Papst Franziskus während der Audienz vor Medienvertretern in Rom © Franco Origlia/Getty Images

Papst Franziskus hat die Katholiken in aller Welt aufgerufen, sich für die Armen einzusetzen. "Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen", sagte der 76-Jährige bei einem Empfang für Medienvertreter im Vatikan. Deshalb habe er sich auch nach dem heiligen Franz von Assisi benannt. Zugleich sagte er, dass die Kirche nicht politischer Natur, sondern im Kern spirituell sei.

Seine Wahl am vergangenen Mittwoch beschrieb der Papst als emotionalen Moment. Er habe neben dem brasilianischen Kardinal Claudio Hummes gesessen, als seine Wahl verkündet worden sei. Als die Stimmenzahl die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit erreicht habe, habe er ihn umarmt und gesagt: "Vergiss die Armen nicht". In diesem Augenblick sei auch die Idee des Namens in ihm wach geworden: Franziskus, ein Mann der Demut und Einfachheit. Darüber hinaus stehe er aber auch für die Liebe zur Schöpfung, was gerade heute wichtig sei, wo die Menschen vielfach keine gute Beziehung zur Natur hätten. Franziskus stehe zudem für den Frieden.

An diesem Sonntag spricht der neue Papst aus Argentinien sein erstes Angelus-Gebet. Dazu werden Zehntausende Gläubige auf dem Petersplatz erwartet. Am Dienstag wird der Pontifex Maximus feierlich ins Amt eingeführt. Erste Staatsgäste reisten dafür bereits an. Insgesamt werden Delegationen aus rund 100 Ländern und Hunderttausende Pilger erwartet. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel will nach Rom kommen.

Benedikt XVI. will VatiLeaks-Dossier übergeben

Eine besondere Begegnung steht in einer Woche in Castel Gandolfo bevor. Dann will Franziskus seinen Vorgänger Benedikt XVI. treffen, wie der Vatikan ankündigte. Bergoglio und Joseph Ratzinger kommen dazu in der Papstresidenz bei Rom am nächsten Samstag zusammen, wo auch ein gemeinsames Mittagessen geplant ist. Franziskus reise mit dem Hubschrauber nach Castel Gandolfo, wo Ratzinger seit seinem Rücktritt als Papst am 28. Februar wohnt.

Das historische Treffen des neuen und des emeritierten Papstes wird in Rom mit Spannung erwartet. Ratzinger hatte angekündigt, die Unterlagen zum VatiLeaks-Skandal um Machenschaften im Vatikan nur seinem Nachfolger zugänglich zu machen. In dem Skandal geht es Medienberichten zufolge angeblich um Korruption, Intrigen und sexuelle Ausschweifungen. Derzeit sollen sich die geheimen Dokumente in Castel Gandolfo befinden.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann kritisierte den Umgang mit der VatiLeaks-Affäre unter Papst Benedikt indirekt. Auf die Frage, ob die Kardinäle im Konklave Aufklärung bekommen hätten – auch zu der Affäre – sagte er dem Magazin Focus: "Teilweise, aber zu VatiLeaks am wenigsten, weil Benedikt das Geheimdossier nur dem Nachfolger vorbehalten hat." Einer der Kardinäle, die das Dossier zusammengestellt hatten, habe das bereits bekannte Kommuniqué von Dezember vorgetragen. "Dabei hatte man den Eindruck, wir stellen Fragen, aber niemand beantwortet sie."