NSU-MordserieVater verloren, Familie schikaniert

Enver Simsek war das erste Opfer des NSU. Seine Tochter erzählt nun in einem Buch die Geschichte seines Todes und der falschen Verdächtigungen der Polizei. von Armin Lehmann

Die Geschichte ist dramatisch, aber der Ton der Erzählung bleibt leise, die Sprache auf das Wesentliche reduziert. Die sachliche Wiedergabe der Ereignisse reicht, um den Leser hineinzuziehen in diesen real existierenden Abgrund an Brutalität und Tragik. Es handelt sich um ein Drama der besonderen Art, weil es die Gesellschaft als Ganzes angeht.

Am 9. September 2000 wird der Blumengroßhändler Enver Simsek nahe Nürnberg getötet, mutmaßlich von den Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Im Buch wird aufgelistet, wo der damals 39-Jährige getroffen wird: "Drei Projektile stecken in seinem Kopf, zwei Kugeln im rechten Schulterbereich, dazu zwei Durchschüsse, einer ging durch den linken Unterarm, der andere hatte ... die linke Augenhöhle durchschlagen. Ferner eine Streifschussverletzung am linken Ellenbogen und ein Fehlschuss, der das Wagendach traf. Neun Schüsse."

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Der 9. September 2000 war der Beginn einer bisher in diesem Land beispiellosen Mordserie von Rassisten, die bis 2007 weitere neun Menschen das Leben kostete. Bei allen Morden gilt ein Satz aus dem Buch: "Sie hatten in reiner, unverstellter Tötungsabsicht gehandelt."

Neonazi-Terror in Deutschland
Morde, ungeklärte Anschläge und Reaktionen
1996 und 1997

© Frank Doebert/Ostthueringer Zeitung/dpa

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe fallen 1996 zum ersten Mal auf. Sie sollen eine Puppe mit gelbem Davidstern an einer Autobahnbrücke aufgehängt haben. 1997 deponieren sie einen mit Hakenkreuz bemalten Sprengstoffkoffer in der Jenaer Innenstadt.

Januar 1998

© Heinz Hirndorf/dpa

In Jena hebt die Polizei die Bombenwerkstatt der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen aus. Das Labor war in einer Garage versteckt. Die Fahnder stellen Rohrbomben sicher, die mit dem Sprengstoff TNT gefüllt sind. Das Trio flieht. Noch offen ist, wer ihnen bei der Flucht half.

28. September und 19. Dezember 1998

© Wolfgang Kumm/dpa

Auf das Grab des früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, werden zwei Anschläge verübt. Der Fall wurde nie aufgeklärt, die Ermittler untersuchen mögliche Verbindungen zu den drei Neonazis.

1999 bis 2011

© Polizeidirektion Gotha/dpa

14 Banküberfälle werden Böhnhardt und Mundlos zugeordnet: Chemnitz: 6. und 27.10.1999, 30.11.2000, 23.9.2003, 14. und 18.5.2004, 22.11.2005; Zwickau: 5.7.2001, 25.9.2002 und 5.10.2006; Stralsund: 7.11.2006 und 8.1.2007; Arnstadt: 7.9.2011; Eisenach: 4.11.2011. Sie fliehen mit dem Fahrrad. 

27. Juli 2000

© Christian Ohlig/dpa

Ungeklärt ist auch der Splitterbombenanschlag an einer Düsseldorfer S-Bahn-Station. Zehn Einwanderer aus Osteuropa werden schwer verletzt, eine Frau verliert ihr ungeborenes Kind. Der Anschlag läuft ähnlich ab wie der in Köln 2004. War auch hier das Jenaer Trio beteiligt?

9. September 2000

© dpa

In Nürnberg wird der 38-jährige türkische Blumenhändler Enver S. erschossen. Eine der verwendeten Waffen ist die bei allen folgenden Taten genutzte Pistole, eine Ceska, die später in der Zwickauer Brandruine gefunden wird. Enver S. ist das erste Opfer der Mordserie.

