Papst FranziskusDer Name ist richtungsweisend

Seit mehr als 100 Jahren ist es Tradition, dass ein Papst seinen Namen selbst wählt. Auch Franziskus hat dies getan und setzt damit ein Zeichen.

Der neue Papst ist nicht nur der erste Nicht-Europäer auf dem Heiligen Stuhl, er hat auch einen Namen gewählt, den keiner seiner Vorgänger trug. Der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio heißt künftig Franziskus – in Erinnerung an den Bettelmönch und Begründer des Franziskaner-Ordens Franz von Assisi. Die Namenswahl des neuen Papstes wird als ein deutliches Zeichen an die Armen dieser Welt verstanden.

Der neue Papst hatte aus drei Möglichkeiten wählen können, sich einen Namen zu geben: Er konnte in der Fassung auf Latein an seinem Taufnamen festhalten, den Namen eines Vorgängers wählen oder den eines Heiligen. Er wählte die letzte Möglichkeit. Bis zum Ende des ersten Jahrtausends nach Christus war es mit wenigen Ausnahmen üblich, den Taufnamen zu behalten. Das änderte sich erst bei Gregor V. im Jahr 996. Der erste deutsche Papst legte seinen Taufnamen Bruno von Kärnten ab und begründete damit eine bis heute bestehende katholische Tradition.

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Auch Joseph Ratzinger legte seinen Taufnamen ab und wählte den Papstnamen Benedikt. Als sechszehnter in dieser Namensreihe wollte er sich damit in die Tradition Benedikt XV. stellen, der wegen seines engagierten Eintretens gegen den Ersten Weltkrieg auch Friedenspapst genannt wird. Aber auch den Gründer des Benediktiner-Ordens, Benedikt von Nursia, wollte der Deutsche würdigen.

Neuheiten bei Namenstradition

Dass es in all der Namenstradition dennoch immer wieder zu Neuheiten kommen kann, zeigte auch das Jahr 1978: Damals wählte Kardinal Albino Luciani als erster Papst einen Doppelnamen, nämlich Johannes Paul I. Der nach nur 33 Tagen im Amt gestorbene Papst wollte damit seine Ehrfurcht vor seinen beiden Vorgängern Johannes XXIII. und Paul VI. zum Ausdruck bringen. Karol Wojtyla begründete die Wahl seines Namens Johannes Paul II. später damit, dass er sein Pontifikat in diese Linie einordnen wolle.

Wofür aber steht Franziskus? Der Name nimmt direkten Bezug auf den heiligen Franz von Assisi, 1181 im italienischen Assisi geboren, gestorben 1226 in der Portiuncula-Kapelle unterhalb von Assisi. Er war der Begründer des Ordens der Minderen Brüder (Franziskaner). Er wird in der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Er lebte nach dem Vorbild Jesu Christi und orientierte sich an dem Evangelium "sine glossa" (ohne Hinzufügungen oder Veränderungen). Diese Lebensweise zog gleichgesinnte Gefährten an.

Sein Gedenktag ist in der römisch-katholischen, der alt-katholischen, der anglikanischen und einigen evangelischen Kirchen am 4. Oktober, in der Evangelischen Kirche in Deutschland der 3. Oktober. In der Tradition des heiligen Franz von Assisi wird sich die Weltkirche wohl auf eine tiefe Richtungsänderung einstellen müssen, die vor allem von den Problemen und der Dynamik in der außereuropäischen katholischen Welt geprägt sein wird, vornehmlich von Afrika und Lateinamerika.

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Leserkommentare
  1. Ein Jesuit, einer derjenigen, die "in Zelten leben, nicht in Klöstern" (Klaus Mertes SJ) der sich den Namen des Gründers eines anderen Ordens, eines Bettelordens gibt und sich als erster Papst Franziskus nennt.

    Ein starke Botschaft der Bereitschaft zur Verständigung und zur Hinwendung.
    Auf die Fortsetzung bin ich gespannt.

