US-GefängnisGuantánamo-Insassen rebellieren gegen Wärter

Unruhen in Guantánamo: Gefangene protestierten gegen ihre Verlegung in Einzelzellen, Wärter setzten Gummigeschosse ein. Laut US-Armee wurde niemand ernsthaft verletzt.

Ein US-Soldat überblickt von seinem Wachturm aus das Areal des Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba.

Ein US-Soldat überblickt von seinem Wachturm aus das Areal des Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba.  |  © John Moore/Getty Images

Die Spannungen im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay, die bereits seit Wochen anhalten, sind eskaliert: Als Häftlinge in Camp 6 gegen eine Verlegung aus einer Gruppenunterkunft in Einzelzellen protestierten, setzten die Wärter nach Angaben der Gefängnisverwaltung Gummigeschosse ein. Auf beiden Seiten habe es aber nur leichte Verletzungen gegeben, zitierte CNN einen Militärsprecher.

In Guantánamo Bay werden zurzeit noch 166 Terrorverdächtige festgehalten, viele von ihnen schon seit 2002, als das Lager errichtet wurde. US-Präsident Barack Obama hatte nach seinem Amtsantritt 2009 eine Schließung binnen eines Jahres angekündigt, war aber an massivem Widerstand im Kongress gegen eine Verlegung der Gefangenen auf US-Boden gescheitert.

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Im Februar hatten mehrere Gefangene Hungerstreiks begonnen. Nach US-Angaben verweigern zurzeit mehr als 40 Häftlinge die Nahrungsaufnahme und werden zum Teil zwangsernährt. Anwälten von Gefangenen zufolge ist die Zahl der Hungerstreikenden weitaus höher. Die zumeist ohne jede Anklage, geschweige denn einen Prozess festgehaltenen Männer würden immer verzweifelter.

Einzelhaft gegen Hungerstreik?

Der Sprecher der Lagerverwaltung, Robert Durand, sagte der Washington Post, die Häftlinge in Camp 6 seien in Einzelzellen verlegt worden, weil sie Überwachungskameras und Fenster der Gemeinschaftsunterkunft verhüllt hätten. Damit sei für die Wärter die Überwachung erschwert und das Risiko für die Gesundheit und Sicherheit der Häftlinge im sogenannten Camp 6 "unannehmbar hoch" geworden. Gefangene hätten sich unter anderem mit Besenstielen gegen die Verlegung gewehrt.

Die Washington Post spekulierte, dass das US-Militär mit der Aktion die Gefangenen gezielt trennen wollte – in der Hoffnung, dass sie damit die Hungerstreiks beenden können.

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Leserkommentare
  1. mal ein paar der Menschenrechte, die er nach Afghanistan, Irak und sonstwo hin exportiert hat, wieder zurückholen und in Guantanamo verteilen...

    Dort scheint daran ein gewisser Mangel zu herrschen!

    32 Leserempfehlungen
  2. Eigentlich steht in der Überschrift schon alles drin, was ich sagen will.

    Eine Leserempfehlung
    • Moika
    • 14. April 2013 9:14 Uhr

    Über 90 Prozent der in Guantanamo Inhaftierten sind bis heute keines Verbrechens angeklagt.

    Von den USA lernen heißt Demokratie lernen und durch die Verfassung garantierten Rechte umsetzen....

    2 Leserempfehlungen
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    es gibt ja auch durchaus Stimmen, auch aus der islamischen Welt, die meinen Amerika geht viel zu lasch mit den Mördern vom 9.11 um.

  3. ein Gesetz erlassen, dass die Einreise amerikanischer Staatsbürger verweigert, die am Menschenrechtsverletzungen der USA beteiligt waren und gleich noch eine "Schwarze Liste" mit Namen.

    Nein, so dumm sind wir dann doch nicht. Aber ernsthafte Worte zur Ermahnung an die Einhaltung der Menschenrechte kann man da schonmal über den Teich schicken.

    14 Leserempfehlungen
    • Moika
    • 14. April 2013 9:20 Uhr

    Über 90 Prozent der in Guantanamo Inhaftierten "Terroristen" sind - mangels Beweisen - bis heute keines Verbrechens angeklagt.

    Von den USA lernen heißt Demokratie lernen, die verfassungsmäßig garantieten Recht unbedingt zu schützen...., aber die gelten vermutlich nur für die National Rifle Ass.

    6 Leserempfehlungen
  4. 6. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie bei der Diskussion des konkreten Artikelinhalts. Danke, die Redaktion/jp

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    Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/jp

  5. Dieses nicht rechtsstaatliche Gefängnis disqualifiziert die USA überhaupt irgendwo in der Welt von Menschenrechten oder Rechtsstaatlichkeit zu reden.
    Sieht man zusätzlich noch die barbarischen Auswüchse wie die Todesstrafe oder 12 jährige Kinder die langjährige Haftstrafen verbüßen müssen, so sollte man ernsthaft überdenken ob ein Freihandelszone mit so einem Land überhaupt denkbar ist. Andere Kultur hin, andere Kultur her - Baberei sollte man nicht so einfach hinnehmen. Ich hoffe, dass die USA irgendwann eine Regierung erhält die Einsicht zeigt - bis dahin ist die USA für mich ein Land das ich nicht freiwillig betreten werde.

    16 Leserempfehlungen
  6. 8. [...]

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    Antwort auf "[...]"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, kk
  • Schlagworte Barack Obama | CNN | Gesundheit | Hoffnung | Post | Prozess
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