TürkeiViele Tote bei Bombenanschlag an der türkisch-syrischen Grenze

In der türkischen Stadt Reyhanli sind nach der Explosion zweier Autobomben mindestens 40 Menschen gestorben. Das Rathaus der Grenzstadt ist weitgehend zerstört.

Zerstörtes Gebäude nach der Explosion von Autobomben in der südtürkischen Stadt Reyhanli

Zerstörtes Gebäude nach der Explosion von Autobomben in der südtürkischen Stadt Reyhanli  |  ©Cem Genco/Anadolu Agency/dpa

Mehrere Autobomben im Grenzgebiet der Türkei zu Syrien haben mindestens 40 Menschen getötet. Das berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Innenminister Muammer Güler. Außerdem soll es Dutzende Verletzte gegeben haben. Die Anschläge ereigneten sich in der Ortschaft Reyhanli, die acht Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt liegt.

Die Zahl der Toten könne noch steigen, da viele Menschen schwere Verletzungen erlitten hätten, sagte Ministerpräsident Tayyip Erdoğan im türkischen Fernsehen.

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In Fernsehbildern waren massive Zerstörungen zu sehen, eine Explosion hatte ein riesiges Loch in die Straße gerissen. Nach Angaben syrischer Rebellen waren unter den Verletzten auch einige Syrer.

Nach Angaben des türkischen Innenministers explodierten gegen 14 Uhr Ortszeit zwei mit Sprengstoff präparierte Autos unweit des Rathauses, das schwer beschädigt wurde. Andere Berichte sprachen von vier Explosionen in der Stadt, die 60.000 Einwohner hat. Reyhanli ist nicht weit entfernt vom Grenzübergang Cilvegözü, über den viele Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei kommen. 

Über die Hintergründe des Anschlags wurde zunächst nichts bekannt. Außenminister Ahmet Davutoğlu sagte, die türkische Regierung verfolge die Ereignisse genau: "Wir werden solche Provokationen in unserem Land nicht zulassen." Es sei aber noch zu früh für eine Beurteilung des Geschehens, die Ermittlungen seien im Gange.

Angriffe auf syrische Autos und Flüchtlinge

Wie die BBC unter Berufung auf örtliche Medien berichtet, griffen Bewohner von Reyhanli nach dem Attentat Autos mit syrischen Kennzeichen sowie syrische Flüchtlinge an.

Mehrere Stunden nach den Anschlägen am Mittag hat eine dritte Explosion die Stadt an der Grenze zu Syrien erschüttert.  Es habe sich um die Explosion eines Auto-Tanks gehandelt, sagte Innenminister Muammer Güler dem türkischen Fernsehsender NTV am Abend. Zu möglichen Opfern machte er keine Angaben. Die Explosion habe aber nichts mit den Anschlägen vom Mittag zu tun, sagte er.

Die Türkei befürchtet seit Längerem ein Übergreifen des syrischen Bürgerkriegs auf sein Staatsgebiet. Die Gefechte in Syrien haben in den vergangenen Monaten immer wieder zu Zwischenfällen an den Grenzen zur Türkei und zu Israel geführt.

Bereits im Februar hatte es in dem Grenzort Reyhanli einen schweren Anschlag gegeben: Bei der Explosion einer Autobombe waren zwölf Menschen getötet und rund 30 verletzt worden. In der Türkei schlugen in den vergangenen Monaten zudem immer wieder Granaten aus Syrien ein. Die türkische Armee reagierte mehrfach mit Artilleriefeuer.

In Kahramanmaraş, etwa 100 Kilometer Luftlinie von der syrischen Grenze entfernt, sind rund 300 Soldaten der Bundeswehr stationiert. Sie gehören zu einer Nato-Mission mit Patriot-Raketenabwehr-Systemen, die das Bündnismitglied Türkei vor möglichen Angriffen aus Syrien schützen soll.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit differenzierten Beiträgen. Danke, die Redaktion/sam

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    • Visier
    • 11. Mai 2013 17:15 Uhr

    Dazu zitiere ich mal ein paar Zeilen aus der Geschichte:

    "Polen hat heute Nacht zum erstenmal auf unserem eigenen Territorium auch bereits durch reguläre Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen. Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten."

    ...das soll nicht heissen das ich hier eine Verschwörungstheorie aufstellen will.

    ABER

    Man sollte jetzt sehr und sensibel die Tat äußerst genau untersuchen! Wer z.B. das größte Interesse einer türkischen Beteiligung an einem Krieg gegen Syrien hätte.