  2. Kaum war der Name des neuen Papstes genannt, schon wurde die Assoziation zum heiligen Franz von Assisi hergestellt. Der Begründer des Franziskanerordens ist schließlich einer der populärsten Heiligen der katholischen Kirche. Doch wir sollten bedenken, daß der frisch gekürte Papst dem Jesuitenorden angehört - einem Orden, der dem Franziskanerorden während der Geschichte in beständiger Rivalität gegenüberstand. Wieso sollte sich ein Jesuit als Papst gerade nach dem Begründer eines rivalisierenden Ordens nennen? Logisch folgerichtiger wäre da doch eher die Begründung der Namenswahl mit dem heiligen Franz Xaver (1506-1552), einem der Mitbegründer des Jesuitenordens.

    Für Klarheit in dieser Frage kann wohl nur das Kirchenoberhaupt selbst sorgen. Vielleicht äußert er sich ja selbst einmal dazu.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    > Für Klarheit in dieser Frage kann wohl nur das Kirchenoberhaupt selbst
    > sorgen. Vielleicht äußert er sich ja selbst einmal dazu.

    Ich hoffe fast, dass er das nicht tut - denn Ambiguität dient der Reflexion bei weitem mehr als vorgekaute Klarheit.

    Manchmal ist die Wahrheit eben nicht "so ODER so" ... sondern "so UND so" ...

    Alles andere würde mich an der Namenswahl auch extremst verwundern, außer man ginge davon aus, dem neuen Papst sei einer der Fränze völlig unbekannt.

    Gruß an alle "Enthüllungs-Googler" :-)
    Tezcatlipoca

  3. Ein schöner Gedanke, der neue Papst orientiere sich an einem demütigen Bettelmönch. Aber es gibt noch einen Francisco - Franziskus: Francisco de Xavier, Mitbegründer der Gesellschaft Jesu/Jesuiten und eifernder Missionar in Asien.

  4. "Der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio heißt künftig Franziskus – in Erinnerung an den Bettelmönch und Begründer des Franziskaner-Ordens Franz von Assisi."

    Genau genommen heißt er "Franciscus", denn der Papstname wird immer auf Latein verkündigt. Die deutschsprachigen Onlinemedien haben das gestern abend in ihrer charakteristischen Hektik mit "Franziskus" übersetzt (und noch ein überflüssiges "der Erste" angehängt), obwohl die deutsche Variante des lateinischen "Franciscus" eigentlich "Franz" lautet.

    Ich bin gespannt, wie der Vatikan den neuen Papst in seiner ersten deutschsprachigen Veröffentlichung bezeichnet. Müsste schon sehr schmunzeln, wenn klar wird, dass der Papstname in der ersten Reaktion komplett falsch wiedergegeben wurde und Bergoglio ab übermorgen plötzlich "Papst Franz" heißt.

  5. Bislang gehen alle davon aus, dass der Pontifex sich auf Franz von Assisi bezieht. Dies ist zunächst schlichtweg Ausdruck der Hoffnung aller reformorientierten Gläubigen.

    Jedoch ist Herr Bergoglio Jesuit und der Begründer des Ordens war - Francisco de Xavier (1506-1552), der Heilige Franz Xaver. Die Namenswahl des neuen Papstes könnte sich auch auf diesen "Franz" beziehen. Auch dieser ist heilig gesprochen und somit als Papstname möglich.

    Ich gebe das zu bedenken, wenn wir uns aufgrund der Nameswahl zu große Hoffnungen machen.
    Warum sollte sich ein Jesuit auf den Ordensgründer der Franziskaner beziehen???

  6. > Für Klarheit in dieser Frage kann wohl nur das Kirchenoberhaupt selbst
    > sorgen. Vielleicht äußert er sich ja selbst einmal dazu.

    Ich hoffe fast, dass er das nicht tut - denn Ambiguität dient der Reflexion bei weitem mehr als vorgekaute Klarheit.

    Manchmal ist die Wahrheit eben nicht "so ODER so" ... sondern "so UND so" ...

    Alles andere würde mich an der Namenswahl auch extremst verwundern, außer man ginge davon aus, dem neuen Papst sei einer der Fränze völlig unbekannt.

    Gruß an alle "Enthüllungs-Googler" :-)
    Tezcatlipoca

  7. Warten wir ab, was dieser Papst, der schon der "Papst der Projektionen" genannt wird, anstrebt und in seiner Kirche bewirken kann. Überlassen wir das Wunschdenken den Gläubigen, die darin geübt sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Jesus | Joseph Ratzinger | Papst | Johannes XXIII. | Lateinamerika | Paul VI.
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