19. Januar 2001

© Jan Woitas/dpa

Eine Deutsch-Iranerin wird in einem Kölner Lebensmittelgeschäft durch einen in einer Keksdose versteckten Sprengsatz schwer verletzt. Hinweise darauf, dass das Trio hinter dem Anschlag steckte, finden sich auf der in der Zwickauer Brandruine (Bild) gefundenen DVD.

13. Juni 2001

© dpa

In Nürnberg stirbt der 49 Jahre alte, türkische Änderungsschneider Abdurrahim Ö. Er wurde mit zwei Kopfschüssen niedergestreckt. Ein Komplize des Täters soll draußen in einem Auto gewartet haben.

27. Juni 2001

© dpa

In Hamburg wird der 31-jährige Gemüsehändler Süleyman T. in seinem Laden ermordet. Drei Schüsse haben ihn in den Kopf getroffen. Die Polizei geht von zwei Tatwaffen aus.

29. August 2001

© dpa

In München wird der 38 Jahre alte, türkische Gemüsehändler Habil K. erschossen. Auch er wird in den Kopf getroffen, mit zwei Schüssen.

25. Februar 2004

© dpa

In Rostock wird der 25 Jahre alte Dönerladen-Aushilfsverkäufer Yunus T. ermordet. Der Türke war erst zehn Tage in Deutschland.

9. Juni 2004

© Federico Gambarini/dpa

Durch einen Nagelbombenanschlag in Köln werden 22 Menschen verletzt. Im November 2011 wird der bislang ungeklärte Fall neu aufgerollt, weil die Neonazis sich auf ihrer DVD zu dem Anschlag bekannt haben.

9. Juni 2005

© dpa

In Nürnberg stirbt an seinem Dönerstand der 50 Jahre alte Besitzer Ismail Y. Ein Kunde findet ihn hinter der Theke. Fünf Schüsse haben ihn getroffen. Zeugen sagen, zwei Männer hätten auf ihn geschossen.

15. Juni 2005

© dpa

Der 41-jährige Theodorus B. wird in seinem Laden, einem Schlüsseldienst in München, erschossen. Er stammt als einziges Opfer aus Griechenland.

4. April 2006

© dpa

In Dortmund wird in den Mittagsstunden an einer vielbefahrenen Straße der türkischstämmige Kioskbesitzer Mehmet K. mit mehreren Kopfschüssen getötet. Der 39-Jährige hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

6. April 2006

© Uwe Zucchi/dpa

Halit Y., der 21 Jahre alte türkische Betreiber eines Internetcafés in Kassel, wird ebenfalls mit Kopfschüssen getötet. Am Tatort befand sich ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes. Er soll auf dem Dachboden seines Hauses Bücher zur Nazizeit gehortet haben.

25. April 2007

© Norbert Försterling/dpa

In Heilbronn wird Michèle Kiesewetter, eine aus Thüringen stammende, 22 Jahre alte Bereitschaftspolizistin, erschossen. Ihr Kollege überlebt schwer verletzt.

4. November 2011

© Carolin Lemuth/dpa

Nach einem Banküberfall werden Bönhardt und Mundlos tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil bei Eisenach gefunden. In Zwickau geht ihre Wohnung in Flammen auf. In den Trümmern werden Waffen und eine DVD entdeckt, mit Bekenntnis zu den Morden und einigen Anschlägen.

8. November 2011

© Jan Woitas/dpa

Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena und wird wegen dringenden Verdachts der Gründung der Neonazi-Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) festgenommen. Seither sitzt die 36-Jährige in Untersuchungshaft.

13. November 2011

© Franziska Kraufmann/dpa

Holger G. wird in Niedersachsen festgenommen. Er soll Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) sein und dem Trio Ausweise überlassen haben. Holger G. wurde schon 1999 observiert, doch der niedersächsische Verfassungsschutz stufte ihn nur als Mitläufer ein.

15. November 2011

Die CDU fasst auf ihrem Parteitag in Leipzig einstimmig den Beschluss, ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD zu prüfen. Auch die SPD fordert wieder, die Partei zu verbieten. In dem Zusammenhang wird auch diskutiert, ob der Einsatz der V-Leute vom Verfassungsschutz überprüft werden muss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will ein Zentralregister einrichten, in dem alle Informationen über Neonazis gespeichert werden sollen.

