SteuerbetrugGehört Uli Hoeneß an den Pranger?

Der Bayern-Chef muss sich die Debatte um Steuerhinterziehung gefallen lassen, findet L. Caspari. Urteile sollten Gerichte fällen, nicht Medien, mahnt K. Polke-Majewski. von  und

Ein Bild aus besseren Zeiten: Fans von Bayern München feiern ihren Präsidenten

Ein Bild aus besseren Zeiten: Fans von Bayern München feiern ihren Präsidenten  |  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Pro: Steuersünder gehören an den Pranger

Um abschließend über den Präsidenten des FC Bayern zu richten, dazu ist es noch zu früh. Wie viele Millionen Euro an Steuern hat Uli Hoeneß nicht gezahlt? Bisher gibt es nur Spekulationen. Fairness in der Berichterstattung ist also geboten.

Trotzdem ist es richtig, dass der Fall Hoeneß diskutiert wird. Nein, der Vorwurf einer Steuerhinterziehung ist keine Privatsache, wie der FC Bayern jetzt behauptet. Wenn jemand offenbar mutwillig seine Steuern nicht korrekt zahlt, selbst diejenigen, die "nur" auf seine Zinsen anfallen, dann geht uns das alle an. Weil wir alle geschädigt sind: Wir, die Nicht-Millionäre, die ihre Abgaben brav entrichten, auch wenn es wehtut, weil wir es als Bürgerpflicht begreifen. Wir, die einfachen Arbeitnehmer, denen die Bank die Kapitalertragssteuer von wenigen Euro automatisch vom Tagesgeld-Konto abzieht.

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Es darf keine Amnestie und keine Anonymität geben für die Reichen, die ihr Geld vor dem Fiskus verstecken. Warum sollten wir milde sein mit denen, die unmoralisch und illegal handeln? Steuerhinterzieher – man kann es nicht anders ausdrücken – üben Raubbau an unserem Sozialstaat. Sie lassen die Gesellschaft im Stich.

Kein Kavaliersdelikt

Kindergärten, Schulen, Universitäten, Schwimmbäder, Sozialhilfe – das alles wird aus Steuern finanziert. Und es ist nur gerecht, dass die Wohlhabenden, die Reichen, mehr Geld in diesen Steuertopf einbringen. Es ist ein Grundprinzip des Sozialstaates. Ein Präsident des größten deutschen Fußball-Klubs wird auch dann, wenn er seine Steuern ordentlich zahlt, ein schönes Leben führen können. Er wird sich weiterhin manchen Luxus leisten können, von dem viele andere Menschen nur träumen.

Und dennoch meinen einige, denen es finanziell sehr gut geht, dass sie sich auf Kosten von anderen bereichern können. Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, das mit einem Augenzwinkern abgetan werden kann. Steuerhinterziehung ist immer ein Skandal. Steuersünder gehören deshalb an den (verbalen) Pranger. Nicht nur, aber vor allem auch, wenn sie eine moralische Position innehaben.

Das klingt platt? Manchmal ist die Wahrheit simpel. Uli Hoeneß ist als Präsident des erfolgreichen FC Bayern vor allem jungen Menschen ein Vorbild. Er repräsentiert einen Sport, der für viele Bürger identitätsstiftend ist. Hoeneß war nie verlegen, anderen gute Ratschläge zu geben. Wenn jemand Wasser predigt, aber offenbar Wein trinkt, so ist dies ein Thema.

So lange es geht geschwiegen

Der Präsident des FC Bayern hat den Recherchen zufolge seit mehr als zehn Jahren ein Konto in der Schweiz. Er erstattete erst im letzten Moment Selbstanzeige: Als CDs mit Daten von Schweizer Bankkunden längst im Umlauf, das Steuerabkommen mit der Schweiz geplatzt und damit die Möglichkeit der heimlichen Rückzahlung in Anonymität obsolet war. Hoeneß, das kann man ihm gesichert vorwerfen, hat also versucht, so lange es geht zu schweigen, um ungeschoren davon zu kommen.

Lisa Caspari
Lisa Caspari

Lisa Caspari ist Redakteurin im Ressort Politik bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Wie gesagt: Fairness ist geboten. Aber wo kämen wir denn hin, wenn sich der Bayern-Präsident nicht einige unbequeme Fragen gefallen lassen müsste? Wenn rechtlich möglich, sollte er bald Klarheit schaffen über den Inhalt seiner Selbstanzeige. Er könnte damit auch die Spekulationen ausräumen.

Steuer-Gesetze können in unserer Demokratie geändert werden. Wenn es denn dafür eine Mehrheit gibt. Dass aber eine privilegierte Minderheit Regeln unterläuft, für sich selbst eine großzügige Ausnahme macht, heimlich und über Jahre hinweg: Das geht einfach nicht. Man muss das so klar sagen. Laut und öffentlich.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

    • oh.stv
    • 22. April 2013 17:00 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

  2. wenn beim Spiel der Bayern gegen Barcelona jeder ausländische Reporter die Steueraffäre genüsslich ausweiden wird.
    Mal sehen, was die internationale Presse am Mittwoch darüber schreiben wird.

    7 Leserempfehlungen
  3. Bitte verfassen Sie konstruktive Kritik. Danke, die Redaktion/se

    • clammi
    • 22. April 2013 17:07 Uhr

    Die Opposition (unter anderem die mit der Neuen Heimat) hat mangels Themen wieder was Neues gefunden. Die einschlägigen Medien versuchen mal wieder, Kanzlerin Merkel in die Nähe von Hoeneß zu rücken oder in sein Boot zu ziehen.

