Eingestürzte TextilfabrikGewalttätige Proteste nach Hauseinsturz in Bangladesch

Tausende Textilarbeiter haben in Dhaka für bessere Arbeitsbedingungen protestiert. Sie verlangen, dass der Besitzer eines eingestürzten Fabrikgebäudes hart bestraft wird.

Angehörige der verschütteten Textilarbeiter in Savar

Angehörige der verschütteten Textilarbeiter in Savar  |  © Andrew Biraj/Reuters

Der Einsturz eines Industriegebäudes in Bangladesch hat in der Hauptstadt Dhaka Massenproteste ausgelöst. Hunderttausende Arbeiter schlossen sich zusammen, um für strengere Sicherheitsstandards und bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Viele Textilfabriken in der Hauptstadt Dhaka stellten ihre Produktion wegen der Proteste ein.

Als die Demonstranten zur Unglücksstelle in einem Vorort Dhakas vordringen wollten, schoss die Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen. Tausende Menschen blockierten wichtige Straßen. Sie verlangten, die Regierung solle hart gegen den Besitzer des eingestürzten Gebäudes sowie die Inhaber der Textilfabriken vorgehen. Sie würden nicht zur Arbeit gehen, solange ihre Kollegen noch im Schuttberg vergraben liegen, sagten die Demonstranten.

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Es seien noch viele Menschen unter den Trümmern gefangen, sagte Colonel Shiykh, der die Rettungsarbeiten mit überwacht. Insgesamt hätten sich zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 3.000 Menschen im Gebäude aufgehalten, die meisten von ihnen Frauen. 

Bislang wurden fast 300 Leichen aus dem achtstöckigen Gebäude geborgen. In der Nacht zu Freitag konnten die Bergungskräfte jedoch 54 Menschen lebend aus Hohlräumen befreien. Laut Jahangir Kabir Nanak, Juniorminister für regionale Entwicklung, sollen sich noch mehr als 200 Menschen lebend unter dem eingestürzten Haus befinden.

Das teilweise illegal errichtete Gebäude in Savar, in dem mehrere Textilfabriken untergebracht waren, war am Mittwochmorgen kurz nach Arbeitsbeginn eingestürzt. Wie Arbeiter berichteten, war das Gebäude am Vortag wegen Rissen in den Wänden evakuiert worden, doch hätten die Manager die Arbeiter am Mittwoch gezwungen, wieder hineinzugehen. Es ist die größte Industriekatastrophe des Landes.

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Leserkommentare
  1. "Sie verlangen, dass der Besitzer eines eingestürzten Fabrikgebäudes hart bestraft wird."

    "Wie Arbeiter berichteten, war das Gebäude am Vortag wegen Rissen in den Wänden evakuiert worden, doch hätten die Manager die Arbeiter am Mittwoch gezwungen, wieder hineinzugehen."

    Wäre schön wenn man jetzt wüsste, wenn man die Hauptschuld zu geben hat.
    Dem Artikel nach diesen besagten Managern, ohne deren Anordung das offenbar nicht passiert wäre, aber die Demonstranten wollen den Besitzer "hängen seh'n".
    Wäre es möglich, diesen Widerspruch aufzuklären?

  2. Jeder ist daran schuld der mit seinem Konsum diese Form der Produktion in diesem Land unterstützt. Solange die Menschen immer billigere Ware haben wollen und immer mehr, solang werden Menschen dafür ihr Leben lassen. Völlig egal welcher Geld-süchtige Mensch diese Leute wieder in den Bau gejagt hat, er tut es, weil diese Dinge die dort produziert werden von uns allen konsumiert werden. Wenn in diesem Fall ein Schuldiger gesucht wird, dann sollte sich jeder an seine eigene Nase fassen und dieses große Unglück endlich als Anlass sehen seinen (Kleidungs-)Konsum zu überdenken!!!

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    "Jeder ist daran schuld der mit seinem Konsum diese Form der Produktion in diesem Land unterstützt. Solange die Menschen immer billigere Ware haben wollen und immer mehr, solang werden Menschen dafür ihr Leben lassen.!

    Ah yo. Nicht, daß ich Ihnen da völlig widersprechen wollte; so was sage ich auch ab & dann.
    Allerdings vorzugsweise, wenn ich mich in einer Grundsatz-Gerechtigkeits-Debatte nach drei Halben Rage geredet habe...
    Mit etwas emotionalem Abstand, Objektivität und Willen zur Differenzierung aber gibt es durchaus eine Abstufung der Verwantwortung.
    Und inerhalb dieser suche ich in diesem Fall die Spitze des Eisberges.
    Diese Spieze manifestiert sich hier sicherlich nicht im 08/15 Bob, der sich ein Billig-Shirt gekauft hat...

