Terrorakt in USABombenanschläge auf den Boston-Marathon

Mindestens drei Menschen sind ums Leben gekommen, als beim Boston-Marathon mehrere Sprengsätze explodierten. Das Weiße Haus spricht von einem Terrorakt. von 

Ein Einsatzteam auf den Straßen von Boston nach dem Anschlag auf den Marathon

Ein Einsatzteam auf den Straßen von Boston nach dem Anschlag auf den Marathon  |  © Darren McCollester/Getty Images

In der Nähe des Ziels beim Boston-Marathon sind am Montag mehrere Sprengsätze explodiert. Drei Menschen kamen ums Leben. Nach amerikanischen Medienberichten wurden mehr als 100 Menschen verletzt. Die Bomben explodierten vier Stunden nach Start des Rennens. Es ist einer der traditionsreichsten Marathonläufe weltweit.  

Auch wegen des Feiertags, des Patriot Days, waren rund 500.000 Menschen nach Boston gekommen, um den Marathon zu beobachten. Der Bundesstaat Massachusetts gedenkt an diesem Tag der Schlachten von Lexington und Concord 1775 im Revolutionskrieg gegen die britische Kolonialherrschaft. 

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Am frühen Nachmittag verwandelte sich das Volksfest in ein blutiges Drama.

Die ersten Läufer hatten den Marathon bereits Stunden vor den Explosionen beendet. Es liefen aber noch viele Teilnehmer über die Ziellinie. Augenzeugen berichteten von Chaos und blutenden Menschen. Viele Verletzte waren nicht Läufer, sondern Zuschauer. Krankenhäuser berichteten von Opfern, denen durch die Explosionen Gliedmaßen abgerissen wurden. Bei vielen mussten Amputationen vorgenommen werden.

Weitere Sprengsätze gefunden

Um die Zahl der Sprengsätze hatte es zwischenzeitlich Verwirrung gegeben. Die Polizei sprach zunächst von zwei Bombenexplosionen. Es wurde mindestens eine weitere Bombe gefunden, die aber nicht gezündet hatte. Zudem waren an anderen Orten der Stadt Brände ausgebrochen, unter anderem in der Nähe der Kennedy-Bibliothek. Nach Angaben der Behörden wurde das Feuer dort nicht durch eine Bombe ausgelöst.


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Noch ist nicht bekannt, wer hinter den Explosionen steckt. Bisher hat sich niemand als Urheber bekannt. In den Stunden nach den Detonationen vermieden Vertreter der Polizei und der Regierung es in auffallender Weise, von einem Terroranschlag zu sprechen. Auch Präsident Barack Obama benutzte das naheliegende Wort nicht, als er am Abend vor die Kameras trat. Er drückte den Familien der Opfer sein Beileid aus und versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Weißes Haus spricht von "Terrorakt"

Später allerdings sprach ein Sprecher des Weißen Hauses dann von einem "Terrorakt": Jeder Vorfall mit mehreren Sprengsätzen – wie es in diesem Fall erscheint – ist klar ein Terrorakt und wird als solcher behandelt.

US-Medien spekulierten, welche Kreise als potenzielle Täter infrage kommen und was die Motive sein könnten. Einerseits gab es in den vergangenen Jahren Anschlagsversuche muslimischer Extremisten. Andererseits kennen die USA auch innenpolitisch motivierte Anschläge. Dabei waren ideologisch rechts stehende Amerikaner die Täter, die behaupten, dass ihre Regierung sich zu einer Diktatur entwickele, die den Bürgern ihre Grundrechte nehme. Der bekannteste und blutigste Anschlag dieser Art richtete sich 1995 gegen ein Bundesgebäude in Oklahoma City. 168 Menschen kamen ums Leben. Als Haupttäter wurde Timothy McVeigh verurteilt. Ein anderes Beispiel für diesen Typus des heimischen Gewalttäters war der sogenannte Una-Bomber Ted Kaczynski.

Rechts stehende Amerikaner, die sich selbst als "Patrioten" bezeichnen, interpretieren auch die jüngsten Forderungen nach einer Einschränkung der Freiheit des Waffentragens als einen Übergriff des Staats gegen ihre Grundrechte. Rechte Gruppierungen haben mit Gegenwehr gedroht.

Der Boston Marathon hatte mit 26 Schweigesekunden zum Gedenken an die 26 Opfer des Schulmassakers in Newtown begonnen.

