Syrien : Türkei nimmt nach Attentat in Grenzregion neun Verdächtige fest

Die Türkei vermutet Mitglieder des syrischen Geheimdienstes hinter den Explosionen in Reyhanli, Syrien bestreitet das. Neun Türken sind festgenommen worden.
Zerstörte Autos nach der Explosion in der südtürkischen Stadt Reyhanli © STR/AFP/Getty Images

Die türkische Polizei hat nach dem verheerenden Doppelanschlag mit mehr als 40 Toten in der Grenzstadt Reyhanli neun Verdächtige festgenommen. Sie seien alle türkische Staatsbürger, zitierten türkische Medien Vizeregierungschef Besir Atalay. Nach seinen Angaben haben die Beschuldigten die Tat teilweise gestanden. 

Nach Angaben türkischer Regierungspolitiker sollen die Täter Kontakt zum syrischen Geheimdienst haben. "Die Leute und die Organisation dahinter sind identifiziert", hatte der türkische Innenminister Muammer Güler vor den Festnahmen dem Fernsehsender TRT gesagt.

"Es ist erwiesen, dass sie Verbindungen zu Organisationen haben, die vom syrischen Regime und seinen Geheimdiensten unterstützt werden", sagte Güler. Auch der stellvertretende Regierungschef Bülent Arinç hatte sich ähnlich geäußert: "Die syrischen Geheimdienste und ihre bewaffneten Organe sind die üblichen Verdächtigen, die hinter solch teuflischen Plänen stecken", sagte Arinç. "Wir wissen, dass die syrischen Flüchtlinge zur Zielscheibe des syrischen Regimes geworden sind." 

Reyhanli sei nicht zufällig zum Tatort geworden, sagte Arinç. Die Behörden würden alles in ihrer Macht stehende tun, um die Täterschaft der Regierung in Damaskus zu beweisen. Vize-Regierungschef Atalay hatte vor den Festnahmen gesagt, die Attentäter seien für die Anschläge nicht direkt aus Syrien gekommen, sondern hätten sich schon in der Türkei befunden.

Syrien bestreitet Vorwürfe

Ein syrischer Minister wies jegliche Verantwortung der Führung in Damaskus für die Anschläge zurück. Syrien habe diese Tat "nicht begangen und würde sie auch niemals begehen", sagte Informationsminister Omran al-Sohbi im syrischen Staatsfernsehen.

Bei dem Anschlag am Samstag starben mindestens 46 Menschen, als am Mittag zwei mit Sprengstoff präparierte Fahrzeuge vor dem Rathaus und dem Postgebäude der Stadt explodierten. Rund hundert Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Cihan verstärkte die Armee ihrer Präsenz entlang der syrischen Grenze.

Die 60.000-Einwohner-Stadt Reyhanli liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt. Mehrere Tausend Bürgerkriegsflüchtlinge haben sich in den vergangenen beiden Jahren in Reyhanli und Umgebung niedergelassen. Sie sind über den Grenzübergang Cilvegözü in die Türkei geflohen. 

Spannung zwischen syrischen Flüchtlingen und Alawiten

Bislang ist noch unklar, ob unter den Anschlagsopfern überwiegend Einheimische oder syrische Flüchtlinge sind. In Reyhanli und Umgebung wohnen viele arabischsprachige Alawiten. Ein Großteil von ihnen sympathisiert mit Assad, der ebenfalls dieser religiösen Minderheit angehört. 

Der Zustrom der meist sunnitischen Flüchtlinge aus Syrien wird von den Alawiten kritisiert. In den vergangenen Wochen kam es laut türkischen Medienberichten mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Türken und Syrern. Auch nach dem Anschlag am Samstag griffen aufgebrachte Jugendliche syrische Autos in Reyhanli an.

Die Führung in Ankara mahnte ihre Bürger zur Ruhe. Sie sollten sich nicht durch den Anschlag provozieren lassen, forderte Staatspräsident Gül. Auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan wies darauf hin, dass die Provinz Hatay, in der Reyhanli liegt, eine besonders sensible Gegend ist. "Einige scheinen dort Zwietracht säen zu wollen", sagte er. Etwa 20.000 bis 25.000 Flüchtlinge leben in dem Gebiet in Lagern, das seit den zwanziger Jahren zwischen Syrien und der Türkei umstritten ist, und noch immer von Damaskus beansprucht wird.

In Reyhanli hatte sich vor drei Monaten schon einmal ein Autobombenanschlag ereignet, bei dem 17 Menschen getötet und 30 weitere verletzt wurden. Ankara machte damals den syrischen Geheimdienst für das Attentat verantwortlich.

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Kommentare

115 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

ÄH ..... schon mal was von Ironie gehört

DAs Patriot System wird in den Zusammenhang deswegen erwähnt, da es für die Sicherung der Gruntze dort hin bordert wurde und man doer Soldaten Stationiert hat.

