Uli HoeneßMuss der Bayern-Präsident ins Gefängnis?

Uli Hoeneß hat sich selbst angezeigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Welche Ausmaße hat der Fall? von Albert Funk

Hoeneß im Dortmunder Stadion am 11. April 2011, als seine Bayern gegen die Schwarz-Gelben verloren haben

Hoeneß im Dortmunder Stadion am 11. April 2011, als seine Bayern gegen die Schwarz-Gelben verloren haben  |  © Christof Stache/AFP/Getty Images

Der Präsident des FC Bayern München hat der Staatsanwaltschaft ein Konto (oder auch mehrere) in der Schweiz gebeichtet, wo er Geld gebunkert und die Erträge darauf nicht versteuert hat. Am Samstag wurde die Selbstanzeige publik, wohl nicht ohne Zutun von Uli Hoeneß selbst.

Der 61-Jährige, Weltmeister, Europameister, Deutscher Meister, einer der schnellsten Außenstürmer seiner Zeit, als Fußballmanager immens erfolgreich, hat sich damit selbst an den Pranger gestellt. Das Image des Saubermanns in einer Branche, deren Finanzgebaren nicht immer ganz koscher ist, ist angekratzt.

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Die Selbstanzeige könnte auch politische Folgen haben – in Bayern wird im Herbst gewählt, Hoeneß gilt als CSU-Anhänger (auch wenn er im Münchner OB-Wahlkampf den SPD-Kandidaten unterstützt) und wurde von der bayerischen Dauerregierungspartei gern hofiert.

Was hat Hoeneß getan, um welche Summen geht es? Da der Bayern-Präsident schweigt, was in einem laufenden Verfahren üblich ist, schießen die Spekulationen ins Kraut. Liegen "Hunderte Millionen" in der Schweiz, wie die Münchner Abendzeitung zu wissen glaubt? Doch woher sollten die kommen? Hat Hoeneß möglicherweise an Transfers heimlich mitverdient? Alles Spekulationen.

Sicher ist, dass Hoeneß als Fußballprofi gut verdient hat, dann auch als Manager, und er betreibt in Nürnberg die HoWe Wurstwaren KG (Hoeneß ist Metzgerssohn), die zuletzt einen jährlichen Umsatz von etwa 45 Millionen Euro hatte. 10.000 Tonnen Nürnberger Würstchen werden dort produziert, Geschäftsführer ist sein Sohn Florian. "Hunderte Millionen" sammeln sich da auch bei bester Geschäftslage eher nicht an.

In seinem Steuerverfahren hat Hoeneß eine Vorabzahlung von knapp sechs Millionen Euro geleistet. Der Chef der Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, schließt daraus, dass Hoeneß "mindestens zehn Millionen Euro Einnahmen nicht angegeben hat", wie er Bild am Sonntag sagte. Steuerhinterziehung verjährt nach zehn Jahren – damit hätte Hoeneß grob gerechnet mindestens eine Million pro Jahr verschwiegen, wenn das Konto schon seit 2003 besteht. Daraus lässt sich ableiten, dass der Kontostand wohl im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegt. Aber auch das ist Spekulation.

Welche Vorteile hätte Hoeneß von dem deutsch-schweizerischen Steuerabkommen gehabt? Hoeneß hat gute Nerven und mit seiner Selbstanzeige offenbar lange gewartet. Er hat darauf gesetzt, dass das von der schwarz-gelben Koalition geplante Steuerabkommen mit der Schweiz trotz der Ablehnung durch die rot-grüne Opposition im Bundesrat zustande kommt. Als er im Dezember sah, dass er sich getäuscht hatte (das Gesetz scheiterte im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat), ging er zu seinen Anwälten und zeigte sich dann am 13. Januar selbst an. Das Abkommen hätte ihn zwar auch einige Millionen Euro gekostet, aber sein Fall wäre nie publik geworden.

