SüddeutschlandAnschlagsserie auf Motorradfahrer

In Bayern starb ein Motorradfahrer, weil in einer Kurve mutwillig Öl ausgekippt worden war. Die Polizei sucht einen Serientäter. von 

Joachim Hög, Präsident des Unterallgäuer Motorradclubs

Joachim Hög, Präsident des Unterallgäuer Motorradclubs  |  © Rüdiger Bäßler

Zwei Jahre ist Josef D., von seinen Freunden "Seppi" genannt, jetzt tot. Der zweifache Familienvater rutschte am 17. April 2011 nur ein paar Kilometer von seinem Wohnhaus im Allgäuort Markt Rettenbach (Bayern) entfernt mit dem Motorrad auf einer Öllache aus und gegen ein entgegenkommendes Auto. Die Polizei in Kempten ist überzeugt: Das war kein tragischer Unfall, wie er oft auf deutschen Straßen vorkommt. Es war Mord.

Gesucht wird ein Serientäter

Jemand hatte das Öl bewusst ausgekippt. In der abwärts führenden Todeskurve, die in einem schattigen Wäldchen liegt, fanden sich zerbrochene Flaschen, in denen Öl gewesen war.

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"Früher waren wir schon wild unterwegs", sagt Joachim Hög, der Präsident des Unterallgäuer Motorradclubser über sich, "den Seppi" und die gemeinsame Leidenschaft für Motorräder. Sie sind zusammen aufgewachsen, in dieselbe Schule gegangen, sie erlernten beide den Beruf des Zerspanungsmechanikers. Aus den jungen Wilden wurden Ehemänner, dann Väter, sie wurden ruhiger, erzählt Hög. Sein Freund Josef D. war 37, als er starb.

In den Wochen und Monaten nach seinem Tod berichteten Feuerwehrleute und Polizeibeamte aus Süddeutschland von ähnlichen verdächtigen Ölflecken auf kleinen Landstraßen, von Unfällen und am Fahrbahnrand liegenden Scherben grüner Wein- und klarer Sektflaschen. Seit Ende 2012 sucht die überregional arbeitende Ermittlungsgruppe "Ölfleck" einen Serientäter.

Inzwischen ist gesichert, dass es mehrere weitere Anschläge gegeben hat, allesamt in einem rund 100 Kilometer langen Gebietsstreifen an der Grenze von Bayern und Baden-Württemberg. Am 6. April 2007 wurden bei Bad Schussenried (Kreis Biberach) vier Ölflecken von der Feuerwehr beseitigt. Zwischen dem 12. und 13. April 2008 entdeckten Feuerwehrkräfte im Landkreis Sigmaringen auf einer Strecke von wenigen Kilometern 19 Ölflecken. Am 31. März 2010 wurden bei Schwendi (Kreis Biberach) an drei Stellen Ölflecken entfernt . In allen Fällen, so die Polizei, sei das Öl in unübersichtlichen Kurven ausgekippt worden, stets hätten in der Nähe Glasscherben mit Resten von Altöl gelegen. Die Ermittler gehen "von einem Abwurf aus einem fahrenden Fahrzeug aus", wie ein Sprecher der Kemptener Polizei sagt.

Ende Februar meldete sich ein Angehöriger der Straßenmeisterei bei der Polizei und berichtete von einem Verkehrsunfall am 28. Oktober 2007 bei Wittislingen im Landkreis Dillingen. Ein 31-jähriger Mann war damals mit seinem Auto in einer Kurve ins Schleudern geraten. Das Auto hatte sich überschlagen, der Fahrer war schwer verletzt worden. Die Straßenmeisterei hatte auch damals Flaschenreste gefunden. Dieser Fall unterscheidet sich von allen anderen nur dadurch, dass er nicht auf April, also den Start der Motorradsaison, datiert werden kann.

Längst ist dieser beispiellose Kriminalfall auch Thema in der Motorradszene. "Ich hoffe, dass der Täter an seiner Schuld zugrunde geht", kann man auf Bikerszene.de lesen. "Das Gefühl zu haben, der völlig Frustrierte läuft da draußen noch auf freier Wildbahn rum, macht einem Angst", schreibt eine Bikerin. "Wie krank kann man eigentlich sein?", fragen sogar Motorradfahrer aus Reihen der Polizei, nachzulesen im Biker-Forum der Bundespolizei. Mancher gibt den Ratschlag, Südwürttemberg und das bayerische Allgäu vorläufig bei privaten Ausfahrten zu meiden.

Die Kemptener Polizei verspricht, Streifenbeamte hätten längst ein besonderes Augenmerk auf mögliche weitere Ölflecken. An Motorradfahrer wird appelliert, gerade jetzt, zu Beginn der neuen Saison, besonders vorsichtig zu fahren. Auf die Ergreifung des Unbekannten haben Privatleute eine Belohnung von 48.000 Euro ausgesetzt. Die Summe wurde vom bayerischen Landeskriminalamt noch um weitere 5.000 Euro erhöht.

