KonklaveFranziskus – der neue Papst ist Argentinier

Erstmals kommt der Papst nicht aus Europa: Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist neuer Papst. Er nennt sich Franziskus. Der 76-jährige galt eher als Außenseiter.

Der neue Papst Franziskus I.

Der neue Papst Franziskus I.  |  © Peter Macdiarmid/Getty Images

Die römisch-katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt: Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist neuer Papst. Der Name des Papstes wurde vom Kardinaldekan von der Loggia des Petersdoms mit den Worten "Habemus Papam" bekannt gemacht. Bergoglio nennt sich Franziskus.

Tausende Menschen haben sich auf dem Petersplatz versammelt, um den neuen Papst zu empfangen. Mit "Brüder und Schwestern, guten Abend" wandte sich der neue Papst vom Balkon des Petersdoms aus an die ihm zujubelnden Gläubigen. Wie es scheine, hätten ihn die Kardinäle vom Ende der Welt ausgesucht, sagte er. Franziskus dankte seinem Vorgänger Benedikt XVI. und betete für ihn. Man beginne nun den Weg der Brüderlichkeit, sagte der neu gewählte Kirchenführer.

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Mit Jorge Bergoglio kommt zum ersten Mal ein Papst aus Lateinamerika. Bereits beim letzten Konklave 2005 war der argentinische Jesuit der stärkste Kontrahent Joseph Ratzingers gewesen. Mit 76 Jahren und seiner etwas gebrechlichen Gesundheit ging er in die neue Papstwahl eher als Außenseiter unter den Favoriten. Er wird oft auch Kardinal der Armen genannt.

Internationale Freude über die Wahl des neuen Papstes

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte dem neuen Papst und allen Katholiken weltweit. "Ich freue mich auf die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan unter der weisen Führung von seiner Heiligkeit, Papst Franziskus", sagte Ban. "Wir teilen gemeinsame Ziele – vom Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte, bis zum Kampf gegen Armut und Hunger, alles wichtige Elemente der nachhaltigen Entwicklung." Er sei überzeugt, sagte Ban weiter, dass der neue Papst sich wie sein Vorgänger für den Dialog zwischen den Religionen einsetzen werde.

Auch EU-Kommissionschef José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy zeigten sich erfreut über die Papstwahl. "Wir wünschen Ihnen ein langes und gesegnetes Pontifikat, das Eurer Heiligkeit und der katholischen Kirche erlauben wird, die Grundrechte des Friedens, der Solidarität und der Menschenwürde zu verteidigen und zu fördern", schrieben die beiden EU-Spitzenpolitiker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte besonders den Christen in Lateinamerika dazu, dass erstmals "einer der Ihren an die Spitze der Katholischen Kirche berufen worden ist". "Weit über die katholische Christenheit hinaus erwarten viele von ihm Orientierung, nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch, wenn es um Frieden, Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung geht", sagte Merkel. Sie wünsche Papst Franziskus Gesundheit und Kraft für seinen Dienst am Glauben und zum Wohl der Menschen.

Weißer Rauch um 19.05 Uhr

Aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle war nach dem fünften Wahlgang um 19.05 Uhr weißer Rauch aufgestiegen – das Zeichen, dass die Wahl des neuen Papstes erfolgreich war. Zugleich läuteten die Glocken im Petersdom.

Mit dem Aufsteigen des weißen Rauchs setzte Jubel der bei Regen und Wind auf dem Petersplatz wartenden Gläubigen ein. Die Kardinäle trafen ihre Entscheidung schneller als erwartet – erst am Dienstagnachmittag hatten sie sich in die Sixtinische Kapelle zu den Beratungen zurückgezogen.

Papst Benedikt war Ende Februar als erstes Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche seit etwa 600 Jahren zurückgetreten. Der 85-Jährige Deutsche hatte die Entscheidung mit seinem fortgeschrittenen Alter begründet.

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Leserkommentare
  1. On Sunday, Cardinal Jorge Bergoglio, the archbishop of Buenos Aires, had declared it a “destructive attack on God’s plan.”
    http://www.nytimes.com/20...