Als Reaktion auf die Anschläge wurden in den USA vielerorts die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die Stadt Boston sperrte den Luftraum.

Ständig aktualisierte Informationen über die Anschläge und ihre Folgen finden Sie auf der Website oder dem Twitter-Account des Boston Globe. Eine Sammlung mit Bildern von Nutzern, die am Ort des Geschehens entstanden, finden Sie hier.


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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke. Die Redaktion/kvk

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    • Rend
    • 16. April 2013 6:42 Uhr

    Ich wäre nicht so voreilig, wenn sie von Tätern aus den Gebieten sprechen, wo die USA militärisch involviert sind.
    Wie im Artikel beschrieben, auch die amerikanische Rechte hat schon Anschläge verübt, der Bomber von Oklahoma Timothy McVeigh zum Beispiel. Noch ist über die Hintergründe zu wenig bekannt.

    Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Die Redaktion/kvk

    Vorläufig ist unbekannt, wer und was hinter den Bomben steht. Deshalb bleibt erst einmal Mitleid mit den Opfern. Wer oder was dahinter steht, muss sich erst noch zeigen. Häme gegenüber den Opfern ist fehl am Platze. Das gilt übrigens nicht nur für die USA, sondern für alle.

    Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Die Redaktion/kvk

    Ich bin froh, dass die USA, Frankreich sowie Großbritannien und nicht Russland oder China unsere Sicherheitsinteressen teilen und wahrnehmen. Die Amerikafeindlichkeit ist bei jedem Terroranschlag unangebracht, jeder Terroranschlag ist eine feige und verabscheuungswürdige Tat von Extremisten, mit denen man nicht verhandelt.

    • Rend
    • 16. April 2013 6:36 Uhr

    Die Welt schaut gerade nach Asien, auf einen kleinen vorlauten Dicken mit sehr fragwürdigem militärischen Potential.
    Dabei ist die schlimmste Bedrohung die, die man nicht sieht.
    Anschläge auf sportliche Massenveranstaltungen, hilflose zivile Opfer, widerlich, ich kann nur hoffen, dass die Täter schnell ausgemacht sind.

    11 Leserempfehlungen
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    3 Tote bei einem Anschlag vs. potentieller Einsatz von Atomwaffen.

    Sie haben mich vollends Überzeugt!

  2. 23 Leserempfehlungen
  3. 4. [...]

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    7 Leserempfehlungen
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    1." Vergeltung
    Ohne den Anschlag gutzuhei9en:
    Bei dem Terror, den die USA weltweit verbreiten - von Guantanamo bis Afghanistan - war ein derartiger Anschlag aus einem der betroffenen Gebiete längst zu erwarten"

    Vergeltung und Rache..Sie scheinen viel zu wissen,oder ist der Wunsch der Vater Ihrer Gedanken.
    ich erwarte,dass man in demokratischen Systemen Rache und Vergeltung konsequent ablehnt,und nicht wie Sie verständnisvoll erklärt.

    • Rend
    • 16. April 2013 6:42 Uhr

    Ich wäre nicht so voreilig, wenn sie von Tätern aus den Gebieten sprechen, wo die USA militärisch involviert sind.
    Wie im Artikel beschrieben, auch die amerikanische Rechte hat schon Anschläge verübt, der Bomber von Oklahoma Timothy McVeigh zum Beispiel. Noch ist über die Hintergründe zu wenig bekannt.

    28 Leserempfehlungen
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    Der 15. ist auch der Stichtag für die Steuererklärung und damit der zentrale Hasstag aller Regierungsgegner. Und wir sprechen in den USA nicht von Wutbürgern mit erhobenem Zeigefinger sondern von militanten Irren, die sich teilweise in gated communities von der Aussenwelt abschotten und mit militärischem Gerät eindecken. Das lässt unsere Parallelgesellschaften wie Kindergeburtstag wirken.

    Wie dem auch sei, mein Beileid für die Opfer. Wer auch immer diese Tat begangen hat wird hoffentlich schnell gefunden... wenn das dann doch nur dafür sorgen würde, dass so etwas nicht mehr geschieht.

  4. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke. Die Redaktion/kvk

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  5. 7. [...]

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    • hd74
    • 16. April 2013 9:27 Uhr

    für solche Anschläge und würde sich freuen, wenn Merkel der A* wegfiegt.

