Aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle ist schwarzer Rauch aufgestiegen. Die 115 Kardinäle haben sich folglich nicht im ersten Wahlgang auf einen neuen Papst geeinigt. Dies war auch nicht anders erwartet worden: Der erste Wahlgang gilt als Testlauf.

Für die Wahl des 266. Papstes ist eine Zweidrittelmehrheit nötig. Das entspricht 77 Stimmen. Ab Mittwoch sind täglich je vier Durchgänge vorgesehen. Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel verbrannt – ist der Rauch schwarz, muss neu gewählt werden. Wenn die Wahl gefallen ist, steigt weißer Rauch aus dem Schornstein auf. Sollte bis Freitagabend kein Nachfolger für Benedikt XVI. gefunden sein, ist für Samstag ein Ruhetag vorgesehen.

Das Konklave war am Vormittag mit einem Festgottesdienst im Petersdom eröffnet worden. In einer feierlichen Prozession zogen die Kardinäle im Anschluss in die Sixtinische Kapelle ein. Vor dem Hauptaltar verneigten sich die katholischen Geistlichen und schworen den Eid der Verschwiegenheit.

Das Konklave läuft unter größter Geheimhaltung ab. Den wahlberechtigten Kardinälen ist der Kontakt zur Außenwelt untersagt. Es wird so lange hinter verschlossener Tür gewählt, bis es eine Mehrheit gibt. Papst Benedikt wurde 2005 im vierten Durchgang gewählt. Diesmal wird mit deutlich mehr Wahlgängen gerechnet.

 

Einen klaren Favoriten für die Nachfolge von Papst Benedikt XVI. gibt es nicht. Im Gespräch als neues Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche waren in jüngster Zeit vor allem der Italiener Angelo Scola, der Brasilianer Odilo Scherer, der Kanadier Marc Ouellet, der US-Amerikaner Sean O'Malley sowie der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn. Mit Scola würde erstmals seit 35 Jahren wieder ein Italiener an die Spitze der Kirche rücken. Scherer, der deutsche Vorfahren hatte, wäre seit dem im achten Jahrhundert amtierenden Syrer Gregor III. der erste Nicht-Europäer auf dem Stuhl Petri.

Kardinaldekan Angelo Sodano hatte Benedikt beim Festgottesdienst unter dem Beifall der Kardinäle für sein "leuchtendes Pontifikat" gedankt. Er forderte die Gläubigen auf, dafür zu beten, "dass der Herr uns einen Papst geben wird, der diese edle Mission mit einem großzügigen Herzen annimmt". Zudem rief er zur Einheit der Kirche auf, die durch zahlreiche Skandale in den vergangenen Jahren erschüttert wurde.