Am gleichen Tag wird bekannt, dass das Neonazi-Trio eine Liste angefertigt hatte, auf der auch Politiker verzeichnet waren.

16. November 2011

© Polizei Sachsen/dpa

Beate Zschäpe trägt nichts zur Aufklärung der Mordserie bei. Sie schweigt. Derweil wird die Liste der Fahndungspannen immer länger. Polizei und Verfassungsschutz hatten offenbar Dutzende Chancen verpasst, die Neonazi-Gruppe zu finden.

18. November 2011

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger will als Reaktion auf die Ermittlungspannen die Zahl der Verfassungsschutzämter in Deutschland reduzieren. Die Länder sind dagegen. Vereinbart wird auf einem Krisengipfel aber, ein Abwehrzentrum Rechts und eine zentrale Neonazi-Datei einzurichten.

21. November

© Christof Stache/AFP/Getty Images

Es wird bekannt, dass Uwe Mundlos durch eine Behördenpanne an gefälschte Ausweispapiere kam. BKA-Chef Ziercke verwirrt mit der These, die Polizistin Michèle Kiesewetter sei doch gezielt getötet worden. "Unsinn", heißt es dazu aus Thüringen.

22. November
Kristina Schröder

© Sean Gallup/Getty Images

Die Mittel für Initiativen gegen Rechtsextremismus sollen, anders als von Familienministerin Kristina Schröder ursprünglich geplant, nun doch nicht gekürzt werden. Zudem will die Bundesregierung die Angehörigen der Opfer entschädigen.

24. November

© Franziska Kraufmann/dpa

In Brandenburg wird der 32-jährige André E. festgenommen. Er soll die Bekenner-DVD der NSU produziert haben. Im Mai 2009 soll er dem Trio Bahncards überlassen haben, die auf ihn und seine Frau ausgestellt waren.
 

29. November

© Uli Deck/dpa

Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf W. wird in Jena verhaftet. Dem 36-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, der Neonazi-Gruppe eine Schusswaffe und Munition besorgt zu haben. W. war bis Mai 2008 Vize-Chef der thüringischen NPD.

11. bis 13. Dezember

Der mutmaßliche Unterstützer Matthias D. wird gefasst. Der 36-Jährige, der wie André E. aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt stammt, soll in Zwickau zwei Wohnungen für die Gruppe angemietet haben.

Derweil wächst bei Schwarz-Gelb die Skepsis gegenüber einem erneuten NPD-Verbotsverfahren. Man fürchtet angesichts der vielen V-Leute in der NPD (offenbar mehr als 130) einen erneuten Misserfolg.

In den folgenden Tagen wird bekannt, dass die Ermittler auch Spuren der Terrorzelle nach Berlin und in die Schweiz untersuchen. Möglicherweise war sie an einem Mord in Zürich beteiligt.

Januar 2012
01 Sebastian Edathy im Untersuchungsausschuss

© Sean Gallup/GettyImages

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages geht den Ermittlungsfehlern nach. Dabei kommt heraus, dass die bayerische Polizei bei der Fahndung gar einen Dönerimbiss betrieb. Auch in Thüringen und Sachsen untersuchen die Parlamente die Vorgänge.

Februar 2012
Staatsakt

© Sean Gallup/Getty Images

In einem Staatsakt wird der NSU-Opfer gedacht. Eine Straße in Kassel soll nach einem der Opfer benannt werden. Jetzt untersucht auch eine Bund-Länder-Kommission die fehlgeschlagene Suche nach dem Trio.
 

März 2012
02 Beate Zschäpe

© BKA/dpa

Die Bundesanwaltschaft arbeitet daran, Beate Zschäpe eine direkte Beteiligung an den Morden nachweisen zu können. Zschäpe soll der Motor der Gruppe gewesen sein, Haushalt und Finanzen verwaltet haben.

