USAPolizei fahndet nach zweitem Boston-Attentäter

Der zweite mutmaßliche Bombenleger von Boston ist weiter auf der Flucht. Die Polizei durchkämmt die Stadt Watertown, wo der Flüchtige vermutet wird. Sein Bruder ist tot.

Der gesuchte mutmaßliche Bombenleger von Boston ist nach Polizeiangaben weiterhin auf der Flucht. Es seien Fortschritte bei der Suche gemacht worden, aber es gebe bisher "keine Festnahme", sagte Polizeioffizier Timothy Alben. Die Suche in Watertown werde von Haus zu Haus und Tür zu Tür fortgesetzt. Bisher seien rund 60 Prozent der Gegend durchkämmt worden, in der der Verdächtige vermutet wird. Der Flüchtige sei sehr gefährlich und möglicherweise bewaffnet. Die Bürger in Boston sollten weiterhin in ihren Häusern bleiben, sagte Gouverneur Deval Patrick.

Der andere mutmaßliche Attentäter des Boston-Marathons ist tot. Beide sind laut offiziellen Angaben Brüder. Bisherigen Informationen nach haben sie tschetschenische Wurzeln. Der Flüchtige ist laut dem Polizeichef diejenige Person, die auf den veröffentlichten Fahndungsfotos eine weiße Mütze trägt.

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Die Polizei hatte die 32.000 Einwohner große Stadt Watertown weiträumig abgesperrt. Auch der Luftraum im Nordwesten der Region Boston ist gesperrt. Beamte informierten die Bewohner über ihr Vorgehen. Das Militär unterstützt die Polizei.

Wegen der Fahndung sperrte die Polizei den öffentlichen Nahverkehr in ganz Boston. Wer bereits an einer Busstation stehe, solle nach Hause gehen, sagte ein Behördensprecher. Die Polizei empfahl der Bevölkerung dringend, in den Häusern zu bleiben und ausschließlich Polizeibeamten zu öffnen, die sich eindeutig ausweisen könnten. In Watertown sollten auch die Geschäfte geschlossen bleiben.

Zuvor hatte es eine Schießerei in Boston gegeben, bei der ein Polizist auf dem Gelände des Massachusetts Institute of Technology (MIT) niedergeschossen und getötet wurde. Der Vorfall an der Elite-Uni ereignete sich am späten Donnerstagabend. Der Polizist sei wegen einer Ruhestörung gerufen worden, hieß es. US-Medien berichteten, dass sich die Verdächtigen dem Campus-Polizisten genähert und auf ihn geschossen hätten. Wenig später sei der Beamte in seinem Wagen gefunden worden.

 
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kaperten die beiden Männer kurze Zeit später mit gezogener Waffen ein Auto und hielten den Fahrer eine halbe Stunde in ihrer Gewalt. Dann setzten sie ihn unverletzt an einer Tankstelle im Stadtteil Cambridge aus.

Zahl der Einschüsse nicht zu zählen gewesen

Die Fahndung nach dem Fahrzeug mündete dann in eine Verfolgungsjagd, bei der die Männer Sprengsätze aus dem Auto warfen und sich ein Schusswechsel mit der Polizei entwickelte.

Der eine Verdächtige wurde in dem Gefecht nach Angaben von Ärzten von extrem vielen Kugeln getroffen. Die Zahl der Einschüsse sei "nicht zu zählen gewesen", sagte ein Krankenhausarzt. An seinem Körper hätten sich auch Spuren einer Explosion gezeigt. Der Mann wurde im Krankenhaus für tot erklärt. Der 26-Jährige war laut CNN auf das Bunker Hill Community College in Boston gegangen. Wie auch sein Bruder lebte er seit mindestens zwei Jahren legal in den USA. Ihre amerikanischen Pässe hätten sie mit kirgisischen Dokumenten beantragt, zitierte CNN eine offizielle Vertreterin dieses Staates.

Auf den bereits am Donnerstag veröffentlichten Videoaufnahmen vom Tatort waren die beiden Verdächtigen mit Rucksäcken zu sehen, in denen sich die Bomben befunden haben sollen. Einer der beiden stellte seinen Rucksack am Tatort ab.

Das US-Radio NPR berichtete von der Festnahme einer dritten Person: Dabei handele es sich um einen mutmaßlichen Helfer, nicht um einen Tatverdächtigen, hieß es. Das bestätigte sich bisher nicht.

