Zugriff in BostonEnde einer Jagd

Der Flüchtige von Boston ist gefasst, die Polizei euphorisch, Bürger jubeln. Nach dem Großeinsatz der Nacht stehen Amerika neue Debatten bevor. Von Eva Schweitzer von Eva Schweitzer

Die Einwohner von Watertown feiern die Festnahme des zweiten mutmaßlichen Attentäters von Boston.

Die Einwohner von Watertown feiern die Festnahme des zweiten mutmaßlichen Attentäters von Boston.  |  © Kayana Szymczak/Getty Images

Zumindest auf Twitter ließ die Bostoner Polizei jede Zurückhaltung fahren: "Captured!!! The hunt is over" tippte der zuständige Beamte in die Timeline der Behörde. "The search is done. The terror is over and justice has won!"

So endete die größte Terroristenjagd der jüngeren Geschichte der USA mit einem spontanen Siegesreim. Der flüchtige, mutmaßliche Bombenleger Dschochar Z. war nach einer breit angelegten Suchaktion Hunderter Beamter gefasst. Schwer verletzt hatte er sich auf einem Grundstück in Boston in einem Boot versteckt. Die Polizei folgte seiner Blutspur. Ein Anwohner hatte sie entdeckt, den 19-Jährigen erkannt und die Polizei gerufen.

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"Wir rückten an, es kam zu einer Schießerei, die eine Stunde dauerte", schilderte der Bostoner Polizeichef Edward Davis später. Ein Geiselbefreiungsteam nahm den Verdächtigen fest. Schwer verletzt und offenbar bewusstlos brachte man ihn ins Krankenhaus.

Als die Polizei danach im Konvoi durch die Stadt rollte, applaudierten Passanten. Viele sprangen auf und schrien vor Freude. Zehntausende Bostoner strömten auf die Straßen, schwenkten Flaggen, und riefen: "USA! USA! USA!" Der Jubel währte bis weit in die Nacht.

Den Flüchtigen eingekreist

Es war das Ende einer dramatischen Woche, die mit zwei Explosionen, drei Toten und 177 Verletzten beim Boston Marathon begonnen hatte. Nach dem Anschlag vom Montag sammelte die Polizei Spuren, wertete Bildmaterial aus, um der flüchtigen Täter habhaft zu werden. Am Donnerstag schließlich veröffentlichte sie Fotos: Darauf sind Dschochar Z. und sein Bruder, der 26-jährige Tamerlan, zu erkennen, zwei Immigranten mit tschetschenischen Wurzeln.

Auf ihrer Flucht erschossen die beiden zunächst einen Wachoffizier auf dem Gelände des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in seinem Auto. Dann entführten sie einen Mercedes-Geländewagen samt Fahrer. Als sie den Autobesitzer laufen ließen, alarmierte er die Polizei, Dschochar und Tamerlan Z. wurden gestellt. Die Brüder konnten zunächst entkommen. Sie warfen Rohrbomben aus dem fahrenden Auto und schossen. Ein Polizist wurde dabei schwer verletzt.

Erst später, im Vorort Watertown, kreiste die Polizei die Flüchtigen ein. In einer weiteren Schießerei wurde Tamerlan schwer verletzt. Er blieb zurück, sein jüngerer Bruder aber durchbrach mit dem Auto die Polizeikette. Tamerlan starb ein paar Stunden später im Krankenhaus.

Am Freitagmorgen begann eine beispiellose Großfahndung nach dem Flüchtigen. Die Polizei wies alle Bostoner an, in ihren Wohnungen zu bleiben. Spezialisten durchkämmten in Tausendschaften die Stadt, Straße für Straße. In Boston herrschte gespenstische Leere. Am Himmel knatterten die Polizeihubschrauber.

Leserkommentare
  1. "Vielen Amerikanern seien ferne Konflikte besonders fern. Wohl deshalb gab der tschechische Botschafter vorsichtshalber eine Presseerklärung heraus, dass Tschetschenien nicht identisch mit der tschechischen Republik sei."

    Auf Twitter hatten einige Leute Tschetschenien mit der tschechischen Republik verwechselt und für viel Verwirrung gesorgt, deshalb sah sich der tschechische Botschafter vermutlich zu einer Presseerklärung genötigt.

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    • conure
    • 20. April 2013 12:46 Uhr

    wurde aber rasch korrigiert :)

    Schon im US-Film "Bad Company" wurde Tschechiens Rolle als Zentrum des internationalen Terrorismus aufgedeckt. Dem Botschafter würde ich da nicht trauen, der versucht die Sache nur zu vertuschen ...

  2. 2. [...]

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    2 Leserempfehlungen
  3. Es ist gut, daß er gefaßt wurde. Aber daraus ein Voksfest zu machen das sieht man nur in Ländern des Nahen Ostens oder in Amerika.

    Bei der Explosion iner Düngemittelfabrik kamen mehr Leute ums Leben. Darüber hört man nicht viel. Sachliche Meldungen wären angbrachter als Volksbelustigung.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokation. Danke, die Redaktion/sam

    Diese "Terroristenjagd" war absurd. Ich erkenne Amerika nicht mehr wieder. Normalerweise ist 1/4 der Stadtbevölkerung bewaffnet und gefährlich, es finden täglich Verfolgungsjagden statt. Gangs schiessen rum und Hubschrauber senden live. Die Amerikaner sind bekannt dafür da ganz cool zu sein.

    Dass man sein Haus nicht verlassen soll, da ein bewaffneter unterwegs ist, das wäre ja täglich der Fall. Ich wundere mich was da los ist.

