In der Nähe des Ziels beim Boston-Marathon sind am Montag mehrere Sprengsätze explodiert. Drei Menschen kamen ums Leben. Nach amerikanischen Medienberichten wurden mehr als 100 Menschen verletzt. Die Bomben explodierten vier Stunden nach Start des Rennens. Es ist einer der traditionsreichsten Marathonläufe weltweit.  

Auch wegen des Feiertags, des Patriot Days, waren rund 500.000 Menschen nach Boston gekommen, um den Marathon zu beobachten. Der Bundesstaat Massachusetts gedenkt an diesem Tag der Schlachten von Lexington und Concord 1775 im Revolutionskrieg gegen die britische Kolonialherrschaft. 

Am frühen Nachmittag verwandelte sich das Volksfest in ein blutiges Drama.

Die ersten Läufer hatten den Marathon bereits Stunden vor den Explosionen beendet. Es liefen aber noch viele Teilnehmer über die Ziellinie. Augenzeugen berichteten von Chaos und blutenden Menschen. Viele Verletzte waren nicht Läufer, sondern Zuschauer. Krankenhäuser berichteten von Opfern, denen durch die Explosionen Gliedmaßen abgerissen wurden. Bei vielen mussten Amputationen vorgenommen werden.

Weitere Sprengsätze gefunden

Um die Zahl der Sprengsätze hatte es zwischenzeitlich Verwirrung gegeben. Die Polizei sprach zunächst von zwei Bombenexplosionen. Es wurde mindestens eine weitere Bombe gefunden, die aber nicht gezündet hatte. Zudem waren an anderen Orten der Stadt Brände ausgebrochen, unter anderem in der Nähe der Kennedy-Bibliothek. Nach Angaben der Behörden wurde das Feuer dort nicht durch eine Bombe ausgelöst.

Noch ist nicht bekannt, wer hinter den Explosionen steckt. Bisher hat sich niemand als Urheber bekannt. In den Stunden nach den Detonationen vermieden Vertreter der Polizei und der Regierung es in auffallender Weise, von einem Terroranschlag zu sprechen. Auch Präsident Barack Obama benutzte das naheliegende Wort nicht, als er am Abend vor die Kameras trat. Er drückte den Familien der Opfer sein Beileid aus und versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Weißes Haus spricht von "Terrorakt"

Später allerdings sprach ein Sprecher des Weißen Hauses dann von einem "Terrorakt": Jeder Vorfall mit mehreren Sprengsätzen – wie es in diesem Fall erscheint – ist klar ein Terrorakt und wird als solcher behandelt.

US-Medien spekulierten, welche Kreise als potenzielle Täter infrage kommen und was die Motive sein könnten. Einerseits gab es in den vergangenen Jahren Anschlagsversuche muslimischer Extremisten. Andererseits kennen die USA auch innenpolitisch motivierte Anschläge. Dabei waren ideologisch rechts stehende Amerikaner die Täter, die behaupten, dass ihre Regierung sich zu einer Diktatur entwickele, die den Bürgern ihre Grundrechte nehme. Der bekannteste und blutigste Anschlag dieser Art richtete sich 1995 gegen ein Bundesgebäude in Oklahoma City. 168 Menschen kamen ums Leben. Als Haupttäter wurde Timothy McVeigh verurteilt. Ein anderes Beispiel für diesen Typus des heimischen Gewalttäters war der sogenannte Una-Bomber Ted Kaczynski.

Rechts stehende Amerikaner, die sich selbst als "Patrioten" bezeichnen, interpretieren auch die jüngsten Forderungen nach einer Einschränkung der Freiheit des Waffentragens als einen Übergriff des Staats gegen ihre Grundrechte. Rechte Gruppierungen haben mit Gegenwehr gedroht.

Der Boston Marathon hatte mit 26 Schweigesekunden zum Gedenken an die 26 Opfer des Schulmassakers in Newtown begonnen.

Als Reaktion auf die Anschläge wurden in den USA vielerorts die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die Stadt Boston sperrte den Luftraum.

Ständig aktualisierte Informationen über die Anschläge und ihre Folgen finden Sie auf der Website oder dem Twitter-Account des Boston Globe. Eine Sammlung mit Bildern von Nutzern, die am Ort des Geschehens entstanden, finden Sie hier.