OsterfestDeutsche Bischöfe fordern höhere Steuern für Reiche

Der neue Papst inspiriert deutsche Bischöfe wie Zollitsch und Woelki: Sie sprechen zu Ostern über Vermögensteuern, übertriebenen Reichtum und den Besitz ihrer Kirche.

Die Bischöfe Robert Zollitsch (links) und Rainer Maria Woelki

Die Bischöfe Robert Zollitsch (links) und Rainer Maria Woelki  |  ©Maurizio Gambarini/dpa

Berlins Erzbischof Rainer Maria Woelki hat die Katholische Kirche aufgefordert, sich kritischer mit dem eigenen Reichtum auseinanderzusetzen: "Wo wir als Kirche – wie in Deutschland – Vermögen, Gebäude und Grundstücke besitzen, dürfen sie nur dazu dienen, unseren Auftrag wahrzunehmen, und dazu gehört die Sorge um sozial benachteiligte Menschen." Besitz dürfe nie zum Selbstzweck werden, sagte Woelki dem Tagesspiegel.

Papst Franziskus hatte in seiner Predigt am Gründonnerstag die Kirche an ihre soziale Verantwortung erinnert. Sie müsse "an die Peripherie" gehen und dürfe nicht zu einer Glaubensverwalterin werden.

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Der Berliner Bischof forderte, vermögende Menschen stärker zur Finanzierung gesellschaftlicher Aufgaben heranzuziehen. Dies lasse sich beispielsweise über die Erbschaftssteuer realisieren: "Es kann nicht sein, dass nur etwa zehn Prozent der reichsten deutschen Haushalte 58 Prozent des Privatvermögens besitzen."

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, trat in seiner Osterpredigt dafür ein, reiche Menschen steuerlich stärker zu belasten. "Ich halte die Forderung für berechtigt, dass der, der Vermögen hat, sich beteiligt in der Sorge für die, die weniger haben", sagte Zollitsch dem Deutschlandfunk.

"Auf Katastrophen fokussiert"

In seiner Predigt im Freiburger Münster kritisierte Zollitsch zudem die Konzentration auf negative Nachrichten. Viele Menschen sähen die Welt "düsterer, als sie ist", sagte er. Der Blick der Öffentlichkeit fokussiere sich nicht auf Erreichtes und Gelungenes, sondern auf Misserfolg und Katastrophen.

Sachsens evangelischer Landesbischof Jochen Bohl warnte die Europäer vor Resignation wegen der Finanzkrise. In seiner Predigt zum Ostersonntag in der Dresdner Kreuzkirche forderte er eine Wiederbelebung des europäischen Gedankens: "Es wird nicht gut, wenn die Europäische Union zu einer Versammlung der Enttäuschten verkommt, in der man sich misstrauisch vorrechnet, was wer wem schuldet."

Hannovers evangelischer Landesbischof Ralf Meister forderte die Menschen grundsätzlich zu mehr Mitgefühl auf: "Wir müssen das Brot, das wir essen, teilen. Es hält uns am Leben, es sättigt uns, und wir schulden es denjenigen, die geistig, aber auch leiblich hungern."

Dialog mit Atheisten

Der Präsident des Evangelischen Kirchentages, Gerhard Robbers, sagte dem SWR, er sei überzeugt, dass Religion für Menschen "wieder richtig wichtig" werde. Dies fördere bei Nichtgläubigen zum Teil das Bedürfnis, dem aggressiv entgegenzutreten.

Auseinandersetzungen über Religion müssten aber friedlich und in Offenheit geführt werden, sagte der Trierer Verfassungsrechtler. Religiöse wie Nichtreligiöse sollten versuchen, stärker miteinander ins Gespräch zu kommen, denn letztlich würden beide über dieselbe Sache nachdenken. Atheisten hätten oft sehr kluge Überzeugungen.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann erinnerte an die Zusammengehörigkeit von Leben und Tod. Das Bewusstsein, dass Gott die Menschen auch im Tod nicht verlasse, sei nicht selbstverständlich. Lehmann sprach von der "Erfahrung unübersteigbarer Grenzen auch unter uns Menschen, an den erschreckenden Unfrieden in unserer Welt". Er zitierte Dietrich Bonhoeffer: "Die Nacht ist noch nicht vorüber, aber es tagt schon." Die Bewährung im Alltag mache das christliche Leben mit Christus aus, sagte Lehmann im Mainzer Dom.

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Leserkommentare
    • wpev
    • 31. März 2013 16:37 Uhr

    Ja gewiß, da kann sich was bewegen lassen. Doch sollten die Fordernden ebenso in das Schussfeld. In Sachen Besteuerung und Vermögen... korrekt?

