Offshore-LeaksLöcher, die die Welt verbessern

WikiLeaks, VatiLeaks, Vroniplag und Offshore-Leaks – die Enthüllungen der Whistleblower bringen die Menschheit langsam aber sicher voran, kommentiert Alexander Schwabe.

Nun also Offshore-Leaks. Es ist das bisher größte Datenleck in der Geschichte (die Datenmenge ist 160 mal größer als Cablegate, das Wikileaks 2010 veröffentlichte), die Enthüllungen zeigen das Ausmaß und die Mechanismen der Selbstbereicherung zum Schaden der Allgemeinheit von moralisch verwerflich handelnden Personen, unter ihnen etliche Prominente.

120.000 Briefkastenfirmen und Offshore-Konten in 170 Ländern und die Namen von 130.000 Personen sind bekannt, nachdem 86 Journalisten in 46 Ländern 15 Monate lang recherchiert hatten. Es stellt sich die Frage: Wird das was ändern?

Anzeige

Auf den Tag gesehen mag sich so schnell nichts Grundlegendes tun. Staatsanwälte werden ermitteln, Politiker hitzige Debatten führen über Steueroasen. Doch langfristig wird diese gigantische Enthüllung dazu beitragen, die Welt zu verändern.

Wie schon WikiLeaks, VatiLeaks und Plattformen wie Vroniplag ist Offshore-Leaks ein gewaltiger Transparenzschub, und die Durchsichtigkeit der Dinge ist die Voraussetzung für die Bildung von Bewusstsein. Noch ist nicht absehbar, wann und in welcher Form sich dieses gesellschaftlich äußern wird. Es ist jedoch zu vermuten, dass es zu einer gerechteren Welt führen wird, denn Erkenntnis hat eine Nähe zum Guten.

WikiLeaks hat die Gräuel des Krieges offenbart jenseits von "eingebettetem Journalismus" und dem Propagandamaterial der kriegsbeteiligten Parteien. Die durchgesteckten Bilder aus dem Irakkrieg mögen zur Kriegsmüdigkeit der amerikanischen Bevölkerung beigetragen haben.

Gesellschaften werden aufgerüttelt

WikiLeaks-Chef Julian Assange und der Rekrut Bradley Manning, der das Material geliefert haben soll, wurden von den einen für den Nobelpreis vorgeschlagen, und von der anderen Seite wird Manning strafrechtlich verfolgt und Assange als persona non grata geächtet. Allein das zeigt, wie sehr sie Gesellschaften aufgerüttelt haben.

VatiLeaks hat das katholische Imperium erschüttert. Der oberste Chef einer 2.000 Jahre alten und mehr als eine Milliarde Menschen umfassenden Institution hat völlig entgegen den Gepflogenheiten seinen Rücktritt erklärt, was darauf zurückzuführen ist, dass die skandalösen Zustände im repräsentativen und administrativen Zentrum der Kirche öffentlich geworden sind und dadurch der Druck nach innen gewachsen war. VatiLeaks kann mit dazu geführt haben, dass ein neuer Papst gewählt wurde, der sich bescheiden gibt, sich den Armen zuwenden und den Apparat reformieren will.

Vroniplag und andere haben einen Teil der Schummler und Blender im akademischen Betrieb entlarvt. Die Plattform hat dazu beitragen, dass unlauter erworbene Doktortitel aberkannt wurden. Und es hat den kathartischen Effekt, dass wissenschaftliches Arbeiten wieder im Dienste von Forschung und Lehre steht statt in dem persönlicher Eitelkeit.

Einen ähnlich reinigenden Effekt hatte die bloße Übergabe von Steuer-CDs aus der Schweiz an deutsche Finanzbehörden, ohne dass Namen öffentlich geworden wären. Die Angst vor Strafe hat zu einer hohen Zahl von Selbstanzeigen geführt und zu ordentlichen Summen in den Staatskassen.

Leser-Kommentare
  1. Eine Leser-Empfehlung
  2. Sie schreiben "Wenn der Titel gleichgültig ist, dann ist es egal, ob das gegenüber einen hat oder nicht und wie und für wieviel er den Titel erworben hat."

    Wenn der Titel gleichgültig wäre, dann wäre es nicht egal, wieviel dafür bezahlt wurde, sondern dann würde auch überhaupt niemand dafür bezahlen oder sich sonst unlauter betätigen, um ihn zu erlangen.

    Sie rollen das meiner Meinung nach verkehrtherum auf. Diejenigen, die auch vor Abschreiben, betrügerischen Handlungen und Straftaten nicht zurückschrecken, um sich einen akadamischen Grad zu ergaunern - das sind die Neider.

    Es ist ein Symptom dieser kranken Zeit, dass manche Menschen sich heutzutage über die Aufdeckung von Betrügereien (und die Motive der Aufdecker) wundern - statt sich darüber zu freuen.

