Festnahme in BostonObama mahnt zu Besonnenheit

US-Präsident Barack Obama hat davor gewarnt, aus dem Anschlag von Boston voreilige Schlüsse zu ziehen. Es dürfe keine Menschengruppe pauschal verurteilt werden.

US-Präsident Barack Obama

US-Präsident Barack Obama  |  © Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

US-Präsident Barack Obama hat nachdenklich auf die Festnahme des zweiten mutmaßlichen Bombenlegers von Boston reagiert. Er warnte die Amerikaner davor, eine Gruppe von Menschen vorab zu verurteilen. "Wir sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen", sagte er.

Die beiden Verdächtigen stammen aus Tschetschenien. In Sicherheitskreisen hieß es, der Anschlag könne einen islamistischen Hintergrund gehabt haben.

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Der Bruder des Verdächtigen, Tamerlan Z., der bei einem Schusswechsel mit der Polizei starb, wurde nach Angaben des FBI bereits Anfang 2011 von der Polizeibehörde befragt. Anlass sei die Anfrage einer ausländischen Regierung gewesen, hieß es. Demnach soll Tamerlan Z. "Anhänger eines radikalen Islam" gewesen sein und sich darauf vorbereitet haben, die USA zu verlassen, um sich Untergrundorganisationen anzuschließen.

FBI verhört weitere Verdächtige

Laut FBI ergaben die Befragung sowie die Überprüfung von Reisedokumenten, Internetverkehr und persönlichen Kontakten damals allerdings keine Anzeichen einer "terroristischen Aktivität". Welche ausländische Regierung die Untersuchung anstieß, gab das FBI nicht bekannt.

Laut Boston Globe verhörte das FBI insgesamt drei Verdächtige im Zusammenhang mit dem Anschlag. Eine Wohnung in der Nähe der Universität, an der der festgenommene Verdächtige Dschochar Z. eingeschrieben war, sei dabei durchsucht worden.

Nach Ansicht des US-Präsidenten bleiben noch zahlreiche Fragen offen. So müsse geklärt werden, ob die beiden tatverdächtigen Brüder Hilfe erhalten hätten. Er habe die Bundespolizei und das Heimatschutzministerium angewiesen, alle notwendigen Ressourcen für die Aufklärung einzusetzen. Dabei solle auch herausgefunden werden, welche mögliche Verbindungen "diese Terroristen" gehabt haben könnten.

Obama lobt Behörden

Der 19-jährige Dschochar soll gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tamerlan den Bombenanschlag auf den Bostoner Marathonlauf verübt haben. Bei der Attacke waren am Montag drei Menschen getötet und etwa 180 weitere verletzt worden. Der 26-jährige Tamerlan war in der Nacht zum Freitag auf der Flucht bei einem Schusswechsel mit der Polizei verwundet worden und später in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Den 19-Jährigen fasste die Polizei in einem Großeinsatz, der weite Teile der Region lahmgelegt hatte. 

Obama lobte "Professionalität und Mut" der Ermittler. Außerdem pries er die Einwohner von Boston, die mit "Entschlossenheit" auf die "bösartige Attacke" reagiert hätten. Er kündigte eine lückenlose Aufklärung des Falles an. Er frage sich aber auch, warum in den USA aufgewachsene junge Männer zu solcher Gewalt griffen und wie sie ihre Tat geplant und ausgeführt hätten.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/sam

    3 Leserempfehlungen
  2. Zitat:
    "Er warnte die Amerikaner davor, eine Gruppe von Menschen vorab zu verurteilen. "Wir sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen", sagte er. "

    Um es vorweg zu nehmen. Ich unterstelle hier nur eine sehr unglückliche Wortwahl.
    Was wäre denn, wenn sich herausstellte, daß gewisse Befürchtungen über Motive der Täter wahr sind? Wenn die Schlüsse nicht mehr voreilig sind? Darf man dann "eine Gruppe von Menschen" verurteilen?