Im Fokus der Kemptener Ermittlungsgruppe stehen Personen, die sich in der Vergangenheit auffällig über Motorradlärm beschwerten, die in Verkehrsunfälle mit Zweiradfahrern verwickelt waren oder nach einem Streit aus einem Motorradclub geflogen sind. Die Chancen, den Schuldigen noch zu finden, haben sich erhöht, seit es im Polizeilabor gelungen ist, DNA-Spuren auf mehreren der sichergestellten Scherben zu finden. 1.200 Personen sind in diesem Jahr schon einem Gentest unterzogen worden, einen Treffer hat es nicht gegeben.

Leserkommentare
  1. Warum, um alles in der Welt, kippt jemand mutwillig Öl auf Straßen aus, um Motorradunfälle zu verursachen? Es ist unfassbar, daß manche Menschen vor nichts zurückschrecken...

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    • bayert
    • 19. April 2013 22:14 Uhr

    die aber kein Verständnis für den Täter oder die Täterin darstellen:
    1. Wenn Sie in der Nähe einer für Motorräder beliebten Strasse wohnen, müssen Sie mit großen Lärmbelästigungen rechnen - auch in der Nacht. Geschwindigkeitsbegrenzungen zählen für einige Motorradfahre nicht. Ich habe einmal ca. 2 Km von so einer Strasse entfernt gewohnt. Besonders im Sommer taten mir die Anwohner Leid (insbesondere Fr/Sa Nacht).
    2. Täter oder die Täterin haben durch rücksichtslose Motorradfahrer/innen einen Angehörigen verloren oder wurden selbst Opfer eines Unfalls.

    • cm30
    • 20. April 2013 0:41 Uhr

    Das ist vergleichbar mit diesem Fall:

    http://www.sat1bayern.de/...

    http://www.sueddeutsche.d...

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf rein provokative Beiträge. Danke, die Redaktion/jz

    2 Leserempfehlungen
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    ... möchte ich nicht leben. Auch wenn dieser Kommentar haargenau zu Ihrem Kommentar passt, den Sie zu dem Nordkorea Artikel veröffentlicht haben.
    Menschen wie Sie machen mir Angst.
    Sie erdreisten sich zu urteilen, was für andere gut und schön und nützlich ist. Was Spass machen soll und was nicht, und Sie glauben in Ihrer Hybris für alle zu sprechen.
    Sie tun mir Leid.

    "Mit [sic] einem Auto hätte die Ölspur keine Probleme bereitet."

    "Ende Februar meldete sich ein Angehöriger der Straßenmeisterei bei der Polizei und berichtete von einem Verkehrsunfall am 28. Oktober 2007 bei Wittislingen im Landkreis Dillingen. Ein 31-jähriger Mann war damals mit seinem Auto in einer Kurve ins Schleudern geraten. Das Auto hatte sich überschlagen, der Fahrer war schwer verletzt worden. Die Straßenmeisterei hatte auch damals Flaschenreste gefunden. "

    Haben Sie den Artikel gelesen? Hätten Sie es getan, hätten Sie vielleicht erfahren, dass es bereits auch einen Autounfall mit einem Schwerverletzten infolge dieser Ölflecken gab. So viel zu "mit einem Auto hätte die Ölspur keine Probleme bereitet".

    Und nur weil Ihnen und ein paar anderen wenigen persönlich die Motorräder auf den Sack gehen, ist das für niemanden eine Rechtfertigung, Menschen zu töten oder schwer zu verletzen - oder es wenigstens in Kauf zu nehmen. Nein, das tun Sie nicht und Sie befürworten das jetzt nicht wirklich. Aber ihr Post lässt einen Schimmer Sympathie für diese Taten erkennen. Und das finde ich persönlich schlimmer als laute Motorräder.

    Durch Motorgeräusch nachts mal aus dem Schlaf geschreckt zu werden, ist doch kein Verbrechen, sondern eine absolute Lappalie.

    Das hat absolut nichts mit Konsequenzen zu tun, das ist MORD!
    Was Nutzwert hat oder nicht entscheidet jeder Mensch allein.
    Und nein, ich habe kein Motorrad, habe nie eins besessen und habe auch nicht vor mir je eins zu kaufen.

    Ich bin nun wirklich kein Motorradfreak, habe noch nie auf einem gesessen. Aber was Sie da vom Stapel lassen, ist ja wohl der Gipfel! Ja, sie machen Lärm und zwar oft mehr als nötig, dass aber als Rechtfertigung für solche Anschläge zu nehmen, läßt tief blicken. Das Argument Spaßmaschine wird auch gerne benutzt, wenn es um Radfahrer auf Straßen geht, die da angeblich nichts zu suchen haben, weil sie ja zum Spaß draußen rumfahren. ich wüßte allerdings keine Regelung, die die Benutzung der Straße nur zu "Nutzwertzwecken" zuläßt.

    Ein Motorrad, gefahren von einem Nichtkönner, ist mit Sicherheit genauso "unsicher" wie ein Auto, welches von einem Draufgänger und Deppen bewegt wird. Und von denen gibt es mehr als genug auf unseren Straßen, gerade wenn man mal nachforscht, wieviele Unfälle mit Motorrädern eigentlich von Autofahrern verursacht werden, kann man Ihr Argument genausogut umkehren!

