NSUWeiteres Verfahren gegen Beate Zschäpe

Gegen die wegen der NSU-Mordserie angeklagte mutmaßliche Rechtsterroristin Zschäpe läuft ein weiteres Verfahren in Erfurt. Es geht um einen versuchten Mord vor 16 Jahren.

Unabhängig von dem bevorstehenden Münchner NSU-Prozess ermittelt die Erfurter Staatsanwaltschaft in einem neuen Verfahren gegen die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe. Es werde dem Anfangsverdacht des versuchten mittäterschaftlichen Mordes nachgegangen, sagte die Erfurter Oberstaatsanwältin Anette Schmitter Hell. Sie bestätigte damit einen Bericht des MDR Thüringen.  

Am Silvesterabend 1996 sollen zwei Hamburger Brüder am Erfurter Hauptbahnhof von drei Personen angegriffen und beschossen worden sein. Aktenkundig wurde der Fall erst im Sommer 2012. Zu diesem Zeitpunkt meldete sich einer der damals Angegriffenen, Dominik Reding, als Zeuge beim Bundeskriminalamt (BKA). Der heute in Berlin lebende Filmemacher ist sich "zu hundert Prozent" sicher, dass es sich bei der Gruppe um Zschäpe und ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt handelte. Die drei sollen später die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gegründet haben.

Anzeige

In der Mitropa-Gaststätte in Erfurt seien sie, deutlich als Punks erkennbar, von zwei Männern und einer Frau attackiert worden, erzählte Reding dem MDR. Als sie zu ihrem Anschluss-Zug nach Ilmenau flüchteten, verfolgte das Trio sie. Einer der Männer habe eine Waffe dabei gehabt und nur deshalb nicht auf sie geschossen, weil im Zugabteil eine Frau mit zwei kleinen Kindern saß.

"Wir hatten an dem Abend Angst um unser Leben", sagte Reding. Aus Furcht vor der rechtsextremen Szene hätten sie damals auf eine Anzeige verzichtet. 

Insgesamt leitete der Generalbundesanwalt im vergangenen Jahr 14 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Bildung oder Unterstützung rechtsterroristischer Vereinigungen ein. Ermittelt wurde dabei gegen 21 Beschuldigte, wie aus einer im Internet veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht. 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ... sah die noch ganz anders aus.

    Das ist doch nur Beschäftigungstherapie für den Sicherhaitsapparat.

    Da ist doch wirklich nichts mehr nachzuweisen.

    Das reicht nur für einen Schauprozess um vonm Versagen des Systems abzulenken.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ..sahen die sicher nicht komplett anders aus (Kameradschaft Jena):

    http://www.nsu-watch.info/2012/02/fotos-der-nsu-in-worms-1996/

    Auf den Photos sind u.a. auch der verdächtigte V-Mann Wohlleben und der enttarnte V-Mann Brandt zu erkennen.

    • bayert
    • 28. April 2013 20:45 Uhr

    wurde tatsächlich geschossen? Warum wurde die Tat nicht sofort angezeigt? Wurden die Brüder verletzt?

    4 Leserempfehlungen
  2. Es sieht so aus, als wäre den Beteiligten jetzt schon klar, dass Zschäpe nichts nachgewiesen werden kann - und dabei kommen jetzt solche nicht nachweisbare Geschichten heraus, mit denen sie diskreditiert werden soll.

    Bisher wurde ihr nur nachgewiesen, dass sie den mutmaßlichen Terroristen den Haushalt besorgte und mit ihnen in den Urlaub fuhr. Alles andere ist an den Haaren herbei gezogen und hanebüchen, da nicht belegbar.

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 4p9xD
    • 28. April 2013 21:56 Uhr

    Was belegbar oder nicht belegbar ist, können Sie getrost die Justiz entscheiden lassen.
    Aber aufgrund eines Zeitungsartikels über so etwas zu urteilen ist mehr als inkompetent.

    hat nur mit denen Urlaub gemacht und die Wohnung besorgt.
    Sie ist eigentlich eine Friedenstaube .
    Kann keinen Menbschen was zu leide tun.

  3. Mehr Details auf SPON:

    "Wir empfanden sie [Zschäpe] in diesem Moment als integriertes Mitglied innerhalb der Gruppe", sagt Dominik Reding. "Wir haben die drei in Aktion erlebt, viele andere haben das nicht überlebt." (...) Der mit der Waffe war völlig hysterisch, flippte total aus, wie ein Kläffer von der Rolle", sagt Dominik Reding. "Er hörte nicht auf, mit der Knarre herumzufuchteln."