    Der Zeitpunkt dieses Anschlages ist ebenfalls sehr ungewöhnlich, unmittelbar nachdem Kerry von Beweisen für den Einsatz von Chemiewaffen gesprochen hat.

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  2. 2. [...]

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    Eine Leserempfehlung
    • Visier
    • 11. Mai 2013 17:15 Uhr

    Dazu zitiere ich mal ein paar Zeilen aus der Geschichte:

    "Polen hat heute Nacht zum erstenmal auf unserem eigenen Territorium auch bereits durch reguläre Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen. Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten."

    ...das soll nicht heissen das ich hier eine Verschwörungstheorie aufstellen will.

    ABER

    Man sollte jetzt sehr und sensibel die Tat äußerst genau untersuchen! Wer z.B. das größte Interesse einer türkischen Beteiligung an einem Krieg gegen Syrien hätte.

    Der Zeitpunkt dieses Anschlages ist ebenfalls sehr ungewöhnlich, unmittelbar nachdem Kerry von Beweisen für den Einsatz von Chemiewaffen gesprochen hat.

    20 Leserempfehlungen
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    Assad kann es ja nicht gewesen sein, er will ja keinen Krieg riskieren etc etc....
    Dabei haben die Aleviten in Syrien schon längst mitbekommen, dass eine ausländische Intervention äußerst unwahrscheinlich ist. Vor allem die Türkei schreckt vor den Verlusten eines Krieges ja zurück. Vor diesem Hintegrund ist es sehr wohl möglich, dass sich der alevitische Geheimdienst aus seinem Loch traut. Wer weiß; nach ihrer Logik kann man doch ebenso gut behaupten, Assad versuche die Rebellen zu diskreditieren, indem er ihnen diese Anschläge vorwerfen und die türkische Regierung auf ihre Seite ziehen möchte...
    Ich denke, Assads Geheimdienst versucht über diese Terrorakte die türkische Politik zu beeinflussen. Schon bald wird die alevitische CHP (der politische Arm Assads in der Türkei, stärkste Oppositionspartei und Stellvertreteter türkischer Aleviten) sich zu Wort melden und verkünden, diese Toten seien das Resultat der Syrien-Politik Erdogans, folglich sei Erdogan schuld. Und so wollen einige Gruppierungen die Regierung von ihrer jetzigen Politik abbringen.

    Dieses Zitat ist leider angebracht, mit wird es auch immer ganz unheimlich wenn ich "vermutet" lese. Auch bei "starken Beweisen" (Kerry) schrillen mittlerweile bei mir die Alarmglocken, wenn es sie gibt, dann raus damit, sonst besser den Mund halten.

    "...Man sollte jetzt sehr und sensibel die Tat äußerst genau untersuchen! Wer z.B. das größte Interesse einer türkischen Beteiligung an einem Krieg gegen Syrien hätte.

    Der Zeitpunkt dieses Anschlages ist ebenfalls sehr ungewöhnlich, unmittelbar nachdem Kerry von Beweisen für den Einsatz von Chemiewaffen gesprochen hat....."

    ... dass der Anschlag auf den syrischen Arm der PKK zurückgeht. Die von Öcalan und Karayilan geführte und vom Nordirak aus operierende eigentliche PKK hat vor wenigen Tagen ihren vereinbarten Rückzug aus der Türkei begonnen. Dem syrischen Arm steht ein mit Assad befreundeter Fanatiker und Hardliner vor (ein alter Schulfreund von Bashar), unter dessen Kommando die syrische PKK derzeit für das Regime in Damaskus kämpft. Damit soll wohl der Friedensprozess zwischen der Türkei und dem Hauptarm der türkischen PKK torpediert werden.

    [...]

    Erdogan hhat schin mal seine persönliche Schnellanalyse abgegeben, dass es nur einer geesen sein kann. Dabei spielt auch keine Rolle, dass der Ort der Anschläge merheitlich alawitisch ist, die Türken gegen Erdogan protestieren und ortsansässige Türgen den Kampf gegen die FSA (Faschisten Saudi Arabiens) aufgenommen haben.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/sam

  3. 4. [...]