    Und dass es so Manchem schwer fällt, zu erkennen, wer die eigentlichen Neider sind.

    Es ist nicht in Ordnung, wenn sich jemand aufgrund von mangelndem Selbstwertgefühl, Neid oder Geltungssucht einen falschen Doktorgrad erschleicht und damit z.B. einem ehrlich arbeitenden Wissenschaftler den Arbeitsplatz und damit die Möglichkeit nimmt, etwas sinnvolles zu tun.

    6 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Naja...."
  3. wird es ja erst, wenn irgendwann mal der Datensammler bekannt wird. Wer, außer einer staatlichen Organisation ist in der Lage, diese Datenmengen zu sammeln?
    Sollte der "Denunziant" jemals öffentlich werden, wird er wohl nicht mehr lange zu leben haben.

  4. erläutern:

    "Interressant ist doch Vroniplag nur, wenn man einen Menschen als höherwertig ansieht nur weil er einen Titel hat bzw. wenn ich meinem gegenüber die geistige Leistung nicht zu traue!

    Wenn der Titel gleichgültig ist, dann ist es egal, ob das gegenüber einen hat oder nicht und wie und für wieviel er den Titel erworben hat."

    Plagiieren heißt ja nicht nur betrügen, sondern auch die faule Frucht des Betruges als festen Bestandteil im Namen zu führen und täglich damit angeredet werden.

    Der Akt des Betruges selbst, währt über Jahre hinweg, muss immer wieder von neuem durch Geschick vor Entdeckung geschützt werden.
    Wer das über eine langjährige Verjährungsfrist hinweg aushält, bescheinigt sich selbst eine Portion außerordentlicher Niedertracht und einen der niedrigsten Beweggründe überhaupt: der Geltungssucht.

    Das ist für Sie Peanuts ?

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Naja...."
  5. witzig - warum sollte sie?

    Es waren beim ICU-Projekt doch nur die Süddeutsche und der Norddeutsche Rundfunk mutig genug, bei der Datenauswertung mit einzusteigen...

    http://www.icij.org/offsh...

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Wird die Zeit"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sorry, ICIJ = International Consortium of Investigative Journalists

    sorry, ICIJ = International Consortium of Investigative Journalists

  6. sorry, ICIJ = International Consortium of Investigative Journalists

  7. 23. [...]

    Entfernt, bitte verfassen Sie konstruktive Beiträge und verzichten auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Guter Artikel!"
    • LJA
    • 04.04.2013 um 16:16 Uhr

    Die Welt wird also besser.
    Allerdings wissen wir Konsumenten dieser Enthüllungsplattformen mal wieder nur einen Teil der Wahrheit.
    Wurde wirklich alles veröffentlicht ? Oder doch nur bestimmte Abschnitte, um bestimmten Gruppen zu Schaden und anderen damit zu helfen ?
    Die Plagiate-Jäger geben teilweise ganz offen zu, dass sie nur diejenigen aufs Korn nehmen, deren politische Ausrichtung ihnen nicht passt. Die Vollständigkeit und Richtigkeit von WikiLeaks lässt sich für Aussenstehende gar nicht überprüfen. Und wer sagt uns, dass es nicht genau das Ziel der Vatikan-Veröffentlichungen war, den amtierenden Papst abzuschießen ? Ob mit dem Neuen jetzt wirklich alles besser wird, muß sich erst noch zeigen.
    Auch in Italien und Mexiko gehen die Behörden gerne mal demonstrativ und energisch gegen einzelne mafiöse Gruppen vor. Aber meistens nur gegen einzelne, die kriminelle konkurenz freut sich dann.
    Einige scheinen zu glauben, wer in eine gewisse politische Richtung handelt, der sei automatisch gut und absolut vertrauenswürdig. Da bin ich skeptisch. Wem nützt es letztlich ?

    2 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kommt mir der Gedanke, dass es in dieser Welt möglich ist, das es derjenige ist der verraten oder bekämpft wird, der die Regeln nicht macht. Da stellt sich natürlich immer die Frage wie objektiv ein Aktivist handelt oder ob er eventuell beauftragt wurde. Gleichzeitig wäre es falsch alle dadurch gefunden Information per se als Teufelwerk abzuschreiben. Auch die Politik kann daraus viel lernen.

    Kommt mir der Gedanke, dass es in dieser Welt möglich ist, das es derjenige ist der verraten oder bekämpft wird, der die Regeln nicht macht. Da stellt sich natürlich immer die Frage wie objektiv ein Aktivist handelt oder ob er eventuell beauftragt wurde. Gleichzeitig wäre es falsch alle dadurch gefunden Information per se als Teufelwerk abzuschreiben. Auch die Politik kann daraus viel lernen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service