US-Präsident Barack Obama ließ keinen Zweifel daran, dass die Schuldigen zur Verantwortung gezogen würden. "Wir finden heraus, wer das war. Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen", sagte Obama, noch bevor er sicher sein konnte, dass die Bombenexplosionen in Boston Terroranschläge waren.

Nach fast zwölf Jahren sind die USA wieder Opfer von Anschlägen im eigenen Land geworden. Seit dem 11. September 2001 sind alle Anschlagsversuche durch strikte Sicherheitsmaßnahmen und die Ermittlungsarbeit von Polizei und Geheimdiensten verhindert worden. Ein Gefühl wachsender Sicherheit machte sich breit. Doch die Anschläge von Boston lassen die Terrorangst wieder aufleben.

Noch sind die Verantwortlichen für die Anschläge von Boston nicht bekannt. Die Bundespolizei FBI und die Geheimdienste gehen bei ihren Ermittlungen von einer Tat radikaler Islamisten oder einheimischer Extremisten aus. Mit beiden Tätergruppen haben die USA traumatische Erfahrungen gemacht.

Als überragendes, schreckliches Monument des Terrors stehen die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001. Die einstürzenden Türme, die mehr als 3.000 Toten haben sich tief ins kollektive Gedächtnis der USA gebrannt und prägen die Politik des Landes bis heute. Als Täter wurden islamistische Terroristen von Al-Kaida ausgemacht. Die Folgen waren ein weltweit geführter Kampf gegen den Terror und eine Kultur des Misstrauens gegen arabisch-stämmige Menschen.

Bislang kein Bekennerschreiben

In Boston gibt es bislang kaum Hinweise auf islamistische Terroristen. Die New York Times berichtete zwar von einem verdächtigen Studenten aus Saudi-Arabien. Er sei bei dem Anschlag verletzt worden und wegen seiner Anwesenheit und Nationalität vernommen worden. Hinweise auf seine Verwicklung in die Anschläge gebe es aber nicht.

Nach islamistischen Anschlägen in den USA hatte es zuletzt jeweils innerhalb von 72 Stunden ein Bekennerschreiben gegeben. Darauf haben Experten des auf die Auswertung islamistischer Websites spezialisierten US-Unternehmens IntelCenter hingewiesen. Bislang gibt es kein solches Schreiben, vielmehr haben extremistische Gruppen wie die pakistanischen Taliban die Verantwortung für die Anschläge in Boston zurückgewiesen.

Anzeichen für Tat weißer Extremisten?

US-Medien und Experten in den USA sehen stattdessen Anzeichen dafür, dass es sich um die Tat von US-Bürgern handeln könnte. Die sogenannten right-wing extremists werden dem rechten politischen Spektrum zugerechnet, ohne dass es sich notwendigerweise um Neo-Nazis oder Rechtsradikale nach europäischem Verständnis handeln muss. Auf ihr Konto gehen zwei Anschläge in den 1990er-Jahren.