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    • edgar
    • 20. April 2013 9:42 Uhr

    ... Kontext beziehen. Dieser dürfte klar sein.
    Natürlich kann man die Dinge aus dem Kontext nehmen und bewusst missverstehen wollen.

    Der Kommunikationswissenschaftler Watzlawick sagte sinngemäß, dass es erstaunlich sei, dass Kommunikation trotz ihrer starken sprachlichen Mängel meist funktioniere.
    Das Nicht-Scheiteren kommt daher, dass es genug Menschen gibt, die trotz des sprachlichen Mangels das Kommunizierte verstehen WOLLEN !

    • edgar
    • 20. April 2013 9:42 Uhr

    ... Kontext beziehen. Dieser dürfte klar sein.
    Natürlich kann man die Dinge aus dem Kontext nehmen und bewusst missverstehen wollen.

    Der Kommunikationswissenschaftler Watzlawick sagte sinngemäß, dass es erstaunlich sei, dass Kommunikation trotz ihrer starken sprachlichen Mängel meist funktioniere.
    Das Nicht-Scheiteren kommt daher, dass es genug Menschen gibt, die trotz des sprachlichen Mangels das Kommunizierte verstehen WOLLEN !

    8 Leserempfehlungen
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    Finden Sie es denn nicht bemerkenswert, daß sich Obama überhaupt genötigt sah, diese Aussage zu machen? Daß sie sich denn noch gut umdeuten, mißverstehen läßt, ist kein Zufall.
    Da entblößen sich einige Verwirrte jeder Menschlichkeit, und werden sofort (eben auch durch eine Negation) mit "Menschengruppen" gleichgesetzt.
    Ich fand das schon unglücklich.

  3. zeigt, dass er keinerlei Vorurteile gegenüber Muslimen hat. Und auch wenn ausnahmsweise mal ein Terrorakt, wie anscheinend in diesem Fall, von vor ca. 200 Jahren vom CHRISTENTUM zum Islam konvertierten Neu-Muslimen begangenen wurden, ist es für Obama kein Grund, eine Pogromstimmung gegenüber muslimen zu entfachen!

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    Vorurteile haben, er ist keine Dumpfbacke.

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/sam

  4. Finden Sie es denn nicht bemerkenswert, daß sich Obama überhaupt genötigt sah, diese Aussage zu machen? Daß sie sich denn noch gut umdeuten, mißverstehen läßt, ist kein Zufall.
    Da entblößen sich einige Verwirrte jeder Menschlichkeit, und werden sofort (eben auch durch eine Negation) mit "Menschengruppen" gleichgesetzt.
    Ich fand das schon unglücklich.

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    ... das war doch "nur" Pepp-Talk, wie nach einem - in diesem Fall leider brutalem - Fußballspiel.

    "Da entblößen sich einige Verwirrte jeder Menschlichkeit, und werden sofort (eben auch durch eine Negation) mit "Menschengruppen" gleichgesetzt."

    Also so verwirrt können die ja im psychiatrischen Sinnen nicht gewesen sein. Bei der Vorbereitung, der Logistik und der Durchführung

  5. ... das war doch "nur" Pepp-Talk, wie nach einem - in diesem Fall leider brutalem - Fußballspiel.

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    Antwort auf "Ja aber"
  6. Vorurteile haben, er ist keine Dumpfbacke.

    2 Leserempfehlungen
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    ...ein "Dampfplauderer" - so nennt man hier Typen wie den US-Präsidenten.

  7. Da wird eine große Stadt zum Kriegsgebiet erklärt, tausende Militärs, und / oder paramilitärische Polizei "spielt" Häuserkampf.

    Um was? Einen einzigen verletzten Verdächtigen zu fassen.

    Welches Echo würde das in unseren Medien finden, wenn das beispielsweise in Russland stattgefunden hätte?

    Das ist für mich nicht besonnen, sondern das hyperventilieren eines Polizei- und Überwachungsstaats.

    Im übrigen wurde der Terror der mutmaßlichen Attentäter damit potenziert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, fz
  • Schlagworte Barack Obama | FBI | Anschlag | Aufklärung | Bundespolizei | Islam
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