2. Mai 2012
03-Untersuchung nach Mord

© Marcus Föhrer/dpa

Acht Männer türkischer Abstammung ermordeten die Rechtsextremen. Doch auch die türkischen Behörden glaubten nur an ein kriminelles Killerkommando aus dem eigenen Land, wie die ZEIT herausfindet.

15. Mai 2012

In Thüringen wurde bei der Suche nach den untergetauchten Terroristen von 1998 bis 2001 geschlampt, urteilt ein Gremium der Landesregierung unter Vorsitz von Ex-Bundesrichter Gerhard Schäfer. Bereits zu Jahresbeginn haben die Landesverfassungsschützer eingeräumt, dass über einen Mittelsmann Geld an die Neonazis fließen sollte, um an deren Tarnidentitäten zu kommen. Der Plan scheiterte. Für die Observation des Trios stellt auch die Parlamentarische Kontrollkommission des Sächsischen Landtages dem eigenen Verfassungsschutz ein verheerendes Zeugnis aus.

Ende Mai 2012

Der mutmaßliche NSU-Helfer Holger G. ist auf freiem Fuß. Er soll den drei Rechtsextremisten Waffen besorgt haben. Der Bundesgerichtshof entschied: G. wusste eventuell nicht, wofür sie eingesetzt werden. Zwei Wochen später werden auch Carsten S. und Matthias D. aus der Untersuchungshaft entlassen. Im Juni wird der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen NSU-Helfer André E. aufgehoben. Er soll an dem Bekennervideo der NSU mitgearbeitet haben, der BGH hält ihn aber nicht für dringend tatverdächtig

2. Juli 2012
Die Terrorzelle

© BKA/dpa

Ein Referatsleiter des Bundesverfassungsschutzes hat im November 2011 Akten zu V-Leuten aus dem Umfeld der NSU vernichtet. Bis Ende Juni war das dem Geheimdienstchef angeblich nicht  bekannt.

Juli 2012

Als Konsequenz aus der "Reißwolf-Affäre" bittet Verfassungsschutzchef Fromm um seine frühzeitige Pensionierung. Wenige Tage später verliert der Präsident des Thüringischen Geheimdienstes, Thomas Sippel, seinen Posten. Auch der Leiter der sächsischen Behörde, Reinhard Boos, tritt zurück.  Protokolle einer Telefonüberwachung des Bundesamtes von Ende 1998 waren nicht an die Untersuchungsausschüsse weitergegeben worden.

5. Juli 2012

Fromm spricht vor dem Bundestagsausschuss. Er offenbart Chaos in seiner Behörde, weiß nicht, warum sensible Akten vernichtet wurden. Die Vermutung der FDP, Zschäpe sei als Informantin angeworben worden, wird dementiert.

Juli 2012

© Michael Gottschalk/dapd

Noch nachdem die Straftaten des NSU bekannt wurden, sind zahlreiche weitere Akten zu den drei Rechtsextremisten vernichtet worden. Die Behörden erklären das mit dem Datenschutz, die Opposition vermutet Vertuschung.

Juli 2012

© Jim Lo Scalzo/EPA/dpa

Zwei Kollegen der Polizistin Michele Kiesewetter sind zeitweise Mitglieder im rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) gewesen. Einer von ihnen war ihr Gruppenführer, wusste also, wo sie sich aufhielt. Einen Zusammenhang mit dem Mord schließt der Innenminister Friedrich aus.

September 2012

© BKA/dapd

Der Militärgeheimdienst MAD hat 1995 eine Akte über die rechtsextreme Gesinnung des Wehrdienstleistenden Uwe Mundlos erstellt. Der Verteidigungsminister wusste dies seit März. Der Bundestagsuntersuchungsausschuss wurde nicht informiert.

14. September 2012

© Steffi Loos/dapd

Ein früherer Vertrauter des NSU hat jahrelang für das LKA Berlin gespitzelt. Thomas S. lieferte 2002 Hinweise auf den Aufenthaltsort der Truppe in Thüringen. Innensenator Frank Henkel wusste seit März von S., gab die Information aber nicht an den Ausschuss weiter.

Die Tochter von Enver Simsek, Semiya Simsek, heute 26 Jahre, hat dieses erste Buch einer Hinterbliebenen gemeinsam mit dem Journalisten Peter Schwarz und ihren Anwälten Jens Rabe und Stephan Lucas geschrieben. Es ist ein zeithistorisches Dokument geworden, das dem Leser nahegeht und das es verdient, gelesen zu werden. Das Buch vereint drei Ebenen: Es erzählt die Lebensgeschichte von Enver Simsek und seiner Familie, es skizziert in Kenntnis von Ermittlungsakten das Vorgehen der Polizei, und es erhebt schwere Vorwürfe gegen den Staat und die Politik. Dieser politische Teil ist als Nachwort der beiden Rechtsanwälte ausgegliedert. Das Buch gibt Enver Simsek ein Gesicht, ein Leben. Es lenkt den Blick weg von den mutmaßlichen Tätern und den Pannen und Pleiten der Ermittler auf die immer noch weitestgehend anonymen Opfer.

Am 9. September 2000 liegt Enver Simsek in seinem Sprinter zwischen gebundenen Sträußen und losen Schnittblumen in einer Blutlache. Der Rettungsarzt stellt einen "kräftigen Puls" fest, aber die Atmung des Mannes ist nur noch "ein heftiges, unregelmäßiges Röcheln". Als Semiya Simsek, damals 14 Jahre, von einem Onkel ins Krankenhaus gebracht wird, darf die Mutter nicht bei ihr sein. Sie wird auf der Polizeistation verhört. Bereits im ersten Fax hatte die Nürnberger Polizei ihre Kollegen in Schlüchtern, dem Wohnort der Simseks, dazu aufgefordert, die Mutter "zu einem möglichen Tatverdacht zu vernehmen". Elf Jahre lang wird dieser Verdacht auf der Familie lasten.

In all den Jahren wurde der Spur Fremdenfeindlichkeit nie ernsthaft nachgegangen, und diese Unterlassung wird im Buch auf Basis von Polizeiquellen als "Blindheit gegen rechts" enttarnt. Bis ins Jahr 2007, als der letzte Mord verübt wurde, hat die Polizei den Opfern "undurchsichtige Lebensführung" unterstellt. Schwarz, der die Polizeiakten einsehen konnte, schreibt von einem "Sammelsurium krudester ethnischer Vorurteile" und "ins Rassistische spielender Klischees".

Vor allem Semiyas Mutter muss leiden, die jahrelangen Verhöre machen sie schließlich krank. "Von der ersten Vernehmung an haben sie sie hart angefasst. Sie schrien sie an, sie solle es endlich zugeben." Sie wird verdächtigt, gemeinsam mit ihrem Bruder den Ehemann umgebracht zu haben. Die Tochter schreibt: "Ich kann mich an keinen einzigen Tag erinnern, an dem sie nicht weinte."

Leserkommentare
    • TDU
    • 08. März 2013 14:52 Uhr

    Schlimm ist das. Aber es steht zu befürchten, dass das auch deutschen Privatleuten passieren würde, deren ermordete Angehörige keiner erklären kann, und man nicht nicht in der Lage ist, eindeutige Entlastungsbeweise zu liefern. Fehlurteile sind eben nicht ausgeschlossen aber hier korrigierbar. In anderen Ländern verbringt man, gehört man zu den unbotmäßigen, lange Zeit im Gefängnis.

    Der Fehler liegt schlicht an der lausigen Ermittlungsarbeit. Und im Umgang der Polizie mit ihren Bürgern ist immer noch viel zu viel Spielraum für Handeln nach Voreingenommenheit. Das beweisen der Prozess Kachelmann, der getötet Asylbewerber und etliche klei Besipiel aus der Regionalpresse. Aber immer noch kein Vergleich mit anderen Ländern sogar der USA und möglicherweise auch England.

    6 Leserempfehlungen
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    • fse69
    • 11. März 2013 15:52 Uhr

    "...Der Fehler liegt schlicht an der lausigen Ermittlungsarbeit. Und im Umgang der Polizie mit ihren Bürgern ist immer noch viel zu viel Spielraum für Handeln nach Voreingenommenheit. Das beweisen der Prozess Kachelmann, der getötet Asylbewerber und etliche klei Besipiel aus der Regionalpresse. Aber immer noch kein Vergleich mit anderen Ländern sogar der USA und möglicherweise auch England...."