Die Bundesregierung hatte mit Bern vereinbart, dass schwarze Konten von Deutschen in der Schweiz pauschal mit einer Einmalzahlung zwischen 21 und 41 Prozent auf das gesamte nicht versteuerte Vermögen belastet werden. Für die Zukunft war vereinbart, auf die Erträge die deutsche Abschlagsteuer zu erheben. Die Konteninhaber wären aber ungenannt geblieben. SPD, Grüne und Linke lehnten das Abkommen ab, weil Steuerhinterzieher aus ihrer Sicht zu gut weggekommen wären. Unklar ist, welche Summen am Ende in die deutsche Staatskasse geflossen wären.

Eine wesentliche Rolle in dem Streit zwischen Regierung und Opposition spielte, dass einige SPD-regierte Länder, voran Nordrhein-Westfalen, auf den weiteren Ankauf von Daten deutscher Konteninhaber in der Schweiz setzten, um dadurch Steuerhinterzieher zu erwischen – auch wenn das Sammeln und Verkaufen solcher Daten in der Schweiz strafbar ist.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/kvk

  2. Niemand ist unfehlbar. Aber wenn man seine vermeintlich hohen moralischen Werte ständig und überall wie eine Monstranz vor sich herträgt, schafft man eben eine persönliche Fallhöhe.
    Vielleicht mal etwas weniger penetrant den Zeigefinger auf andere richten, dann zeigen später auch nicht so viele auf einen selbst.

    28 Leserempfehlungen
  3. wenn nichts weiter passiert. Ich erinnere an Zuwinkel, Vorstandchef der Post, sein Vater begründete den "Ruhm" der Familie in dem er sich in der Arisierung bereicherte. Sein Sohn trohnt heute im Castello die Tonno am Gardasee.. Und der kleine Mann wird vom Amt fertig gemacht.

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    • Mari o
    • 22. April 2013 12:31 Uhr

    Friede den Hütten.Krieg den Palästen.

    aber dass ein Bayern-Präsident ins Gefängnis müsste,wie ein kleiner Schwarzfahrer? also,ich glaube dass heute abend die Sonne untergehen wird,
    und das jeder Beamter,als Handlanger des Staates, sofort bereit ist jeden kleinen Mann fertig zu machen.Er wird für die Folgen ja nicht zur Verantwortung gezogen,daß ist ihm bewußt.Wenn er es aber wagen würde einem Bayern-Präsidenten auch nur ein Haar zu krümmen,kann er sofort Schluss machen.Für immer.Das ist ihm/ihr auch bewußt

    • Chilly
    • 22. April 2013 11:18 Uhr

    greifen bzw. ein ev. von ihr nicht erfasster Teil wird - vergleichsweise - von geringerer Bedeutung sein, so dass ev. insoweit eine Einstellung gegen Auflage (ähnlich wie von der Staatsanwaltschaft Hannover etwa bei Christian Wulff erfolglos vorgeschlagen oder vor vielen Jahren von Helmut Kohl akzeptiert) oder zumindest ein Strafbefehlsverfahren, in dem, wenn kein Einspruch eingelegt wird, das Ganz in einem schriftlichen Verfahren ohne öffentliche Verhandlung (und damit Erörterung der wirtschaftlichen und steuerlichen Verhältnisse) entschieden werden kann. Das wäre insoweit auch keine "Lex-Hoeness", sondern ein durchaus im Bereich Steuerstrafverfahren übliches und "normales" Vorgehen. Die Frage "Gefängnis" dürfte sich daher mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht stellen.

    Etwas anderes könnte sich nur ergeben, wenn die nun geführten Ermittlungen ganz neue und auch von der Selbstanzeige nicht erfasste Umstände und steuerlich relevante Sachverhalte "ans Tageslicht" bringen. Dann, aber auch nur dann, könnte es für die "Freiheit" von Herrn Hoeness "eng" werden. Bis dahin gilt aber die Unschuldsvermutung und das Steuergeheimnis.