    Wie passt das zusammen mit dem Verhalten von Mundlos und Böhnhardt, die nach einem Bankraub mutmaßlich erweiterten Suizid begehen, obwohl im Caravan diverse Waffen zur Verfügung standen, die Ringfahndung der Polizei beendet war und zwei Beamte sie zufällig entdeckten ?

    6 Leserempfehlungen
  4. ..sahen die sicher nicht komplett anders aus (Kameradschaft Jena):

    http://www.nsu-watch.info/2012/02/fotos-der-nsu-in-worms-1996/

    Auf den Photos sind u.a. auch der verdächtigte V-Mann Wohlleben und der enttarnte V-Mann Brandt zu erkennen.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Vor 16 Jahren ...."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie ist sehr gut zu erkennen.......

    • shtok
    • 29. April 2013 1:30 Uhr

    Bitte verzichten Sie auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Danke, die Redaktion/fk.

  5. Sie ist sehr gut zu erkennen.......

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Vor 16 Jahren..."
    • 4p9xD
    • 28. April 2013 21:56 Uhr

    Was belegbar oder nicht belegbar ist, können Sie getrost die Justiz entscheiden lassen.
    Aber aufgrund eines Zeitungsartikels über so etwas zu urteilen ist mehr als inkompetent.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ein Exempel. "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die Justiz aber auch nicht unbedingt. Nicht belegbare Lücken schließt die nicht selten mit Meinungen über Anhaltspunkte und kommt so zum Urteil. Letzteres wird wohl auch in Sachen Zschäpe unterm Strich stehen, denke ich. Es wartet ein spannendes und wahrscheinlich kontroverses Verfahren.

    Wenn man die Fakten, die in den Zeitungen stehen, zusammenfaßt:

    -der "Zeuge" hat, obwohl er Opfer einer erheblichen Straftat gewesen sein will, mehr als 10 Jahre keinen Ton gesagt; aber jetzt, wo die 3 vom NSU in allen Zeitungen waren, will er sie "100%" sicher wiedererkennen?

    - die Verfolger hätten eine Waffe herausgeholt, von der nicht einmal bewiesen werden kann, daß es sie gab, noch daß es sich, wenn das Ereignis tatsächlich stattgefunden hat, um eine echte Waffe handelte., da ja nicht einmal ein Schuß abgegeben wurde.

    - er ist sich sicher, daß nur deshalb nicht geschossen worden sei, weil noch jemand im Abteil gewesen ist. Woher kommt diese Gewißheit, daß die Täter ihm nicht nur ein bißchen Angst machen wollten?

    Alles in allem: wenn da nicht doch noch irgendwo ein paar beweisbare Fakten kommen, dann wird die Beweislage für einen "Mordversuch" ziemlich dünn. Dafür wäre doch wohl mindestens eine belegbare, erkennbar ernst gemeinte Aktion, wie abdrücken aber daneben schießen, notwendig.

    Daher muß man schon den Verdacht haben, daß diese Ermittlungen nur mit Propaganda-Absicht begonnen wurden, da naheliegendere Delikte, wie Körperverletzung, Bedrohung, unerlaubter Waffenbesitz, alle schon verjährt sind.

    • bayert
    • 29. April 2013 9:37 Uhr

    ich kann mir nicht vorstellen, dass Schüsse in einem Hauptbahnhof unbemerkt bleiben. Erstens geht man selbst zur Polizei, wenn man beschossen wurde, zweitens müsste es Zeugen (Ohrenzeugen!) geben, die beim Sicherheitspersonal nachfragen. Der Bahnhof ist am Silvesterabend sicher nicht leer gewesen.
    Wurden die Brüder überhaupt verletzt (durch Schläge)?

  6. steht auch noch zur Auswahl, falls die Anklage gegen Tschäpe zu "dünn" für einen erfolgreichen Prozess für die dt. Generalanwaltschaft ist. Politischer Schauprozess kann ja eigentlich nicht sagen, da die Öffentlichkeit weitgehend ausgeschlossen bleiben soll.

    Die Täter des Attentats in Düsseldorf-Wehrhahn 2000 sind nie ermittelt worden. Normalerweise liegt die Quote bei solchen vermuteten politischen Verbrechen bei über 95 %. 145 Sonderermittler waren da dran und nach 13 Jahren hat noch nicht einmal Kommissarin Zufall eine Spur.

    3 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Beate Zschäpe | Bundesregierung | MDR | Anzeige | Bildung | Bundeskriminalamt
Service