    Will man irgendwas Sachliches aus Ihrem Kommentar lesen, liegen Sie total falsch, wenn Sie behaupten, nur Motorradfahrer würden in Gefahr gebracht. Es steht schon im Artikel, dass auch mindestens ein Autofahrer schwer verletzt wurde, als er auf einer Ölspur, die ebenso auf diesen Täter schließen läßt, ins Schleudern kam. Es ist in Kurven für alle Fahrzeuge ein Leichtes, auf Öl, Split o.ä. ins Rutschen zu kommen. Egal ob es vier oder zwei Reifen sind.

    Als Radfahrer werde ich mir meine Strecken in Zukunft auch genauer ansehen. Aber gegen die haben sie ja sicherlich auch etwas... Manoman!!!!

    ich hoffe das ihr Kommentar als Anlass genommen wird sie auch ihre DNA anzuschauen.

    Bezüglich des Ölflecks: Nein, für Autofahrer ist dies nicht ungefährlicher. Wenn sie sehen wollen was eine (zum Teil unsichtbare) Ölspur alles anrichten kann schauen Sie sich die Crash Videos der Touristenfahrten auf der Nordschleife bei Youtube an.

    • y5rx
    • 19. April 2013 19:39 Uhr

    Wo leben Sie denn? Also der Lärm von LKW und Flugzeugen scheint Sie dann ja nicht zu stören.
    Traurig, daß man Mitmenschen wie sie ertragen muß. Aber es gehört wohl zur Freiheit dazu, daß man auch Unsinn schreiben darf.

    Entfernt. Bitte beachten Sie, dass der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, mittlerweile entfernt wurde. Danke, die Redaktion/jz

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/jz

  4. ... möchte ich nicht leben. Auch wenn dieser Kommentar haargenau zu Ihrem Kommentar passt, den Sie zu dem Nordkorea Artikel veröffentlicht haben.
    Menschen wie Sie machen mir Angst.
    Sie erdreisten sich zu urteilen, was für andere gut und schön und nützlich ist. Was Spass machen soll und was nicht, und Sie glauben in Ihrer Hybris für alle zu sprechen.
    Sie tun mir Leid.

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  5. "Mit [sic] einem Auto hätte die Ölspur keine Probleme bereitet."

    "Ende Februar meldete sich ein Angehöriger der Straßenmeisterei bei der Polizei und berichtete von einem Verkehrsunfall am 28. Oktober 2007 bei Wittislingen im Landkreis Dillingen. Ein 31-jähriger Mann war damals mit seinem Auto in einer Kurve ins Schleudern geraten. Das Auto hatte sich überschlagen, der Fahrer war schwer verletzt worden. Die Straßenmeisterei hatte auch damals Flaschenreste gefunden. "

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  6. Haben Sie den Artikel gelesen? Hätten Sie es getan, hätten Sie vielleicht erfahren, dass es bereits auch einen Autounfall mit einem Schwerverletzten infolge dieser Ölflecken gab. So viel zu "mit einem Auto hätte die Ölspur keine Probleme bereitet".

    Und nur weil Ihnen und ein paar anderen wenigen persönlich die Motorräder auf den Sack gehen, ist das für niemanden eine Rechtfertigung, Menschen zu töten oder schwer zu verletzen - oder es wenigstens in Kauf zu nehmen. Nein, das tun Sie nicht und Sie befürworten das jetzt nicht wirklich. Aber ihr Post lässt einen Schimmer Sympathie für diese Taten erkennen. Und das finde ich persönlich schlimmer als laute Motorräder.

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    Mir "Symphatie" für die Tat zu unterstellen, ist eine Frechheit. Ich bin lediglich der Meinung, dass viele Motorradfahrer diverse Anwohner foltern und gab zu bedenken, dass man sich über Konsequenzen nicht zu wundern braucht - womit ich natürlich keine Streckenmanipulation meine, was ich ja genau so auch schrieb.

    Bitte etwas objektiver lesen und weniger interprtetieren, Danke.

  7. Durch Motorgeräusch nachts mal aus dem Schlaf geschreckt zu werden, ist doch kein Verbrechen, sondern eine absolute Lappalie.

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    "Durch Motorgeräusch nachts mal aus dem Schlaf geschreckt zu werden, ist doch kein Verbrechen, sondern eine absolute Lappalie."

    Es wäre durchaus wünschenswert wenn maximale dB Werte für Motorräder und Autoradios (!) festgelegt würden. Das ist schon etwas mehr als eine Lappalie, aber kein Grund zum Mord.

    Leider ist das Fahrverhalten mancher Biker nur noch als Selbstmordversuch zu bezeichnen. Da würde es aber eher helfen zu kontrollieren, ob jemand 140 in der Innenstadt fährt, statt alle Blitzer 5 Meter hinter eine 70-er Schild aufzustellen.

  8. Das hat absolut nichts mit Konsequenzen zu tun, das ist MORD!
    Was Nutzwert hat oder nicht entscheidet jeder Mensch allein.
    Und nein, ich habe kein Motorrad, habe nie eins besessen und habe auch nicht vor mir je eins zu kaufen.

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