    werter Leser XY - auch die Großen, Teuersten, Edelsten. "Globalisierung" bedeutet dann aber, dass die nur die allerbeste Qualität abnehmen oder - die Teile dann in ein höher entwickeltes Land wie etwa die Türkei transportieren, wo sie dann schlussendlich zu Kleidungsstücken vernäht werden, die dann eben ein "Made in Turkey" und kein "Made in Bangladesh" auf dem Label haben. Macht sich auch viel besser.
    Auf der Suche nach neuen Billiglohnländern zieht so der Tross immer weiter - ein Land nach dem anderen wird so zum neuen Sklavenmarkt gemacht. Ein US-afghanischer Kollege von mir in Kabul sagte auch seinerzeit, als ich dort arbeitete, dass die großen Konzerne eigentlich nur darauf warten, dass sie Afghanistan so wie ganz Südasien als neuen "Produktionsstandort" etablieren können. Bisher ist diese Rechnung nicht ganz aufgegangen.

    • TDU
    • 26. April 2013 18:11 Uhr

    Mit Verlaub, das ist Unsinn. Die Industriepolitk war früher nicht besser in Europa. Politik Bürger, Gewerkschaften Bau- Gesundheits und Sicherheitsbehörden haben Änderungen geschaffen.

    Bezahlt man für die Kleidung mehr, wird der Untenehmer das auch einstecken.Die Alternative hiesse nichts kaufen, was so produziert wird.

    Dann kommen die Nahrungsmittel hier, das Oel usw. Dann macht man eben keine Geschäfte mehr und kauft und isst nur noch das, was man selbst hergestellt hat.

    Unsinnige Forderung. Die Alternative wäre poltischer Druck. Aber dann kommen die, vornehmlich hierzulande, die sich beschwren, der Westen wolle Werte aufzwingen.

    Also eine Anklage, man wäre schuld am Einsturz des Hauses, würde schon als unsubstantiiert zurückgewiesen. Insbesondere, da auch die werten Foristen und Kritiker von den beim Kauf anfallenden Steuern profitieren. Man tue also nicht so selbstgerecht und beschuldige, ohne sich selbst einzubeziehen.

    natürlich ist es einfacher, die Verantwortung auf andere abzuschieben. Aber letztendlich liegt es am Verbraucher auch den politischen Druck anzukurbeln. Und ja, leider lassen auch die Hochkarätigen Firmen hier produzieren. Daher kommt es auch bei denen in entscheidenden Maße darauf an, die Produktionsbedingungen ordentlich unter die Lupe zu nehmen. @TDU ich ziehe mich selbst nicht aus der Veratnwortung und versuche meinen persönlichen Konsum so weit ich das kann kritisch zu überdenken und meiner Meinung nach, würden solche Produktionsbedingungen nicht zustande kommen, wenn jeder andere dies auch tun würde. Politik reagiert nicht, wenn Bürger alles hinnehmen. Gewerkschaften entwickeln sich in diesem Land nicht, wenn keiner diese verlangt. Und gerade wir, die den Luxus haben immer und überall alles zu verfügung zu haben, sollten die Menschen die für unseren Luxus schufften ein bisschen besser unterstüzten. Jeder sollte sich bei dem Thema konsum als größter Akteur in diesem Kreislauf der Ungerechtigkeit sehen. Wer sonst hat die Macht etwas zu ändern? Die "Politik" die Politik, sollten endlich wieder wir werden, dann würde ich auch wieder etwas zu unseren Gunsten verändern. Wenn wir aber weiter alle die Verantwortung abgeben, stimmen wir mit Beifall der Herrschaft des Marktes bzw. des Geldes zu. Man mag micht jetzt wieder als Selbstgerecht, in Rage geredet und auf eine Grundsatzdebatte abzielend bezeichnen, stört mich nicht.Dieses Thema bietet nämlich mal wieder Anlass für eine

  3. auf einem mit Müll aufgefüllten Teich. "Bodengutachten" - so etwas gibt es hier bei solchen eher "sekundären" Bauten nicht - wir befinden uns in Bangladesh in einem der ärmsten Länder der Welt - die Korruption blüht überall - Baugesetze o.ä. werden im "Neoliberalismus" soweit vorhanden überall zum Recht des Stärkeren / Zahlungskräftigeren umgebogen - selbst in sich "zivilisiert" schimpfenden Ländern kommt das vor.
    Der "Verband der exportierenden Betriebe der Bekleidungsindustrie" sprach gestern am Volkstrauertag hier im Lande in ersten Stellungnahmen von schwarzen Flaggen, die an allen Textilfabriken des Landes gehisst werden sollen.
    Die Bekleidungsindustrie hier ist durch "Hartal", den stetigen GeneralStreikaufruf der Opposition Jamat / BNP und Hefajat-e-Islam und die damit zusammenhängenden stetigen Demonstrationen - und dadurch verursachte Ausfälle / Lieferungsschwierigkeiten schon sehr in Bedrängnis - dieses Ereignis trifft sie insofern zum ungünstigsten Zeitpunkt.
    Von den Demos wurde hier in den Nachrichten nichts erwähnt.
    Dies ist nun wirklich Hartal - ein wesentlicher "Generalstreik", der sich da ankündigt - vielleicht auch mehr.
    Siehe dazu auch als Hintergrundinfo zur derzeitigen Situation im Lande hier:
    http://www.ngo-online.de/2013/04/18/bangladesch-und-der-subkontinent-geh...

