Die Opposition nutzt die Steueraffäre des FC Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß für Kritik an der Steuerpolitik der schwarz-gelben Bundesregierung. SPD und Grüne sehen sich bestätigt, dass sie im Bundesrat das geplante Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz zu Recht scheitern ließen.

Denn dann wären "Leute wie Herr Hoeneß zum Sonderrabatt unerkannt davongekommen", sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Der SPD-Politiker fährt in Nordrhein-Westfalen ein harte Strategie gegen Steuersünder. Er wurde im Fall Hoeneß auch persönlich: "Mich enttäuscht, dass jemand wie Uli Hoeneß, der Leistung, Disziplin und Geradlinigkeit unerbittlich wie kaum ein anderer fordert, beim Steuerzahlen Anspruch und Wirklichkeit nicht in Übereinstimmung bekommt."

Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück äußerte sich kritisch. Es sei erstaunlich, dass Hoeneß in Erwartung des Abkommens darauf gehofft habe, in der Anonymität zu bleiben, sagte er der Rheinischen Post. "Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell. Für Hoeneß darf es keinen Promi-Bonus geben – aber auch keine Vorverurteilung."

Der Unternehmer und Präsident des Fußballklubs steht unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen den 61-jährigen Wurstfabrikanten. Ob Hoeneß straffrei bleiben könne, müsse jetzt von den Ermittlern sauber geprüft werden, sagte der Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, der Bild am Sonntag. Auf jeden Fall müsse Hoeneß die vorenthaltenen Steuern plus sechs Prozent Zinsen pro Jahr nachzahlen.

"Mindestens zehn Millionen Euro nicht angegeben"

Der Bayern-Präsident hat angeblich zeitgleich mit einer Selbstanzeige im Januar knapp sechs Millionen Euro an das Finanzamt gezahlt – als Abschlag auf eine vermutlich noch höhere Steuerschuld, berichtete die Zeitung weiter. Daraus sei zu schließen, dass "Hoeneß mindestens zehn Millionen Euro Einnahmen nicht angegeben hat", sagte Eigenthaler.

Hoeneß hatte Anfang des Jahres über seinen Steuerberater eine Selbstanzeige eingereicht, um ein Konto in der Schweiz zu offenbaren. Oberstaatsanwalt Heidenreich sagte dem Focus, Gegenstand des Verfahrens sei die "Prüfung auf Wirksamkeit und Vollständigkeit der Selbstanzeige".

Über die Höhe des in der Schweiz unversteuert deponierten Vermögens äußerten sich weder die Staatsanwaltschaft noch Hoeneß. Die Münchner Abendzeitung berichtete, es gehe "um mehrere hundert Millionen Euro, die Hoeneß in der Schweiz" habe.

Hoeneß im Jahr 2005: "Ich zahle volle Steuern"

Uli Hoeneß ist Gründer des Nürnberger Unternehmens HoWe Wurstwaren, das Discount-Supermärkte in europäischen Ländern und den USA mit Rostbratwürstchen beliefert. In Deutschland ist Aldi Süd der größte Abnehmer. Seit 1985 dürfte der Metzgerssohn und frühere Fußballprofi mit der erfolgreichen Wurstfabrik ein großes Vermögen verdient haben.

Dem Focus zufolge ließen Staatsanwälte im März das private Anwesen von Hoeneß in Rottach-Egern am Tegernsee durchsuchen. Mithilfe einer Selbstanzeige kann ein Steuerbetrüger auf ein deutlich geringeres Strafmaß und niedrigere Nachzahlungen hoffen. Dies setzt aber voraus, dass er zum Zeitpunkt der Selbstanzeige keine Kenntnis von Ermittlungen hatte.

2005 hatte Hoeneß der Bild gesagt: "Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern." Als Gastredner bei einer CSU-Vorstandsklausur 2010 behauptete er: "Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher."