Die Organisation des Prozesses um die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) vor dem Oberlandesgericht München löst erneut Kritik aus. Nicht nur, dass das Gericht dem türkischen Botschafter mit Verweis auf die Strafprozessordnung eine Platzreservierung verweigerte . Auch kein einziges türkisches Medium hat eine dauerhafte Akkreditierung für die Berichterstattung über den Prozess erhalten.

Grund dafür ist nach Angaben des Gerichts das übliche Akkreditierungsverfahren: Die 50 für Medien garantierten Plätze in dem Prozess seien strikt nach der zeitlichen Reihenfolge des Eingangs vergeben worden, teilte das Gericht mit. Dieses Verfahren sei objektiv und unangreifbar. Alternativ hätte man nur per Los entscheiden können, sagte eine Gerichtssprecherin.

So kommt es, dass kein türkisches Medium einen festen Platz bekommen hat, dafür aber sieben öffentlich-rechtliche Sender: BR, MDR , WDR , SWR, NDR und ZDF sowie der Deutschlandfunk sind darunter, außerdem die Nachrichtenagenturen dpa, dapd und Reuters sowie diverse Tageszeitungen und Online-Redaktionen. Auch ZEIT ONLINE hat einen Platz erhalten. 123 Medien hatten sich um eine Akkreditierung bemüht, unter ihnen acht aus der Türkei .

Türkische Medien wie etwa die Nachrichtenagentur Anadolu, die Zeitungen Hürriyet und Sabah oder NTV Türkei können nach Angaben des Gerichts nur nachrücken, wenn ein fest akkreditiertes Medium am jeweiligen Prozesstag morgens bis 15 Minuten vor Prozessbeginn nicht anwesend ist.

CDU-Außenpolitiker kritisiert Entscheidung

"Als eine Zeitung, die eine Redaktion hier in Deutschland hat, ist es wirklich schade, dass wir nicht unter den ersten 50 sind", sagte Ismail Erel, stellvertretender Chefredakteur der Europa-Ausgabe der liberalen Tageszeitung Sabah , die ihren Sitz bei Frankfurt hat. Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz ( CDU ), kritisierte die Vergabe: "Grundsätzlich kann man sicher vertreten, dass bei einem Prozess in Deutschland deutsche Medien anders behandelt werden als ausländische Medien", sagte er. "In diesem Fall hätte ich es aber besser gefunden, wenn man wegen der Abstammung der Opfer auch türkischen Medien eine Berichterstattung auf garantierten Plätzen ermöglicht hätte."

Dem NSU werden rassistisch motivierte Morde an neun ausländischen Kleinunternehmern sowie an einer Polizistin zur Last gelegt. Acht der Opfer waren türkischstämmig, ein Opfer war griechischer Abstammung. Der Prozess beginnt am 17. April.