Die türkische Polizei hat nach dem verheerenden Doppelanschlag mit mehr als 40 Toten in der Grenzstadt Reyhanli neun Verdächtige festgenommen. Sie seien alle türkische Staatsbürger, zitierten türkische Medien Vizeregierungschef Besir Atalay. Nach seinen Angaben haben die Beschuldigten die Tat teilweise gestanden. 

Nach Angaben türkischer Regierungspolitiker sollen die Täter Kontakt zum syrischen Geheimdienst haben. "Die Leute und die Organisation dahinter sind identifiziert", hatte der türkische Innenminister Muammer Güler vor den Festnahmen dem Fernsehsender TRT gesagt.

"Es ist erwiesen, dass sie Verbindungen zu Organisationen haben, die vom syrischen Regime und seinen Geheimdiensten unterstützt werden", sagte Güler. Auch der stellvertretende Regierungschef Bülent Arinç hatte sich ähnlich geäußert: "Die syrischen Geheimdienste und ihre bewaffneten Organe sind die üblichen Verdächtigen, die hinter solch teuflischen Plänen stecken", sagte Arinç. "Wir wissen, dass die syrischen Flüchtlinge zur Zielscheibe des syrischen Regimes geworden sind." 

Reyhanli sei nicht zufällig zum Tatort geworden, sagte Arinç. Die Behörden würden alles in ihrer Macht stehende tun, um die Täterschaft der Regierung in Damaskus zu beweisen. Vize-Regierungschef Atalay hatte vor den Festnahmen gesagt, die Attentäter seien für die Anschläge nicht direkt aus Syrien gekommen, sondern hätten sich schon in der Türkei befunden.

Syrien bestreitet Vorwürfe

Ein syrischer Minister wies jegliche Verantwortung der Führung in Damaskus für die Anschläge zurück. Syrien habe diese Tat "nicht begangen und würde sie auch niemals begehen", sagte Informationsminister Omran al-Sohbi im syrischen Staatsfernsehen.

Bei dem Anschlag am Samstag starben mindestens 46 Menschen, als am Mittag zwei mit Sprengstoff präparierte Fahrzeuge vor dem Rathaus und dem Postgebäude der Stadt explodierten. Rund hundert Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Cihan verstärkte die Armee ihrer Präsenz entlang der syrischen Grenze.

Die 60.000-Einwohner-Stadt Reyhanli liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt. Mehrere Tausend Bürgerkriegsflüchtlinge haben sich in den vergangenen beiden Jahren in Reyhanli und Umgebung niedergelassen. Sie sind über den Grenzübergang Cilvegözü in die Türkei geflohen. 

Spannung zwischen syrischen Flüchtlingen und Alawiten

Bislang ist noch unklar, ob unter den Anschlagsopfern überwiegend Einheimische oder syrische Flüchtlinge sind. In Reyhanli und Umgebung wohnen viele arabischsprachige Alawiten. Ein Großteil von ihnen sympathisiert mit Assad, der ebenfalls dieser religiösen Minderheit angehört. 

Der Zustrom der meist sunnitischen Flüchtlinge aus Syrien wird von den Alawiten kritisiert. In den vergangenen Wochen kam es laut türkischen Medienberichten mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Türken und Syrern. Auch nach dem Anschlag am Samstag griffen aufgebrachte Jugendliche syrische Autos in Reyhanli an.

Die Führung in Ankara mahnte ihre Bürger zur Ruhe. Sie sollten sich nicht durch den Anschlag provozieren lassen, forderte Staatspräsident Gül. Auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan wies darauf hin, dass die Provinz Hatay, in der Reyhanli liegt, eine besonders sensible Gegend ist. "Einige scheinen dort Zwietracht säen zu wollen", sagte er. Etwa 20.000 bis 25.000 Flüchtlinge leben in dem Gebiet in Lagern, das seit den zwanziger Jahren zwischen Syrien und der Türkei umstritten ist, und noch immer von Damaskus beansprucht wird.

In Reyhanli hatte sich vor drei Monaten schon einmal ein Autobombenanschlag ereignet, bei dem 17 Menschen getötet und 30 weitere verletzt wurden. Ankara machte damals den syrischen Geheimdienst für das Attentat verantwortlich.