    So muss es dann wohl sein ... "lausige Ermittlungsarbeit", "Voreingenommenheit",... Und woanders is' es überhaupt viieell schlimmer.

    Es mag keine Beweise dafür geben, aber bislang hat auch niemand den Verdacht entkräften können, dass diese Leute von nachrichtendienstlichen Kräften gedeckt und polizeiliche Ermittlungen zu diesem Zwecke mit Desinformationstechniken gezielt in die Irre geführt wurden. Doch in diese Richtung besteht offenkundig ein stillschweigend getroffenes Denkverbot. Die Aneinanderreihung von Indizien werden als "Zufälle" abgetan - dass diese mittlerweile die Wahrscheinlichkeit eines dreimal hintereinander erzielten Sechsers im Lotto erreicht haben dürften, stört da nicht weiter - Unstimmigkeiten und Fragen, die nicht in das Bild von "Pleiten, Pech und Pannen" eingepflegt werden können, hängen einfach so in der Luft und werden komplett ignoriert. Hauptsache man kann das Ergebnis aufrechterhalten, dass es keinerlei Anhaltspunkte dafür gibt, dass es mehr sein könnte, als eine "Pannenserie".

  1. die "Ermittlung" und wo beginnt die "Schikane"?

    Was ist "ernsthaft Nachgehen" ohne brauchbaren Anhalt?

    Ich habe begründete Zweifel, ob das persönliche Umfeld des Geschädigten zu einer zweckmäßigen Sachverhaltswürdigung in derLage ist!

    Auch die Darstellung der "Sterbeszene" ist reichlich (unnötig)melodramatisch, denn der NA wird die 3 Defekte im Schädel nicht notwendig gleich im ganzen Ausmaß erkannt haben. Ausgewiesen der defizitären Atmung dürfte der Schädelinhalt nicht mehr funktionsfähig, zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen gewesen sein.

    Da hilft auch ein intakter Kreislauf nicht mehr, leider.

    Zudem ist bei Anzeichen von "Übertötung" durchaus ein Täter im persönliche Umfeld nie auszuschließen.

    Hauptasche keine einseitige Darstellung....

    Beste Grüße CM

    5 Leserempfehlungen
  2. Bei den NSU-Ermittlungen ist eine ganze Menge an Beamtenstunden und Geld in die Suche nach den Tätern investiert worden. Ich kann mir keinen Beamten vorstellen, der nicht liebend gerne nach einer oder zwei Wochen die Täter geschnappt hätte. So bitter es auch ist für die Angehörigen, dass in die falsche Richtung ermittelt wurde - es wurde immerhin intensiv ermittelt, die Akten sind nicht einfach mit Täter unbekannt geschlossen worden. Die Verbitterung der Angehörigen ist zwar verständlich, richtet sich aber gegen die falschen, nämlich gegen die Kripo, die bestimmt ihr bestes gegeben hat. Die WOLLTEN die Täter fangen, für alles andere geben auch die Untersuchungsausschüsse nicht den geringsten Anhaltspunkt. Versagt hat die Koordination der Geheimdienste. Nicht die Kriminalpolizei. Wenn man weiß, das meistens die Familienangehörigen im Tatverdacht stehen, verwundert der Ansatz der Ermittlungen nicht.

    10 Leserempfehlungen
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    ... unter Berücksichtigung, dass es sich um eine Mordserie mit "gleicher Handschrift" handelte. Das wusste die Polizei unmittelbat nach dem ersten Mord natürlich noch nicht. Nachdem weitere Morde geschahen, wurde zumindest eine Entschuldigung für die in diesem Buch dargestelle "Ermittlungsarbeit" bei der betroffenen Familie fällig. Hoffentlich ist das passiert.