    19 Leserempfehlungen
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    wo ein Papst Recht hat, hat er nun Mal recht.

    Warum sollte er Homo-Ehen befürworten! Päpste sind nicht dazu da, um mit jedem Mainstream zu schwimmen und sich an den Bedarf der Welt anzupassen !

    • scoty
    • 13. März 2013 20:29 Uhr

    wird es nicht gefallen.

    6 Leserempfehlungen
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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

  2. Bevor der Shitstorm, der auch die letzten Artikel zum Thema Papstwahl begleitete, wieder losgeht, ein paar Fragen an die Weisen, die den Zeitgeist vor sich tragen:
    1. Was ist der Zeitgeist und wie sagt er euch was zeitgemäß ist?
    2. Wie erklärt ihr euch die Tausende von Menschen auf dem Petersplatz? Sind die alle doof und ihr schlauer?
    3. Brauchen wir noch eine graue, bedeutungs-, wertelose Institution, die sich nach dem gerade bequemen "Lifestyle" richtet?

    41 Leserempfehlungen
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    1. Grundgesetz, Menschenrechte, Demokratie. Lesen Sie einfach nach.
    2. leider ja
    3. ist mir egal, solange die Institution nur moralische Weisungen gibt, die freiwillig befolgt werden können. Wieso will die RKK ihre Sichtweise anderen aufzwingen?

    "2. Wie erklärt ihr euch die Tausende von Menschen auf dem Petersplatz? Sind die alle doof und ihr schlauer?"

    Ja, ich bete schließlich keinen meiner Artgenossen an, egal was er in seinem Leben erreicht hat oder welche Stellung er in der Gesellschaft besitzt, und insbesondere nicht wenn dieser gerade erst ein Amt frisch übernommen und noch nichts geleistet hat. [...]

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf provozierende Vergleiche. Danke, die Redaktion/fk.

    • welll
    • 13. März 2013 21:07 Uhr

    zu 1.) Wurde von diabolos schon hinreichend beantwortet.
    zu 2.) Doof nicht, ggf. etwas vom "Glauben berauscht", aber auch zum guten Teil Touristen und Leuten die bei "wichtigen" Ereignissen dabei gewesen sein wollen.
    Ihre implizite Annahme, dass alle Anwesenden alles in der RKK so toll finden ist nicht belegbar.
    zu 3.) Nichts gegen Werte, nur ist z.B. der Ausschluss von Frauen aus Leitungspositionen kein Wert, der bewahrt werden müsste, schon gar nicht mit der Begründung, die die RKK liefert, da sie mit der Lehre des jüdischen Wanderpredigers nicht soooo viel zu tun hat. Es gibt andere Beispiele.
    Nicht alles was als Wert verkauft werden soll hat für die Menschheit auch tatsächlich eine positiven Wert. Bestenfalls für Lobbyisten.

    Ist sie in nicht wenigen Teilen: Skandale, Geld und Reichtümer anhäufen; Kindesmissbrauch und diesen leugnen, verschleiern, die gesellschaftliche Realität verneinen, in Prunk leben und sich in Prunk darstellen; Homosexualität als etwas abartiges darstellen, was eindeutig gegen die Menschenwürde gerichtet ist...... . Also eine ganz normal weltliche Organisation.

    Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen. Danke, die Redaktion/fk.

    • ZH1006
    • 13. März 2013 23:04 Uhr

    Wer (ernsthaft?) diese Frage stellt, wird an der Antwort keinerlei Interesse haben.

    ...möchte diese Fragen gar nicht diskutieren, er möchte nur provozieren.

    Denn selbst Hardcore-Fans des Papstes ist klar: die Totschlagargumente ,,gefüllter Petersplatz" und ,,bestens besuchte Kirchentage" sind beileibe kein Indikator für eine gut geführte katholische Kirche oder was auch immer die Katholiken gerne hätten.

    Auch wenn ,,Shitstorm" eins Ihrer Lieblingsworte zu sein scheint, denken Sie bitte einmal daran, mit welchem ,,Shit" sie es schaffen, Millionen Menschen vor Fernsehgeräten, auf Youtubelinks oder auf Konzerte zu locken. Möchten Sie das wirklich als Vergleichsbasis für die KK nehmen? Ich würde mir das an Ihrer Stelle vielleicht nochmal überlegen.

