Jugendgewalt : Geflüchteter Hauptverdächtiger im Fall Jonny K. stellt sich

Er gilt als mutmaßlicher Haupttäter eines tödlichen Überfalls am Berliner Alex vergangenen Oktober. Der junge Mann war in die Türkei geflohen und ist nun zurückgekehrt.

Ein halbes Jahr nach dem tödlichen Überfall am Berliner Alexanderplatz hat sich der in die Türkei geflüchtete Verdächtige den deutschen Behörden gestellt. Der 19-Jährige wurde auf dem Berliner Flughafen Tegel festgenommen, teilte die Justizbehörde in Berlin mit. Er soll rasch vor den Haftrichter kommen.

Der Festgenommene gilt als Anstifter des Angriffs, bei der der 20-jährige Jonny K. tödlich verletzt worden war. Der Fall hatte bundesweit Empörung ausgelöst und zu einer breiten Diskussion über Jugendgewalt geführt. Weil der Hauptverdächtige die deutsche und die türkische Staatsangehörigkeit besitzt, hatte er sich kurz nach der Tat in das Heimatland seiner Familie abgesetzt.

Ein Festnahme- und Auslieferungsersuchen der Berliner Justiz an die türkischen Behörden blieb monatelang ergebnislos. Laut Medienberichten brachte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Bewegung in den Fall, als sie das Thema im Februar bei den deutsch-türkischen Regierungskonsultationen ansprach.

Türkische Behörden ermittelten auch

Gegen den Hauptverdächtigen hatten zuletzt die türkischen Behörden wegen Mordes ermittelt. Der Haftbefehl in Deutschland bestand weiter. Offenbar war der Druck so groß, dass der Hauptverdächtige nun zurückkam. In der Türkei hätte ihm bei einer Verurteilung ein härtere Strafe gedroht. Dort wird auch kein Jugendstrafrecht angewendet.

Jonny K. war Mitte Oktober vergangenen Jahres nachts im Zentrum Berlins von einer Gruppe junger Männer attackiert worden, als er einem betrunkenen Freund helfen wollte. Er wurde durch Tritte gegen den Kopf so schwer verletzt, dass er einen Tag später starb. Fünf Verdächtige sind in dem Fall bisher angeklagt worden. Der Prozess beginnt nach Justizangaben im Mai.

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Kommentare

79 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Gibt es für diesen Schnellschuss auch eine Begründung?

Oder lässt da jemand seinen Gefühlen freien Lauf? Handelt es sich hier um die Art von Täter, die vorher abwägt ob das Verbrechen bei erhöhtem Risiko noch lohnt? Wohl eher nicht - oder haben sie Statistiken zur Hand? Die Debatte wurde doch zu Kochs Zeiten ausreichend durchgekaut. Hier hilft nicht Rache, sondern Prävention. Jugendarbeit, Aufzeigen von Perspektiven und Vertrauen in die _eigene_ Jugend im Land. Oder wir halten uns Augen und Ohren zu und donnern stumpf und polemisch weiter.