Durch den Anschlag in Boston waren am Montag drei Menschen getötet und 176 verletzt worden. Während einer Gedenkfeier für die Opfer hatte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag angekündigt, die Verantwortlichen würden aufgespürt und zur Rechenschaft gezogen.

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Leserkommentare
  1. 1. Errata

    "eine Schießerei mit einem toten Polizisten"

    Das ist ziemlich schräg, oder?

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    Das ist Qualitätsjournalismus.

    Ironie off.

    Es geht auch anders, z.B. FAZNET: "Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist am Freitag ein Polizist getötet worden."

    • loboc
    • 19. April 2013 16:27 Uhr

    Sterbende Studierende..

    Es ist unglaublich mit anzuschauen, wie hier der Staatsapparat wütet. Die Sprengstoffanschlagstat verabscheue und verurteile ich strengstens. Täter gehören vor ein Gericht. Das was in Boston abläuft ist Selbstjustiz des Staates. Es werden ruckzuck zwei Menschen für Verantwortlich erklärt und gejagt. Wer hat die Verantwortung befunden? Der eine Verantwortliche wurde von der Polizei erschossen, hier kann er nicht mehr klären und sich verteidigen. Stimmt das mit der Verantwortung und wer befindet das ? Brauchen wir überhaupt noch zukünftig Gerichte? Selbst in der Nazizeit in Deutschland hat es solche Aktionen in der Verfolgung von Demokraten (was ja mögliche Attentäter nicht sind) meines Wissens nach nicht gegeben, dass ein ganze Stadt lahm gelegt wird. Am Tage des Gedenkens an das Warschauer Getto, wo die Menschen von der SS im ganzen Stadtteil ausgerottet, verbrannt wurden, muss man sich solcher Sachen erinnern. Das was in Boston vorgelebt wird ist die zukünftige Diktatur des Kapitals und ihrer Lakaien in den politischen Parteien und deren Staatsapparat. Es gilt eine solche Entwicklung zu verhindern. Bürgerauge sei wachsam ! Wir erfahren heute von der Mittäterschaft staatlicher Organe bei der mordenden NSU. Wir erfahren von der Mittäterschaft des BND in Luxemburg bei Sprengstoffanschlägen und Morden.
    http://www.jungewelt.de/2013/04-20/061.php
    Noch Fragen ? Nein jetzt muss man handeln, den Undemokraten nicht das Spielfeld überlassen.

    "Schiesserei mit einem toten Polizisten" - Der Redakteur hat zuviel Walking Dead gesehen... :-)

  2. Das ist Qualitätsjournalismus.

    Ironie off.

    Es geht auch anders, z.B. FAZNET: "Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist am Freitag ein Polizist getötet worden."

    21 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Errata"
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    man muss aber nicht.

    Es sei denn da ist dieser unbezwingbare Mitteilungsdrang, der sich unbedingt als erster im Forum sehen will. Zu einem Thema, zu dem sich momentan doch alle Kommentare erübrigen.

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jz

    ...das wichtigste an der Meldung...

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    Da konnte man wenigstens verstehen wie die Sachlage ist.
    Der Artikel hier auf Zeit was so unzusammenhängend und wirr geschrieben, das ich ihn nicht mal verstanden hab ,was da jetzt genau vorgefallen ist.

  4. man muss aber nicht.

    Es sei denn da ist dieser unbezwingbare Mitteilungsdrang, der sich unbedingt als erster im Forum sehen will. Zu einem Thema, zu dem sich momentan doch alle Kommentare erübrigen.

    85 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Finden Sie nicht?
    ...

    Auf die Gefahr hin, Anlass zur Moderation zu bieten, möchte ich mich selbst nochmal dazu äußern:

    Die Formulierung "Schießerei mit totem Polizisten" versteht wohl jeder inhaltlich unmittelbar. Ich fand die andere, mindestens ebenso offensichtliche Bedeutung allerdings ziemlich humorig, und ich hatte den Eindruck, dass das bei diesem Thema vielleicht nicht unbedingt angebracht - und vor allem auch nicht unbedingt gewollt - sein kann. Deshalb mein Hinweis, den die Redaktion ja auch sehr zeitnah aufgegriffen hat.

