Presseschau"Ein Konservativer mit einem Hauch des Gewöhnlichen"

Die Entscheidung für den neuen Papst löst weltweit Verwunderung aus. Die Erwartungen an ihn sind groß. Ist er stark genug für sein Amt?

Der neue Papst Franziskus

Der neue Papst Franziskus  |  © Paul Hanna/Reuters

Neue Zürcher Zeitung: Wahl ist eine Überraschung

"Die Wahl des Erzbischofs von Buenos Aires ist eine handfeste Überraschung. Mit diesem Entscheid bekennt sich die katholische Kirche endlich auch im Papstamt zu ihrer Verfasstheit als Weltkirche (...) Das ist ein wichtiger Schritt. (...) Lateinamerika, die Heimat der von Rom verfemten Befreiungstheologie, steht für eine lebendige und wachsende Kirche auf der Seite der Menschen. (...) Die Erwartungen an den neuen Papst sind hoch, gerecht werden kann er ihnen nur im Verbund mit den Bischöfen und Gläubigen. Der erste Auftritt des Neugewählten lässt in dieser Hinsicht hoffen."

La Croix (katholische Zeitung, Frankreich): Schnelle Wahl gibt Sicherheit

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"Die Spannung hat nicht lange angehalten. (...) Die schnelle Wahl gibt dem neuen Papst die Sicherheit, das volle Vertrauen seiner Brüder zu haben. Sie haben auch Vorhersagen widerlegt, auch wenn die Person Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, sicher nicht unbekannt ist. Sein Name soll schon im vorigen Konklave gefallen sein. Gewählt wurde ein Nicht-Europäer, ein Jesuit, ein Mann (...) mit gebrechlicher Gesundheit, bescheiden. (...) Er wird sicherlich die Kurie erneuern müssen, die durch die Vatileaks-Affäre angeschlagene Zentralregierung der Kirche. Aber vor allem wird er den gläubigen Katholiken Zuversicht geben müssen in einer mehr und mehr gottlosen Welt."

Neue Luzerner Zeitung: Alles an der Wahl ist neu

"Fast alles an der Wahl von Jorge Mario Bergoglio ist historisch: Zum ersten Mal ist ein Nichteuropäer zum Papst gewählt worden, zum ersten Mal sitzt ein Angehöriger des Jesuitenordens auf dem Papstthron, zum ersten Mal wird ein neuer Papst gekürt, während sich der alte Papst im TV die Wahl seines Nachfolgers zu Gemüte führt. Und zum ersten Mal hat ein Papst den Mut, sich mit seinem Namen symbolisch in die Fußstapfen des heiligen Franz von Assisi zu begeben. Damit signalisiert – und weckt – der neue Papst hohe Ansprüche."

Corriere della Sera: Das Papsttum verlässt Europa und geht nach Amerika

"Das Papsttum überquert den Atlantik, ausgewählt wird ein Mann des amerikanischen Subkontinents, das heißt ein Mann des Südens der Welt - in einer Zeit, in der der arme Süden gerade den reichen Norden herausfordert, im Namen seiner Rechte und seiner Notwendigkeiten. Das sind die vorrangigen Signale der Wahl des argentinischen Kardinals Bergoglio zum neuen Papst."

New York Times: Eine konventionelle Wahl

"Ein Konservativer mit einem Hauch des Gewöhnlichen: Kardinal Bergoglio ist eine konventionelle Wahl, ein theologisch Konservativer mit italienischen Wurzeln, der uneingeschränkt die Position des Vatikans vertritt, wenn es um Abtreibung, Homo-Ehe, Frauen als Priester und andere wichtige Themen der Zeit geht.

Die Tagesszeitung (taz) (online): Der Papst – ein reaktionärer, alter Sack

"Der neue alte Sack, der künftig unter dem Künstlernamen Franziskus auftreten wird, hat, so ist zu hören, als er noch Jorge Bergoglio hieß und Erzbischof von Buenos Aires war, gegen die Ehe von Lesben und Schwulen („Plan des Teufels“) und die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare („Kindesmissbrauch“) gekämpft. Noch früher soll er als Leiter der argentinischen Jesuiten ein enges Verhältnis zur Militärjunta (das waren jene Freaks, die auch die Falklands heimholten wollten) unterhalten haben."

Times of India (online): Lieber einen alten, dafür demütigen Papst

"Mit der Wahl des 76-Jährigen haben sich die Kardinäle deutlich dafür entschieden, dass sie keinen dynamischen, jungen Papst brauchen, der über Jahrzehnte regieren würde, sondern lieber einen älteren, beliebten und demütigen Prediger, der die Anhänger zum Glauben bewegen wird."

Leserkommentare
  1. Was ich mich ja mal wieder Frage ist, warum wurde die Verkündung des Papstes auf mehreren öffentlich rechtlichen Sendern gleichzeitig übertragen?
    Auch wenn ich Atheist bin, habe ich kein Problem damit, so etwas im Fernseher zu zeigen, aber ein Sender reicht doch aus! Bei Besuchen oder Hochzeiten von Adligen ist dieses Phänomen auch immer wieder zu beobachten.
    Die werden doch ohnehin mit Gebühren finanziert, dann können die Sender sich doch absprechen.
    Ich gehöre nun wirklich nicht zu den Leuten, die sich über ihre Gebühren aufregen, aber das die öffentlich rechtlichen Sender sich auch noch gegenseitig Konkurrenz machen, sehe ich nicht ein!

    4 Leserempfehlungen
  2. bezeichnet den gewählten Papst als Alten Sack..

    Wer so unter die Gürtellinie geht, kann nur mit einer unsachlichen Gegenreaktion rechnen.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

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    Wie kann man denn den Papst einen Alten Sack nennen.

    Die Zeit outet sich mal wieder selbst.

    Übrigens was ich von der TAZ halte kann sich ja jeder denken, da fällt meine Wortwahl sicherlich nicht sachlich aus.

  3. Wie kann man denn den Papst einen Alten Sack nennen.

    Die Zeit outet sich mal wieder selbst.

    Übrigens was ich von der TAZ halte kann sich ja jeder denken, da fällt meine Wortwahl sicherlich nicht sachlich aus.

    Antwort auf "Die [...] TAZ"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Benedikt XVI | Katholische Kirche | Adoption | Erzbischof | Johannes XXIII. | Vatikan
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