    Übrigens, wo haben die USA oder andere westliche Regierungen am 11. September Krieg geführt? Wo haben sie Krieg geführt, als die Botschaften in Afrika expodiert sind? Die Terroranschläge waren der Auslöser für den Krieg in Afghanistan, nicht umgekehrt.

    Mal abgesehen davon, das noch unklar ist, wer eigentlich hinter den Anschlägen steckt. Auch ein rechtsradikaler Hintergrund wird nicht ausgeschlossen. Aber wahrscheinlich haben sie auch für Rechtsextreme Verständnis.

    Ihr Kommentar ist ziemlich geschmacklos. Klingt ja fast schon so als begrüßen Sie Anschläge auf Politiker in Regierungsverantwortung.

    Was ist eigentlich diese Kriegstreiberei der Kanzlerin?

    • ach_ne
    • 16. April 2013 6:57 Uhr

    wo im Irak duzende Menschen bei Bombenanschlägen ums Leben kamen.

    Hier der Artikel der Zeit (mit Video):
    "Am Montag kam es gleich in mehreren Städten im Irak zu Anschlägen. Kurz vor der Kommunalwahl wurden dutzende Menschen, unter anderem durch detonierende Autobomben, getötet."

    Wer erklärt mir den Unterschied bei der Berichterstattung.

    26 Leserempfehlungen
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    liegt darin, dass es sich beim Irak um ein Bürgerkriegsgebiet handelt und Anschläge keine Besonderheit mehr darstellen. Ein Akt erhält seine mediale Aufmerksamkeit, je nachdem wie ungewöhnlich er war. Gäbe es in Deutschland sinnflutartige Regenfälle, wäre das doch auch einen Bericht wert, aber wenn das im Amazonasbecken stattfindet, ist es nichts besonderes.

    Besonders nett finde ich, wie hier schon wieder die Ersten "Vorwände" festmachen und die Eigenverantwortung des Amerikaner skizzieren, bevor die Leichen überhaupt kalt geworden sind.
    Und nein, die Staatenführer stehen eben NICHT primär auf der Liste der Terroristen. Der Aufwand einen Staatenlenker zu töten ist im Verhältnis zum Nutzen unverhältnismäßig hoch. Diesen Menschen geht es nur um puren Terror. Der Bevölkerung muss Angst gemacht werden, dass sie jederzeit Opfer eines Anschlags werden können.

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Die Redaktion/au

    Eine Nachricht ist ein berichtenswertes, wichtiges Ereignis. Leider ist es nichts besonderes, wenn im Irak Bomben explodieren oder in Afrika Kinder verhungern.

    Ein Bombenattentat in Boston kommt aber nicht so oft vor und ist auch weltpolitisch viel bedeutender als Bürgerkriegsopfer im Irak.

    Auch wenn es traurig ist und zynisch klingen mag, aber für das Weltgeschehen ist es völlig egal, ob in Afrika ein Kind verhungert oder in Syrien eine Familie bei einem Angriff der Armee stirbt.

    Daher wird über Boston berichtet und über den Irak nicht.

    Würde man über alle Opfer von Gewalt oder Katastrophen ausführlich berichten, müssten sie 24 Stunden am Tag Todesnachrichten senden. Ich hätte es gerne gefiltert für relevante Vorfälle.

    • vonDü
    • 16. April 2013 10:19 Uhr

    Mit ein wenig Nachdenken, könnten Sie selbst auf die Antwort(en) kommen.

    1. Die "Exklusivität" des Ereignisses.

    2. Der persönliche Bezug zu Land und Leuten

    3. Der Bezug auf mich selbst. Bombenanschläge in Urlaubsorten betreffen mich mehr als Bombenanschläge in Bagdad.

    4. Betreffen mich/uns die möglichen Konsequenzen, bzw. die Reaktionen auf einen Anschlag? Die Reaktion auf 9/11 war z.B. der Afghanistankrieg.

    5. Die Verfügbarkeit von verwertbaren Informationen und deren publizistischer Marktwert.

    Das können Sie verurteilen, aber ich möchte wetten, dass auch Sie eine Diskriminierung und Bewertung von Ereignissen, anhand ihrer persönlichen Position in der Welt vornehmen. Daraus abzuleiten, dass unterschiedliches Interesse, auf einer unterschiedlichen Bewertung menschlichen Lebens beruht, wäre falsch.

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich differenziert. Die Redaktion/au

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, afp, kh
  • Schlagworte Barack Obama | Anschlag | Marathon | USA | Boston
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