  4. Ich hätte noch andere Fragen, als die, ob zu viele Immigranten ins Land gelassen werden.
    Zum Beispiel, ob die Behörden außer dem 2., 3. und 4. Verfassungszusatz auch noch weitere Amendments bei ihrer wilden Durchsuchungsaktion verletzt haben.
    Oder was besser ist: Total aufgewühlte Medien, die der Meinung sind, alle 10 Minuten irgendwas neues berichten zu müssen, sei es auch noch so fragwürdig - oder völliges Totschweigen von Ereignissen, die parallel geschehen, wie Erdbeben mit hunderten Toten, interessante Gesetze, die im Kongress verabschiedet wurden, wirklicher Terror andernorts...
    Darüber könnte man doch mal eine schöne Debatte führen.

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    "Zum Beispiel, ob die Behörden außer dem 2., 3. und 4. Verfassungszusatz auch noch weitere Amendments bei ihrer wilden Durchsuchungsaktion verletzt haben."

    Das würde ich denen überlassen, deren Häuser durchsucht wurden.

    Der Rest Ihres Posts:
    Ich weiss nicht genau, was Sie mit den Vergleichen und Relativierungen beabsichtigen. Aber es sollte jedem klar sein, dass die Jagt nach einem aktiven Terroristen in bewohntem Gebiet wichtiger ist als die singuläre Unfall oder Unglücksituation Erdbeben oder Fabrikexplosion. Das Problem existiert in meinen Augen nur, weil Sie zu Übertreibungen neigen. Denn weder die Erdbeben, noch die Explosion oder das normale politische Geschäft wurden irgendwo "Totgeschwiegen". Sie hätten auf jeder News Seite nur mit der Maus nach unten scrollen müssen, um auch diese Meldungen sehen zu können. Wo liegt also das Problem?
    Bitte überlegen Sie: Was wäre nach dem Erdbeben oder nach der Explosion so wichtig, dass man alle 10 Minuten ein Update benötigt? Sobald klar ist, dass die Erde nicht mehr bebt und es auf DIESEM Gelände keine Explosion mehr geben wird- was sollte berichtet werden? Ist es nicht naheliegender, dass man die Menschen darüber auf dem laufenden hält, welche Strassen gesperrt sind, wie man sich verhalten soll, dass man nicht zum Baseball Spiel aufbrechen brauch, weil dies abgesagt wurde, und und und. ?

  5. 5. [...]

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    Eine Leserempfehlung
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    ...wenn Sie nicht begreifen, dass hinter meinem Kommentar eine Kritik bezüglich der sorglosen Euphorie der Amerikaner stand, welche die Opfer bereits überjubeln, so ist dies nicht mein Verschulden.

    Daher nochmal ganz unmissverständlich, damit Sie es auch verstehen: Die Amerikaner feier und jubeln, obwohl drei Tote und dutzende Verletzte zu betrauern wären. Das finde ich nicht gut.

    Das war nun hoffentlich konstruktiv genug und findet in Ihren Augen Gnade.

    • Andy C
    • 20. April 2013 11:07 Uhr
    6. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/jz

    20 Leserempfehlungen
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    • frleon
    • 20. April 2013 11:31 Uhr

    Ich weiß, Nörgelei à la "Darüber sollten Sie doch mal berichten!" ist wohl nicht die sympathischste. Aber die Stay-Behind-Geschichte ist doch wirklich eine erstklassige Chance, sich mal im investigativen Journalismus zu profilieren (in Deutschland gibt es da ja nicht soviel Konkurrenz). Dass sich da so gar niemand rantraut riecht schon sehr unangenehm.

  6. 7. [...]

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    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Toll !?"
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    Die beschriebene erschreckenden Szenen gibt es schon, als Literatur!
    .
    In Fahrenheit451, die Flucht des Feuerwehrmanns Freitag aus der Stadt.
    "Bleiben sie in ihren Häusern,teilen sie uns mit ...verdächtige sehn....." Schwarze Männer in Rüstungen durchkämmen die Stadt.......
    .
    Der Tenor dieser Story ist wohl bekannt.
    ###
    Ok, um eine gewaltbereiten Täter zu stellen, ist solches Vorgehen vielleicht nötig, aber in einem Staat, in dem Schußwaffenbesitz den Autobesitz übersteigt, in dem Schwarzpulver im Drugstore zu kaufen ist.... in dem ein Sturmgewehr ein Teil der bürgerlichen Freiheit ist.....
    .
    Waffen verhindern Morde. wenn man schneller schießt!
    Eine eigentümliche leicht schizoide Einstellung zu Freiheit, Bürgerrechten und Demokrtaie ist das schon.
    .
    Ein wenig verwirrend das Ganze! (höffliche Version)
    .
    Meint
    Sikasuu

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Polemik. Danke, die Redaktion/sam

  7. Wieso ist jetzt auf einmal schon wieder klar, dass der ältere Bruder ein radikaler Moslem war? In der tschetschenischen Gemeinde in Boston ist es nicht unbedingt außergwöhnlich keine amerikanischen Freunde zu haben und auch dieser Umstand kann noch lange nicht als Kriterium gelten für radikalen Islamismus. Eine ungebärdete Selbstidentifikation mit dem Islam auf einem russichen Internetportal (sicherlich vkontakte, das russiche Facebook) eignet sich ebenso wenig dafür ihn als radikalen Moslem abzustempeln. Alles deutet bisher auf eine Selbstradikalisierung der beiden Brüder hin ohen Kontakte zur islamistischen Szene. Die Motive könnten also von Rechtsradikalismus über Islamismus und unbestimmten Hass auf die Gesellschaft reichen und in ein synkretistisches, von Hass geprägtes Weltbild integriert sein.

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  • Schlagworte Barack Obama | Boston | CNN | Jagd | Rudy Giuliani | FBI
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