OrdenJesuiten, die Brüder des Papstes

Papst Franziskus ist Jesuit - ein Orden, der 1539 gegründet wurde. Wofür steht die Gemeinschaft und welchen Werten fühlt sie sich verpflichtet? Die wichtigsten Fakten.

Offiziell heißt er "Societas Jesu" ("Gesellschaft Jesu") – der weltgrößte Männerorden, dessen Mitglied der neue Papst Franziskus ist. Der Spanier Ignatius von Loyola gründete ihn am 15. August 1534 in Paris. Das Hauptanliegen der Jesuiten war die innere Erneuerung der katholischen Kirche und ihrer Geistlichen. Dem dienen die geistlichen Übungen – 30-tägige Exerzitien in großer Stille zur Einübung in die Glaubensgeheimnisse.

Obwohl sie streng hierarchisch organisiert sind, leben die Jesuiten nicht in Klöstern, sondern in offenen Häusern und Kollegien. Sie unterrichten zum Beispiel an Hochschulen. Die Mitglieder des Ordens gelten als intellektuelle Speerspitze der katholischen Kirche, sie sind bekannt für anspruchsvolle Predigten. Bildung, Missionierung, Spiritualität und Sorge um die Armen gehören zu den Aufgaben des Ordens. Im Unterschied zu anderen Orden verzichten die Jesuiten auf eine eigene Ordenstracht.

Der Orden stellt an seine Mitglieder hohe Anforderungen: Jesuiten machen eine theologische und philosophische Ausbildung. Mitglieder nennen sich zunächst Novizen und während ihrer wissenschaftlichen Ausbildung Scholastiker. Nach zehnjähriger Ausbildung werden sie sogenannte Koadjutoren und legen ein Keuschheits-, Armuts- und Gehorsamsgelübde ab. Nach 17 Jahren folgt die Stufe der Professen. Geistliche Koadjutoren und Professen sind zugleich Priester.

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Herrschern ist Jesuitenorden zu mächtig

In der Gegenreformation spielten die Jesuiten eine wichtige Rolle. Sie gründeten zahlreiche Ordenshäuser in protestantisch gewordenen Regionen. Der Jesuitenorden wurde mehrfach verboten – vielen Herrschern war er zu mächtig geworden. Im Deutschen Reich etwa wurden die Jesuiten ab 1872 als Reichsfeinde verfolgt. Innerkirchlich wurde der Orden in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem deshalb zurückgedrängt, weil er sich für eine politisch offensivere Armutsbekämpfung einsetzte.

Nach eigenen Angaben haben die Jesuiten heute 17.600 Mitglieder, darunter mehr als 12.500 Priester. Der Orden ist weltweit in 89 Provinzen oder Regionen aufgeteilt. Die Organisation gibt an, seine Mitgliederzahlen in Asien und Afrika zu steigern, während sie in Lateinamerika stagnierten, in Europa und Nordamerika aber zurückgingen. Für die deutsche Provinz, zu der auch Dänemark und Schweden gehören, werden knapp 400 Ordensbrüder angegeben, für Österreich fast 80, für die Schweiz rund 65. Wie in vielen katholischen Ordensgemeinschaften mangelt es auch den Jesuiten in Deutschland an Nachwuchs: 1967 waren es noch 1.200 Männer, heute zählt der Orden nur noch wenige Hundert.

Das derzeit in der Welt bekannteste Mitglied nach dem neuen Papst dürfte der vatikanische Pressesprecher Federico Lombardi sein. In Deutschland gehört etwa der CDU-Politiker Heiner Geißler dem Orden an. Zu den bekanntesten Jesuiten des 20. Jahrhunderts gehören der Konzilstheologe Karl Rahner und Hugo Lassalle, der den Zen-Buddhismus mit der christlichen Mystik verbinden wollte.

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Leserkommentare
  1. wäre vielleicht noch, dass die Jesuiten (meines Wissens nach) alle 10 Jahre spätestens versetzt werden, meistens in einen jeweils anderen Kontinent, wodurch die meisten profunde Kenntnisse und Erfahrungen der Situation in mehreren Weltgegenden haben. P. Mertes SJ hatte mit seinem mutigen Vorgehen gegen den früheren Mißbrauch in Jesuiteninternaten in Deutschland die Mißbrauchsdebatte "losgetreten". Franziskus I. wird also aller Voraussicht nach kein sehr bequemer Papst werden.

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    "P. Mertes SJ hatte mit seinem mutigen Vorgehen gegen den früheren Mißbrauch in Jesuiteninternaten in Deutschland die Mißbrauchsdebatte "losgetreten".

    @Virtutis: nein es waren Missbrauchsbetroffene, ehemalige Schüler des Canisiuskollegs, die die längst überfällige öffentliche Debatte über sexuellen Missbrauch initiiert haben. Sie haben Klaus Mertes persönlich auf die Vorfälle an der Canisiusschule angesprochen.