    ... erklärte Atheisten und Religionskritiker posten und meinen der Kath. Kirche noch gute Ratschläge geben zu können, wo sie alles moderner werden sollte. Ein Nichtfußballfan würde doch auch nicht seinen Senf zum neuen Trainer von Greuther Fürth geben.

    Überzeugte Atheisten der Generation Piratenpartei wird man ohnehin nicht in den "Schoß der Kath. Kirche" zurückholen, denen braucht sie auch deshalb nicht zu gefallen. Wahrscheinlich suchen schon die ersten nach Bergoglios Doktorarbeit. Er soll ja in Frankfurt promoviert haben.

    Was ist wohl der eigentliche Grund, warum Sie solche Fragen überhaupt erst stellen müssen? :)

    • ngw16
    • 13. März 2013 20:29 Uhr

    Benedikt XVI war immerhin schon 78 bei der damaligen Wahl.

    Eine Chance vergeben.
    Immerhin eine Person, welche aus einem anderen Kontinent als Europa kommt.

    4 Leserempfehlungen
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    ...und Gregor III. ?
    Wikipedia zumindest sagt, dass er Syrer war.

    http://de.wikipedia.org/w...

    aus welchem Land der Papst kommt, denn zum einen ist er der oberste Hirte der katholischen Christenheit und diese kennt keine Ländergrenzen, zum anderen ist das Zentrum des Katholizismus noch immer der Vatikan, noch immer der heilige Stuhl.
    Es wird viel zu oft ein sinnloser Maßstab angelegt. Die Argentinier freuen sich jetzt vielleicht ein zwei Wochen, aber welche Bedeutung hatte es denn für Deutschland, dass ein deutscher Papst war? Keine.
    Regionales denken hat bei einer Glaubensgemeinschaft in diesem Ausmaß keinen Platz.
    Bzgl. des alten weißen Mannes. Der Papst wird immer alt sein, weil es Jahrzehnte dauert in eine Position zu kommen, in der man sich überhaupt zur Wahl stellen kann.
    Ich persönlich hoffe, er findet Antworten auf Fragen unserer Zeit jenseits der Theologie, die das reale Leben der Menschen reflektiern und überhaupt auch tangieren. Er wird sich zeitig positionieren müssen im Bezug auf Sex, Missbrauch, Homosexualität, Korruption, Politik, Ökumene und Dialog mit dem Islam, sowie vor allem der Armut.
    An den Antworten auf diese Fragen werden viele ihn messen.

  3. 6. [...]

    Bitte diskutieren Sie sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/fk.

    Eine Leserempfehlung
  4. dann aber doch bitte schön Messi!

    13 Leserempfehlungen
  5. Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein....

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    Antwort auf "Überraschung:"
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    • u.t.
    • 13. März 2013 20:46 Uhr

    "Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein...."

    Mal abgesehen, dass der Spruch nur für Clubmitglieder gültig ist, ist er auch schon ziemlich krass im Kontext dessen, was da an Mutmaßung zu seiner Rolle während der Militärdiktatur bekannt ist.

    Dies völlig unbenommen, was daran wahr ist. Ich werde ihn jedenfalls nicht danach beurteilen, solange es keine Beweise gibt.

    Allerdings ist Ihr Spruch dazu äußerst unpassend, denn er impliziert, dass es wohl nicht ganz so schlimm sein mag, selbst wenn Bergoglio sich nicht ausreichend für das Leben von Verfolgten eingesetzt haben sollte.

    Das könnte man dem einfachen Mann verzeihen, aber er sollte dann ABSOLUT INDISKUTABEL als Papst sein.

    Auf Deutsch ist es witziger, aber ich konnte es leider nicht entdecken...

    http://www.southparkstudi...

    erkläre sich nicht als unfehlbaren Stellvertreter Gottes...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, sk
  • Schlagworte Angela Merkel | Katholische Kirche | Papst | Herman van Rompuy | Lateinamerika | Vatikan
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