USATote durch Explosionen bei Boston-Marathon

Beim Marathonlauf in Boston gab es an der Ziellinie zwei heftige Explosionen. Mindestens zwei Menschen wurden getötet. Die Polizei geht von einem Anschlag aus.

Vier Stunden und neun Minuten nach dem Start des traditionsreichen Marathonlaufs in Boston ist dieser am Montag Ziel eines Anschlags geworden. An der Ziellinie nahe des Copley Square gab es kurz nacheinander zwei Explosionen. Wenig später entdeckte die Polizei in der Stadt im US-Bundesstaat Massachusetts einem Medienbericht zufolge weitere Sprengsätze. Der Boston Globe berichtete, Beamte hätten in der Boylston Street einen dritten Sprengsatz gefunden und zur Explosion gebracht. Der Kongressabgeordnete Bill Keating berichtete laut CNN von einem vierten Sprengsatz.

Bei den beiden Detonationen auf Höhe der Nummer 673 Boylston Street wurden mindestens zwei Menschen getötet und 23 weitere verletzt. Örtliche Medien berichteten gar von mehr als 100 Menschen, die in Krankenhäusern behandelt wurden. Das Massachusetts General Hospital erklärte, es würden in der Notaufnahme 19 Opfer der Explosionen versorgt. Sechs davon befänden sich in einem kritischen Zustand.

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Der TV-Sender NBC meldete unter Berufung auf Behördenkreise, dass die Polizei Sprengstoff am Explosionsort gefunden habe. Die Veranstalter des Marathons bezeichneten die Explosionen auf ihrer Facebook-Seite als "Bomben". Auch die Polizei geht inzwischen von einem Anschlag aus. Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, sagte, ein Bereich von 15 Blocks um den Explosionsort sei abgesperrt und bleibe für weitere Untersuchungen geschlossen.

Marathon abgebrochen

Der Bostoner Polizei zufolge ereigneten sich die Detonationen gegen 14.50 Uhr (Ortszeit, 20.50 Uhr MESZ) im Abstand von etwa 15 Sekunden nahe der Ziellinie. Viele der Verletzten waren offenbar Zuschauer. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Rettungskräfte verwundete Menschen versorgten. Die Straßen waren mit Trümmern übersät.

Ein Bostoner hat kurz nach der Explosionen ein Foto gemacht und auf Twitter veröffentlicht. Blut ist auf dem Bürgersteig zu sehen.

"Es klang wie ein Überschallknall", sagte eine Teilnehmerin des Marathons. "Ich zittere immer noch." Stunden vor der Detonation hatten bereits die Spitzenläufer die Ziellinie überquert. Zum Zeitpunkt der Explosionen kamen aber noch immer Teilnehmer an. Der Lauf wurde sofort abgebrochen, die übrigen Läufer aufgehalten. Nach Informationen der Veranstalter hatten bis dahin 17.500 der mehr als 23.000 Läufer das Ziel überquert.

Wer hinter den Anschlägen stand, war zunächst völlig unklar. In den ersten Stunden nach den Detonationen hatte sich niemand zu den Attentaten bekannt. Es hatte keine Terrordrohung gegeben. Die Polizei dementierte Medienberichte, wonach ein Verdächtiger festgenommen worden sei. Über der Stadt mit 625.000 Einwohnern wurde eine Flugverbotszone eingerichtet.

Nach der Explosion brach in Boston das Mobilfunknetz zusammen, weil so viele Menschen versuchten, einander anzurufen. Nachrichtenagenturen verbreiteten daraufhin die Meldung, die Polizei habe das Netz abgeschaltet, um die Fernzündung weiterer Bomben zu verhindern. Doch zitierte CNN die Aussagen von Mobilfunkbetreibern, es habe keine solche Abschaltung gegeben.

Obama will Täter zur Rechenschaft ziehen

Präsident Barack Obama sprach in einer kurzen Rede von einer "Tragödie". "Wir finden heraus, wer das war. Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen." Obama ordnete an, die Sicherheit für alle US-Einrichtungen "soweit wie nötig" zu erhöhen. Zur Aufklärung der Vorfälle in Boston stünden die "vollen Ressourcen" der US-Regierung zur Verfügung, sagte er.

Der Präsident warnte vor voreiligen Schlüssen und vermied es, von einem Terroranschlag zu sprechen. Dagegen berichtete der TV-Sender CNN unter Berufung auf FBI-Beamte, die US-Bundespolizei gehe von einem Anschlag in Boston aus. Auch aus dem Weißen Haus hieß es inoffiziell, man behandele die Explosionen wie einen Terroranschlag.


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Als Reaktion auf die Explosionen erhöhte die Polizei in New York ihre Sicherheitsvorkehrungen rund um "prominente Orte" in der Ostküstenmetropole, wie der stellvertretende Polizeichef Paul Browne mitteilte.

Polizei relativiert Aussagen über dritte Explosion

Inzwischen relativierte die Polizei ihre Angaben zu einer weiteren Explosion in der John-F.-Kennedy-Bibliothek in einem anderen Stadtteil. Der Vorfall scheine in Zusammenhang mit einem Feuer zu stehen, teilte die Polizei der Ostküstenmetropole über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Ursprünglich hatte der Polizeichef gesagt, man behandele das Feuer und die beiden Explosionen wie einen Fall.

Die Bibliothek erklärte, dass in einem Maschinenraum des neuen Gebäudes ein Feuer ausgebrochen sei, das mittlerweile unter Kontrolle sei. "Jede Verbindung zum Bostoner Marathon ist reine Spekulation", hieß es auf Twitter.

Ständig aktualisierte Informationen über die Anschläge und ihre Folgen finden Sie auf der Website oder dem Twitter-Account des Boston Globe. Eine Sammlung von Nutzern sozialer Netzwerke mit Bildern vom Ort des Geschehens finden Sie hier.

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Leserkommentare
    • anyweb
    • 15. April 2013 21:53 Uhr
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  4. Noch ist es zu früh, eine Ursache zu nennen. Das Szenario ist aber das selbe wie im Film "Four lions". Hier planen Terroristen einen Anschlag auf den London - Marathon.

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  7. Zwei Explosionen hintereinander. Das ist wohl kein Zufall, sondern vermutlich ein Anschlag, für den was für Feiglinge auch immer verantwortlich sind.

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    Es gab eine weitere Explosion an oder in der JFK Library.

    Irgendwie fällt es mir schwer, an einen Anschlag zu glauben. 20.000 Leute laufen mit, vermutlich waren mit Zuschauern weit über 50.000 Leute anwesend. Und dann (glücklicherweise) nur zwei Tote? Bei einem Anschlag plant man das doch wohl ein wenig genauer und detaillierter. Daher tippe ich eher auf ein Unglück.

    Bei zwei Explosionen, die 50 bis 100 m entfernt voneinander detonierten und einer dritte Explosion an einem völlig anderen Ort?

    • shtok
    • 15. April 2013 23:16 Uhr

    Entfernt. Kein konkreter Themenbezug. Danke, die Redaktion/jp

    Okay, das Ereignis an der JFK Library war laut CNN keine Explosion und hat nichts mit den anderen Explosionen zu tun...

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, sre
  • Schlagworte Barack Obama | CNN | Anschlag | Marathon | Polizei | Sprengsatz
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