Rechtsextremismus : Die dubiosen Kontakte der "Jail Crew"

Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem NSU und anderen inhaftierten Rechtsextremen? Indizien für Kontakte gibt es, nachzuweisen sind sie bisher nicht.

Beate Zschäpe gilt in Teilen der rechtsextremen Szene fast schon als Kultfigur. Neonazis sollen ihr sogar Liebesbriefe geschrieben haben, der norwegische Massenmörder Anders Breivik lobte in einem Schreiben an sie die Morde des NSU. Nun kommt heraus, dass auch ein Netzwerk inhaftierter Rechtsextremisten in Hessen und in anderen Bundesländern Kontakt zu Zschäpe aufnehmen wollte. Damit wird die Aufregung um den NSU-Prozess, der kommende Woche in München beginnt, noch verstärkt.

Die Sicherheitsbehörden lesen regelmäßig die Zeitschrift Bikers News, in der über Rockerklubs und Motorräder berichtet wird. In der Ausgabe vom Oktober 2012 stand eine Anzeige des inhaftierten Rechtsextremisten Bernd T. (38), der um Mitglieder für eine Gefangenenhilfsorganisation namens "Jail Crew" wirbt. Bernd T. ist vorbestraft, auch wegen einer schweren Gewalttat, und sitzt in der Justizvollzugsanstalt im osthessischen Hünfeld ein. Sicherheitsexperten verweisen als Beispiel für seine kriminelle Energie auf eine Razzia, bei der er Kampfhunde auf Polizisten gehetzt habe.

Die Zellen des Neonazis und weiterer Verdächtiger im Fall der neuen Gefangenenhilfsorganisation seien durchsucht worden, sagte am Mittwoch Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) in Wiesbaden. Dabei wurden Briefe und Propagandamaterial gefunden. Bei Bernd T. fand sich eine Liste, auf ihr standen Zschäpe und die Anschrift der JVA Köln-Ossendorf. Dort war sie damals inhaftiert. Ob Bernd T. oder sonst jemand von der "Jail Crew" mit Zschäpe in Kontakt trat, ist aber offen. Möglich ist auch, dass die "Jail Crew" versucht hat, den ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden, mutmaßlichen NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben zu erreichen. In der Anzeige von Bernd T. wird neben Hünfeld und 17 weiteren Haftanstalten auch die JVA im thüringischen Tonna genannt, in der Wohlleben inhaftiert war.

Wie gingen die Rechtsextremen vor?

Die Anzeige von Bernd T. ist durchaus aufschlussreich. Der Neonazi und Kumpane wollen die "Jail Crew" am 20. April 2012, dem Jahrestag von Hitlers Geburtstag, in der JVA Hünfeld gegründet haben. Das Logo soll ein Adler im Sturzflug sein, der in seinen Krallen die Zahl 14 hält. Die Ziffer ist ein codierter Begriff der rechten Szene. Jeder Neonazi weiß, dass mit der Zahl 14 die "fourteen words" des US-amerikanischen Rechtsextremisten David Lane gemeint sind, eine weltweit zu hörende Rassistenparole.

Die "Jail Crew" hatte angeblich auch schon Kontakte zu Häftlingen in anderen Bundesländern aufgenommen. Bernd T. wollte außerdem Rocker einbinden und schaltete deshalb die Anzeige in der Biker News. Im Text selbst werden zudem Rocker gezielt angesprochen. Das passt zum Trend, den Sicherheitsbehörden seit Jahren beobachten. Ein Teil der Neonazi-Szene geht auf Rocker-Gangs zu, einige Rechtsextremisten werden dort Mitglied. Obwohl Hells Angels, Bandidos und andere Rockerklubs keine braunen Vereinigungen sind, beobachten Sicherheitsbehörden die Vorgänge mit Sorge.

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

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"Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem NSU und anderen inhaftierten Rechtsextremen? Indizien für Kontakte gibt es, nachzuweisen sind sie bisher nicht."

Hmja. Huch.
In der tagesschau wurde auch schon fröhlich gemutmaßt, "Behörden decken Neonazi-Netzwerk in deutschen Gefängnissen auf". In Hessen, glaub ich.

Auch auf ZO steht es so.
http://www.zeit.de/gesell...

"Indizien" für "eingeschlagene Schädel oder/und gerochene Rückgrate" gibt es auch immer mal wieder. Wird aber meist nicht in der tagesschau erwähnt.