografierten der Welt werden wird, wurde bereits am Freitag aufgebaut. Und auch die Öfen, in denen die Wahlzettel nach jedem Durchgang verbrannt werden, stehen bereit. Sie wurden seit der Wahl Pius XII. im Jahr 1939 nicht mehr ausgetauscht.

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Das Konklave beginnt damit, dass die 115 wahlberechtigten Kardinäle unter 80 Jahre im Gästehaus Santa Marta nahe des Petersdoms einziehen. Wer dort welche Suite bekommt, wurde ausgelost. Seit Benedikts Rücktritt mussten zwei Kardinäle ihre Teilnahme absagen: Der Brite Keith O'Brien trat nach Missbrauchsvorwürfen zurück. Der Indonesier Julius Riyadi Darmaatmadja kann aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen.

Um zehn Uhr werden die Kardinäle die Messe Pro Eligendo Romano Pontifice (Für den zu wählenden römischen Pontifex) feiern. Um 16 Uhr 30 ziehen sie in einer Prozession in die rund 400 Meter entfernte Sixtinische Kapelle ein.

Störsender verhindern den Kontakt nach außen

Dort werden sie den ersten Wahlgang durchführen. Nach einem Abendgebet um 19 Uhr 15 fahren sie zurück ins Gästehaus. Sowohl in der Kapelle als auch in ihrem Quartier sind die Kardinäle streng von der Außenwelt abgeschottet, unter anderem wurden Störsender für Mobiltelefone montiert. Auch Zeitungen, Fernsehen und Internet sind verboten. Die Kardinäle verpflichten sich mit einem Eid zur Geheimhaltung; wer dagegen verstößt, wird exkommuniziert. Bei der vergangenen Wahl 2005 soll ein Kardinal ein Tagebuch geführt haben, das wenige Wochen später publik wurde. Der Autor blieb allerdings anonym.

An den folgenden Tagen werden vormittags und nachmittags jeweils zwei Wahlgänge durchgeführt, so lange, bis ein Kandidat zwei Drittel der Stimmen erhält – also mindestens 77. Nach drei Tagen ohne einen neuen Pontifex wird eine eintägige Pause eingelegt. Eine Regelung, nach der nach 33 erfolglosen Wahlgängen auch eine absolute Mehrheit ausreicht, wurde 2007 gekippt.

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

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naja, das Argument hoert man ja immer wieder, es ist jedoch zweifelhaft ob es wirklich einer genaueren Untersuchung der Sachverstaende standhielte...
Denken sie doch nur an die alt-griechischie Philosophy, die der heutigen Demokratie doch weitaus naeher ist als die katholische Kirche. Ferner ist es ja so, dass es in der Zeit der Renaissance ganau diese philosphischen Stroemungen wieder in das Bewusstsein der Gelehrten fand. Demokratie ist eher ein anti-kirchliches Konstrukt, ein Konstrukt weg von der Kirche. So gesehen haben sie allerdings wieder recht: Ohne die Kirche waere eine Abkehr von ihr nicht nicht moeglich gewesen...