    5 Leserempfehlungen
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    • sfgrw
    • 31. März 2013 17:59 Uhr

    Die Debatte entlang der Besteuerung zu führen reicht natürlich nicht aus. Natürlich, kirchliche Einrichtungen, die indirekt durch Steuern aller und direkt durch Kirchensteuerzahler finanziert werden, sollen zuallererst übliche Tarifverträge akzeptieren, ihre Finanzen offenlegen usw.usf. Alles bereits zigtausendmal formuliert und gefordert.
    Der neue Papst wird auch erster Klasse zur Favela befördert werden. Das wird sich so schnell nicht ändern. Auch hierüber haben wir schon tausendmal den Shitstorm fegen lassen.
    Was mich aber wirklich nervt, das ist der Alleinvertretungsanspruch und die Deutungshoheit über Leben und Tod an sich. In (fast) allen Religionsgemeinschaften.
    Die damit einhergehende Arroganz und Ignoranz, die mir in jedem Interview mit Vertretern irgendwelcher christlichen - und natürlich auch islamischen- Glaubensgemeinschaften entgegen schlägt, ist kaum zu überbieten.
    Schlimm genug, dass ich sonntäglich den Glockenlärm ertragen muss, der mich diese Überheblichkeit garantiert nicht vergessen lässt.

    flankiert mit klarer Ausgabendisziplin wäre sinnvoll.
    Ein moderner Staat kann sich nicht eine saturierte Kaste von weltfremden BEamten leisten, die zweifelsohne auch aus Faulheit ihren job ergreifen ( keine Polemik..lassen Sie den Kommentar stehen) und sich dem Wettbewerb verweigern.
    Angesichts der Staatsvershculdung durch die Währungskrise, bekommen zunehmend Studenten, die das Lehramt anstreben, kalte Ohren.
    Die Gesellschaft und die bösne REichen können nicht die Unsicherheits und Risikoaversion einer kompletten Studentengeneration finanzieren.
    Das ist ungerecht

    Nun,gewiss sind weniger Steuern fuer Reiche nicht die Loesung,ueber mehr dass lassen wir mal dahin stehen

    So,die einen warden Beamte aus "FAULHEIT" Sicher,gibts Faule Beamte
    wie es Faule ueberall gibt UND Bestimmt,gehoehr das Beamtentum auf den Pruefstand und muesste irgentwie neu Angepasst warden

    Tja,sowie es Faule gibt die deswegen **Beamte werden** gibts auch Glueckliche die ihren Reichtum--ohne jede Eigen Leistung--schlicht Ererben und dass manchmal schon seit Jahrhunderten und dafuehr muessen sie selbstverstaendlich mit Steuer-Erlass Belohnt werden und zum gerechtem Ausgleich senken wie weiter die Loehne Besteuern auch Niedrig Loehne und die Renten --gemeint sind die kleinen Renten,um Gotteswillen nicht die Hohen pensionen-- noch etwas mehr

    Gut so, Gauß-Markov ???

  1. Ich habe den Artikel im Tagesspiegel gelesen. Dort erzählt Woelki auf Nachfrafrage, dass er sein grosses Bistum nicht mit dem ÖPVN bereisen kann, sondern das mit seinem Dienstwagen tun muss.

    Sein Limburger Kollege fährt (lässt fahren) einen schönen schwarzer 5er BMW. Was fährt Woelki? 5er? E-Klasse? Mit Sicherheit keinen Passat.

    Besagter Limberger Kollege hat sich auch ein nettes Häusle bauen lassen. Mit Kapelle, Wohnung und sonstiges Extras. Kostenpunkt: so > 5,5 Mio €, bezahlt aus der bischöflichen Geheimschatulle, die keiner (öffentlichen) Kontrolle unterliegt. Auch ist selbiger Bischof Erster Klasse zu den Armen Indiens geflogen.

    Irgendwie muss doch da auf den Schatullen-Konten mächtig viel Cash herumliegen. Das ist ≠ "unveräusserliches Kirchenvermögen", obwohl die Schatulle sicherlich auch aus dem Kirchensteueraufkommen gefüllt wird. Wie wäre es bitte, wenn diese Schatullen (jeder Bischof und höher hat wohl eine) zur Bekämpfung der Armut genutzt würden?

    Ach ja, eine höhere Einkommensteuer sorgt auch für höhere Kirchensteuern. Honi soit qui mal y pense!

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    Wer die wunderschöne Limburger Altstadt und das aus mehreren historischen Gebäuden (teilweise 15. Jahrhundert) bestehende Ensemble rund um den Dom kennt und liebt, kann sich über ihren Kommentar nur wundern.

    Okay, in Limburg wird nach jahrzehntelanger Planung unter Zuhilfenahme von 2,5 Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln fachgerecht saniert und umgebaut und auch der Bischof soll in diesem Ensemble eine 120 Quadratmeter große Dienstwohnung bekommen. Was ist daran so verwerflich - Sie selbst hausen doch wahrscheinlich auch nicht im Zelt?

    Oder wäre es Ihnen lieber wenn unsere historische Altstädte und Kulturgüter künftig nicht mehr gepflegt und erhalten werden und stattdessen nur noch Fußballstadien (kosten so ab 50 Mio) oder Bankentürme gebaut werden?