    Das betont auch Klaus Mertes immer wieder.

    Sein Verdienst ist, sofort erkannt zu haben, dass er es mit sehr entschlossenen Männern zu tun hat, bei denen die sonst übliche Negativprojektion, Diffamierung und Marginalisierung nicht viel bewirken würde. Und es für ihn als Jesuiten und Schulleiter deshalb sinnvoller ist, wenn er als einer der Verantwortlichen den ersten Schritt in die Öffentlichkeit tut.

    Manchmal frage ich mich, wie die Debatte wohl verlaufen wäre, wenn Herr Mertes sich damals anders verhalten hätte. So wie die meisten seiner Kollegen. Einfach so tun, als hätte man nichts mitbekommen.

    MfG,

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von über 7 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland die in ihrer Kindheit Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

  2. der protestantische Friedrich II gab den Jesuiten nach dem Verbot des Ordens und der Vertreibung aus Venedig 1773 Asyl in Preußen. Hier waren sie Ratgeber für den Aufbau eines öffentlichen Schulwesens, des ersten der Welt und Vorbild für alle anderen Länder.
    Jesuiten waren die Geburtshelfer deutscher Schulen.

    In Deutschland während des Nationalsozialismus verfolgt, wurden jesuitische Schulen geschlossen und Jesuitenpatres hingerichtet.

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  3. Zwei der grundlegenden Enzykliken der katholischen Soziallehre wurden von Jesuiten ausgearbeitet: „Rerum novarum" (1891) und „Quadragesimo anno" (1931).

    Auch schön ist dieser Fund aus dem "think tank" der SED von 1969: „Eines der wichtigsten Gebiete, auf dem sich der Jesuitenorden heute betätigt, ist die soziale Demagogie. Seit Marx und Engels die Entwicklungsgesetze der Gesellschaft entdeckt haben, bemühen sich die Ordensleute, die Arbeiterklasse daran zu hindern, sich mit dem Marxismus-Leninismus zu befassen...Der Jesuitenorden ist ein Feind des Fortschritts der menschlichen Gesellschaft; politisch hat er sich an der Seite der imperialistischen Reaktion angesiedelt. Die Mehrzahl der Jesuiten sind fanatische Bekämpfer des Kommunismus, die auch nicht vor dem Einsatz verbrecherischer Mittel zurückschrecken.“ (Wegweiser zum Atheismus : Vom Jenseits zum Diesseits / Hrsg.: Günter Heyden e.a. , Leipzig u. Jena, 1969)

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  4. "In Deutschland gehört etwa der CDU-Politiker Heiner Geißler dem Orden an."

    Das ist natürlich Quatsch. Schwache Leistung.

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  5. ... die DIE ZEIT gebracht hat (und das meine ich ganz ironiefrei):

    Papst Franziskus gilt als konservativ und volksnah.

    (Über diesen Zusammenhang lohnt es sich nachzudenken.)

  6. Bislang gehen alle davon aus, dass der Pontifex sich auf Franz von Assisi bezieht. Dies ist zunächst schlichtweg Ausdruck der Hoffnung aller reformorientierten Gläubigen.

    Jedoch ist Herr Bergoglio Jesuit und der Begründer des Ordens war - Francisco de Xavier (1506-1552), der Heilige Franz Xaver. Die Namenswahl des neuen Papstes könnte sich auch auf diesen "Franz" beziehen. Auch dieser ist heilig gesprochen und somit als Papstname möglich.

    Ich gebe das zu bedenken, wenn wir uns aufgrund der Nameswahl zu große Hoffnungen machen.
    Warum sollte sich ein Jesuit auf den Ordensgründer der Franziskaner beziehen???

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    Der Begründer des Ordens war Ignatius von Loyola (1491-1556). Auch halte ich einen Bezug des Namens auf Franz von Assisi für wesentlich wahrscheinlicher.

  7. Der Begründer des Ordens war Ignatius von Loyola (1491-1556). Auch halte ich einen Bezug des Namens auf Franz von Assisi für wesentlich wahrscheinlicher.

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    Franz Xaver und Peter Faber gehörten zu den ersten, die sich 1533 Ignatius von Loyola anschlossen und später mit ihm und drei anderen den Jesuitenorden gründeten (siehe Wikipedia)

  8. 8. ??????

    "In Deutschland gehört etwa der CDU-Politiker Heiner Geißler dem Orden an."

    Geißler hat dem Orden mal angehört, so ungefähr vor 60 Jahren. Vergangenheitsform. Der gute Mann ist verheiratet und Vater mehrerer Kinder, was sich mit der Zugehörigkeit zu einem katholischen Mönchsorden wohl kaum vereinbaren lässt.

    Der Umgang von ZO mit Fakten ist immer wieder haarsträubend.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Katholische Kirche | Heiner Geißler | Ausbildung | Federico Lombardi | Karl Rahner | Lateinamerika
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