Offiziell heißt er "Societas Jesu" ("Gesellschaft Jesu") – der weltgrößte Männerorden, dessen Mitglied der neue Papst Franziskus ist. Der Spanier Ignatius von Loyola gründete ihn am 15. August 1534 in Paris . Das Hauptanliegen der Jesuiten war die innere Erneuerung der katholischen Kirche und ihrer Geistlichen. Dem dienen die geistlichen Übungen – 30-tägige Exerzitien in großer Stille zur Einübung in die Glaubensgeheimnisse.

Obwohl sie streng hierarchisch organisiert sind, leben die Jesuiten nicht in Klöstern, sondern in offenen Häusern und Kollegien. Sie unterrichten zum Beispiel an Hochschulen. Die Mitglieder des Ordens gelten als intellektuelle Speerspitze der katholischen Kirche, sie sind bekannt für anspruchsvolle Predigten. Bildung, Missionierung, Spiritualität und Sorge um die Armen gehören zu den Aufgaben des Ordens. Im Unterschied zu anderen Orden verzichten die Jesuiten auf eine eigene Ordenstracht.

Der Orden stellt an seine Mitglieder hohe Anforderungen: Jesuiten machen eine theologische und philosophische Ausbildung. Mitglieder nennen sich zunächst Novizen und während ihrer wissenschaftlichen Ausbildung Scholastiker. Nach zehnjähriger Ausbildung werden sie sogenannte Koadjutoren und legen ein Keuschheits-, Armuts- und Gehorsamsgelübde ab. Nach 17 Jahren folgt die Stufe der Professen. Geistliche Koadjutoren und Professen sind zugleich Priester.

Herrschern ist Jesuitenorden zu mächtig

In der Gegenreformation spielten die Jesuiten eine wichtige Rolle. Sie gründeten zahlreiche Ordenshäuser in protestantisch gewordenen Regionen. Der Jesuitenorden wurde mehrfach verboten – vielen Herrschern war er zu mächtig geworden. Im Deutschen Reich etwa wurden die Jesuiten ab 1872 als Reichsfeinde verfolgt. Innerkirchlich wurde der Orden in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem deshalb zurückgedrängt, weil er sich für eine politisch offensivere Armutsbekämpfung einsetzte.

Nach eigenen Angaben haben die Jesuiten heute 17.600 Mitglieder, darunter mehr als 12.500 Priester. Der Orden ist weltweit in 89 Provinzen oder Regionen aufgeteilt. Die Organisation gibt an, seine Mitgliederzahlen in Asien und Afrika zu steigern, während sie in Lateinamerika stagnierten, in Europa und Nordamerika aber zurückgingen. Für die deutsche Provinz, zu der auch Dänemark und Schweden gehören, werden knapp 400 Ordensbrüder angegeben, für Österreich fast 80, für die Schweiz rund 65. Wie in vielen katholischen Ordensgemeinschaften mangelt es auch den Jesuiten in Deutschland an Nachwuchs: 1967 waren es noch 1.200 Männer, heute zählt der Orden nur noch wenige Hundert.

Das derzeit in der Welt bekannteste Mitglied nach dem neuen Papst dürfte der vatikanische Pressesprecher Federico Lombardi sein. In Deutschland gehört etwa der CDU-Politiker Heiner Geißler dem Orden an. Zu den bekanntesten Jesuiten des 20. Jahrhunderts gehören der Konzilstheologe Karl Rahner und Hugo Lassalle, der den Zen-Buddhismus mit der christlichen Mystik verbinden wollte.