Die öffentlichen Arbeitgeber Dänemarks haben sämtliche Gesamtschulen (Folkeskoler) lahmgelegt: Per Aussperrung hindern sie die Lehrer an der Arbeit. Mit dieser Maßnahme wollen Arbeitgeber längere und flexiblere Unterrichtszeiten erzwingen. Die Lehrergewerkschaft lehnt eine Erhöhung der Pflichtstundenzahl sowie mehr Entscheidungsfreiheit für die jeweilige Schulleitung bei der Festsetzung der Arbeitszeiten ab.

In Dänemark ist der Besuch von Gesamtschulen bis zur neunten Klasse obligatorisch. Der Unterrichtsausfall hat deswegen direkte Auswirkungen auf alle 566.000 Schüler der ersten bis neunten Klassen und ihre 52.000 Lehrer. Unter Einschluss einiger anderer Schultypen sind nach Angaben des Unterrichtsministeriums 875.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von dem Tarifstreit direkt betroffen.

Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sagte, sie betrachte die Aussperrung als "normalen Tarifkonflikt", in den sich die Regierung vorerst nicht einmischen werde. Dennoch gilt es als wahrscheinlich, dass Regierung und Parlament die Maßnahme per Zwangseingriff beenden werden – und das wohl weitgehend mit den Neuregelungen, die von den Arbeitgebern verlangt werden.

Die Arbeitgeber behaupten, Dänemarks Lehrer würden nur 16 Stunden Unterricht pro Woche geben, und Lehrer über 60 hätten Anspruch auf viereinhalb zusätzliche Ferienwochen pro Jahr. "Privilegien, die sonst absolut niemand in Dänemark hat", sagte der Chefunterhändler der kommunalen Arbeitgeber, Michael Ziegler. Starre Tarifverträge zur Pflichtstundenzahl für alle Lehrer seien überholt. Die Lehrergewerkschaft weist diese Berechnungen als Propaganda zurück.

Die meisten Lehrer in Dänemark sind nicht verbeamtet. Sie arbeiten nach einem Arbeitszeitmodell, das zwischen den kommunalen Schulbehörden und den Lehrergewerkschaften ausgehandelt wird. Sie können für eigene Forderungen streiken – und wie in dem aktuellen Fall von ihrem Arbeitgeber ausgesperrt werden.

Kinderbetreuungsprobleme und Lehrerdemos

Während die Schulen geschlossen bleiben, suchen Familien nach Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder: Im ganzen Land haben sich Einrichtungen und Privatpersonen am Dienstag bereit erklärt, Schüler zu betreuen. Auch viele Schulen stehen für Kinder offen – unterrichtet werden sie nicht.

Zeitgleich demonstrieren Lehrer auf den Straßen. Über ihre Aussperrung waren sie schriftlich informiert worden. Die meisten Pädagogen sehen die Maßnahme als brutale Durchsetzung einer "Discountschule" mit längeren Unterrichtszeiten, aber ohne Zusatzkosten.

Angriffsaussperrung läutet Arbeitskampf ein

Die Aussperrung ist in einem Tarifstreit das wichtigste Arbeitskampfmittel der Arbeitgeber. Meist handelt es sich um eine "Abwehraussperrung" als Reaktion auf einen Streik. Die "Angriffsaussperrung" dient zur Eröffnung eines Arbeitskampfes. In Deutschland kommt sie in der Praxis kaum vor.

Arbeitgeber dürfen dabei auch arbeitswillige Beschäftigte aussperren, die nicht streiken. Die Betroffenen erhalten während dieser Zeit kein Gehalt. Die Aussperrung ist keine Kündigung. Das Arbeitsverhältnis der Ausgesperrten ruht nur und wird danach wieder aufgenommen. In der Regel erhalten die Arbeitnehmer in dieser Zeit Streikgeld von der Gewerkschaft, die Arbeitgeber schwächen damit also die Streikkasse ihrer Gegner im Tarifkonflikt.