    Steuerhinterziehung ist also nicht vergleichbar mit Verfehlungen, die von ehemaligen Europaabgeordneten in den 70er Jahren zu schreiben

    2 Leserempfehlungen
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    sich von Hoeneß mehrfach beraten lassen, und ihn auch mehrmals im Kanzleramt empfangen. Sie hat sich mit ihm fotografieren lassen und seine Nähe zur CSU ist unbestreitbar.

    Es spricht doch Bände, dass sich Hoeneß, wo sein Verbrechen noch nicht öffentlich war, wo auch immer es nur ging für die Kanzlerin eingesetzt hat. Ihre Politik ist etwas das jemand wie Hoeneß vehment im Fernsehen verteidigt und sich dafür so angreifbar macht. Niemand hat ihn gezwungen Wasser zu predigen und Wein zu saufen. Das sind wichtige Informationen für den Wähler.
    Grade für Anhänger einer christlichen Partei sollte das eine Rolle spielen. Solche Leute wie er sollten durch das Steuerabkommen geschützt werden, damit sie weiter als Leistungsträger gelten und die neoliberale Agenda der Union vorantreiben. Noch keine Generation hat sich so auf Kosten ihrer Kinder und Kindeskinder bereichert.

    Es ist doch nicht zu akzeptieren, dass Leute wie Hoeneß den öffentlichen Diskurs und gesellschaftliche Meinung bestimmen, wenn ihre Motive nun offensichtlich ausschließlich krimineller Natur sind.

    ..., dass Parteien versuchen, die Gegenkandidaten und deren Positionen anzugreifen.

    Die CDU kann davon ein Liedchen singen....

    "Kanzlerin Merkel in die Nähe von Hoeneß zu rücken oder in sein Boot zu ziehen."

    Das heißt im Prinzip sie stand im bisher nahe. Da muss keine Opposition rücken. Das macht die Gute von sich ganz alleine. Wird spannend sein im Berliner Olympia Stadion, wenn der FC Bayern München den DFB-Pokal holt und Merkel den Bayern gratulieren darf - oder muss.

    Aber vielleicht verliert ja Bayern München freiwillig, um diese Peinlichkeiten zu vermeiden...

    ... vielleicht ist es ja einfach nicht mein Tag.

    Aber Ihren letzten Satz verstehe ich trotz eifrigen Bemühens nicht:

    "Steuerhinterziehung ist also nicht vergleichbar mit Verfehlungen, die von ehemaligen Europaabgeordneten in den 70er Jahren zu schreiben" (Auf - fehlenden - Punkt und Komma genau zitiert !)

    Was meinen Sie denn nun eigentlich ?

  4. mehr - aber vor Gericht - und das ist auch gut so.

    27 Leserempfehlungen
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    • hairy
    • 22. April 2013 20:22 Uhr

    H. lebt sehr gut - nicht zuletzt auch von großer öffentlicher Aufmerksamkeit, vermittelt nicht zuletzt durch die Massenmedien. Bei Verfehlungen aber kehrt sich der Effekt um - und damit muss jemand wie er dann leben.

    • KHans
    • 23. April 2013 15:05 Uhr

    .. das beschrieb schon Kafka kann man versauern, bis man nur noch die eigenen Identifikationen als Illusion vor Augen geführt bekommt.

    Das heißt: Es wäre schön, wenn die deutschen Gerichte, schön unbeeinflusst durch die Politik von wegen Gewaltenteilung, - nicht nur (faule) Vergleichs-Einigungen schlössen, sondern nach dem recht urteilen würden. - Die herrschende Kultur ist die Kultur der herrschenden.

    Auf dem faulen, aber eben doch gerichtlich sanktionierten Wege kam der Steuerhinterzieher Zumwinkel mit einer Bewährungsstrafe und einer auf unter 1 Mio gedrückten Rückzahlsumme zu seinen Gunsten davon.
    Man wird doch einen gefeierten Manager und Leistungsträger nicht ins Gefängnis stecken ... Möge alles so weiterlaufen, wie seither.

    Wo käme denn sonst unser schön gepflegtes Weltbild bürgerlicher Ruhe hin?

    kommt er eben nicht vor Gericht ... was bleibt dann noch - außer dem "Pranger" - als Strafe für den Betrug an uns ehrlichen Steuerzahlern übrig?

    • clammi
    • 22. April 2013 17:08 Uhr

    geschrieben wurden..

    • deDude
    • 22. April 2013 17:08 Uhr

    Gehört es sich für jemanden der sich selbst als Inbegriff eines integren, moralisch einwandfreien Geschäftsmannes darstellt Steuern zu hinterziehen?

    Er wusste was er tat, nun bekommt er in Form von Hohn und Spott die Konsequenzen zu spüren. Er soll sich freuen das es vermutlich bei Hohn, Spott und einer Nachzahlung bleiben wird und er nicht wie jeder Normalbürger der sich soetwas leistet und erwischt wird "die volle Härte des Gesetzes" zu spüren bekommen wird.

    54 Leserempfehlungen
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    • sf2000
    • 22. April 2013 20:34 Uhr

    ... immerhin managt er eine Vereinigung von Menschen, die Ball spielen.

    • Hickey
    • 23. April 2013 7:04 Uhr

    den gesetzgeber nicht.

    Er muss laut Gesetzten und einem Urteil aus Karlsruhe ins Gefängnis, außer es gäbe milderende Umstände, die ich aber bei ihm nicht sehe.

    Das Gesetz sieht Gefängnisstrafen ab 1 Mio. Euro vor, sollte er eine laschere Strafe bekommen ist das einfach ein weiterer Beweis für ein unfaires Rechtssystem das wohl oder übel bereits verdorben ist.

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