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    Antwort auf "[...]"
  4. Assad kann es ja nicht gewesen sein, er will ja keinen Krieg riskieren etc etc....
    Dabei haben die Aleviten in Syrien schon längst mitbekommen, dass eine ausländische Intervention äußerst unwahrscheinlich ist. Vor allem die Türkei schreckt vor den Verlusten eines Krieges ja zurück. Vor diesem Hintegrund ist es sehr wohl möglich, dass sich der alevitische Geheimdienst aus seinem Loch traut. Wer weiß; nach ihrer Logik kann man doch ebenso gut behaupten, Assad versuche die Rebellen zu diskreditieren, indem er ihnen diese Anschläge vorwerfen und die türkische Regierung auf ihre Seite ziehen möchte...
    Ich denke, Assads Geheimdienst versucht über diese Terrorakte die türkische Politik zu beeinflussen. Schon bald wird die alevitische CHP (der politische Arm Assads in der Türkei, stärkste Oppositionspartei und Stellvertreteter türkischer Aleviten) sich zu Wort melden und verkünden, diese Toten seien das Resultat der Syrien-Politik Erdogans, folglich sei Erdogan schuld. Und so wollen einige Gruppierungen die Regierung von ihrer jetzigen Politik abbringen.

    4 Leserempfehlungen
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    Alawiten sind keine Aleviten!

    Alawiten sind nicht Aleviten und ich denke nicht, dass diese beiden Gruppen zu einander unbegrenzte Loyalität hegen.

    Die CHP als "alevitisch" zu betiteln ist ebenfalls falsch. Mag sein, dass Aleviten überwiegend CHP Wähler sind, aber deswegen ist die Partei nicht alevitisch. (Auch wenn der Vorsitzende Alevite ist.) CHP selbst würde sich nicht so betiteln.
    Und dass die Opposition diesen Anschlag als Grund benutzen wird um die Regierung in den Dreck zu ziehen ist normal. Das ist Politik, das wird die sie sowieso tun; das tut jede Opposition auf der Welt. Ich würde mir aber wünschen, dass die Opposition bei einem Anschlag auf unser Land Gemeinsamkeit und Zusammanhalt demonstriert. Aber von der CHP erwarte ich eine solche Größe nicht...

    "...CHP (der politische Arm Assads in der Türkei.."

    [...]

    Die CHP ist die Partei Atatürks und hat nicht das Geringste mit Assad zu tun.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/sam

  5. Was habe ich noch vor zwei Minuten gesagt? Gerade lese ich in der türkischen Online Presse, dass sich der CHP-Vorsitzende zu Wort gemeldet hat: "Ich verurteile diesen Anschlag,[...] die Regierung muss ihre Außenpolitik überdenken."
    Ich bin halt ein genialer Analyst.... ok, ich weiß, Selbstlob stinkt :)

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    nicht klar ist jedoch, ob die Leute recht haben. Ausschließen kann ich es bei dem mangelhaften Kenntnisstand den uns die Medien bieten nicht.

    der die CHP als politischen Arm Assads bezeichnet, und sich hier wie ein Kleinkind aufführt, kann in rein gar nichts gut sein.
    Desweiteren kann man bei ihnen eine gewisse Abneigung gegenüber Aleviten herauslesen.
    Man muss kein Genie sein um vorauszusehen, dass die CHP versuchen wird die Außenpolitik für diesen Anschlag verantwortlich zu machen. Wenn man ehrlich ist muss man sogar zugeben, dass diese sich seit dem Syrienkonflikt nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.

    ...

    sie nicht Aleviten und Alawiten unterscheiden, sie haben keine Ahnung wie es scheint.

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/sam

    3 Leserempfehlungen
  7. ... und nicht der syrischen Armee. Viel zu oft verschweigen die Mainstream-Medien, das viele der Rebellengruppen auch gegeneinander Krieg führen.

    Wann ist denn die syrische Armee mit Autobomben schon einmal in Aktion getreten ???

    @ Mandy ... wie kommst du eigentlich auf 120.000 Tote ?

    Wir werden seit Monaten über die Aktivitäten der FSA und ihrer terroristischen Anhänger belogen und desinformiert. Kein Mensch spricht heute mehr vom Bericht der Inspektion der arabischen Liga vom Jahreswechsel 2011/2012 ... und doch wurde in dem Bericht schon alles gesagt, was uns die Medien seither nach Salami-Taktik als "news" verkaufen.

    Eine Revolution wie in Ägypten gab es in Syrien NIE. Es gab auch NIE "tausende von Demonstranten". Und wie diese "friedlichen" Demonstranten in den ersten Tagen Panzer zum bersten brachten, haben sich die Journalisten im Mainstream auch nicht gefragt.

    [...]

    Das treibt die Verbrecher, zu provozieren um den Westen vor der Inbetriebnahme der Verteidigungssysteme durch die syrische Armee, zu einer Invasion zu bewegen.

    Araber sollten sich fragen;

    "Was sind das für Rebellen, wenn sie mit Israel zusammenarbeiten?"

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/sam

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sc
  • Schlagworte Türkei | Syrien | Recep Tayyip Erdoğan
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