    • otyak
    • 09. März 2013 14:17 Uhr

    ist zwar richtig. Der Verdacht entsteht nicht automatisch. Dafür braucht man Anknüpfungspunkte, die vorliegend jedoch nicht gegeben waren. Zumindest sind solche Anhaltspunkte bis jetzt nicht präsentiert worden.

    Wenn die Ehefrau verdächtigt wird, wäre doch angebracht, bevor man sie irgendwie verdächtigt, sie zunächst heimlich zu überwachen.

    @TDU

    Wenn in anderen Länder schlimmere Fälle passieren oder die Polizei schwere Fehler begeht, ist keine Rechtfertigung für den tiefen Schlaf, in dem die Behörden sich jahrelang befunden haben.

    Mein Beileid gilt der Familien, die nicht nur den Tod des Angehörigen verkraften, sondern zugleich Beschuldigungen hinnehmen müssen/müssten.

    Nicht zu vergessen ist auch die Polizeibeamtin, die Ihr Leben verlieren musst.

  3. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Geht es noch ein wenig kruder, war vielleicht noch der FSB und CIA an der Mordserie beteleiligt? Wo haben Sie denn diesen Unsinn mit dem tuerkischen Geheimdienst her, von dem rechtsradikalen und rassistischem selbsternannten Historiker Nordbruch, dem Kumpel vom Faschisten Timo Brandt? Verschonen Sie die Welt von diesem geistigen Muell und seinen Propagandisten. Aber wahrscheinlich sind Sie selbst so einer.

  4. Die Frage ist spannend. Warum wird nach der Ermordung eines Menschen nur ein Ermittlungsstrang ernsthaft verfolgt? Und warum bleibt es auch nach ausbleibendem Ermittlungserfolg selbst so schwerer Eingriffe in die Grundrechte, wie dem des Abhörens, bei diesem einen Ermittlungsstrang?
    Das sind, freundlich gesagt, Versäumnisse der Ermittler.
    Nur, welchen anderen Ermittlungsansatz sollten die Beamten den verfolgen?
    Zusammenhanglos mordende Rechtsterroristen?
    Der Skandal bleibt doch, dass die Täter offenbar mit Hilfe staatlich finanzierter Stellen, wahrscheinlich sogar direkt mit Hilfe von Steuergeldern jahrelang unentdeckt bleiben konnten.
    Ich muss da immer an die Wehrsportgruppe Hoffmann denken, an den Bombenanschlag auf das Oktoberfest, an die grandiosen Ermittlungen des bayerischen Staatsschutzes und den plötzlichen Tod von Heinz Lembke.
    Allerdings haben damals schon die ermittelnden Kripobeamten ihr bestes gegeben, schon damals war der Verfassungsschutz das Problem.
    Wahrscheinlich wurde hier lediglich eine Tradition fortgeführt...

    Eine Leserempfehlung
  5. ... unter Berücksichtigung, dass es sich um eine Mordserie mit "gleicher Handschrift" handelte. Das wusste die Polizei unmittelbat nach dem ersten Mord natürlich noch nicht. Nachdem weitere Morde geschahen, wurde zumindest eine Entschuldigung für die in diesem Buch dargestelle "Ermittlungsarbeit" bei der betroffenen Familie fällig. Hoffentlich ist das passiert.

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    Antwort auf "Polizeiarbeit"
  6. so wie es bei manchen hier kommentiert wird, sollte man die rechnung für die absichtlich-falsch ausgerichtete ermittlungsarbeit der polizei zu den opferfamilien schicken...zur bezahlung versteht's sich !

    es ist sonnenklar, dass der staat die täter gedeckt und finanziert hat..
    ein anständiger staat wäre zurückgetreten..
    eine anständige gesselschaft hätte solange protestiert, bis der gesamte staatsapparat erneuert würde ..

  7. Selbiges Verhalten ist in einer Unzahl an Faellen dokumentiert. Die Taeter laufen immer noch frei herum und verhelfen dem Rechtssystem zu Autorenehren? Und die Taetergruppen die das Ausnutzen haben sich mit Hife der Anwaelte verzehnfacht. Ist das nicht die Definition eines Terrorregimes?

    Eine Leserempfehlung

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