    Ich verstehe nicht, warum man das mit einem Journalismus-Bashing verbinden muss, von wegen dem Hinweis auf den "Qualitätsjournalismus". Ich verstehe die sich daraus ergebene Diskussion nicht. Aber überhaupt nicht verstehe ich, warum man sich hier zu Wort melden muss, um mir deshalb einen "unbezwingbaren Mitteilungsdrang" zu diagnostizieren. Und dann auch noch unter dem Deckmäntelchen irgendeiner Pietät. Abgesehen von der offensichtlichen Sinnlosigkeit: Erübrigen sich Kommentare hier nur für alle anderen?

    Und dafür gibt es dann zur Zeit 24 Leserempfehlungen.

    Die Formulierungen sind unglücklich. Es lässt sich auch klarer formulieren, siehe

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/boston-ein-mutmasslicher-bombenleg...

    Entfernt. Bitte kommentieren Sie den Inhalt des Artikels. Die Redaktion/mak

    Für den Einen ist halt die Sprache wichtig, für den Anderen der Inhalt, für wieder Andere das Aufzeigen der Schwächen anderer Menschen. Was wir jeodch alle gemeinsam haben ist, dass wir uns nicht kennen und deshalb nicht nur nicht wissen was die anderen Menschen antreibt, sondern in Anbetracht dieser Nichtkenntnis dazu tendieren, aus Selbstschutz das Andersartige, das Beängstigende, und das Bedrohliche im Anderen zu suchen und anzufechten.

    Dabei ist doch die wichtigste Erkenntnis die wir aus diesen Anschlägen ziehen können, dass genau dieses Verhalten nie zum Frieden zwischen den Menschen führen wird.

  5. Danke für diese Meldung
    Die Medien scheinen in dieser Sache imal wieder das Wasser nicht halten zu können, CNN hatte ja vor 2 Tagen schon Berichte über einen Verhafteten, der dem Richter vorgeführt wurde und mussten damit heftig zurückrudern.

    Eine Leserempfehlung
  6. 6. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit Kommentaren zum konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/sam

    2 Leserempfehlungen
  7. "Die Polizei hat eine kontrollierte Explosion zwischen Dexter Street und Laurel Street in Boston angekündigt. Dort wurde nicht explodierter Sprengstoff gefunden, der nun kontrolliert gezündet werden soll, um ihn zu zerstören."

    Das ist ja geradezu irrwitzig: Man hat Sprengsstoff, also mögliche Tat- und Beweismittel gefunden (man muss diese also zumindest pysisch gesehen haben) und hat nichts anderes zu tun, als diese zu vernichten? In Zeiten von ferngesteuerten Robotern und vielen anderen Möglichkeiten, frage ich mir wo hier die Logik ist?
    http://liveblog.t-online.de/Event/Liveticker_aus_Boston_Groeinsatz_des_FBI

    11 Leserempfehlungen
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    solche mitteilungen lösen schon Verwunderung aus. Denn bei freiliegenden Substanzen läßt sich einmal mit berührungslosen Methoden die Oberfläche auf bestimmte Stoffgruppen "abtasten" (FT-IR usw.) und dann kann doch ohne weiteres mit einem Roboter eine Kleinmenge entnommen werden.

    Unsere Werksfeuerwehr hat davon sogar 2 mit Mess-und Probenahmemöglichekiet für Gase und Flüssigkeiten , Feststoff geht mit Umbau wohl auch...., und das schon seit vielen Jahren!

    Wenn es wirklich die Top-Bomber sind, dann sehe ich auch nicht warum ausgerechnet Schwarzpulver (Spekulation!) hier so dringend vernichtet werden muss.

    Peter

    und der fehlenden Erklären, warum so vorgegangen wird.

    DNA findet man auch nach der Explosion. Kein Mensch ist es wert, Sprengstoff zu sichern, in dem man versucht, eine Bombe zu entschärfen. Man schaut sich das Teil an, und wenn eine Entschärfung zu gefährlich ist, lässt man es sein und zündet.

    Was Sie hier unterstellen möchten ist aber auch jedem klar.

    • Kiira
    • 19. April 2013 10:18 Uhr

    DEVELOPING: 7News sources say the Watertown suspects are also the Boston Marathon suspects. NBC News: Pressure cooker was found in Watertown.

    http://www1.whdh.com/news/articles/local/boston/10010403717086/sources-w...

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa, zz, tst
  • Schlagworte Polizei | USA | Barack Obama | CNN | Gedenkfeier | MIT
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