Die Kardinäle haben sich zu einer ersten Sitzung in der Synodenaula im Vatikan versammelt. © Osservatore Romano/Reuters

Im Vatikan haben die Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Papstes begonnen. Etwa 150 Kardinäle aus aller Welt kamen am Morgen im neuen Synodensaal des Vatikans zu Sitzungen zusammen. Einige reisten einzeln an, andere in kleinen Gruppen, wie die beiden deutschen Kardinäle Reinhard Marx und Walter Kasper. Öffentlich wollte sich kein Kardinal äußern.

Nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. finden im Vatikan eine Woche lang ein bis zwei sogenannte Generalkongregationen pro Tag statt. Bei diesem Vor-Konklave sind die Kardinäle noch nicht gänzlich von der Außenwelt abgeschottet. Mit einer Entscheidung über den Beginn der Papst-Wahl wird am Montag jedoch noch nicht gerechnet. 

An der Wahl des Papstes werden nach dem letzten Stand 115 Kardinäle teilnehmen, die jünger als 80 Jahre sind. Von deutscher Seite sind sechs Kardinäle wahlberechtigt. Der Vatikan hofft, vor Ostern den Katholiken ein neues Kirchenoberhaupt präsentieren zu können. Nach Benedikts Rücktritt läuft seit Donnerstagabend die Übergangszeit, die sogenannte Sedisvakanz.

Noch kein Favorit für Benedikts Nachfolge bekannt

Kardinal Kasper hat sich zuvor dagegen ausgesprochen, das anstehende Konklave zur Wahl des neuen Papstes vorzuziehen. "Sich kennenlernen braucht Zeit, die Papstwahl sollte man nicht übers Knie brechen", sagte er der Stuttgarter Zeitung. Das Konklave bestehe nicht aus Hinterzimmergesprächen, wie es oft dargestellt werde. "Da finden auch keine Absprachen statt, die sind sowieso verboten, aber man kommt untereinander ins Gespräch, man lernt sich gegenseitig – auch nonverbal – kennen und einschätzen."

Einen Favoriten für die Nachfolge auf dem Stuhl Petri gibt es noch nicht. Die Kardinäle geben in der Regel nie offen bekannt, wen sie bevorzugen. In Interviews sprechen sie allerdings häufig von den Qualitäten, die ihr idealer Kandidat aufweisen muss. Am häufigsten wird gegenwärtig die Fähigkeit genannt, den katholischen Glauben glaubwürdig zu verkünden.

Als mögliche Kandidaten gelten Peter Turkson aus Ghana, der Brasilianer Odilo Scherer, der Kanadier Marc Ouellet, der Italiener Angelo Scola und der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn. Zuletzt gab es vermehrt Stimmen, die auf einen neuen Papst aus Asien, Afrika oder Lateinamerika hinweisen. Im Konklave haben die europäischen Kardinäle eine Mehrheit.