    Die vielen Tausend Touristen aus dem In- und Ausland die alljährlich den Limburger Dom und die Altstadt besuchen sehen das mit Sicherheit völlig anders als Sie.

    • bayert
    • 31. März 2013 18:03 Uhr

    die Kirche könnte auch mal mehr Steuern zahlen (Körperschaftssteuer, Grundsteuer, Zinsabschlagssteuer, Kapitalertragssteuer). Siehe http://www.stop-kirchensu...

    Höhere Einkommenssteuern bedeuten auch höhere Einnahmen aus Kirchensteuer.

    • Tool8
    • 31. März 2013 16:50 Uhr

    Kann dieser Verein sich bitte aus politischen Fragen heraushalten, gerade in Sachfragen wie der Besteuerung hat die Religion überhaupt kein Mandat.

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    ... die Höhe der Einkommensteuer bestimmt die Höhe der Kirchensteuer. Die haben also ein richtig solides pekuniäres Interesse. Nennt man, glaube ich, Guerilla-Marketing.

    Warum sollte sich "Kirche" aus politischen Fragen heraushalten? Jeder deutsche Staatsbürger hat das Recht (und die Pflicht) sich zu politischen Fragen zu äußern.

    politischen und gesellschaftlichen Fragen?
    Hat der Reichtum einiger weniger nur eine politische Dimension?
    Sind die Auswirkungen einer repressiven Hartz4 Politik ohne gesellschaftlichen Belang?

    hat die Kirche nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, darauf aufmerksam zu machen. Schliesslich geht es um Solidarität in sämtlichen Kreisen der Bevölkerung, also um Wohl oder Wehe eines Staates. Wenn es darum geht die Armen und Gestrandeten in unserer Gesellschaft mit karitativen Mitteln wieder aufzupeppeln - ja dann wird nach der Kirche gerufen. Aber wenn sich die Reichen mit ihrem Geld aus dem Staub machen bzw. in Sachen Solidarität aus der Affaire ziehen, dann hat die Kirche zu schweigen. Das kann es ja wohl nicht sein!

  2. ... die Höhe der Einkommensteuer bestimmt die Höhe der Kirchensteuer. Die haben also ein richtig solides pekuniäres Interesse. Nennt man, glaube ich, Guerilla-Marketing.

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    Ich halte Kritik am Kirchensteuersystem für legitim, auch wenn ich es nach wie vor für gut halte. Aber auch legitime Kritik sollte sachlich richtig sein. Die Kirchensteuer wird in Deutschland als Aufschlag ALLEIN auf die Einkommenssteuer erhoben; alle andere Steuerarten wie Erbschafts- oder Vermögenssteuer erhöhen die Bemessungsgrundlage und damit das Aufkommen der Kirchensteuer NICHT! Der Vorwurf, die Bischöfe erhöben hier eine Forderung zu eigenen Gunsten ist daher schlicht unwahr!

  3. und die Kirche predigt EU und Opfergaben für die "europäische Idee".

    Mir gefallen die Statements der serbischen Kirche, die um die Auflösung der NATO betet und Papst Franziskus der den Westen um Frieden in Syrien anfleht und die des Ajathollah Kahmenei, der Atomwaffen für unmenschlich und als Sünde bezeichnet wesentlich besser.

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  4. 6. Warum?

    Warum sollte sich "Kirche" aus politischen Fragen heraushalten? Jeder deutsche Staatsbürger hat das Recht (und die Pflicht) sich zu politischen Fragen zu äußern.

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    Vielleicht weil man bisher nicht die Erfahrung gemacht hat, dass sich Kirche zu politischen Fragen äußert, wenn ihre eigene Macht auf dem Spiel steht. In sehr vielen totalitären Regimes hat die katholische Kirche entweder geschwiegen oder sogar mit den Machthabern kooperiert. Es kommt einem ein wenig wie Sandkasten vor wenn die hier wo ihnen nun wirklich keine Gefahr droht einen auf revolutionär machen. Der Papst selber scheint da schon ein ganz anderes Kaliber zu sein. Aber es fällt mir schwer solchen "gepuderten" Geistlichen, die bis vor kurzem alles getan haben, um um bloß mit den konservativsten Interessenvertretern im Staat nicht anzuecken das abzukaufen.

  5. ... könnte man z.B. die Kirchensteuer senken, und so die Masse der Steuerzahler entlasten. Übrigens der Staat hatte noch nie so hohe Steuereinnahmen wie heute.

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  6. Ganz einfach - wegen der trennun von staat und kirche (die wir zwar offiziell haben...)

    via ZEIT ONLINE plus App

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    Kann ja sein, dass es Staaten gibt, die es gern sehen, wenn sich Staatsbürger aus der Politik heraushalten. Aber solch ein Staat ist nicht meiner!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sc
  • Schlagworte Robert Zollitsch | Europäische Union | Karl Lehmann | Deutschlandfunk | Katholische Kirche | Bischof
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