    CHILLY

    3 Leserempfehlungen
  4. H. kommt von ganz oben und wird deshalb tief fallen. Da ist jemand auch an seinen eigenen moralischen Ansprüchen gescheitert, die er immer so offensiv bis agressiv gerade auch gegenüber anderen Menschen vertreten hat. Interessant ist auch die von H. stets zur Schau getragene Nähe zur CSU und ihrer Ablehnung einer Reichensteuer ...

    Adieu!
    Auf eine gerechte Strafe.

    - Man hat schon den Eindruck, dass der Sport allgemein immer schmutziger wird ...

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  5. ein Vermögen in dieser Höhe darauf verwetten, dass er nicht hinter Gittern landet.
    Wahrscheinlich hat er alles korrekt selbst angezeigt. Und damit hat sich die Sache schnell erledigt – zumindest rechtlich.

    Aber immerhin muss man ihn jetzt vermutlich nicht mehr in irgendwelchen Talkshows erstragen. Immerhin etwas.

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    Als moralische Instanz ist er für Talkshows verbrannt, aber spätestens nach Abschluss des Steuerverfahrens taucht er doch in Talkshows wieder auf um seine große "Lebensbeichte" abzulegen oder um über den ganzen Rummel um ihn zu jammern!

    Und selbst wenn er ins Gefängnis kommen sollte, spätestens nach ein bis zwei Jahren ist er doch wieder draußen...genug Zeit um ein Buch zu schreiben...

    Es wird einem also nicht erspart bleiben in in diversen Talkshows zu Gesicht zu bekommen - es sei den man schaltet ab/um!

  6. Gestern ein Kavaliersdelikt, heute eine geächtete Straftat. Unsere Welt, deren Vernetztheit und Informationssammelei soviel gescholten wird, hat das Zeug, mehr Moral zu erzeugen. Für Zahlungen, die in den 80er Jahren noch von der Steuer absetzbar waren, gehen Manager heute ins Gefängnis.
    Die Welt wird also an manchen Stellen etwas besser. Das ist tröstend.

    18 Leserempfehlungen
  7. weiss die Zeit eigentlich noch, was sie tut...!?!

    Mir fallen spontan mindestens 100 *ehrenwerte* Leistungsträger aus Politik und Wirtschaft ein, die man sofort ohne Bewährung aus dem Verkehr ziehen *müsste*.

    Jetzt auf Hoeneß einzudreschen, ohne dass alle Fakten auf dem Tisch liegen, vorverurteilen, moralisch empören, etc...das ist an Niveaulosigkeit kaum mehr zu überbieten!

    17 Leserempfehlungen
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    ...damit ist die Überschrift keine Aussage sondern eine Frage, die nach dem bisher gemachten Aussagen mehr als berechtigt ist!
    Selbstsanzeige, Ermittlungseinleitung Hausdurchsuchung....
    ...warte auf das Abkommen mit der Schweiz....gut das wir noch eine Opposition haben!

    • whale
    • 22. April 2013 12:51 Uhr

    Was heißt "auf Hoeneß eindreschen"?
    Soweit ich das sehe, wird zumindest hier in der "Zeit" neutral berichtet. Natürlich gibt es andere Steuersünder (schlimmere womöglich), über die nicht in dieser Häufung berichtet wird (ein Artikel jagt den nächsten).
    Auf der anderen Seite ist Hoeneß eine Person öffentlichen Interesses. Er taucht halt auch hier auf, wenn Bayern sportliche Erfolge feiert. Und er selbst äußert sich in vielen Medien nicht nur zu Fußball, sondern, wie viele Kommentatoren bereits anmerkten, gibt sich als moralische Instanz. Es handelt sich bei ihm um eine Figur, die im Fokus auch vieler junger Menschen steht (welcher Junge zwischen 10 und 18 ist KEIN Fußballfan?) und dort oft als Übervater des Heiligen Deutschen Fußballs auftaucht. Es ist durchaus legitim, nun auch die andere Seite zu zeigen und zu einer kritischen Diskussion anzuregen. Das hat mit Vorverurteilung nichts zu tun.

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