Der Einsturz eines Industriegebäudes in Bangladesch hat in der Hauptstadt Dhaka Massenproteste ausgelöst. Hunderttausende Arbeiter schlossen sich zusammen, um für strengere Sicherheitsstandards und bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Viele Textilfabriken in der Hauptstadt Dhaka stellten ihre Produktion wegen der Proteste ein.

Als die Demonstranten zur Unglücksstelle in einem Vorort Dhakas vordringen wollten, schoss die Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen. Tausende Menschen blockierten wichtige Straßen. Sie verlangten, die Regierung solle hart gegen den Besitzer des eingestürzten Gebäudes sowie die Inhaber der Textilfabriken vorgehen. Sie würden nicht zur Arbeit gehen, solange ihre Kollegen noch im Schuttberg vergraben liegen, sagten die Demonstranten.

Es seien noch viele Menschen unter den Trümmern gefangen, sagte Colonel Shiykh, der die Rettungsarbeiten mit überwacht. Insgesamt hätten sich zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 3.000 Menschen im Gebäude aufgehalten, die meisten von ihnen Frauen. 

Bislang wurden fast 300 Leichen aus dem achtstöckigen Gebäude geborgen. In der Nacht zu Freitag konnten die Bergungskräfte jedoch 54 Menschen lebend aus Hohlräumen befreien. Laut Jahangir Kabir Nanak, Juniorminister für regionale Entwicklung, sollen sich noch mehr als 200 Menschen lebend unter dem eingestürzten Haus befinden.

Das teilweise illegal errichtete Gebäude in Savar, in dem mehrere Textilfabriken untergebracht waren, war am Mittwochmorgen kurz nach Arbeitsbeginn eingestürzt. Wie Arbeiter berichteten, war das Gebäude am Vortag wegen Rissen in den Wänden evakuiert worden, doch hätten die Manager die Arbeiter am Mittwoch gezwungen, wieder hineinzugehen. Es ist die größte Industriekatastrophe des Landes.