Sie kennen Bernhard von NotHaus vielleicht in seiner Rolle als Gründer der Church of Free Marijuana in Honolulu, doch sein Lebenswerk bleibt die Schaffung der alternativen Währung "Liberty Dollar", den er 1975 als Konkurrenzwährung zum US-Dollar ins Leben rief.

In Scheinen und Münzen konnte man den Liberty Dollar in ausgewählten Geschäften überall im Lande benutzen, deren Geschäftsführer nach einem persönlichen Gespräch mit Herrn von NotHaus einwilligten, die Währung zu akzeptieren.

Innerhalb von knapp vierzig Jahren gelang es von NotHaus tatsächlich, 60 Million Liberty Dollar in Umlauf zu bringen. Und das nicht nur auf Hawaii, sondern in allen 50 Bundesstaaten.

Es gibt auch andere "alternative Währungen", zum Beispiel die Ithaca Hour in New York (übrigens auch das RegioGeld in Deutschland), aber der Liberty Dollar war einfach zu beliebt. Da bekam die US-Bundesregierung Angst. Plötzlich war von NotHaus kein Spinner mehr, auch kein Geschäftsmann mit einer außergewöhnlichen Idee, sondern ein Terrorist.

Dabei wollte Herr von NotHaus nicht die Regierung stürzen, sondern nur die übermächtige Federal Reserve Bank – die Zentralbank der USA. Zurzeit sitzt er im sonnigen Malibu, Kalifornien, und wartet auf die Festsetzung des Strafmaßes, nachdem er 2011 verurteilt wurde. Dem 68-Jährigen drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Einerseits bewundere ich den guten Mann für seinen Hang zur Anarchie und auch für seine Chuzpe. Andererseits verstehe ich auch die US-Regierung. Denn historisch bedingt wird sie sehr nervös, wenn es um das fragile Finanzsystem Dollar geht. Vor allem sollte das Volk am liebsten nicht erkennen, was Bernard von NotHaus uns alle lehrte: eine Währung ist eine Fata Morgana.

Wir wachsen mit Dollar und Euro auf, als ob es echte, handfeste Dinge seien, wie eine Tankfüllung Benzin oder ein Big Mac (die sich in Kürze in manchen Teilen von Europa als Tauschmittel besser eignen werden als der Euro). Sind sie aber nicht.

Geld aus dem Nichts

Eine sehr gute Beschreibung einer Bank steht in dem Buch Empire of Wealth, über die wirtschaftliche Entwicklung der USA, von John Steele Gordon. Da beschreibt er, wie vor Jahrhunderten Goldschmiede anfingen, Geld aus dem Nichts magisch hervorzuzaubern.

Als im 17. Jahrhundert Gold und Silber aus den amerikanischen Kolonien nach Europa flossen und die Inflation ankurbelten, begannen viele Bürger, statt der vielen schweren Goldmünzen, Gutscheine von vertrauenswürdigen Goldschmieden mit sich herumzutragen. Auf dem Blatt stand ja der Namen des Goldschmiedes, da wusste der Kunde, er könnte den Schein jederzeit gegen echtes Gold eintauschen, und bis dahin bekäme er keine Rückenprobleme.

Irgendwann erkannten dann aber die findigen Goldschmiede, dass niemand die Scheine eintauschte. Da saßen sie auf dem ganzen Gold und die Gutscheine dafür wurden irgendwo da draußen immer weiter herumgereicht. Und so fiel ihnen ein, dass man das Gold doch beleihen könnte. Also gaben sie weitere Gutscheine heraus, diesmal als Anleihen gegen Zinsen.

Aber das Beste war: Weil niemand nach dem echten Gold fragte, konnte man das Gold drei, vier, fünfmal gleichzeitig beleihen. Haarig würde es nur, wenn alle Besitzer eines Gutscheins gleichzeitig an der Tür hämmerten, so wie heutzutage in einem kleinen europäischen Inselstaat. Da würden sie feststellen, dass nur ein Bruchteil des beliehenen Goldes tatsächlich im Tresor liegt. Aber niemand verlangte das eigentliche Gold: Die Gutscheine reichten völlig aus.

"Indem sie mehr Gutscheine herausgaben, als durch das Gold gedeckt werden konnte, schafften es die Goldschmiede – die längst Banker waren – aus Luft Geld zu machen", schreibt Gordon.

So funktionieren die Zentralbanken noch heute, auch, nachdem der Goldstandard abgeschafft wurde. Sie drucken einfach ein Stück Papier und beleihen es für den mehrfachen Wert. Es ist nur wertvoll, weil wir uns darauf geeinigt haben, dass es wertvoll ist.

Unsere ganze Wirtschaft ist eine Fiktion, ähnlich wie die virtuelle Welt im Science-Fiction-Film Matrix. Aber eine Fiktion, die funktioniert. Über Jahrhunderte hat sie die westliche Welt zu der erfolgreichsten und innovativsten Gesellschaft der Geschichte gemacht.

Nicht alle Politiker verstehen das, wenn sie anfangen, an der Matrix herumzuschrauben.