Das Tat manc nach dem MÖRSERGRANATEN in der Türkei einschlugen um die Türkischen Bürger zu beschützen, nur schon damals frage man sich was ein ANIT-RAKETEN und ANTI-FLUGZUEG system gegen MÖRSERGRANATEN denn bitte machen soll.

Nun zeigt sich wieder das das System eingentlich komplett überflüssig ist und all die tollen Politiker die immer wieder von der Sicherheit gesprochen haben die das System bringen sollte, einfach nicht verstanden haben das in einen Begiet neben einen Bürgerkrieg man kein LUFT-ABWEHR-system braucht.

Auser mann will irgentwann eingreifn und rechnet dann mit echten attacken der Armee.

Deswegen sollter der Kommentar warscheinlich noch mal betohnen wie sinnlos die Aktion war, und das Tema auch noch mal in den Focus rufen, ob es eigentlich noch sinnvoll ist das System und die 300 Soldaten dort zu belassen oder ob man nicht villeicht lieber 300 Plizisten die beim Täglichen miteinander helfen schicken sollte.

Kann man sich bitte mal folgendes ein für allemal...

"...Es ist vor allem die südliche, zu Syrien gelegene Bevölkerung, die gegen einen Krieg ist; also genau der Teil, wo jetzt -Oh Wunder- die Toten zu beklagen sind...."

... klar machen: dass es in dieser Region Teile der Bevölkerung gibt, die mit Assad sympathisieren, bedeutet nicht, dass sie dort eine Mehrheit stellten oder gar einheitlich hinter dem Regime in Damaskus stünden. Es bedeutet nur, dass sie in dieser Region stärker sind als im Rest des Landes.

Aber alleine schon an der Tatsache, dass der Bürgermeister von Reyhanli strammer AKP-Mann ist, der in zwei Wahlen in Folge plus einem Referendum 2010 zuverlässig runde 70% für die AKP holen konnte, sollte eigentlich verdeutlichen, wie die mehrheitlichen Loyalitäten in der Region gelagert sind.

Reyhanli, wie die gesamte Provinz Hatay ist multiethnisch und multireligiös. Araber, Kurden, Türken/Turkmenen, Sunniten, Aleviten, Alawiten, auch Christen leben dort. Unter diesen Gesichtspunkten ist die Region geradezu ein ideales Ziel für Kräfte, die Spannungen und Gewalt zwischen ethnischen und religiösen Strömungen schüren wollen. Wenn wir das alle mal verinnerlicht haben, erklärt sich sehr wohl auch das mögliche Interesse der syrischen Regierung. Es ist durchaus denkbar, dass Assad mittlerweile in einem Übergreifen des Bürgerkrieges auf die Türkei die einzige Möglichkeit sieht, seinen A.... doch noch zu retten.

Das wird dann klar,...

"...Verstehe ich nicht? Wäre für eine Erläuterung sehr dankbar!..."

... wenn Sie sich folgendes vergegenwärtigen: der Krieg innerhalb der Landesgrenzen mag Assads akutestes Problem sein, aber es ist längst nicht sein größtes. So gefragt: was passierte denn, wenn Assad rein hypothetisch alle Rebellen, meinetwegen samt Kindern und Kindeskindern massakrierte und eine Art (temporärer) Friedensruhe erreichte? Wäre das Regime dadurch gerettet? Von wegen. Assad ist am Ende, weil sein Regime angesichts der Umwälzungen der Region in den letzten zehn Jahren ein vollkommen isolierter und anachronistische Pariastaat wäre, isolierter gar, als es selbst Israel jemals war.

Assad muss angesichts der geschlossenen Phalanx an Staaten, die in der arabischen und islamischen Welt eine sunnitisch dominierte Staatsräson entwickelt haben, verzweifelt darum bestrebt sein, mindestens eines der regionalen Schwergewichte - und da ist die Türkei aus vielerlei Gründen am naheligendsten - in ein ähnliches Bürgerkriegschaos zu stürzen, wie er es im eigenen Land hat, nur eben unter anderen ethnischen oder konfessionellen Vorzeichen. Nur wenn in einem Land wie der Türkei ähnliche Zustände Einzug halten, wie in Syrien und sich der Blick der regionalen wie auch überregionalen Staatengemeinschaft vom vergleichsweise kleinen Syrien abwendet, kann Assad als rettenden Strohhalm darauf hoffen, eine Nische für eine weitere Existenz seines Regimes zu finden. Ansonsten ist er am Ende, USA hin, Russland/ Iran her.

Natürlich nicht,...

"...Bei allem Konfliktpotential in der Türkei, aber Assad oder andere werden kaum einen Bürgerkrieg auslösen können!..."

... die Frage ist doch aber nicht, wie realistisch ein solches Szenario ist, sondern der Umstand, dass ein Ertrinkender nach jedem noch so unbrauchbaren Strohhalm greift. In diesem Kontext machen Anschläge wie diese sehr wohl auch aus der Perspektive Assads Sinn.