Boston-Anschlag : Zarnajew spricht über Tatmotiv

Der mutmaßliche Boston-Attentäter hat seinem Bruder die Hauptverantwortung für den Anschlag gegeben, berichten US-Medien. Mithelfer habe es keine gegeben.
Der mutmaßliche Boston-Attentäter Dschochar Zarnajew © AFP/Getty Images

Eine Woche nach dem Anschlag in Boston hat der mutmaßliche Attentäter Dschochar Zarnajew im Krankenhaus erste Auskünfte gegeben. Der 19-Jährige habe den Ermittlern mitgeteilt, sein älterer Bruder sei die treibende Kraft hinter Planung und Ausführung des Anschlags gewesen. Das berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf Angaben von Regierungsbeamten.

Nach Zarnajews Angaben habe sein Bruder, der 26-jährige Tamerlan Zarnajew , mit der Tat den Islam verteidigen wollen. Eine internationale Terrororganisation stecke nicht hinter der Tat. Die Brüder handelten demnach allein. Auch von weiteren möglichen Anschlagsorten oder noch nicht detonierten Bomben wisse Zarnajew nicht, berichtete die New York Times .

Zarnajew wird derzeit wegen Verletzungen behandelt, die er während einer Schießerei mit der Polizei erlitt. Aufgrund einer Schusswunde am Rachen, die er sich Ermittlern zufolge wohl bei einem Selbstmordversuch zufügte, kann er kaum sprechen. Auf die Fragen der Ermittler antwortet er schriftlich. Im Krankenhaus war Zarnajew seine Anklageschrift verlesen worden . Dabei sei er "wach, mental aufnahmefähig und bei klarem Verstand" gewesen, gab Richterin Marianne B. Bowler zu Protokoll. Er habe sich durch Nicken mit ihr verständigt.

Kein Geld für einen Verteidiger

Der Angeklagte muss sich vor einem Zivilgericht wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen verantworten. Zuvor hatte die US-Regierung erklärt, Zarnajew komme nicht vor ein Militärgericht. "Er wird nicht als feindlicher Kämpfer behandelt", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Damit hat Zarnajew das Recht, zu den Vorwürfen zu schweigen und einen Anwalt hinzuzuziehen. Der Angeklagte habe Richterin Bowler gesagt, dass er keine eigenen Mittel für einen Verteidiger habe.

"Das Ausmaß dieser Verbrechen ist groß und betrifft eine weltweite Gemeinschaft, die Frieden und Gerechtigkeit will", sagte die Staatsanwältin von Massachusetts , Carmen Ortiz. "Wir hoffen, dass diese Anklage der gesamten Öffentlichkeit sowie den Opfern und ihren Angehörigen Mut macht, dass das Recht waltet." Nach Informationen des Fernsehsenders CNN soll der Prozess am 30. Mai beginnen.

Zarnajew soll für den Tod von drei Menschen und die Verletzungen von 200 weiteren zur Verantwortung gezogen werden, teilte US-Generalstaatsanwalt Eric Holder in Washington mit. Außerdem für die Zerstörung, die die Bomben am 15. April im Zielbereich des Marathons anrichteten. Sein Bruder und mutmaßlicher Komplize Tamerlan Zarnajew war bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei am Freitag ums Leben gekommen.

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Kommentare

119 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Na, dann scheint es ja eindeutig ...

... politisch und nicht religiös begründet zu sein.

In unserer heiligen Schrift steht. In ihrer steht das. Wir machen es nicht (mehr). Sie machen es noch.

Wo ist da jetzt der Bezug zur Religion?

Vielleicht mögen Menschen "Andersartige" nicht und würden sie tief in ihrem Inneren eh lieber tot sehen. Verfolgung von Homosexualität etc. ist ein menschliches Symptom, kein religiöses. Religion dient bloß zur Legitimierung. Sie sehen das doch an vielen "Welt-online"-Kommentaren, mit Religion haben viele dort nichts am Hut, aber gegen die 'Perversion' von Homosexualität geifern manche.

Ob es so etwas wie Bergpredigt gibt?

Bestimmt, schließlich hat auch der Koran Forderungen an die Nächstenliebe und so weiter. Aber vielleicht kann uns ja ein Islamexperte aus der 'islamkritischen Ecke' da weiterhelfen? Sie scheinen sich ja bestens mit dem Koran auszukennen.

"Hinzu kam die Reformation und die Aufklärung
gibt es in der Arabischen Welt dazu ähnliche Bestrebungen ?", Sie erkennen doch, dass Reformation und Aufklärung politische Prozesse sind. Uns hat man mehr als tausend Jahre lang gegeiselt bis die Menschen die Schnauze voll hatten, von der Nimmersattheit der Kirche. Im Islam wird es auch diese Bewegung geben, das ist nur eine Frage der Zeit und vor allem politisch motiviert.

"Was mich stört ist die Tatsache, dass bei nach einem Selbsmordanschlag,
bei dem Muslime Moslems töten es zu keinen großen Protestkundbebungen kommt."

Sie waren ja hoffentlich auch auf der Straße als der christliche Extremist Anders Breivik 80 Menschen tötete. Wieso habe ich keine Distanzkundgebungen aller Gemeinden gehört? Sie sind doch Christen, dann sind sie doch auch dafür verantwortlich, oder?

"Ebenso die Tatsache, dass nirgends eine so große Ungleichheit von Arm und Reich voherrscht wie in der arabischen Welt. (Gini Index)"

Armut ist ein Nährboden für Religiösität. Das Länder, die besonders arm sind (d. h. bedeuted meist große Ungleichheiten), muslimisch geprägt sind, halte ich für zufällig. In Afrika und Südamerika gibt es chr. Länder mit ähnlichem Index.

So sehe ich das auch

Der kleine Bruder hat gemacht, was der große sagte. Ich halte das für keine Ausrede. Trotzdem ist er für die Tat voll verantwortlich. Er hätte ja auch nein sagen und sich verweigern können.

Ohnehin scheint das, was man bisher über den Tathergang, so banal wie plausibel. Und so ist zu fragen, ob die Einwanerungspraxis der USA wirklich über alle Kritik erhaben ist, wenn solche Personen ins Land kommen können. Offenbar war der ältere der Brüder als Fanatiker bekannt, der in seine ehemalige Heimat gereist ist, die nun nicht als Hort des Friedens bekannt ist. Wenn es tatsächlich Warnungen aus Russland vor diesem Mann gegeben hat, bleibt bislang unverständlich, warum die US-Behörden dies nicht nachvollziehen konnten.

Obama und seine Verwaltung kann dieser ganze Vorgang noch sehr auf die Füße fallen. Wenn die republikanische Partei den Eindruck erwecken kann, dass Obama und seine Leute derlei Einwanderungsprobleme nicht im Griff haben oder nicht in den Griff kriegen, haben die Demokraten die nächsten Wahlen verloren. Und das gilt ohnehin, sobald der Eindruck entstehen sollte, dass Obama aus Rücksicht auf muslimische Staaten hier zurückhaltend agieren würde.

Kurzum: Der Präsident und seine Administration müssen nun ihre Macher-Qualitäten unter Beweis stellen.