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  4. "Jeder ist daran schuld der mit seinem Konsum diese Form der Produktion in diesem Land unterstützt. Solange die Menschen immer billigere Ware haben wollen und immer mehr, solang werden Menschen dafür ihr Leben lassen.!

    Ah yo. Nicht, daß ich Ihnen da völlig widersprechen wollte; so was sage ich auch ab & dann.
    Allerdings vorzugsweise, wenn ich mich in einer Grundsatz-Gerechtigkeits-Debatte nach drei Halben Rage geredet habe...
    Mit etwas emotionalem Abstand, Objektivität und Willen zur Differenzierung aber gibt es durchaus eine Abstufung der Verwantwortung.
    Und inerhalb dieser suche ich in diesem Fall die Spitze des Eisberges.
    Diese Spieze manifestiert sich hier sicherlich nicht im 08/15 Bob, der sich ein Billig-Shirt gekauft hat...

    Antwort auf "Wer daran Schuld ist?"
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    Auf die Masse der 08/15 Bob kommt es an!

  5. werter Leser XY - auch die Großen, Teuersten, Edelsten. "Globalisierung" bedeutet dann aber, dass die nur die allerbeste Qualität abnehmen oder - die Teile dann in ein höher entwickeltes Land wie etwa die Türkei transportieren, wo sie dann schlussendlich zu Kleidungsstücken vernäht werden, die dann eben ein "Made in Turkey" und kein "Made in Bangladesh" auf dem Label haben. Macht sich auch viel besser.
    Auf der Suche nach neuen Billiglohnländern zieht so der Tross immer weiter - ein Land nach dem anderen wird so zum neuen Sklavenmarkt gemacht. Ein US-afghanischer Kollege von mir in Kabul sagte auch seinerzeit, als ich dort arbeitete, dass die großen Konzerne eigentlich nur darauf warten, dass sie Afghanistan so wie ganz Südasien als neuen "Produktionsstandort" etablieren können. Bisher ist diese Rechnung nicht ganz aufgegangen.

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    • TDU
    • 26. April 2013 18:11 Uhr

    Mit Verlaub, das ist Unsinn. Die Industriepolitk war früher nicht besser in Europa. Politik Bürger, Gewerkschaften Bau- Gesundheits und Sicherheitsbehörden haben Änderungen geschaffen.

    Bezahlt man für die Kleidung mehr, wird der Untenehmer das auch einstecken.Die Alternative hiesse nichts kaufen, was so produziert wird.

    Dann kommen die Nahrungsmittel hier, das Oel usw. Dann macht man eben keine Geschäfte mehr und kauft und isst nur noch das, was man selbst hergestellt hat.

    Unsinnige Forderung. Die Alternative wäre poltischer Druck. Aber dann kommen die, vornehmlich hierzulande, die sich beschwren, der Westen wolle Werte aufzwingen.

    Also eine Anklage, man wäre schuld am Einsturz des Hauses, würde schon als unsubstantiiert zurückgewiesen. Insbesondere, da auch die werten Foristen und Kritiker von den beim Kauf anfallenden Steuern profitieren. Man tue also nicht so selbstgerecht und beschuldige, ohne sich selbst einzubeziehen.

    Antwort auf "Wer daran Schuld ist?"
    • TDU
    • 26. April 2013 18:15 Uhr

    Der Kommentar galt 2 leser XY.

    • TDU
    • 26. April 2013 18:27 Uhr

    Zit.: "Auf der Suche nach neuen Billiglohnländern zieht so der Tross immer weiter". Die Frage ist doch, sind dass die Menschen schuld oder die Entlohner?. Wenn ganz Europa auf Niedriglohn ist und keiner kauft uns was ab aus ehtischen Gründen? Sind wir schlecht dran.

    Die grauseligen Zustände fehlenden Kontrollen sind nicht den Käufern geschuldet und die BRD Europa und die USA, Kanda also der Westen, hat in der Vergangenheit bewiesen, dass profitable Produktion auch geht, wenn es menschlich zugeht. Nur die Machtverhältnisse und Strukturen dort verhindern das.

    Seitdem das Menschenbild allerings auch hier zunhemend monetär ausgerichtet ist, kommen natürlich die zum Zuge, die sich zu eigenen Gunsten mit den Raffgierigen da zusammentun.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, ds
  • Schlagworte Gebäude | Polizei | Protest | Bangladesch | Regierung | Dhaka
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